Berliner Wirtschaft Juni 2026

Fabian Ahlberg: Aus Unternehmenssicht muss ich sagen: Am Anfang ist die Hürde schon recht hoch. Ohne Erfahrung ist es schwer einzuschätzen, welche Vorgaben erfüllt werden müssen, welche Dokumente erforderlich sind und wo die richtigen Ansprechpartner sitzen. Wir haben uns 2015 mit dem Umzug nach Adlershof in die Thematik eingearbeitet, als wir hier am Standort die neue Produktionshalle und das neue Verwaltungsgebäude gebaut haben. Seitdem haben wir Erfahrungen gesammelt, mit denen wir sehr viel schneller neue Fördermaßnahmen umsetzen können, um keine Aufträge aus Kapazitätsgründen ablehnen zu müssen. Herr Kube, ist es wirklich so kompliziert, Förderungen zu beantragen? Raphael Kube: Ich glaube schon, dass es am Anfang nicht ganz einfach ist. Für eine gewisse Zeit ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema nötig. Aber ich denke, dass es danach schnell ein Stück weit zur Routine wird. Man sieht am Beispiel Ahlberg, dass es sich am Ende lohnen kann. Wer ist denn in Berlin zentraler Ansprech- partner für Unternehmen, die sich für Fördergelder interessieren? Raphael Kube: Die Kundenberatung der IBB, also die Abteilung, der ich vorstehe, ist ein guter erster Ansprechpartner. Wir haben ein Team von zwölf Beraterinnen und Beratern, die sich in den verschiedenen Branchenclustern gut auskennen. Letztlich muss nur das Vorhaben klar formuliert werden, dann kommen wir mit den Unternehmen in gute Gespräche, um Fördermöglichkeiten zu identifizieren. Herr Ahlberg, haben Sie auch schon schlechte Erfahrungen mit Förderanträgen gemacht? Fabian Ahlberg: Eigentlich nicht. Aber ich vermisse Fördermöglichkeiten. Es gibt ein riesiges Potpourri an Förderprogrammen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Doch nirgendwo können wir den enormen Aufwand fördern lassen, der für branchenspezifische Zertifizierungen entsteht. Als ehemaliger reiner Autozulieferer reduzieren wir bewusst unsere Abhängigkeit von der Autoindustrie. Wenn wir Anfragen aus der Medizintechnik oder der Luft- und Raumfahrt erhalten, werden entsprechende Zertifizierungen und Qualitätsstandards vorausgesetzt. Dafür müssen wir unter anderem Mitarbeitende weiterqualifizieren und unser Qualitätsmanagement umfassend anpassen. Das bedeutet jedes Mal einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Ich wünsche mir deshalb gezielte Unterstützung für Unternehmen, die sich in solchen Transformationsphasen neue Branchen erschließen wollen. Herr Kube, gibt es typische Fehler, die Unternehmen bei Förderanträgen machen? Raphael Kube: Wir erleben immer wieder ärgerliche und unnötige formale Fehler – so zum Beispiel, wenn eine Maschine bereits angeschafft oder beauftragt wurde und erst danach der Förderantrag gestellt wird und somit die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind. Ein anderes Problem ist, dass die Erwartungen, beispielsweise hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen, in der Fördermittelbeantragung zu optmistisch – und somit nicht mehr glaubwürdig – dargestellt werden. Sie sollten so formuliert sein, dass auch konjunktureller Gegenwind das Projekt nicht auf den Kopf stellt und Fördergelder nicht zurückgezahlt werden müssen. Gut vernetzt Kontakt zu Fabian Ahlberg auf LinkedIn über den QR-Code: Es gibt ein riesiges Potpourri von Förderungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Fabian Ahlberg FOTOS: AMIN AKHTAR Berliner Wirtschaft 06 | 2026

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