Mit einem Investitionsvolumen von 5,5 Mrd. Euro hat die Groth Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 1982 die stattliche Zahl von 145 Wohn- und Gewerbeprojekten realisiert, zum allergrößten Teil in Berlin. Obwohl in der Hauptstadt viel zu wenig Wohnungen gebaut werden, wird Thomas Groth aber keine neuen Immobilienprojekte mehr in Berlin entwickeln. Zuletzt verkaufte das Unternehmen ein Projekt, das in Neulichterfelde 2.500 Wohnungen schaffen soll. Berliner Wirtschaft: In der „Zeit“ wurde vor Kurzem darüber berichtet, wie der Artenschutz Ihr Projekt in Neulichterfelde verzögert hat. Haben Sie das Gelände deshalb wieder verkauft? Thomas Groth: Der Artenschutz ist in Berlin beim Bauen tatsächlich eine große Herausforderung. Aber das war nicht der wesentliche Grund dafür, dass wir ausgestiegen sind. Vielmehr haben unsere beiden Gesellschafter, darunter mein Vater, beide über 80 Jahre alt, entschieden, dass sie nicht mehr wollen. Wir haben das Grundstück 2012 gekauft, zwölf Jahre später waren die rechtlichen Grundlagen für die Bebauung geschaffen worden. Dann gab es weitere Verzögerungen – auch aufgrund des Artenschutzes. Jetzt würde es noch einmal zehn Jahre bis zur Fertigstellung dauern. Irgendwann will man nicht mehr. Was wollten Sie? Danach hat mich mein Vater auch gefragt. Er wollte wissen, ob ich den Wahnsinn noch weitermachen will, und ich habe ihm gesagt: Es macht keinen Spaß mehr. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Uns privaten Unternehmern wird seitens der öffentlichen Verwaltung und auch der Politik immer mehr Misstrauen entgegengebracht. Zweitens: Die Zinsen passen nicht mehr zu den Kosten. Heute kosten die Grundstücke das Dreifache von dem, was wir 2010 gezahlt haben, aber die Zinsen sind heute in etwa auf dem gleichen Niveau wie damals. Hinzu kommen die stark gestiegenen Baukosten. Das passt nicht mehr. Welche Rolle spielt dabei die Bürokratie? In guten Zeiten konnten wir die immer noch irgendwie schultern. Heute funktioniert das nicht mehr. Ehrlicherweise muss man aber sagen: Im Moment scheitern private Wohnungsbauprojekte in der Regel an der Marktlage, da ist es schon fast egal, in welcher Höhe Bürokratiekosten dazukommen. Aber klar: Wir sind in einigen Bereichen komplett überreguliert. Man kann sich da durchbeißen, aber es macht halt keine Freude. Man nimmt es in Kauf, wenn ein vernünftiges Geschäft zustande kommt. Aber die langen Planungsphasen kann heute kaum noch ein privater Entwickler durchstehen. Denn Grundstücke ohne Baurecht werden von Banken nicht finanziert. Das muss man mit eigenen Mitteln durchstehen können. An welchen Stellen hat die Bürokratie Ihnen das Unternehmertum am schwersten gemacht? Artenschutz und Naturschutz sind die größten Verhinderer im Wohnungsbau. Die dafür zuständi- „Es macht keinen Spaß mehr“ Die Groth Gruppe, die in 44 Jahren 13.600 Wohnungen entwickelt hat, wird stillgelegt. Geschäftsführer Thomas Groth erklärt, welchen Anteil die Bürokratie an der Entscheidung hat von Michael Gneuss » Thomas Groth Geschäftsführer Im Jahr 1989 stieg Thomas Groth in die von seinem Vater Klaus gegründete Firmengruppe ein. Er kümmerte sich insbesondere um die Leitung der kaufmännischen Produktentwicklung, das Marketing, den Vertrieb und die EDV. FOTO: AMIN AKHTAR FOKUS | Bürokratieabbau | 28 Berliner Wirtschaft 10 | 2026
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