Berliner Wirtschaft Juni 2026

stehen an einem Wendepunkt: Ein großer Kunde ist weggebrochen, Digitalisierung und KI verändern Arbeitsfelder. „Unser Förderfinder bietet eine erste Orientierung, was für Förderprogramme für unsere Zielgruppe Kultur- und Kreativschaffende relevant sein könnten“, erklärt die Beraterin. Ausschlaggebend sei eine eindeutige Zielsetzung: „Es braucht eine klare Vorstellung, warum brauche ich zum jetzigen Zeitpunkt eine Förderung, wofür genau setze ich dieses Geld ein, und was will ich am Ende damit erreichen?“ Erst dann wird aus einem Zuschuss ein strategisches Instrument, das den nachhaltigen Aufbau und die langfristige Etablierung unterstützt. Erste Orientierung und Einordnung Erste Orientierung über die Programme liefern weitere Angebote wie etwa die IBB-Förderfibel oder die Förderdatenbank des Bundes. Ist das Ziel geklärt, folgt die richtige Einordnung: Geht es um Forschung und Entwicklung, um Markteintritt, Wachstum, Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Qualifizierung? Für technologieorientierte Vorhaben ist in Berlin Pro FIT ein zentraler Baustein, für junge Tech-Unternehmen gibt es im Rahmen des Programms auch eine Frühphasenfinanzierung. Wer noch früher ansetzt, findet über das Berliner Startup-Stipendium Luft zum Atmen. Für wissenschaftsnahe Ausgründungen bleibt EXIST ein Klassiker, für etablierte KMU auf Bundesebene das technologieoffene ZIM-Programm. So entsteht eine Förderlogik: Je genauer Phase, Ziel und Bedarf definiert sind, desto leichter lässt sich das passende Instrument finden. Nicht jedes Förderinstrument funktioniert aber gleich. Zuschüsse sind attraktiv, weil sie nicht zurückgezahlt werden müssen. Allerdings sind sie meist eng an Zwecke, Fristen und Nachweise gebunden. Daneben stehen Förderdarlehen, häufig zu besseren Konditionen als klassische Bankkredite. Doch auch ein gutes Darlehen braucht oft Sicherheiten. Genau hier kommen Bürgschaften ins Spiel. „In der Praxis schließen Bürgschaften eine sehr konkrete Lücke“, sagt Marwin Meißner von der Bürgschaftsbank Berlin. „Viele Vorhaben im Mittelstand scheitern nicht an ihrer wirtschaftlichen Tragfähigkeit, sondern daran, dass die vorhandenen Sicherheiten aus Sicht der Hausbank nicht ausreichen.“ Die Bürgschaftsbank übernimmt einen Großteil des Ausfallrisikos – möglich sind bis zu 80 Prozent – und verändert damit die Risikostruktur. Gerade in Berlin gebe es viele technologiegetriebene und dienstleistungsorientierte Geschäftsmodelle mit wenig klassischen Sicherheiten. „Unsere Bürgschaften wirken dann wie ein Katalysator: Sie ersetzen keine wirtschaftliche Substanz, aber sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass Banken diese Substanz auch finanzieren können.“ Relevant wird das vor allem bei Zukunftsinvestitionen. „Bei Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Innovation sehen wir eine klare Verschiebung der Risikoprofile“, sagt Meißner. Investitionen amortisierten sich oft erst später, Cashflows seien schwerer belastbar, Sicherheiten fehlten. „In diesem Spannungsfeld sind Bürgschaften besonders relevant: Sie ermöglichen es Banken, auch solche Vorhaben zu begleiten, die zwar strategisch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll sind, aber nicht in das klassische Sicherheitenraster passen.“ Unternehmen sollten Bürgschaften entsprechend früh mitdenken. Der Bedarf dürfte hoch bleiben: Banken agierten selektiver, zugleich stünden Unternehmen vor großen Investitions- und Transformationsaufgaben. „Hinzu kommt die demografische Entwicklung, und das Thema Unternehmensnachfolge gewinnt spürbar an Dynamik“, so Meißner. Für den weiteren Verlauf des Jahres erwartet er ein anspruchsvolles Umfeld: „Die Märkte sind von Unsicherheiten geprägt.“ Das dämpfe Investitionen und mache Banken bei ihren Kreditentscheidungen zurückhaltender. Umso wichtiger werde Risikoteilung. „Für uns bedeutet das, noch stärker als verbindendes Element zwischen Unternehmen und Hausbanken zu agieren.“ Zentrale Fragen vorab klären Doch Fördermittel wirken erst dann, wenn sie mit Netzwerken, guter Vorbereitung und realistischen Erwartungen zusammenkommen. An dieser Stelle hilft die IHK Berlin interessierten Unternehmen, viel Zeit zu sparen. Als Lotsin setzt sie nicht erst an, wenn ein Antrag geschrieben wird, sondern klärt zentrale Fragen vorab: Worum geht es, welche Fördermöglichkeiten passen, und was wird erwartet? Damit wird aus einer unübersichtlichen Auswahl ein strukturierter Plan. „Wir geben Orientierung, bereiten auf Bankgespräche vor und zeigen passende Wege sowie Ansprechpartner auf“, erläutert IHK-Vizepräsidentin Sonja Jost. Hilfreich ist dabei auch immer der Blick hinter die Kulissen „Durch unsere Arbeit in Gremien kennen wir zudem die Perspektive der Förderinstitute.“ Praktisch werde die Lotsenrolle durch Beratungen, Workshops und Formate wie die Videoreihe „Durchblick im Förderdschungel“ oder den vor Kurzem erstmalig von der IHK Berlin ausgeMarwin Meißner Bürgschaftsbank Berlin Viele Vorhaben im Mittelstand scheitern daran, dass vorhandene Sicherheiten aus Sicht der Hausbank nicht ausreichen. Melanie Seifart Kreativ Kultur Berlin Es braucht eine klare Vorstellung, warum brauche ich zum jetzigen Zeitpunkt eine Förderung. FOTOS: OLIVER LANG, MARCELINA WELLMER, IHK BERLIN/AMIN AKHTAR; ILLUSTRATION: GETTY IMAGES FOKUS | Förderung & Finanzierung | 18 Berliner Wirtschaft 06 | 2026

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