Berliner Wirtschaft Mai 2026

Wie wachsen EdTechs nachhaltig? Genau darum ging es beim interaktiven EdTech Spring Exchange im Digital Education Lab (DEL) der IHK Berlin. Das Format fand erstmals in Kooperation mit dem didacta Verband und der Founders Foundation statt. In Breakout-Sessions und einer Insight-Runde teilten Szene-Köpfe ihre Erfahrungen – darunter: Philipp Grassinger (Gründer und Geschäftsführer cleverly), Milena Pflügl (Gründerin und Geschäftsführerin Impact School), Maximilian Daub (Geschäftsführer meinUnterricht), Markus Witte (Gründer und Executive Chairman of the Board Babbel), Felix Wunderlich (Gründer und Geschäftsführer Lingoda), Colin Schlüter (Gründer und Geschäftsführer Sofatutor) und Max Maendler (Gründer und Geschäftsführer eduki/Lehrerkolleg GmbH). Drei Punkte zogen sich durch viele Gespräche: Finanzierung, Wachstum und der Zugang zum Schulmarkt (B2G-Markt). Kapital ist eines der großen Reizthemen der Szene. Externe Finanzierung kann Wachstum beschleunigen, bringt aber auch Erwartungsdruck und Mitspracherechte mit. Wer an Bord kommt, sollte zu Werten und Vision passen. Gleichzeitig kosten Investor Relations Zeit, von Reportings bis zu Abstimmungsschleifen. Philipp Grassinger brachte den Nutzen dennoch klar auf den Punkt: „Ohne Investoren wären wir nicht da, wo wir sind.“ Ein weiterer Rat aus der Runde lautet, möglichst früh an Profitabilität zu arbeiten, um den eigenen Handlungsspielraum zu vergrößern. Gute interne Kommunikation ist wichtig Mit dem Wachstum ändert sich auch der Job. Aus dem „Machen“ am Produkt wird das Führen von Menschen und Prozessen. Was im kleinen Team informell klappt, muss später strukturiert werden. Dafür braucht es klare Verantwortlichkeiten, transparente Entscheidungswege und eine gute interne Kommunikation. Beim Thema Teamaufbau wurde es konkret. Die ersten zwei bis drei Einstellungen wirken fachlich und kulturell lange nach. Milena Pflügls Fazit: „Ich bin da, wo ich jetzt bin, dank meiner Leute.“ Der Rat dahinter ist, gezielt zu ergänzen. Gemeint sind Menschen, die Kompetenzen erweitern und Verantwortung mittragen. Für technologiegetriebene Unternehmen gehört dazu auch Tech-Kompetenz im Gründungsteam. Wer an Schulen und Verwaltung verkauft, spielt nach anderen Regeln als im klassischen B2B. Prozesse dauern länger, Zuständigkeiten sind verteilt, und jedes Bundesland tickt anders. Umso wichtiger ist ein systematischer Marktzugang. In der Breakout-Session mit Maximilian Daub und Milena Pflügl kristallisierten sich zwei Wege heraus: bottom-up über Schulen, Lehrkräfte und Eltern oder top-down über Landes- und Bundesebene. Pflügls Empfehlung: „Vom Kleinen ins Große ist der beste Weg.“ Pilotprojekte öffnen Türen, wenn beide Seiten echtes Commitment zeigen. Entscheidend sind Beziehungsmanagement, Kenntnis der Strukturen in Ministerien und Referaten sowie Sichtbarkeit über Netzwerke und Verbände. Außerdem erhöhten Wirkungsevidenz und nachweisbare Nutzung die Chancen, dass ein Produkt angenommen wird und skaliert. Netzwerke als Beschleuniger Die wichtigste Nachricht: Eine universelle Erfolgsformel gibt es nicht. Entscheidend sei der Mut, Dinge auszuprobieren. Außerdem sei eine Fokussierung mit klarer Zielgruppe wichtig, um Ressourcen gezielt einzusetzen. Im Bildungsmarkt entscheidet also nicht nur ein gutes Produkt, sondern vor allem der Zugang zu den richtigen Menschen. Netzwerke sind der Beschleuniger für Partnerschaften, Pilotierungen, Sichtbarkeit und ehrliches Feedback aus der Praxis. Genau dafür gibt es das Digital Education Lab. Als Community bringt es Akteure aus Start-ups, Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und anderen Institutionen zusammen. Wer dabei sein möchte, kann den DEL-Newsletter abonnieren und bleibt so über künftige Formate und Themen auf dem Laufenden. ■ Melina Hanisch, IHK-Managerin Digital Education Lab Tel.: 030 / 315 10-527 melina.hanisch@ berlin.ihk.de Mehr zum Digital Education Lab (DEL) Weitere Infos zum DEL in der IHK Berlin unter: ihk.de/berlin/del ➜ Profitabilität schafft Verhandlungsmacht: früh profitabel = mehr Freiheit bei Tempo und Partnern. ➜ Investoren sind langfristig: Nicht nur Geld, sondern Werte, Erwartungen und Mitspracherechte zählen. ➜ Pitchdeck = Strategie: Fokus, Traktion und klare Story sind entscheidend. ➜ B2G braucht Geduld: Strukturen verstehen, pilotieren, Netzwerke nutzen. ➜ Erste Einstellungen prägen alles: Kultur, Tempo und Entscheidungen. Top-Tipps für EdTechs Felix Wunderlich, Markus Witte, Max Maendler und Colin Schlüter (v. l.) gehörten zu den Teilnehmenden der Panelrunde FOTOS: IHK BERLIN/INES HASENAU Digitale Bildung | 49 Berliner Wirtschaft 05 | 2026

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