Keine Freiheit ohne Sicherheit Berlin steht weltweit für Vielfalt und Offenheit. Doch damit das so bleibt, sind Politik und Wirtschaft gefragt. Denn: Sicherheit ist die Voraussetzung für einen attraktiven Wirtschaftsstandort B erlin ist die internationale Stadt der Freiheit, Kreativität und Offenheit. Hier treffen über 170 Nationen, viele Kulturen und Ideen aufeinander. Als gebürtiger Berliner macht mich diese Vielfalt stolz. Sie ist eine unserer größten Stärken und zugleich ein Auftrag: Freiheit braucht Sicherheit. Das eine ist ohne das andere nicht viel wert. Sicherheit ist die Voraussetzung für Freiheit, Wohlstand und gesellschaftliches Zusammenleben. Der jüngste Anschlag im Umfeld des Christopher Street Day hat uns schmerzlich vor Augen geführt, wie verwundbar unsere tolerante Metropole ist. Der Angriff galt nicht einzelnen Menschen, sondern der Freiheit, für die Berlin steht. Anschläge sind in Berlin zum Glück selten. Gewalt allerdings geschieht jeden einzelnen Tag – mit steigender Tendenz. 2025 wurden in Berlin 3.600 Messerangriffe erfasst. In 515 Fällen wurde geschossen – mehr als im Jahr zuvor. Hinzu kommen Diebstähle, Einbrüche und Betrugsdelikte. Es wäre falsch, Berlin pauschal als unsichere Stadt darzustellen. Ebenso falsch wäre es, gefährliche Entwicklungen kleinzureden, denn sie beeinträchtigen unser aller Lebensqualität. Ein sinkendes Sicherheitsgefühl hemmt Investitionen, vertreibt Fach- und Führungskräfte und schwächt Berlin im internationalen Wettbewerb. Als internationale Metropole steht Berlin in Konkurrenz zu Städten wie Paris und London. Die britische Hauptstadt setzt seit Jahren auf KI-basierte Videounterstützung und zeigt: Die Analyse mit künstlicher Intelligenz kann helfen, Gefahren schneller zu erkennen. Auch Berlin sollte neue Technologien nicht aus ideologischen Gründen ausschließen. Voraussetzung sind klare Regeln, Transparenz, Datenschutz und rechtsstaatliche Kontrolle. Sowohl aus der Gesellschaft als auch aus der Wirtschaft wird der Unmut über die aktuelle Situation und insbesondere über das Thema Sicherheit immer lauter. Unternehmen wollen weiterhin darauf vertrauen können, dass ihre Mitarbeitenden sicher zur Arbeit und nach Hause kommen. Unsere Aufgabe ist es, erfolgreiche internationale Erfahrungen klug auf unsere Stadt zu übertragen. Wir müssen Sicherheit so gestalten, dass Freiheit, Vielfalt und Rechtsstaatlichkeit erhalten bleiben. Die Politik ist gefragter denn je. Sie hat keine Zeit, die aktuellen Entwicklungen einfach hinzunehmen, und muss gemeinsam mit der Wirtschaft zügig nachhaltige Lösungen finden. Denn die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit und Sicherheit des anderen bedroht werden. Nur wer sich sicher fühlt, kann Freiheit wirklich leben. ■ Meinung In der Kolumne „Auf den Punkt“ positionieren sich im monatlichen Wechsel Mitglieder des Präsidiums zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen aus ihrer persönlichen Sicht. präsidiumsmitglieder beziehen stellung Birol Becer ist Präsidiumsmitglied der IHK Berlin und geschäfts- führender Inhaber der Ferdinand Dameris GmbH & Co. Strumpf- warenproduktion und -handel KG FOTO: IHK BERLIN/AMIN AKHTAR AGENDA | Auf den Punkt | 12
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