Berliner Wirtschaft Juni 2026

Wie gelingt der Aufbau eines leistungsstarken DefTech-Ökosystems in Berlin, und welche Chancen ergeben sich daraus für Start-ups, Mittelstand und Industrie? Diese Fragen standen im Fokus der IHK-Konferenz „Innovativ. Vernetzt. Verantwortungsvoll“ Ende April. Mit rund 30 Speakerinnen und Speakern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und gut 250 Gästen wurde im Ludwig Erhard Haus diskutiert, wie die Hauptstadtregion ihre Innovationskraft künftig noch stärker für gesellschaftliche Resilienz und Verteidigungsfähigkeit einsetzen kann. Ausgangspunkt dieser notwendigen Diskussionen ist die veränderte geopolitische Lage und die wachsende Bedeutung von Innovationen, technologischer Souveränität und zivil-militärischer Zusammenarbeit. „Sicherheit, Resilienz und Verteidigungsfähigkeit sind keine abstrakten Kategorien mehr. Sie sind Voraussetzung für Freiheit, Wohlstand und wirtschaftliche Stabilität“, betonte Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, zu Beginn der Konferenz. Dies sei auch längst nicht mehr lediglich Sache von Außen- und Verteidigungspolitik, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ohne die Wirtschaft, ohne starke und innovative Unternehmen nicht zu leisten sei. „Berlin trägt hierbei eine besondere Verantwortung – als Hauptstadt und als politisches und wirtschaftliches Zentrum“, so Manja Schreiner weiter. Beste Voraussetzungen für DefTech Gleichzeitig – darüber gab es große Einigkeit unter den Experten und Gästen – verfügt Berlin mit seiner dichten Forschungslandschaft, einem starken Start-up‑Ökosystem und spezialisierten Industrieunternehmen über beste Voraussetzungen, um ein starkes DefTech-Ökosystem aufzubauen. Daraus ergeben sich wiederum große Potenziale für neue Partnerschaften und Wertschöpfung im Sicherheits- und Verteidigungsbereich für Berlin und Ostdeutschland insgesamt. Diese Innovationskraft soll fortan über die Initiative „TechHUB SVI Ost“ gebündelt und koordiniert werden, die der Regierende Bürgermeister Kai Wegner gemeinsam mit den landeseigenen Wirtschaftsförderungen, der IHK Berlin und den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg bei der Konferenz ins Leben rief. Unter dem Arbeitstitel „TechHUB SVI Ost“ sollen Netzwerkstrukturen und Formate mit Bundeswehr, Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und Wissenschaft geschaffen werden, die Innovationen schneller in die Anwendung bringen. Ziel ist es, mithilfe des technischen Know-hows und der Berliner Expertise in Schlüsseltechnologie innovative Lösungen für konkrete Bedarfe von Bundeswehr, Blaulichtorganisationen und zum Schutz kritischer Infrastrukturen zu entwickeln. Entscheidend ist dabei die enge Einbindung des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) und der Beschaffungs- und Kommandostrukturen der Bundeswehr. Der stellvertretende Abteilungsleiter Innovation und Cyber aus dem BMVg, Eckart Meyer-Höper, gab dazu einen Einblick, wie sich Innovations- und Beschaffungsprozesse der Bundeswehr zunehmend für Start-ups, KMU und Forschungsakteure öffnen. In der Ukraine zeige sich die enorme Bedeutung von Agilität, technologischer Stärke und Entwicklungsdynamik für die Verteidigungsfähigkeit. Von Drohnen bis Mondrovern Wie leistungsstark der Standort Berlin bereits heute im Defence- und Dual-Use-Bereich ist, zeigten bei der Konferenz konkrete Praxis- beispiele von Berliner Unternehmen. So stellte das Unternehmen Germandrones vor, wie in Berlin entwickelte Drohnensysteme über die Jahre weiter spezialisiert wurden, in großer Stückzahl produziert werden und mittlerweile auch international im Einsatz sind. Das Start-up LiveEO gab Einblicke in KI‑basierte Satellitendatenanalyse zur Überwachung kritischer Infrastrukturen, und der Marienpark Berlin präsentierte den neuen Resilience Technology Campus in Tempelhof, auf dem spezielle Forschungs-, Test- und Produktionsflächen für sicherheits- und verteidigungsrelevante Technologien geschaffen werden. Und auch im AI-Berlin-Showroom vor dem Konferenzsaal gab es Defence- und Dual-Use Innovationen „made in Berlin“ im wahrsten Sinne des Wortes zum Anfassen: von KI-gestützter additiver Produktion komplexer Metallteile (Neoforge.ai) bis hin zu einem Rover, den das Berliner Start-up Neurospace gerade erst als Teil der Mondmission der Nasa ins All geschickt hat. ■ Manja Schreiner IHK-Hauptgeschäftsführerin Sicherheit, Resilienz und Verteidigungsfähigkeit sind keine abstrakten Kategorien mehr. Position Weitere Informationen auf der IHK-Website unter: ihk.de/berlin/position-defence 1 Staatssekretär Florian Hauer und IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner mit dem Mondrover, den Neurospace um Mission Managerin Heylen Polo und CEO Irene Selvanathan (v. r.) entwickelt hat 2 Eckart Meyer-Höper aus dem Bundesverteidigungsministerium (M.), auf dem Podium mit Staatssekretär Dr. Severin Fischer 3 Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner rief im Ludwig Erhard Haus die Initiative „TechHUB SVI Ost“ mit ins Leben FOTOS: IHK BERLIN/KONSTANTIN GASTMANN Resilienz | 11 Berliner Wirtschaft 06 | 2026

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