Berliner Wirtschaft Mai 2026

Großer Pluspunkt aus der Sicht von de Grandis: Das von vielen Arbeitgebern kritisierte komplizierte Anwerben ausländischer Fachkräfte, insbesondere aus Drittstaaten außerhalb der EU, sei einfacher geworden, seitdem die Bundesregierung Ende 2023 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz reformiert habe. Trotz der zunehmenden Kritik an der Standortqualität übe Berlin zudem immer noch einen großen Reiz auf internationale Fachkräfte aus, weil es viele internationale Arbeitsplätze und eine große Offenheit gegenüber internationalen Talenten gebe. Demografische Entwicklung verschlechtert Auch wenn sich die Situation bei den Fachkräften aktuell etwas entspannt, gibt es keinen Grund für Entwarnung. Allen voran, weil sich die demografische Entwicklung deutlich verschlechtern wird. Laut Fach-und Arbeitskräftemonitor der IHK Berlin gehen bis zum Jahr 2035 etwa 412.000 Beschäftigte beziehungsweise rund 520.000 Erwerbstätige in den Ruhestand. Schon heute blieben etwa 45.000 Arbeitsstellen unbesetzt, so der Monitor. Die IHK Berlin rechnet damit, dass diese Zahl bis zum Jahr 2035 auf mehr als 163.000 steigen könnte. Wie Unternehmen vorausschauend gegensteuern, berichten Experten und Firmen beim Festival der Berliner Wirtschaft am 24. Juni in der IHK Berlin. Das Festival wird in Workshops, Austauschformaten und bei Unternehmenspräsentationen interaktiv und praxisnah beleuchten, wie internationale Fachkräfte gewonnen, Fachkräftepotenziale im Inland gehoben und die Standortattraktivität gestärkt werden können. Dank zahlreicher Best Practices können Unternehmen von anderen lernen und innovative Ideen für die eigene Praxis mitnehmen. Anders als bei klassischen Fachveranstaltungen stehen beim Festival der Berliner Wirtschaft praktische Einblicke in die Unternehmen, internationale Perspektiven und politische Impulse im Mittelpunkt. Mehr internationale Fachkräfte für Berlins Unternehmen, das gehört für Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin, ganz oben auf die Agenda. „Wenn wir international wettbewerbsfähiger werden wollen, müssen wir qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland schneller und gezielter gewinnen.“ Internationale Fachkräftepartnerschaften mit Drittstaaten seien dafür ein zentraler Hebel: Sie ermöglichten es, Talente frühzeitig zu identifizieren und bereits im Herkunftsland auf den Berliner Arbeitsmarkt vorzubereiten – fachlich, sprachlich und kulturell. „Mit Projekten wie ,TalentsBridge‘ in Namibia zeigen wir, wie es gehen kann. Jetzt braucht es den politischen Willen, solche Ansätze zu verstetigen und zu skalieren.“ Stille Reserven heben Um Fachkräftepotenziale im Inland zu heben, muss Berlin aus Sicht von Nicole Korset-Ristic, Vizepräsidentin der IHK Berlin, „die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit weder Unternehmen noch Beschäftigte im Wandel zurückbleiben“. Für sie heißt das: „Wir müssen ältere Beschäftigte durch starke Anreize gezielt im Beruf halten, Eltern durch verlässliche Betreuung ihrer Kinder auch in Randzeiten entlasten und allen Zugang zu Bildung ermöglichen – von der frühkindlichen Bildung bis zur Nachqualifizierung im Job.“ So würden die vielen „stillen Reserven“ gehoben, die heute in weiten Teilen noch ungenutzt seien. „Unternehmen, die heute in flexible Arbeitszeiten, digitale Lernformate und moderne Ausbildungswege investieren, sichern die Fachkräftebasis von morgen und stärken den Wirtschaftsstandort Berlin nachhaltig“, so Korset-Ristic. Wie wichtig große Flexibilität ist, wissen vor allem die Chefs kleinerer Unternehmen. Zu ihnen gehört Maya Loerzer, Geschäftsführerin der Globalnorm GmbH. Der Dienstleister und Softwareanbieter sorgt mit gut 20 Mitarbeitenden dafür, dass Produkte alle Vorschriften, Gesetze und Standards beziehungsweise Normen einhalten, bevor sie auf den Markt kommen. „Wir haben von Anfang an sehr viel investiert in unsere eigenen Nicole Korset-Ristic IHK-Päsidiumsmitglied Unternehmen, die in flexible Arbeitszeiten, digitale Lernformate und moderne Ausbildungs- wege investieren, sichern die Fachkräfte- basis von morgen. 412 000 Beschäftigte gehen bis 2035 in Berlin in den Ruhestand. Bis zu 163.000 Stellen könnten dann unbesetzt bleiben. ILLUSTRATION: GETTY IMAGES/VLADIMIR TYURIN; FOTOS: IHK BERLIN/AMIN AKHTAR FOKUS | Fachkräfte gewinnen | 20 Berliner Wirtschaft 05 | 2026

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