Berliner Wirtschaft Juli/August 2026

GmbH, einem IT-Spezialisten für Bürosysteme und IT-Netzwerke, einen der größten Aufreger der jüngsten Zeit in der Hauptstadtwirtschaft. In einer Umfrage der IHK Berlin aus dem März sagten 66 Prozent der Befragten, dass eine Ausbildungsplatzumlage die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes schwächen und nicht das eigentliche Problem am Ausbildungsmarkt lösen würde, nämlich fehlende Berufsorientierung, verbesserungsfähige Schulqualität und mangelhaftes Matching. Klar ist für die Wirtschaft: Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Entsprechend groß sind die Erwartungen an die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Der Countdown läuft. Am 20. September hat Berlin die Wahl, welche Parteien künftig die Geschicke des Landes lenken sollen. Erst vor gut dreieinhalb Jahren, am 12. Februar 2023, hatten die Berlinerinnen und Berliner ihre Stimmen abgegeben, nachdem der Berliner Verfassungsgerichtshof wegen erheblicher Wahlfehler eine vollständige Wiederholung angeordnet hatte. Positionspapier der IHK Berlin „Ich hoffe sehr stark, dass in der heißen Phase des Wahlkampfes endlich über Konzepte für mehr Wachstum gesprochen wird, damit Unternehmen für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sorgen können“, fordert Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin. Dafür brauche es „weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und nicht noch höhere Steuern und Abgaben“, so Stietzel weiter. Der Standort müsse wieder attraktiver für Investitionen werden. „Dazu gehört zwingend ein klares Bekenntnis zum Schutz von Eigentum und fairem Wettbewerb. Enteignungsdebatten sind Gift für Investitionen“, betont der IHK-Präsident. Wichtig sei zudem eine konsequente Strategie zur Sicherung von Fachkräften. „Auch die Politik muss verstehen: Eine wachsende Wirtschaft dient dem sozialen Frieden, sie ist das Fundament einer lebendigen und lebenswerten Stadt.“ (Siehe Interview S. 28.) In einem Positionspapier zur Abgeordnetenhauswahl hat die IHK die Top-Forderungen der Wirtschaft detailliert aufgelistet. Berlin verzeichnete 2025 zwar ein überdurchschnittliches Wachstum von 1,1 Prozent (bundesweit plus 0,2 Prozent) und lag damit im Ländervergleich auf dem dritten Platz. Gleichzeitig verfügt die Stadt über wettbewerbsfähige Unternehmen, eine starke Wissenschaft und innovative Technologien. Die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum sind also da. Doch die lange Liste der Forderungen zeigt: Es brennt an vielen Ecken. „Die Unternehmen brauchen mehr Luft zum Atmen, der Standort muss gestärkt und Fachkräfte müssen gesichert werden“, heißt es im IHK-Positionspapier. Damit verbunden ist eine klare Absage an höhere Steuern, neue Steuern oder zusätzliche Abgaben wie die Ausbildungsplatzumlage. Bürokratieabbau und die rasche Umsetzung der Verwaltungsreform sollten Priorität haben. Die Standortqualität könne unter anderem durch einen beschleunigten Wohnungsbau, stärkeren Wissenstransfer, den Ausbau der Investitionen, ein ausreichendes Angebot an Industrie- und Gewerbeflächen sowie eine bessere internationale Einbindung der Wirtschaft steigen. Dazu gehört für die IHK auch eine bessere internationale Anbindung des Flughafens. „Um den Fachkräftemangel als zentrales Wachstumshemmnis für die Berliner Wirtschaft zu bekämpfen, müssen Matching zwischen Unternehmen und Bewerbenden durch die Arbeitsagentur optimiert, flexible Arbeitszeitmodelle unterstützt und Betreuungsangebote ausgebaut werden“, so eine weitere Forderung. Welche Aufgaben die neue Regierung priorisieren solle, das wissen die Unternehmen genau. Neben einer digitalen, leistungsfähigen und bürokratiearmen Verwaltung (65 Prozent) und dem Bau von mehr Wohnraum (40 Prozent) nannten 35 Prozent den Schutz kritischer Infrastruktur als vorrangig, so die Umfrage aus dem März 2026. Wie katastrophal die Folgen von mangelndem Schutz etwa der Stromnetze sind, erlebte Berlin in kurzer Zeit gleich zweimal. Im September 2025 führte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Treptow-Köpenick dazu, dass zeitweise rund 50.000 Haushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe im Südosten Berlins ohne Strom waren. Der Ausfall dauerte etwa 60 Stunden. Im Januar 2026 legte ein weiterer Brandanschlag Teile des Berliner Südwestens lahm. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe waren bis zu 62 Stunden ohne Strom. Der Stromausfall gilt als der bislang längste der Nachkriegsgeschichte. Was sich Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer konkret wünschen, reicht von großen Reformen Kerstin Ehrig-Wettstaedt Geschäftsführerin Ehrig GmbH Trotz versprochener Entbüro- kratisierung müssen neue Vorschriften umgesetzt werden, die keine Wertschöpfung bringen. Kevin Kreker Geschäftsführer Kreker Consulting Die Politik sollte mehr Anreize schaffen, in die Selbstständigkeit zu gehen, anstatt Hürden aufzubauen. FOTO VORHERIGE DOPPELSEITE: GETTY IMAGES/GOLERO; FOTOS: EHRIG GMBH, KREKER CONSULTING, VANESSA SEIFERT FOKUS | Abgeordnetenhauswahl | 24 Berliner Wirtschaft 07-08 | 2026

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