Berliner Wirtschaft September 2026

E nergiekosten, Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen – da erscheint Nachhaltigkeit für viele Unternehmen schnell wie ein weiteres Thema auf der ohnehin langen To-do-Liste. Doch nachhaltiges Wirtschaften kann Innovationen anstoßen, neue Märkte erschließen und zum Wettbewerbsvorteil werden. Wie das gelingen kann, zeigt die Traditionsdruckerei Königsdruck aus Berlin-Reinickendorf. Alles begann 2016 mit der Frage eines potenziellen Kunden: Sind Ihre Druckprodukte eigentlich vegan? „Ehrlich gesagt, konnten wir das damals gar nicht beantworten“, erinnert sich Paul Kündiger, Geschäftsführer der Königsdruck Printmedien und digitale Dienste GmbH sowie Mitglied der IHK-Vollversammlung. Statt die Anfrage abzutun, begann das Unternehmen zu recherchieren. „Wir haben da wie Investigativjournalisten gearbeitet“, sagt Kündiger. Denn weder Lieferanten noch Hersteller konnten oder wollten zunächst die Frage beantworten, ob tierische Bestandteile in den verwendeten Materialien stecken. Die Recherche brachte schließlich Erstaunliches zutage: Tatsächlich finden sich tierische Bestandteile an mehr Stellen im Druckprozess, als viele vermuten – etwa in Papieren, Farben, Klebstoffen, Lacken, ja sogar in Heftklammern. Nachhaltigkeit beginnt mit Neugier Nach und nach wurden Materialien, Produktionsschritte und bestehende Standards hinterfragt. So entstand ein neuer Blick auf den gesamten Druckprozess und damit die Grundlage für nachhaltige Veränderungen. Für die Entwicklung veganer Druckprodukte arbeitete Königsdruck mit ProVeg zusammen. Die Organisation vergibt das V-Label, das vielen als grün-gelbes Siegel auf veganen Lebensmitteln bekannt ist. Gemeinsam wurden erstmals Kriterien für vegane Druckprodukte entwickelt, auf deren Grundlage nun das V-Label vergeben wird. Gleichzeitig machte der Prozess deutlich, dass „vegan“ und „tierleidfrei“ nicht zwangsläufig dasselbe bedeuten: Während „vegan“ den Verzicht auf tierische Bestandteile beschreibt, geht Königsdruck einen Schritt weiter und berücksichtigt auch, dass bei der Herstellung, der Entwicklung und den eingesetzten Materialien und Betriebsstoffen im gesamten Druckprozess Tierleid vermieden wird. Für Kündiger bedeutet Nachhaltigkeit, nicht nur ein Teilprodukt zu betrachten, sondern die Auswirkungen des eigenen unternehmerischen Handelns entlang der gesamten Lieferkette. Genau darin liegt für ihn auch der Unterschied zwischen echter Nachhaltigkeit und Greenwashing. Nicht ein Siegel macht ein Produkt nachhaltig, sondern die konsequente Weiterentwicklung der gesamten Lieferkette. Langfristig gedacht, wird Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil für Königsdruck. Der Einsatz zahlte sich auch wirtschaftlich aus: Die konsequente Ausrichtung auf eine vegane und tierleidfreie Produktion erschloss Königsdruck neue Kundengruppen und verschaffte dem Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal. Als erste komplett zertifizierte vegane Druckerei gab Königsdruck damit auch wichtige Impulse für die gesamte Branche. Anregungen für andere Unternehmen Königsdruck ist weltweit die erste Druckerei, die zu 100 Prozent vegane Magazine mit Rückstichheftung herstellt. Heute beliefern die Reinickendorfer Kundinnen und Kunden deutschlandweit – es gibt auch Anfragen aus europäischen Nachbarländern. Dabei zeigt Königsdruck, dass nachhaltige Innovation nicht mit einer großen Strategie beginnen muss. Entscheidend ist der Mut, Bestehendes zu hinterfragen und gute Ideen konsequent weiterzuverfolgen. Dazu fünf Impulse aus der Praxis: 1. Klein anfangen. Eine einzelne Idee kann reichen, um Veränderungen anzustoßen. 2. Die richtigen Fragen stellen. Warum machen wir Dinge so, wie wir sie schon immer gemacht haben? Gibt es bessere Alternativen? 3. Lieferanten und Partner einbeziehen. Innovation entsteht häufig gemeinsam – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 4. Mut haben und dranbleiben. Wer neue Wege konsequent verfolgt, kann daraus Wettbewerbsvorteile entwickeln. 5. Mitarbeitenden Raum für Ideen geben. Die besten Impulse kommen oft aus unerwarteten Quellen, vorausgesetzt, sie werden gehört. Damit neue Ideen nicht dem Zufall überlassen bleiben, hat Königsdruck einen sogenannten Zukunftskreis eingerichtet. Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen entwickeln gemeinsam Ideen für die Zukunft des Unternehmens. „Viele Unternehmen sind im Alltag vor allem damit beschäftigt, Brände zu löschen“, sagt Kündiger. Umso wichtiger sei es, sich bewusst Zeit zu nehmen, um über die Zukunft nachzudenken. Für ihn entstehen so Innovationen, die Unternehmen langfristig zukunftsfähig machen. ■ Paul Kündiger Geschäftsführer Königsdruck Nachhaltigkeit lohnt sich für Unternehmen, weil sie dazu zwingt, Prozesse besser zu machen, weil sie Ressourcen schont, Verschwendung reduziert und Innovation vorantreibt. Julia Knack, IHK-Fachreferentin Nachhaltigkeit Tel.: 030 / 315 10-846 julia.knack@ berlin.ihk.de IHK-Service Tipps für Unternehmen auf der Website unter: ihk.de/berlin/nachhaltige-wirtschaft Online-Beitrag Den Text sowie weitere Informationen finden Sie auf der Website der „Berliner Wirtschaft“ unter dem QR-Code: FOTO: KÖNIGSDRUCK PRINTMEDIEN UND DIGITALE DIENSTE GMBH Nachhaltigkeit | 61 Berliner Wirtschaft 09 | 2026

RkJQdWJsaXNoZXIy MzQwNTQxOQ==