Die Filmbranche und die Kreativwirtschaft insgesamt expandieren in der Stadt. Das ist ein Wachstumsmotor für Berlin. Die Kultur- und Kreativszene zählen sozusagen zu Berlins „Schwerindustrie“. Die Zahl der Drehtage wächst. Es kommen viele Produktionsfirmen gern nach Berlin. So gab es gleich zu Beginn des Jahres hier parallel drei Hollywood-Produktionen. Wir erfahren eine starke Unterstützung durch die Senatskanzlei und auch parteiübergreifend im Abgeordnetenhaus für den Film. Das Medienboard ist ein starker, hochkompetenter Partner. Das ist ganz wichtig. Dieses klare Bekenntnis für Berlin als film- und kinofreundliche Stadt brauchen wir auch in Zukunft. Zweifeln Sie denn daran, dass diese Haltung andauert? Auf die Leistung hinzuweisen, gerade vor Wahlen, kann sicher nie schaden. Ich will nicht, dass vergessen wird, wie wichtig dieses Ökosystem für die Stadt ist, wie stark sich die einzelnen Bestandteile befruchten, und dass dies alles keine Selbstverständlichkeit ist. Dahinter stecken harte Arbeit und weitsichtiges politisches Management. Wir haben mit der Berlinale das größte Publikumsfilmfestival der Welt. In keiner anderen Stadt auf der Welt gibt es mehr Kinos als in Berlin. In Berlin ist Arthouse keine reine Nische – dessen Marktanteil liegt bei einem Drittel. Dies schafft natürlich auch eine Anziehungskraft, die auch die vielen Filmschaffenden sehr schätzen. Wie läuft es für die Yorck Kinogruppe: Haben Sie mehr oder weniger Publikum als vor Corona? Wir haben in den Yorck-Kinos deutlich mehr Besucher als vor der Pandemie. Besonders erfreulich ist die Entwicklung beim jüngeren Publikum. Das Durchschnittsalter ist nach der Pandemie von 49 auf 37 Jahre gesunken. Berlin kann aber auch insgesamt stolz sein: Kein anderes Bundesland steht im Vergleich mit der Zeit vor der Pandemie bei den Besucherzahlen so gut da. Kino ist Kiezkultur und ein ganz wichtiger Teil der Stadtkultur in Berlin. Keine andere Freizeit- und Kulturaktivität erreicht auch nur ansatzweise die ganze Vielfalt der Bevölkerung so stark wie die Kinos. Das sollten wir nicht als selbstverständlich hinnehmen. Haben Sie für jedes Ihrer 14 Kinos eine eigene Idee oder würden Sie grundsätzlich überall die gleichen Filme spielen? Wir sind keine Kette, sondern eine Gruppe individueller Kinos. Die einzelnen Häuser sind auf ganz unterschiedlichen Wegen zu uns gekommen. Hinter jedem Kino steht eine eigene Geschichte, zum Teil sogar eine andere Betreiberstruktur. Deshalb brauchen wir für jedes Kino eine eigene Herangehensweise und eigene programmatische Schwerpunkte, die zur jeweiligen Nachbarschaft passen. Zugleich ist der Film nur ein Teil – für ein schönes Kinoerlebnis braucht es viel mehr. Was gehört noch dazu? Architektur, Bild, der Ton, der Komfort im Kinosaal, die Raumtemperatur, der Service des Kinoteams, eine Kultur der Gastfreundschaft, die Atmosphäre im Saal, die Gastronomie – es gibt so viele Komponenten, das Zusammenspiel macht das Kinoerlebnis aus. Doch es geht vor allem auch um die Menschen, denen wir begegnen: Kino ist ein Gemeinschaftserlebnis, Menschen gehen auch ins Kino, um Gleichgesinnte zu finden. Was sind das für Communitys? Grundsätzlich ist unser Ziel, die Vielfalt in unserer Stadt anzusprechen. Das erreichen wir besonders über Filmreihen: Aktuell sind es 15, dazu viele thematische Schwerpunkte. So gibt es zum Beispiel „Mongay“, eine wöchentliche queere Filmreihe, „In the Mood“ für ostasiatisches Kino oder auch „Cine en Español“ für die Spanisch sprechende Community. Wir haben aber auch den Craft Club für gemeinsames Handarbeiten im Kino, der immer voll ist. Christian Bräuer engagiert sich auch ehrenamtlich für seine Branche, unter anderem für das europäische Filmtheaternetzwerk Europa Cinemas Menschen gehen auch ins Kino, um Gleichgesinnte zu treffen. Christian Bräuer FOTO: IHK BERLIN/AMIN AKHTAR FOKUS | Kreativwirtschaft | 28 Berliner Wirtschaft 09 | 2026
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