Berliner Wirtschaft April 2026

Sebastian Stutte Geschäftsführer Nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker hat Sebastian Stutte seinen Wehrdienst bei einem Fallschirmjäger- bataillon geleistet. 2018 gründete er die Tacticaltrim Trading GmbH, 2025 die Spree Concepts GmbH. Über die eigene Website verkauft die Tacticaltrim Trading GmbH „Battle-tested Materials“ an zivile Kunden aus der ganzen Welt. Doch Gründungsidee und Kerngeschäft sind, das Militär für spezielle Anforderungen mit geeigneten Textilien zu versorgen. Seit die Bedrohungslage nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine neu bewertet werden muss, wächst die Nachfrage kräftig. Berliner Wirtschaft: Wie kam es zur Gründung von Tacticaltrim? Sebastian Stutte: Die Idee kam meinem Geschäftspartner Martin Keil und mir vor etwa 20 Jahren, als wir bei der Bundeswehr waren. Damals änderte sich der Auftrag massiv: weg von der Landesverteidigung, hin zum Kampf gegen den Terror. Die Ausrüstung passte plötzlich nicht mehr zu den neuen Aufgaben. In Häuserkämpfen braucht man zum Beispiel viel mehr Munition am Mann als im Schützengraben. Die Standard-Ausrüstung bot Platz für vier Magazine – das reichte hinten und vorne nicht. Also haben wir angefangen, selbst zu basteln, Stoffe aus alten Rucksäcken zu schneiden und Hilfe bei Omas oder Tanten zu suchen, die nähen konnten. Und daraus wurde ein Geschäftsmodell? Genau. Wir wollten Ausrüstung entwickeln, die den neuen Bedarfen gerecht wird. Zuerst war es schwierig, weil die Industrie auf Massenbestellungen ausgelegt war, etwa 200.000 Rucksäcke. Aber es waren immer mehr Spezialeinheiten entstanden, die oft nur aus 200 oder 500 Mann bestanden. Die brauchten Speziallösungen in viel kleineren Stückzahlen, etwa Rucksäcke für Drohnen oder Funkgeräte. Kleine Konfektionäre wollten das liefern, kamen aber nicht an Materialien in Militärqualität heran. Wir haben diese Nische besetzt. Was genau ist Ihre Kernkompetenz? Wir haben das Konzept des Großhandels in diese Industrie eingebracht. Das gab es bis dahin zwischen Industrie und Konfektionsbetrieben nicht. Hier haben wir bis heute eine Alleinstellung. Unser Vorteil war und ist, dass wir aus unserer aktiven Zeit bei der Bundeswehr die Kenntnis der Bedarfe haben. Wer sind heute Ihre Kunden: nur das Militär? Rund 70 Prozent unseres Umsatzes stammen letztlich aus den Bereichen Militär, Polizei und Feuerwehr. Wir beliefern meist nicht die Armeen direkt, sondern die Konfektionäre, die für sie fertigen. Die anderen 30 Prozent kommen über unseren Onlineshop von zivilen Kunden, also Privatpersonen, die eine wetterbeständige Grillabdeckung, eine robuste Bikepacking-Tasche oder einen besonders belastbaren Rucksack nähen wollen. Wir unterstützen das Handwerk auch mit einem Youtube-Kanal, den wir als eine Art Berufsschule sehen. Wir wollen nicht, dass das Handwerk Nähen in Europa ausstirbt. „Die Industrie ist jetzt offener für Verteidigung“ Tacticaltrim handelt seit 18 Jahren mit Stoffen für Militär, Polizei und Feuerwehr. Geschäftsführer Sebastian Stutte und sein Partner entwickeln nun in einer neuen Firma auch Drohnen von Michael Gneuss FOTO: AMIN AKHTAR FOKUS | Defence | 26 Berliner Wirtschaft 04 | 2026

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