Berliner Wirtschaft Juli/August 2026

zu pflanzen. Und bitter stößt ihnen noch heute auf, dass bereits Flächen aufgegeben werden mussten, weil die Stadtreinigung ringsherum Straßenreinigungsgebühren verlangte, die nicht zu bezahlen waren. Heute ist die Fläche an einen Bauern verpachtet – ohne Straßenreinigungsgebühr. Kompromiss nach Petition Aber die drei Frauen ließen sich nicht entmutigen und kämpften. Eine im Mai gestartete Petition gegen den Kahlschlag wurde innerhalb von vier Wochen von 22.000 Menschen unterschrieben und Anfang Juli an Bausenator Christian Gaebler übergeben. Unterstützt wurde die Aktion auch von dem Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, und dem Abgeordnetenhausmitglied Lars Düsterhöft, SPD-­ Parteigenosse des Senators. Das erfreuliche Ergebnis des Widerstandes: Die Verwaltung änderte die Bebauungspläne, jetzt sind noch 2.500 Neubauwohnungen vorgesehen. Bei der Unterschriftenübergabe sicherte Gaebler den Erhalt eines großzügigen Grün- und Freiraumbandes rund um den historischen Gewerbehof als Kernbereich der Späth’schen Baumschulen zu. Eine feste Zusage gibt es für den Erhalt des Garten-Biotops am Karpfenteich mit botanischem Garten für Gehölze und Stauden. Für die Bildungsgärten auf den Flächen wie den Weltacker und weitere Gärten gibt es die Absichtserklärung, sie in die neuen Grün- und Freiflächen zu integrieren. Die Späth’schen Baumschulen seien als „grünes Zentrum“ planungsrechtlich gesichert, so Gaebler bei der Unterschriftenübergabe. Wie wichtig dieser zwischen Unternehmen und Senatsbauverwaltung gefundene Kompromiss für viele Berlinerinnen und Berliner ist, zeigt das Engagement der Späth’schen Baumschulen. Dazu gehören regelmäßige Märkte, Feste, kleine Events und gastronomische Angebote. Vorgesehen sind ein Wegeleitsystem für Rundgänge und die Darstellung der Historie des Unternehmens. Hinzu kommen Veranstaltungen und Kooperationen mit Experten, um zum Beispiel standortgerechte und klimaangepasste Gehölze zu produzieren. Am Ende bleibe die Hoffnung, dass alle Pläne aufgehen, sagt Karoline Leu. Sie setze darauf, dass der Kompromiss auch nach der Abgeordnetenhauswahl im September Bestand hat. Alles andere wäre fatal und existenzbedrohend. ■ Unternehmen in Berlin sollte nach dem Willen der Senatsbauverwaltung in weiten Teilen Neubauwohnungen weichen. Denn die Späth’schen Baumschulen sind nicht Eigentümer des Geländes, sondern Pächter. Nach der Wiedervereinigung hatte Senior-Chef Zahn noch unter Treuhandverwaltung die Verantwortung erst als Verkaufsleiter, dann als Geschäftsführer und später als Eigentümer übernommen. Das Gelände wurde aber 1997 an die Familie Späth rückübertragen, die es dann an einen Investor verkaufte. Dieser und alle nachfolgenden Grundstückseigentümer scheiterten aber aufgrund diverser Auflagen mit ihren Projekten. Dann stand das Land Berlin mit dem Wohnungsbauplan „Dreieck Späthsfelde“ vor der Tür. Das sah anfangs den Neubau von 3.600 Wohnungen, einen Schulstandort und rund zwölf Hektar Gewerbefläche vor. Flächen mussten aufgegeben werden Nun werden in der stetig wachsenden Bundeshauptstadt dringend mehr Wohnungen gebraucht. Das steht außer Frage. Doch ausgerechnet zum Teil historische Baumbestände zu roden, neue Anpflanzungen und Erholungsbauten zu vernichten und die Existenz von 65 Mitarbeitenden zu bedrohen, ist eine andere Sache. Das Frauen-Trio stellte die Frage, ob nicht andere Flächen in der Stadt eher geeignet wären und ob es nicht widersinnig ist, großflächig Bäume zu fällen und anderswo für Milliarden Euro neue Bäume Seit mehr als drei Jahrhunderten gewachsen: Das Gelände der Späth’schen Baumschulen in Treptow- Köpenick umfasst heute 3,5 Hektar Simone Blömer, IHK-Key-Account-Managerin Handel, Tourismus und Gastgewerbe Tel.: 030 / 315 10-432 simone.bloemer@ berlin.ihk.de 1720 ist das Gründungsjahr der Späth’schen Baumschulen. Der Betrieb ist das älteste noch produzierende Unternehmen Berlins. FOTOS: DANIELA INCORONATO Gartenbau | 43 Berliner Wirtschaft 07-08 | 2026

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