Zukunftsforum im Ludwig Erhard Haus: IHK-Präsident Sebastian Stietzel begrüßte Teilnehmer und Teilnehmerinnen Unternehmen wirtschaften nicht im luftleeren Raum. Sie sind einerseits auf Ressourcen und Arbeitskräfte angewiesen, anderseits sind sie abhängig von Rahmenbedingungen, die der Standort ihnen vorgibt. Doch was wäre, wenn zentrale Standortbedingungen deutlich besser wären? Was wäre, wenn es nur noch halb so viel Stau auf Berliner Straßen gäbe, was, wenn Berlin weitere internationale Direktflüge hätte oder wenn nur noch halb so viel Bürokratie anfiele? Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen hat im Auftrag der IHK Berlin solche Szenarien entworfen und nachgerechnet: Würde Berlin zum Beispiel die landesseitigen bürokratischen Erfüllungspflichten von Unternehmern halbieren, hätte ein typischer Mittelständler mit 20 Mitarbeitern im Jahr 35 Tage mehr für produktive Arbeit. Auf dem IHK-Zukunftsforum 2026 Anfang September wurden die Studie „Strategie für eine starke Wirtschaftsmetropole“ vorgestellt und die Auswirkungen der Szenarien untersucht. Unter anderem ging es darum, wie sich Wertschöpfung und Beschäftigtenzahlen entwickeln würden. Die Ergebnisse überzeugen. Wie IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner bei der Vorstellung der Studie zusammenfasste: „Erstmals sehen wir schwarz auf weiß, welche Effekte die richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für die gesamte Stadt haben. Wir reden hier von Hebeln, die Milliarden an Bruttowertschöpfung entfalten und damit die Zukunftsfähigkeit Berlins stärken können.“ Die Studie demonstriere, wie konsequentes und zielgerichtetes politisches Handeln Wirkung für die Stadt entfalten könne und die finanziellen Vorteile den Aufwand überwögen. Die Studie war Grundlage für die Diskussion, wie Berlin die vorgeschlagenen Ziele in Stadtentwicklung, Bildung und Verwaltung erreichen kann, und lieferte auch die solide Basis für die sich anschließende Diskussion mit den Berliner Spitzenkandidaten (siehe Seite 12). Ergänzt um internationale Beispiele, die zeigen, wie andere Metropolen mit den Herausforderungen einer wachsenden Stadt umgegangen sind. Den Konferenzauftakt gestaltete Dr. Tim Moonen, Co-Founder und Managing Director von The Business of Cities. In seiner Keynote ordnete er Berlin in den Wettbewerb der großen Metropolen ein und zeigte, dass erfolgreiche Stadtentwicklung heute mehr verlangt als gewachsene Attraktivität und einzelne Leuchtturmprojekte. Entscheidend sei vielmehr, ob eine Stadt ihre Stärken bewusst weiterentwickelt, ihre Grundlagen verlässlich erneuert und politische Prioritäten konsequent auf Wachstum, Innovation und Lebensqualität ausrichtet. Aus dem Blick auf andere internationale Städte wurde deutlich: Berlin verfügt über viele Voraussetzungen einer Weltmetropole – muss diese aber entschlossener in strategisches Handeln übersetzen. In drei parallelen Foren wurde dieser Blick an den Ergebnissen der Studie entlang auf zentrale Handlungsfelder Berlins übertragen. Unter den Schlagworten „Berlin: Your Skills – Your City“, „Berlin: Built for Change – Moving Forward“ und „Berlin: Turning Innovation into Public Impact“ ging es um Bildung und Fachkräfte, Verkehr und Stadtentwicklung sowie Innovation und Verwaltung. Deutlich wurde dabei noch einmal, dass Berlins Zukunftsfähigkeit nicht an einem einzelnen Hebel hängt, sondern am Zusammenspiel von Bildung, Infrastruktur, Verwaltung und wirtschaftlicher Dynamik. Den Abschluss des Fachprogramms bildete der Talk „Why Berlin?“, bei dem Vertreterinnen von Bayer und Delivery Hero sowie IHK-Präsident Sebastian Stietzel noch einmal deutlich machten, warum Unternehmen trotz aller Herausforderungen auf Berlin setzen. Die Gesprächsrunde zeigte den Standort nicht als fertige Erfolgsgeschichte, sondern als Stadt mit großer Anziehungskraft: Internationale Talente, exzellente Wissenschaft, Start-ups, etablierte Unternehmen und Kreativwirtschaft kommen hier in einer Dichte zusammen, die Berlin besonders macht. ■ Manja Schreiner IHK-Hauptgeschäftsführerin Erstmals sehen wir schwarz auf weiß, welche Effekte die richtigen wirtschafts- politischen Rahmenbedingungen für die gesamte Stadt haben. Patrick Schulze, IHK-Senior-Public- Affairs-Manager Konjunktur, Wirtschaftsdaten Tel.: 030 / 315 10-226 patrick.schulze@ berlin.ihk.de In seiner Keynote ordnete Dr. Tim Moonen Berlin in den Wettbewerb der großen Metropolen ein Studie Die acht Szenarien und ihre Auswirkungen online unter: ihk.de/ berlin/studie FOTOS: IHK BERLIN/INES HASENAU Zukunftsforum | 11 Berliner Wirtschaft 10 | 2026
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