Eike Paulun, IHK-Politikmanager Tel.: 030 / 315 10-873 eike.paulun@berlin.ihk.de den größten positiven Effekt für das eigene Unternehmen oder die eigene Branche hätte, wird der weitere Bürokratieabbau am häufigsten genannt. Auch bezahlbarer Wohnraum, eine effiziente Verkehrspolitik und eine resiliente Infrastruktur stehen weit oben auf der Agenda. Gefragt nach nur einer Botschaft an die nächste Landesregierung, wünschen sich die Unternehmer vor allem eine wirtschaftsfreundliche Politik, weniger Bürokratie und mehr Umsetzungsstärke. Dass sich das lohnt, zeigen erste Ergebnisse einer von der IHK Berlin beauftragten Studie zur Zukunft der Wirtschaftsmetropole. Würden die Bürokratiekosten aus Berliner Regelungen und deren Umsetzung langfristig halbiert, könnte dies mehr als eine Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung und rund 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen. Für einen typischen Mittelständler mit 20 Beschäftigten entspräche die frei werdende Zeit rechnerisch rund 35 zusätzlichen produktiven Arbeitstagen pro Jahr. Bürokratieabbau ist deshalb kein Verwaltungsthema – er ist handfeste Wachstumspolitik. Gleichzeitig muss Berlin wieder Investitionssicherheit schaffen. Gut ein Drittel der Befragten warnt ausdrücklich vor einer Fortführung der Enteignungs- initiative. Die Sorge ist berechtigt: Berlin braucht bis 2040 rund 272.000 zusätzliche Wohnungen. Drei Viertel des Wohnungsbestands befinden sich außerhalb staatlicher Hand. Wer mehr Wohnungen will, kann deshalb private Investoren nicht gleichzeitig unter Generalverdacht stellen. Vergesellschaftungsdebatten schaffen keinen einzigen Quadratmeter neuen Wohnraum – sie schaffen Unsicherheit. Berlin braucht eine Koalition der Umsetzung Auch neue Steuern, Abgaben und Umlagen wären das falsche Signal. Die Hälfte der Befragten, die sich dazu geäußert haben, warnt vor weiteren Vorschriften und Belastungen. Schon die Ausbildungsplatzabgabe hat viel Vertrauen verspielt. Ausgerechnet in einer Zeit, in der Unternehmen trotz schwieriger Konjunktur zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen haben, werden sie mit neuer Bürokratie und finanziellen Belastungen konfrontiert. Die nächste Regierung sollte diesen Fehler korrigieren und stattdessen gemeinsam mit Schulen und Unternehmen dafür sorgen, dass Basiskompetenzen und berufliche Orientierung gestärkt werden. „Berlin braucht nach der Wahl keine neue Runde von Ankündigungen, sondern eine Koalition der Umsetzung. Verwaltungsreform, Wohnungsbau, Infrastruktur und Fachkräftesicherung sind keine Erkenntnisprobleme. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Entscheidend ist, dass sie konsequent umgesetzt werden“, sagt IHK-Haupt- geschäftsführerin Manja Schreiner. Dazu gehört auch der Mut zu einem größeren Zielbild. Berlin sollte sich nicht damit zufriedengeben, im Vergleich der deutschen Metropolen gut abzuschneiden. Die Hauptstadt muss den Anspruch haben, international mit London, Paris oder New York zu konkurrieren – um Talente, Investitionen, Innovationen und Unternehmen. Am 20. September wird deshalb nicht nur über Parteien und Koalitionen entschieden. Es geht auch um die wirtschaftspolitische Richtung der kommenden Jahre. Die Berliner Wirtschaft hat ihre Erwartungen klar formuliert: weniger Bürokratie, weniger Stillstand, mehr Investitions- sicherheit und mehr Vertrauen in diejenigen, die ausbilden, investieren und Arbeitsplätze schaffen. Nach der Wahl muss daraus Regierungshandeln werden. ■ Positionen Die IHK hat Kernforderungen der Wirtschaft sowie wichtige Informationen für Unternehmen auf ihrer Website gebündelt unter: ihk.de/ berlin/agh-wahl-bw Sebastian Stietzel Präsident der IHK Berlin Die nächste Landesregierung muss Wirtschaftspolitik als Grundlage für eine funktionierende Stadt verstehen. Abgeordnetenhauswahl | 15 Berliner Wirtschaft 09 | 2026
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