Berliner Wirtschaft September 2026

Christian Bräuer Geschäftsführer Seit Mai 2004 ist Dr. Christian Bräuer in der Geschäftsführung der Yorck Kinogruppe tätig. Er ist zudem Präsident des Verbands CICAE, der die Interessen der Programmkinos vertritt, sowie erster Vorsitzender der AG Kino und Präsidiumsmitglied der Filmförderungsanstalt FFA. F ür Dr. Christian Bräuer ist die Filmbranche, so wie die gesamte Kreativwirtschaft, ein wichtiger Wachstumsmotor für Berlin. Das liegt seiner Ansicht auch daran, dass der Senat die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs erkannt und ihn gefördert hat. Bräuer hofft, dass das auch so bleibt, denn gerade die kleineren Kinos sind seiner Ansicht nach ein wichtiger Teil der Kiez- und Stadtkultur, die aber auch künftig immer wieder vor großen Herausforderungen stehen werden. Berliner Wirtschaft: Kinos zählen zur Kreativwirtschaft. Wie kreativ müssen Betreiber von Programmkinos tatsächlich sein? Dr. Christian Bräuer: Im engeren Sinne wird die Kreativleistung natürlich von den Filmschaffenden erbracht. Doch Kinos sind der Schlüssel zum Publikum, wirtschaftlich und gesellschaftlich die Herzkammer für Filme und damit Lokomotive der Wertschöpfungskette. Zugleich erfordern natürlich Filmauswahl und Programmgestaltung, die Gestaltung der Orte oder die Kommunikation auch einiges an Kreativität. Worin liegt die Kreativität bei der Filmauswahl? Filme können heute durch die Digitalisierung deutlich günstiger auf die große Leinwand gebracht werden. Deshalb ist das Angebot stark gewachsen – und damit natürlich auch unsere kuratorische Leistung, die das Publikum von Programmkinos erwartet. Heute ist es selbst für uns teils schwer, das Filmangebot komplett zu überblicken. Vor der Pandemie hat die Yorck Kinogruppe etwa 500 Filme pro Jahr gezeigt. Im vergangenen Jahr waren es über 1.100. Daher gewinnen kuratierte Auswahl, Gestaltung von filmbezogenen Events und Publikumsarbeit massiv an Bedeutung. Kurz: Hinter jedem Film steckt auch für uns eine Menge Arbeit. Wie eng ist Ihr Verhältnis zur Berliner Filmszene? Unser Hauptpartner ist der Filmverleih, viel verbindet uns mit den weiteren Kinos. Aber wir sind auch in engem Kontakt mit vielen Festivals, Filmproduktionen oder direkt mit Kreativen – insbesondere, wenn sie bei uns Filmpremieren feiern, ihre Filme vorstellen. Der gesamte Film- und Kinomarkt – gerade im Bereich Arthouse – ist enorm gewachsen. Das gilt auch für die Berliner Filmszene. Es ist nicht so, dass jeder jeden kennt. Gibt es für Sie so etwas wie den „Berliner Film“? Ja. Filme, die hier in der Stadt spielen und Berlin-spezifische Themen behandeln, die sich mit der Vielfalt dieser Metropole beschäftigen. Für solche Filme gibt es bei unserem Publikum eine hohe Neugier. Generell sind für uns Filme mit urbanen Themen sehr wichtig. Als Betreiber von Programmkinos sind Kunstfreiheit und Filmvielfalt so etwas wie unsere DNA. Wie sehen Sie die Entwicklung Berlins als Standort für Filmproduktionen? „Die Kreativszene zählt zu Berlins Schwerindustrie“ Christian Bräuer ist für die 14 Programmkinos der Yorck Kinogruppe verantwortlich. Er erklärt, warum Filmtheater wieder im Aufwind sind – gerade bei jüngeren Menschen von Michael Gneuss » FOTO: AMIN AKHTAR; ILLUSTRATION: GETTY IMAGES/BOEVTREE FOKUS | Kreativwirtschaft | 26 Berliner Wirtschaft 09 | 2026

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