Berliner Wirtschaft Mai 2026

Links: Montage eines Dieselmotors aus der Kämper-Produktion. Oben: Im durch den Krieg zerstörten Werk in Berlin-Marienfelde wird nach 1945 die Produktion wieder aufgenommen Heinrich Kämper kam aus Siegen nach Berlin, um Maschinenbau zu studieren. 1899 schloss er ab, um vor genau 125 Jahren sein Unternehmen zu gründen. Denn er glaubte an den Motor und seine Zukunft. Er war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt und Chef einer von 32 Fabriken in Berlin, die sich dem Bau von Verbrennungsmotoren widmeten, und zwar für das neuartige Automobil. Genau hier sah Kämper Chancen für ein eigenes Unternehmen und griff unter der Telegrammadresse „Selbstfahrer Berlin“ (deutsch für: „auto mobil“) die Konkurrenz an. Zunächst entwickelte er in seiner Werkstatt in der Kurfürstenstraße einen Einzylinder-Benzinmotor mit 3,5 PS, der in Kraft- und Wasserfahrzeuge eingebaut werden konnte. 1903 bereits präsentierte er mehrere Modelle auf der Internationalen Automobil-Ausstellung Berlin. Mit zwanzig Mitarbeitern werkelte er an der Verbesserung seiner Motoren, wagte sogar eine Sechszylindermaschine mit 150 PS zu einer Zeit, in der Motoren dieser Größe noch nicht üblich waren. In den folgenden Jahrzehnten kamen Kämper- Motoren vor allem in Schifffahrt und Landwirtschaft zum Einsatz: von Hafenbarkassen bis zu Traktoren. Vor allem Russland war ein großer Absatzmarkt, auf dem Kämpers nun in Marien- felde gefertigten Einbaumotoren sogar Wettbewerbspreise gewannen. 1909 experimentierte Kämper im Auftrag der Teltowkanal AG mit Rohölmotoren, ab 1923 waren diese Dieselmotoren das Hauptgeschäft. Trotz der Krisen der 1920er-Jahre konnte 1925 der kompressorlose Dieselmotor für Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden und 1930 der serienstabile Motor Typ D120. 1934 schied der Gründer aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand des Unternehmens aus – ob politische Erwägungen nach 1933 auch eine Rolle gespielt haben, ist unbekannt. 1939 erwarb die Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft (DEMAG) die Aktienmehrheit und gliederte Kämper in den Verbund des Rüstungskonzerns ein. Auf dem Werksgelände in der Großbeerenstraße in Marienfelde wurde ein Zwangsarbeiterlager eingerichtet. Nach 1945 – 80 Prozent der Anlagen waren zerstört oder demontiert – stellte die „Kämper Motoren GmbH“ Boots- und Einbaumotoren für Lastwagen und Stromerzeugungsanlagen her. Nach anhaltenden Verlusten verkaufte die DEMAG das Unternehmen 1963. Doch die Fabrik für Öl- hydraulik in Marienfelde besteht weiter – ab 1974 unter Führung von Volvo, ab 1993 als InLine. ■ Vor 125 Jahren setzte Heinrich Kämper auf Verbrennungsmotoren und machte Berlin zu einem wichtigen Standort für zukunftsweisende Mobilität von Björn Berghausen (BBWA) Mit großem innerem Antrieb Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA Historie | 43 Berliner Wirtschaft 05 | 2026

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