Wie der Funke bei jungen Menschen überspringt, das wissen Marcel Schneider und Stefanie Werner sehr gut. Bei Besuchen von Schulen geben der Leiter Ausbildung und die Ausbilderin der Berliner Profine GmbH Einblicke in die Ausbildung und zeigen, wie der Arbeitsalltag beim Hersteller von Kunststoff-Profilen für Fenster und Haustüren aussieht. „Bereits ab der siebten Klasse positionieren wir uns als Arbeitgeber bei den Schülern und bieten Praktika im Unternehmen an, sei es für einen Tag oder auch länger“, sagt Werner. Nach dem Halbjahreszeugnis der zehnten Klasse können Schüler mit ihnen konkret über Ausbildungsberufe sprechen, die sie interessieren, und sogar in der Schule Bewerbungsgespräche führen. „Das senkt die Hemmschwelle enorm, weil viele in dem Alter vor Vorstellungsgesprächen in einer Firma noch Angst haben oder den Aufwand scheuen“, berichtet die Ausbilderin. Gleichzeitig nutze man die Chance, um frühzeitig auf Einstellungshürden wie unentschuldigte Fehltage, Fehlstunden und Verspätungen hinzuweisen. Die innovative Idee kommt bei den Schülern gut an. Von 17 Stellen, die Profine im vergangenen Jahr mit Azubis besetzen konnte, wurden sieben an den Schulen direkt rekrutiert. Von den rund 450 Mitarbeitenden in Berlin sind zehn Prozent in der Ausbildung – etwa zu Kunststofftechnologen, Elektronikern für Betriebstechnik, Mechatronikern, Fachkräften für Lagerlogistik, Industriekaufleuten, Werkzeugmechanikern und schließlich auch duale Studenten. Sehr genau schauen sich die Personaler die angehenden Fachkräfte in der viermonatigen Probezeit an. „Wir sehen das als Testlauf für beide Seiten“, unterstreicht Schneider. Auch die Azubis können feststellen, dass Unternehmen oder Lehrberuf doch nicht gut zu ihnen passen. Um die hohe Übernahmequote von 80 Prozent stabil zu halten, wird nicht nur sorgfältig ausgewählt, sondern auch die Ausbildung eng begleitet. So treffen sich alle Auszubildenden des ersten Lehrjahres vom Hauptsitz in Pirmasens und vom Berliner Produktionsstandort auf halber Strecke, um eine Woche lang im Team-Camp Präsentationstrainings zu üben oder auch durch Teamspiele enger zusammenzuwachsen. Gleichzeitig lernen sie den Eigentümer kennen, der viel Wert auf den Austausch mit dem Nachwuchs legt. „Wir möchten eine enge Bindung an das Unternehmen aufbauen“, so Werner. Zum Abschluss des Camps setzen die Azubis gemeinsam ein nachhaltiges Projekt um, zuletzt legten sie am Firmensitz in Marienfelde eine große Blumenwiese an. Einmal im Monat treffen sich zudem alle Azubis, um aktuelle Themen und Probleme zu besprechen. Viel Zeit investiert Profine schließlich in die Unterstützung bei der Vorbereitung zur Prüfung. Dazu gehören zum Beispiel zahlreiche Inhouse-Seminare und Kooperationen mit anderen Firmen. Azubia-Area zum Lernen und Kickern Wie alle Mitarbeitenden profitieren die Auszubildenden von umfangreichen Benefits. „Besonders beliebt sind die Zuschüsse zum BVG-Ticket und zu den Mahlzeiten in unserer Kantine“, so Schneider. Gut angenommen wird auch die Azubi-Area, ein Raum mit Lernbereichen, Arbeitsplätzen und Kicker, der bewusst eine jugendliche Atmosphäre schafft. Hier finden interne Azubikonferenzen, Workshops und Seminare statt. Zudem empfängt Profine hier Schulklassen. Last but not least betreibt Profine eine Ausbildungswerkstatt, in der die Azubis aus den gewerblich-technischen Berufen eine Grundausbildung im Schleifen, Bohren et cetera erhalten. Nur bei einem Thema muss Profine passen. Mobiles Arbeiten bietet das Industrieunternehmen den Schulabgängern nicht an. Das Lernen zu Hause sei weniger effektiv, nur im Unternehmen könne man die Azubis richtig anleiten. „Außerdem geht die Bindung zum Unternehmen verloren“, sagt Stefanie Werner. Nach Ende der Ausbildung sei mobiles Arbeiten jedoch möglich, sofern es die Aufgabe zulässt. ■ Die Profine GmbH stellt Kunststoff-Profile für Fenster her. Seinen Fachkräftenachwuchs bindet das Unternehmen frühzeitig eng an sich Ausbildung mit Teamspirit Gut vernetzt Der QR-Code führt zu Stefanie Werner auf LinkedIn: 17 Ausbildungsplätze hat Profine im vergangenen Jahr in Berlin besetzt, davon sieben durch direkte Schulkontakte. FOTO: CHRISTIAN KIELMANN Fachkräfte gewinnen | 23 Berliner Wirtschaft 05 | 2026
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