Links: Das Kampfflugzeug von Messerschmitt flog mit einem Holzpropeller aus der Propellerfabrik Schwarz. Oben: Zum Abschluss der Fertigung wurden die Propeller mit einer widerstandsfähigen Lack-Gewebeschicht überzogen Am Anfang, um 1900, war die Fertigung von Propellern für Flugzeuge eine Handarbeit für Tischler – und blieb es bis in die 1930er-Jahre, als Propeller mehr und mehr aus Metall hergestellt wurden. Aber zunächst wurden die „Flugschrauben“ in einem Stück gebaut und aus unterschiedlichen Hölzern, wie Esche und Nussbaum, verleimt. Sie wurden getrocknet und lamellenweise mit Kauritleim zusammengefügt, mit der Bandsäge zugeschnitten und dann mit Hobeln, Raspeln, Feilen und Sandpapier nach Schablone gefertigt und anschließend lackiert. Zum Schluss bekamen sie eine widerstandsfähige Metallkante. Otto Schwarz, der bei seinem Vater das Tischlerhandwerk gelernt hatte, tüftelte an neuen Verfahren für Propeller und erregte Zuspruch bei den kaiserlichen Luftstreitkräften. Diese bestellten so zahlreich, dass Bruder Gustav von der Front zurückkommen durfte, um an der Fortentwicklung mitwirken zu können – auch der Versailler Vertrag von 1919, der dem Deutschen Reich den Flugzeugbau verbot, hinderte sie nicht daran. 1928 meldeten sie weltweit Patente für zwei-, drei- und vierflügelige Propeller an, die nun mit Kopierfräsen unter erhöhtem Maschineneinsatz hergestellt werden konnten. Knapp 30 Beschäftigte zählte der Betrieb 1918, doch in den 1930er-Jahren boomte das Geschäft – nicht nur, aber vor allem mit der Luftwaffe. Schwarz lieferte Propeller für Kampfflugzeuge von Arado, Heinkel und Messerschmitt sowie für Junkers. Tausend Köpfe zählte die Belegschaft im Waidmannsluster Werk, darunter zahlreiche Zwangsarbeiter, die hier und auf der Erweiterung am Hermsdorfer Damm in Baracken untergebracht waren. Den neuen Fabrikbau entwarf der Architekt Egon Eiermann, der später für seine neue Gedächtniskirche bekannt wurde. In Waidmannslust saß ab 1914 außerdem das Propellerwerk Hugo Heine, das als ältester Hersteller Deutschlands gilt. Auch das Luftschraubenwerk Wilhelm Wolff lieferte Propeller made in Waidmannslust aus, die Nähe zu den Argus-Flugmotorenwerken in Reinickendorf und zum Tegeler Flugfeld sprach für den Standort. Das Unternehmen hatte aber noch ein anderes Standbein: Gegründet war es 1882 als Möbel- und Sargtischlerei von Gustav Schwarz und seiner Frau Anna, die auch ein Beerdigungsinstitut leitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg besannen sich die Brüder wieder darauf, Möbelhaus und Tischlerei Schwarz überstanden die Jahrtausendwende. ■ Wie die Brüder Schwarz ihre Tischlerei zum Zulieferer der deutschen Luftfahrt machten – und welches Standbein das Unternehmen nach dem Krieg sicherte von Björn Berghausen (BBWA) Propeller aus Waidmannslust Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA Historie | 45 Berliner Wirtschaft 04 | 2026
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