als 41 Mrd. Euro. Umsatzstärkste Teilmärkte sind mit Abstand die Software- und Games-Industrie (14,1 Mrd. Euro) und die Designwirtschaft (13,8 Mrd. Euro). Weil die meisten künstlerischen und kreativen Leistungen inzwischen digital oder digital unterstützt erstellt werden und es somit immense Schnittmengen gibt, werden die Unternehmen der Kreativ- und Digitalwirtschaft in der Hauptstadtregion zum Cluster Informations- und Kommunikationstechnologe, Medien und Kreativwirtschaft zusammengefasst. Die Kreativ- und Digitalwirtschaft generiert mit einem geschätzten Umsatz von 56,4 Mrd. Euro 14,8 Prozent des Gesamtumsatzes der Berliner Wirtschaft und ist Innovationstreiber auch für andere Branchen. Während die Digitalwirtschaft den Wirtschaftsstandort Berlin maßgeblich als Zentrum für Technologie prägt, unterstützt die Kreativwirtschaft als internationaler Hotspot für Kultur und Kreativität vor allem die lokale Tourismuswirtschaft. Internationale Strahlkraft Berlin lockt Gäste mit rund 170 großen und kleinen Museen, dazu kommen mehr als 150 Theater und Bühnen aller Genres, die im vergangenen Jahr gut 3,3 Millionen zahlende Besucher registrierten. Fast 100 Kinos und damit die meisten in Deutschland gibt es in der Hauptstadt, und hier werden neben der Berlinale knapp 50 weitere Filmfestivals ausgerichtet. Rang und Namen hat auch die Clubszene Berlins mit ihren 280 Locations, darunter 70 größere Clubs wie Berghain, Tresor oder KitKat. Und mit etwa 290 Galerien für klassische Moderne und zeitgenössische Kunst – darunter die East Side Gallery, die längste Open-Air-Galerie der Welt – zählt Berlin zu den führenden Kunstmetropolen Europas. Die Kreativwirtschaft besitzt aber nicht nur internationale Strahlkraft, sondern ist auch wirtschaftlicher Wachstumsmotor und Impulsgeber für die gesamte Stadtgesellschaft. Sie prägt die Attraktivität der Hauptstadt, schafft Arbeitsplätze und beflügelt und inspiriert mit Einfallsreichtum und Produktivität auch andere Branchen der hiesigen Wirtschaft. „Berlin ist für die Kreativwirtschaft nicht einfach nur ein Standort, sondern ein Resonanzraum“, sagt Roman Kaupert, Mitglied des Präsidiums der IHK Berlin, „hier treffen unterschiedliche Szenen, Milieus, Branchen und Perspektiven aufeinander.“ Gleichzeitig sei Berlin offen für neue Ideen, Geschäftsmodelle und Formen der Zusammenarbeit. „Hier entsteht Innovation oft nicht im abgeschlossenen System, sondern an den Schnittstellen zwischen Kultur und Technologie, Design und Stadtentwicklung, Kommunikation und Politik, klassischer Agenturarbeit und digitalen Plattformen.“ Klar sei Berlin manchmal kompliziert, laut, unfertig und widersprüchlich – „daraus bildet sich aber auch Energie, und genau das unterscheidet Berlin von anderen Standorten“. Von diesen Effekten profitiert insbesondere die Games-Branche, für die mit der Standort-Marke GamesCapitalBerlin geworben wird. „Es gibt hier eine hohe Dichte an klugen, kreativen und interessierten Menschen sowie viele Events, Netzwerke, Hochschulen und Ausbildungsorte“, schwärmt Dr. Martin Thiele-Schwez, Geschäftsführer der Playing History GmbH (s. S. 24). „Damit haben wir ein Umfeld mit aktivem Austausch – man trifft Menschen aus Game-Design, Bildung, Kultur, Technologie, Kunst oder Kommunikation und merkt schnell, dass sich daraus neue Perspektiven ergeben können.“ Rund 180 Unternehmen umfasste allein der Games-Kernmarkt der Entwickler und Publisher im vergangenen Jahr, 21 Prozent aller Beschäftigten der deutschen Games-Industrie waren Mitte 2025 in Berlin beschäftigt. Noch in diesem Jahr soll als Leuchtturmprojekt der GamesCapitalBerlin das House of Games Berlin im historischen Lux-Gebäudekomplex in Friedrichshain eröffnet werden – mit Büro-, Co-Working- und Eventflächen sowie Produktionsstudios auf mehr als 10.000 Quadratmetern. „Wir sind dabei, den Um- und Ausbau erfolgreich abzuschließen, sodass in der zweiten Jahreshälfte mit der Innenausstattung begonnen werden kann“, sagt Roland Sillmann, Geschäftsführer der landeseigenen Wista Management GmbH, die seit Anfang des Jahres für Betrieb und Vermarktung verantwortlich ist. Ende 2026 sollen die ersten Mieter einziehen können – darunter große und zahlreiche kleine und mittelgroße Unternehmen. Aber auch Freelancer wie Games-Programmierer und -Designer sollen im House of Games Berlin vertreten sein. „Wir wollen unsere Mieter mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vernetzen und ihr Wachstum zu unserer Aufgabe machen.“ Musikverleger Benjamin Budde, der die von seinem Großvater Rolf Budde senior gegründete Budde Music Publishing GmbH führt (s. S. 22), schätzt Berlin als außergewöhnlich dynamischen Standort, der weniger hierarchisch und oft experimentierfreudiger als andere ist. „Weil 41 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche im Jahr 2024 insgesamt. Veranstaltungen der Kreativwirtschaft Der Branchenkalender ist voll – ein Überblick. Berlin Art Week 9. bis 13. September berlinartweek.de Positions Berlin Art Fair 10. bis 13. September, Flughafen Tempelhof, Hangar 5-6 positions.de DesignDays.Berlin 24. bis 26. September designdays.berlin Filmerbe-Festival Film Restored 21. bis 25. September deutsche-kinema- thek.de. Fantasy Filmfest 2. bis 9. September, Zoo Palast fantasyfilmfest.com FilmPolska 9. bis 16. September, Polnisches Institut Berlin und viele Kinos instytutpolski.pl Festival der Berliner Industriekultur 12. September bis 4. Oktober industriekultur.berlin Musikfest Berlin 28. August bis 23. September berlinerfestspiele.de/ musikfest-berlin Internationales Literaturfestival Berlin 3. bis 12. September literaturfestival.com ILLUSTRATION: GETTY IMAGES/BOEVTREE; FOTO: IHK BERLIN/AMIN AKHTAR FOKUS | Kreativwirtschaft | 20 Berliner Wirtschaft 09 | 2026
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