Berliner Wirtschaft April 2026

Matthias Krinke, Chef der pi4 Robotics GmbH, über seine Gründung vor 32 Jahren und die zunehmende Bedeutung von Robotern von Judith Hyams „Heute lacht mich keiner mehr aus“ In Unternehmen sind Roboter ein echter Gewinn. In welcher Branche sehen Sie für pi4 Robotics derzeit das größte Potenzial? Wir haben uns in der Vergangenheit rein auf die Fabrikautomation spezialisiert. Der Fokus lag auf der Photovoltaik-Branche, Brennstoffzellen oder der Elektroindustrie – so haben wir etwa weltweit Roboter im Einsatz, die die Qualität von Solarmodulen prüfen. Vor sechs Jahren haben wir uns dann für eine Veränderung entschieden. Wir wollten in neue Märkte rein, und der Markt mit dem größten Bedarf ist die Pflege. Wie kann man sich den Einsatz vorstellen? Das heißt, der Roboter kann einfache Aufgaben übernehmen, wie Kaffee holen, Kühlpacks anreichen, den Weg zum Röntgen zeigen, den Koffer zum Taxi tragen – oder er holt den Patienten ein Snickers vom Kiosk, wenn sie das denn essen dürfen. Wir üben das derzeit ganz praktisch mit unserem „Workerbot9“, der in einem Berliner Krankenhaus zum Einsatz kommt und mit Fördermitteln gemeinsam mit der Charité weiterentwickelt wird. Welche Perspektiven sehen Sie für das Robotik-Ökosystem in Berlin? Es ist toll zu sehen, dass in den letzten Jahren viele neue Firmen dazugekommen sind, leider haben wir in den letzten zwei Jahren, bedingt durch die wirtschaftliche Situation, auch Kollegen verloren. Generell bietet Berlin ein gutes Ökosystem, insbesondere auch durch die vielen Hochschulen und natürlich die Berliner Hochschule für Technik mit dem Studiengang Humanoide Robotik. ■ Matthias Krinke wollte schon immer Roboter bauen – seine Vision hat ihn zum erfolgreichen Unternehmer gemacht Lars Mölbitz, IHK-Key-Account- Manager Gesundheits- wirtschaft und Industrie Tel.: 030 / 315 10-439 lars.moelbitz@ berlin.ihk.de B erlin entwickelt sich zu einem ernst zu nehmenden Hotspot für Robotik und ist mit über 130 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sehr gut aufgestellt. Matthias Krinke, Gründer und Generaldirektor von pi4 Robotics, erzählt im Interview, was Stand der Dinge ist und welche Rolle Roboter im Berliner Ökosystem einnehmen. Berliner Wirtschaft: Sie sind mit Ihrem Unternehmen seit 32 Jahren am Markt. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein? Matthias Krinke: Ich wollte schon immer humanoide Roboter bauen. Am Anfang hat man mich dafür ausgelacht – heute lacht keiner mehr. Die Robotik ist heute sehr weit fortgeschritten. Das liegt natürlich an den weltweiten Datenmengen und der Schnelligkeit, mit der man sie verarbeiten kann. Roboter sind ein Hype – in Berlin und global. FOTO: KAROLIN KLÜPPEL Berliner Wirtschaft 04 | 2026 Robotik | 41

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