Berliner Wirtschaft Mai 2026

B ettwäsche, T-Shirts, Jacken aus Wolldecken, Beutel aus Sofakissenbezügen: Das Start-up Moot („Made Out Of Trash“) macht aus alten Textilien neue Modeartikel. Upcycling nennt sich dieser Prozess, bei dem aus den gebrauchten Stoffen neue, nachhaltige Kleidung entsteht. Wie es dazu kam? Während seiner Ausbildung zum Modedesigner in Berlin erkannte Nils Neubauer, wie viel Abfall die Kleidungsproduktion verursacht. Seine ersten Kollektionen fertigte er aus aussortierten Stoffen vom Textilhafen der Berliner Stadtmission an. Aus diesem Ansatz entwickelte sich eine Idee, die Neubauer gemeinsam mit dem BWL-Absolventen Michael Pfeifer zu einem Geschäftsmodell ausbaute: Serien von Unikaten aus bereits verwendeten Stoffen. Neubauer brachte das Branchenwissen mit, Pfeifer das betriebswirtschaftliche Know-how. So wurden aus langjährigen Freunden, die sich schon vor ihrer Ausbildung kannten, Geschäftspartner. Zusammenarbeit mit großen Unternehmen 2021 wurde Moot als Klimaschutzpartner des Jahres ausgezeichnet und rückte dadurch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Klimaschutzpartner-Wettbewerb würdigt jährlich herausragendes Engagement im Klimaschutz. Er gilt als bedeutender Preis in diesem Bereich, und die Auszeichnung fiel in das 25. Jubiläumsjahr des Wettbewerbs. Seither ist das Unternehmen mit Sitz in Neukölln mit Showroom und Werkstatt stark gewachsen: Beim Start ihres Onlineshops 2020 produzierten Moot gerade einmal 20 T-Shirts – heute entstehen bis zu 20.000 Upcycling-Produkte pro Monat. Der Großteil davon entsteht in Zusammenarbeit mit Unternehmen – was sich zu einem neuen Geschäftsmodell des Start-ups entwickelt hat. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren, in denen wir mit Heimtextilien gearbeitet haben, Upcycling-Expertise angeeignet. Jetzt profitieren wir davon: Indem wir die ganze Zeit neue Produkte schaffen, entwickeln wir uns weiter“, sagt Nils Neubauer. Ein zentraler Entwicklungsschritt auf dem Weg war die Skalierung des ursprünglichen Designansatzes. Aus Einzelstücken mussten reproduzierbare Serien werden – ohne den Upcycling-Charakter zu verlieren. Gleichzeitig galt es, größere Materialmengen zu sichern und Prozesse so aufzusetzen, dass sie auch für Unternehmenskooperationen funktionieren. Der entscheidende Wandel kam 2023 mit dem ersten großen Kunden DHL, für den Moot Tausende Produkte fertigte. Heute entstehen bei Moot Taschen und Sitzkissen aus ausrangierter Unternehmensbekleidung – etwa für Auftraggeber wie DHL, die die Produkte selbst vertreiben. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen ein Team von über 15 Mitarbeitenden und vertreibt seine Kollektionen online sowie in eigenen Stores. Produziert wird teils in Kooperation mit sozialen Einrichtungen, die faire und inklusive Arbeitsbedingungen ermöglichen. Moot beweist insgesamt: Upcycling ist mehr als ein Designtrend. Es kann ein tragfähiges Geschäftsmodell sein, wenn Kreativität und betriebswirtschaftliche Struktur zusammenkommen. Entscheidend ist, Materialströme neu zu denken und Kooperationen strategisch aufzubauen. Die Verbindung aus gestalterischer Vision und kaufmännischem Knowhow war für Moot von Beginn an ein Erfolgsfaktor – ebenso wie der Mut, das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Heute stellt das Start-up für unterschiedliche Kunden Upcycling-Produkte aus verschiedenen Materialien her, von Basketbällen über Bauzaunbanner bis hin zu Verpackungen. Aus einer Idee für nachhaltige Einzelstücke ist eine skalierbare Upcycling-Dienstleistung geworden – mit einem Impact für die Natur: Mit seinen Produkten trägt das Berliner Unternehmen dazu bei, große Mengen ausrangierter Materialien wieder in den Wirtschaftskreislauf zu integrieren. Statt neue Rohstoffe einzusetzen, nutzt Moot vorhandene Ressourcen und entwickelt daraus marktfähige Produkte. Der Vision treu geblieben Gerade in der Mode- und Textilbranche, die weltweit zu den ressourcenintensivsten Industrien zählt, zeigt das Beispiel, dass zirkuläre Ansätze wirtschaftlich tragfähig sein können – insbesondere in Kooperation mit Unternehmen, die ihre eigenen Materialreste sinnvoll weiterverwenden wollen. „Ich hätte 2021 nicht gedacht, dass wir mit großen Unternehmen zusammenarbeiten, aber es ist eine schöne Entwicklung“, sagt Neubauer. Gleichzeitig betont er, dass die ursprüngliche Vision des Unternehmens unverändert bleibt: Upcycling bekannt und für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. ■ Der Durchbruch für MOOT kam mit Upcycling-Produkten, die in Kooperation mit Unternehmen wie DHL entstehen Jürgen Schepers, IHK-Key-Account- Manager Kreativ- und Digitalwirtschaft Tel. 030 / 315 10-676 juergen.schepers@ berlin.ihk.de 20 000 Upcycling-Produkte entstehen monatlich bei MOOT und seinen Produktionspartnern. FOTOS: MOOT UPCYCLING GMBH Upcycling | 31 Berliner Wirtschaft 05 | 2026

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