Berliner Wirtschaft Juni 2026

Betrieb eingestiegen, seitdem entwickelt er Physiopark Berlin mit seinen Eltern weiter. Für alle drei ist klar: Als Dienstleistungsunternehmen kann die Firma nur wachsen, wenn erfolgreich Mitarbeitende gefunden und gehalten werden. Und der Fachkräftebedarf ist in der Physiotherapie, wo die Ausbildung in Deutschland bis vor nicht allzu langer Zeit noch kostenpflichtig war, besonders hoch. Fichter rekrutiert deutschlandweit und weiß aus Erfahrung, dass Berlin in Deutschland wie im Ausland einen hohen Anziehungsfaktor hat. Bezahlbare „Ankomm-Wohnungen“ Auch Leiva ist nach Berlin gezogen, da er wusste, dass hier eine große internationale Community existiert. Trotzdem lernt er jeden Tag nach der Arbeit Deutsch an der Volkshochschule. „Ich brauche die Sprache und will gut verstehen, was die Patienten sagen.“ Fichter honoriert dieses große Engagement durch Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung und eine ganz besondere Unterstützung: Leiva kann, wie alle anderen Mitarbeitenden, durch das Unternehmen angemietete Wohnungen nutzen, um den Umzug und Phasen des Wohnungswechsels zu erleichtern. Diese „Ankomm-Wohnungen“ sind klein, trotz zentraler Lage bezahlbar und möbliert. Für Fichter ist dies ein wichtiges Recruiting-Instrument: „Wir können den Kandidatinnen und Kandidaten damit ein zusätzliches Argument bieten, sich für uns zu entscheiden.“ Fichter, der sich seit 2023 im IHK-Ausschuss „Fachkräfte und Arbeitsmarkt“ engagiert, teilt seinen innovativen Ansatz des Mitarbeiterwohnens gern, wie im März auf einer Online-Veranstaltung des IHK-Netzwerks „Unternehmen für ein internationales Berlin“. „Die großen Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt können wir als Berliner Wirtschaft nur gemeinsam bewältigen“, so der Co-Geschäftsführer. Er würde sogar noch viel stärker international rekrutieren. „Wer die Hürde gemeistert hat, aus dem Ausland nach Deutschland zu kommen, hat dadurch bereits Belastbarkeit bewiesen und bringt große Lust auf die Tätigkeit im neuen Umfeld mit.“ Aufwendige Verfahren lähmen die Einstellung Leiva brachte die Anerkennung als Physiotherapeut in Deutschland bereits mit. Doch das Risiko der Einstellung von noch nicht anerkannten Fachkräften im reglementierten Berufsfeld der Ergo- und Physiotherapie ist so hoch, dass Fichter nur Menschen mit bereits vollständiger Anerkennung einstellen kann. Ein intransparentes und langwieriges Anerkennungsverfahren ohne Möglichkeit der parallelen Beschäftigung als Helfende, wie es zum Beispiel im pflegerischen Bereich möglich ist, lähmt den heilmitteltherapeutischen Sektor. Die vielen Bewerbungen von erfahrenen Fachkräften, die er initiativ unter anderen aus dem Nahen Osten, Indien, der Türkei oder Bosnien bekommt, muss er mit Bedauern ablehnen. Bereits in Deutschland lebende Fachkräfte wandern aus Frustration über die lange Anerkennungsphase in den Wellness-Sektor ab, der keine Anerkennung vorsieht. Familie Fichter hat die Lösungsansätze schon längst im Kopf. So könnte ein Register anerkannter Berufsprofile und Ausbildungsstätten in den Hauptherkunftsländern die Ungewissheit des Ausgangs eines Verfahrens reduzieren und somit das Risiko einer Rekrutierung deutlich verringern. Wäre es möglich, während der Dokumentenprüfung mit Englisch in den Job zu starten und Deutsch und Fachkenntnisse integriert on-thejob zu vermitteln, würde Physiopark Berlin hier stark in die Weiterbildung investieren. „Wenn das Anerkennungsverfahren verschlankt würde und wir die Menschen, die zu uns kommen möchten, selbst entwickeln dürften, würden wir Personal zur Koordinierung aufbauen, verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren und uns hinsichtlich Integration und Deutschkursen noch deutlich mehr engagieren.“ Leiva hat viele Hürden auf seinem Weg bereits selbst gemeistert und gibt anderen Ankommenden diese Worte mit auf den Weg. „Ich glaube, hier gibt es viele Chancen. Am Anfang vermisst man Familie und Freunde, und die Sprache ist eine Herausforderung. Aber es wird jeden Tag ein bisschen besser – und wärmer. ■ Dr. Lucas Fichter Co-Geschäftsführer Physiopark Berlin GmbH Wer die Hürde gemeistert hat, aus dem Ausland nach Deutschland zu kommen, hat dadurch bereits Belastbarkeit bewiesen. Hannes Leber, IHK-Projektmanager Anerkennung und Fachkräfte- einwanderung Tel.: 030 / 315 10-737 hannes.leber@ berlin.ihk.de Vortrag: „Wohnraum als Recruitingbooster“ Beim Festival der Berliner Wirtschaft am 24. Juni berichtet Dr. Lucas Fichter in seinem Vortrag „Kein Wohnraum, kein Job? Wohnen als Recruitingbooster“ von seinen Erfahrungen. Infos und Anmeldung zum Festival: Gemeinsam für ein internationales Berlin Im Netzwerk „Unter- nehmen für ein internationales Berlin“ vernetzen sich engagierte Betriebe, die internationale Talente gewinnen, fördern und langfristig binden. Jetzt Teil des Netzwerks werden: FOTOS: HANNES LEBER, PHYSIOPARK BERLIN Recruiting | 47 Berliner Wirtschaft 06 | 2026

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