Berliner Wirtschaft Juli/August 2026

Paulus. Moderne, webbasierte Tools und leistungsstarke Videokonferenzlösungen beschleunigen Prozesse und verbessern die Zusammenarbeit. Sollen die neuen Arbeitsmodelle erfolgreich sein, müssen die Führungskräfte umdenken. Paulus: „Deren Rolle hat sich grundlegend gewandelt: weg von der reinen Kontrolle hin zur Moderation und Befähigung. Starre, rigide Abläufe funktionieren heute nicht mehr; gefragt sind eine deutlich höhere Flexibilität und Agilität im Denken und Handeln.“ Im Mittelpunkt steht für Paulus kollaboratives Arbeiten. Entscheidungen und Lösungen entstehen bei der Digitalagentur dabei seltener top-down, sondern im gemeinsamen Austausch im Team. Auch für Miriam Wohlfarth, eine der ersten Fintech-Gründerinnen in Deutschland, ist Flexibilität beim Arbeitsort zwar unerlässlich. Ob jemand zwei oder drei Tage im Homeoffice arbeitet, sei jedoch für den Unternehmenserfolg nicht so wichtig, findet die Co-CEO der Banxware GmbH, die kleinen und mittleren Unternehmen digitale Finanzierungslösungen anbietet. Der größte Wandel sei, dass erfolgreiche Unternehmen heute viel stärker auf die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden schauen und weniger auf klassische Hierarchien setzen würden. Die besten Lösungen entstehen aus ihrer Sicht dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten. KI nur mit Regelwerk Neben den digitalen Tools hat zuletzt vor allem die künstliche Intelligenz die Arbeitsweise massiv verändert. Teams, Slack, Notion, HubSpot, Metabase sowie große Sprachmodelle wie Claude und ChatGPT sind auch bei Banxware Standard. „Die Produktivitätsgewinne sind erheblich, weil wir Informationen schneller verarbeiten und viele administrative Aufgaben automatisieren können“, so Wohlfarth. Aber die Unternehmerin sieht auch die Grenzen der neuen Technologie. Ein KI-System könne Informationen analysieren und Vorschläge machen, aber keine Unternehmenskultur aufbauen und auch keine Verantwortung übernehmen. Für sie besteht die Herausforderung deshalb darin, Technologie sinnvoll in die Arbeitsabläufe zu integrieren und sicherzustellen, dass Menschen dadurch produktiver werden und nicht von immer neuen Tools überfordert sind. Wie Miriam Wohlfarth betont Manuel Mang neben den großen Chancen der digitalen Tools die Herausforderungen. „Entscheidend ist, bei der Einführung von KI-Anwendungen die gesamte Belegschaft mitzunehmen und dabei unterschiedliche Wissensstände, Erfahrungen und digitale Kompetenzen zu berücksichtigen“, so der Geschäftsführer der Interautomation GmbH. Für ihn schafft ein neues IT-Tool nur dann Mehrwert, wenn es von allen verstanden, akzeptiert und im Arbeitsalltag sinnvoll genutzt wird. Für den Anbieter von IT-System- und Hardwarelösungen für den öffentlichen Personennahverkehr ist ein klares und verständliches Regelwerk für den Einsatz digitaler Anwendungen und insbesondere von KI-Tools deshalb ein Muss. „Transparente Leitlinien durch die Einführung einer eigenen AI Policy schaffen Orientierung und die notwendige Sicherheit im Umgang mit neuen Technologien“, ist Mang überzeugt. An ihre Grenzen stößt die KI, wenn Kreativität, zwischenmenschliche Kommunikation oder komplexe Entscheidungsprozesse gefragt sind. So bleibt der Mensch auch in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt der entscheidende Erfolgsfaktor. ■ Oliver Paulus Geschäftsführer Neofonie GmbH Starre, rigide Abläufe funktionieren heute nicht mehr; gefragt sind Flexibilität und Agilität. FOTOS: GETTY IMAGES (4)/TAIYOU NOMACHI, 10000 HOURS, EZRA BAILEY, VM, NEOFONIE New Work | 47 Berliner Wirtschaft 07-08 | 2026

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