Mehr Konnektivität wagen Wer Weltmetropole sein will, darf sich auch bei den Flugverbindungen nicht mit einem Provinzniveau arrangieren Der Namensgeber des BER, Willy Brandt, hat einst gefordert: „Mehr Demokratie wagen“. Ohne Brandt zu widersprechen, heißt es aus wirtschaftspolitischer Sicht für die Hauptstadtregion heute: „Mehr Konnektivität wagen.“ Berlin ist Bundeshauptstadt, Tourismusmagnet und Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturmetropole. Die Verbindungen in die Welt sind dagegen nicht auf dem Niveau einer Metropole. Wer aus Asien oder Amerika nach Berlin, an die Ostsee oder nach Dresden will, muss meist in Frankfurt, München, Istanbul oder London umsteigen. Das erhöht den CO2-Ausstoß, kostet Zeit und mindert die Wettbewerbsfähigkeit. Im Beschluss der Konferenz der ostdeutschen Ministerpräsidenten heißt es treffend: Die Anbindung des BER sei „im internationalen Vergleich untragbar“. Wer Investitionen, Fachkräftezuwanderung, Kongresse, Tourismus und Neuansiedlungen wie eine Weltmetropole will, darf bei der Konnektivität nicht Provinzniveau akzeptieren. Langstreckenverbindungen sind keine symbolischen Prestigeprojekte, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Die schnelle Genehmigung zusätzlicher Start- und Landerechte für internationale Carrier ist ein wichtiger Baustein. Nicht nur Emirates, sondern auch andere Airlines würden gerne nach Berlin fliegen, wenn das Bundesverkehrsministerium sie lässt. Es kann nicht sein, dass westdeutsche Luftverkehrsstandorte geschützt werden, indem neue Langstreckenverbindungen in Ostdeutschland politisch und regulatorisch ausgebremst werden. Kern des Problems sind die hohen Standort- kosten in Deutschland. Die versprochene Reduzierung der Luftverkehrsteuer im Juli ist erfreulich, aber lange nicht ausreichend: Deutschland ist durch Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren und Kerosinvorgaben der teuerste Luftverkehrsstandort überhaupt: Einen Jumbo in Prag statt in Frankfurt oder Berlin landen zu lassen, spart einer Airline Millionen! Hier muss die Bundesregierung endlich nachsteuern, denn einen internationalen Verkehrsträger kann man nicht national besteuern. Der BER hat ein Einzugsgebiet von rund zehn Millionen Menschen, Berlin entwickelt sich wirtschaftlich dynamisch und wächst seit Jahren stärker als der Bundesdurchschnitt. Hinzu kommen große Zukunftsperspektiven – mit der Internationalen Bauausstellung (s. S. 16), der Expo 2035, den Olympischen Spielen 2040, dem 800. Stadtjubiläum und dem 50. Jahrestag des Mauerfalls. Wer Berlin international sichtbar machen will, muss Berlin international erreichbar machen. Deshalb brauchen wir politischen Rückenwind statt kleinteiliger Begrenzungen. Berlin und Ostdeutschland brauchen keine Sonderbehandlung, aber sie haben Anspruch auf faire Bedingungen. Es ist Zeit, mehr Konnektivität zu wagen. ■ Meinung In der Kolumne „Auf den Punkt“ positionieren sich im monatlichen Wechsel Mitglieder des Präsidiums zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen aus ihrer persönlichen Sicht. präsidiumsmitglieder beziehen stellung Robert Rückel ist Geschäftsführer der Deutsches Spionage Museum DSM GmbH und Vizepräsident der IHK Berlin FOTO: AMIN AKHTAR/IHK BERLIN Auf den Punkt | 13 Berliner Wirtschaft 05 | 2026
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