wirtschaftliche Auf und Ab Berlins und Deutschlands zu begleiten: „Nach der Wende bauten Industrie und die Technikbranche stark Stellen ab, Berlin wandelte sich hin zu einer Dienstleistungsstadt. Aus den ehemaligen Metallhilfsarbeitern haben wir qualifizierte türkische Spezialitätenköche ausgebildet, um den Bedarf einer sich professionalisierenden Gastronomie zu decken“, erzählt er. Doch Sorgeç sah nicht nur die Bedarfe der Schwächsten der Gesellschaft, er beobachtete auch den stark wachsenden Anteil der Unternehmensgründungen durch Zugewanderte. So gründete er im Jahr 2013 gemeinsam mit anderen Engagierten den Verband der Migrantenwirtschaft, Ethnische Unternehmer und Ausländische Arbeitgeber (VMW). Der bundesweit aktive Verband tritt als politische Interessenvertretung für die interkulturelle Öffnung von Verwaltung und Kammern sowie für die Wertschätzung der Leistung der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Einwanderungsbiografien ein. Laut dem Mediendienst Integration sind dies Stand 2024 rund 924.000 Selbstständige mit Migrationshintergrund in Deutschland, und im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung gründen Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig Unternehmen. Die Tendenz bleibt also auch in der heutigen wirtschaftlichen Situation steigend. Der Verband der Migrantenwirtschaft wurde gegründet, um Unternehmenden mit Migrationshintergrund eine gemeinsame Stimme gegenüber Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu geben. Er spiegelt auch die wachsende Vielfalt im Einwanderungsland. „Wir kämpfen dafür, dass die Zugewanderten sich nicht ausgesondert fühlen oder als Fremdkörper, sondern als Teil dieser Gesellschaft“, so Sorgeç. „Wir wollen aber auch wirtschaftliche Brücken zu all unseren Herkunftsländern bauen und nicht spalten, das sehen wir als unsere gesellschaftliche Verpflichtung.“ Er sieht seine Arbeit in einer Art Zwischenphase: „Engagement wie das unseres Verbandes ist darauf gerichtet, sich selbst in einer vielfältigen Wirtschaft überflüssig zu machen.“ Fachkräftegewinnung mit Unterstützung Ein Unternehmen, das mit dem VMW in Kontakt ist, ist das Restaurant Asude. Geschäftsführer Hasan Gül sieht sich in seinem Lokal an der Charlottenburger Bismarckstraße vor der Herausforderung, spezialisierte Fachkräfte zu finden. Gerne würde der Betrieb ausbilden, allerdings sind in der türkischen Spezialitätenküche andere Fertigkeiten gefragt, als in der deutschen Ausbildung zu vermitteln sind. Ein Grillmeister, der zum Beispiel Adana, den klassischen Hackfleischspieß, zubereitet, zerteilt das Fleisch vor Ort und bereitet es frisch zu. Die türkische Ausbildung ist gleichzeitig Koch- und Fleischerausbildung, ein in Deutschland nicht anerkanntes Berufsbild. Daher rekrutiert der Betrieb Spezialitätenköche über das entsprechende Arbeitsvisum und bietet ihnen eine eigene Dienstwohnung über dem Restaurant für die Phase des Ankommens an. Mithilfe der Arbeitsagentur war der Prozess einfach, wenn er auch aktuell mit Wartezeiten verbunden ist. Durch Sorgeç’ Engagement und die Unterstützung von Schirmherren wie Ex-Bundespräsident Christian Wulff sind das BWK BildungsWerk und der VMW heute auch über die Grenzen Berlins hinaus aktiv. So organisierte das BWK gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium den Wettbewerb „Exzellenz und Vielfalt in der Ausbildung“. Initiativen wie diese setzen wichtige Akzente, sagt Sorgeç: „Die kulturelle Vielfalt unseres Landes hat ihr Potenzial noch nicht voll entfaltet. Wir müssen Interkulturalität und Mehrsprachigkeit als Standortvorteile offensiv nutzen und dürfen uns nicht durch Diskriminierung und Klischees aufhalten lassen.“ Diese Werte teilt auch die IHK Berlin, die aktuell innovative Angebote für Mitglieder entwickelt, um das Potenzial internationaler Talente leichter nutzbar zu machen. Die Kooperation mit internationalen Gründerinnen und Gründern und ihren Verbänden ist hierbei eine große Chance, um die Bedarfe der Unternehmen und der Fachkräfte selbst zu verstehen. ■ Maxim Kempe, IHK-Rechtsreferent Business Immigration & Arbeitsmigration Tel. : 030 / 315 10-298 maxim.kempe@ berlin.ihk.de International vernetzt Das Netzwerk „Unternehmen für ein internationales Berlin“ bringt Betriebe zusammen, die internationale Mitarbeitende gewinnen, fördern und langfristig binden möchten. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungsaustausch, Recruiting und die gemeinsame Stärkung Berlins als internationaler Wirtschaftsstandort. Wir dürfen uns nicht durch Diskriminierung und Klischees aufhalten lassen. Nihat Sorgeç Geschäftsführender Gesellschafter Verband der Migrantenwirtschaft, Ethnische Unternehmer und Ausländische Arbeitgeber FOTO: CHRISTIAN KIELMANN Diversity | 53 Berliner Wirtschaft 07-08 | 2026
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