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Chancen der Mobilitätswende

Dieselskandal, Fahrverbote, Umweltbewegung: Urbane Mobilität wandelt sich gewaltig. Der passende Moment für Betriebe, mit Firmentickets, Dienstfahrrädern oder Carsharing zu punkten.
von Rudolf Kahlen Ausgabe 02/2020

Mit dem Dienstfahrrad ins Büro – im Gegensatz zum Dienstwagen ist das steuerfrei
Mit dem Dienstfahrrad ins Büro – im Gegensatz zum Dienstwagen ist das steuerfrei. Foto: Getty Images / Westend61 / Jo Kirchherr
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Die Mobilitätswende kommt, das birgt für Unternehmen auch viele Chancen.
  • Arbeitgeber können durch passende Mobilitätsangebote attraktiver werden.

Sein Favo­rit steht fest. „Wenn ich mor­gens vom Rosentha­ler Platz aus in unse­re Zen­tra­le nach Tem­pel­hof fah­re, nut­ze ich in der Regel mein Fahr­rad“, sagt Alex­an­der Schad, Grün­der von avea­to Cate­ring. Unlängst sei er die Stre­cke mal mit dem Auto gefah­ren und habe „eine geschla­ge­ne Stun­de dafür gebraucht“. Mit Rad oder öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln schaf­fe er das in etwa der Hälf­te der Zeit. Für den 46-Jäh­ri­gen ist des­halb eines klar: „Gera­de für die, die urban woh­nen, bringt ein Wagen eher Nach­tei­le.“

Der Unter­neh­mer spricht aus, was mitt­ler­wei­le für Mil­lio­nen in der Metro­po­le gilt. Ent­spre­chend wan­delt sich die Mobi­li­tät in Ber­lin, und auch Arbeit­ge­ber offe­rie­ren ihren Beschäf­tig­ten pas­sen­de Ange­bo­te: Die rei­chen von VBB- Fir­men­ti­ckets über hoch­wer­ti­ge Dienst­rä­der und ­E-Bikes, die auch pri­vat nutz­bar sind, bis hin zu aus­ge­klü­gel­ten Car­sha­ring-Lösun­gen.

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Lidi­ja Pia­sek
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Die Ent­wick­lung ken­nen Mar­tha Mari­sa Wanat und Ste­phan A. Jan­sen im Detail. Die bei­den  geschäfts­füh­ren­den Gesell­schaf­ter der BICICLI Hol­ding bera­ten Betrie­be bei pass­ge­nau­en Mobi­li­täts­kon­zep­ten und bie­ten Lösun­gen für die fir­men­ei­ge­ne Infra­struk­tur. Ihnen zufol­ge bele­gen Stu­di­en,  wie unin­ter­es­sant mitt­ler­wei­le Dienst­wa­gen für Beschäf­tig­te in Groß­städ­ten sind. Die sei­en mor­gens und abends ange­sichts ver­stopf­ter Stra­ßen zu lang­sam und dazu noch kli­ma- und luft­schäd­lich. Die übli­chen Pend­ler­stre­cken – zum Groß­teil zwi­schen drei und 20 Kilo­me­tern – las­sen sich bes­ser anders bewäl­ti­gen: Der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Wanat zufol­ge „ins­be­son­de­re mit dem E-Bike – oder inter­mo­dal durch geschickt kom­bi­nier­te Stre­cken­ab­schnit­te aus Auto-, Bus-, Bahn- und Rad­fahr­ten“. Dem steu­er­pri­vi­le­gier­ten Diens­t­rad kom­me dabei eine beson­de­re Rol­le zu.

Die Vor­tei­le fasst ihr Kol­le­ge Jan­sen so zusam­men: „Bei der Brut­to-Ent­gelt­um­wand­lung spa­ren Arbeit­ge­ber und -neh­mer Steu­er- wie auch Sozi­al­ab­ga­ben.“ Die­se Beträ­ge könn­ten die Fir­men etwa in Form einer Ver­si­che­rung an inter­es­sier­te Beschäf­tig­te wei­ter­ge­ben. Der Öko­nom rech­net vor: „Ein voll­ver­si­cher­tes Rad im Wert von 1.000 Euro kos­tet den Arbeit­neh­mer dann nur noch 16 Euro net­to bei 36 Mona­ten Lea­sing­lauf­zeit.“ Auch die Arbeit­ge­ber pro­fi­tie­ren, so Jan­sen. Der Öko­no­mie-Pro­fes­sor ver­weist auf medi­zi­ni­sche Stu­di­en, die bei bewe­gungs­freu­di­gen Rad-Pend­lern von 25 Pro­zent weni­ger Kran­ken­fehl­ta­gen aus­ge­hen. Außer­dem erin­nert er an die in Innen­städ­ten beson­ders bedeu­ten­den Erschlie­ßungs- und Betriebs­kos­ten von Park­raum. Sein Argu­ment: „Auf einen Auto­stell­platz pas­sen acht bis elf Fahr­rä­der.“ Da lie­ße sich spa­ren.

Fir­men­chef Schad rech­net damit, dass bald jeder Fünf­te im Unter­neh­men ein Job­rad nutzt: „Wir bie­ten unse­ren Beschäf­tig­ten, wenn sie zumin­dest ein Jahr bei uns arbei­ten, ein Hoch­leis­tungs­rad oder E-Bike im Rah­men der Gehalts­um­wand­lung an.“ Schad zufol­ge gibt es auch vie­le Beschäf­tig­te bei avea­to, die den öffent­li­chen Nah­ver­kehr nut­zen, wofür es eben­falls finan­zi­el­le Unter­stüt­zung gibt. Dienst­wa­gen hin­ge­gen, die etwa Füh­rungs­kräf­ten auch pri­vat zur Ver­fü­gung ste­hen, gibt es bei ihm nicht.

Auf dem Betriebs­hof des als nach­hal­tig zer­ti­fi­zier­ten Unter­neh­mens ste­hen eine Rei­he elek­trisch betrie­be­ner Street-Scoo­ter fürs Lie­fern der Ware bereit. Wenn ein Mit­ar­bei­ter aber bei­spiels­wei­se für eine Cate­ring-Bera­tung zum Kun­den fah­ren will, nutzt er Car2go, Sixt oder ­Dri­veNow. „Das funk­tio­niert in Ber­lin fan­tas­tisch“, sagt Betriebs­wirt Schad: „Wir haben fürs Log­in ent­spre­chen­de Fir­men­kar­ten.“

Dani­el Brau­er, Geschäfts­füh­rer der Stadt­mo­bil Ber­lin GmbH, bie­tet sta­ti­ons­ba­sier­tes Car­sha­ring.  „Wir sind in vie­len Tei­len der Stadt ver­tre­ten, aber natür­lich nicht flä­chen­de­ckend.“ Für Unter­neh­men kann die­se Vari­an­te inter­es­sant sein, wenn die Wagen ein paar Geh­mi­nu­ten ent­fernt ste­hen. „Wir sind des­halb auch bereit“, ergänzt der 43-Jäh­ri­ge, „Fahr­zeu­ge an bestimm­ten Stel­len zu posi­tio­nie­ren.“ Die las­sen sich dann pro­blem­los auch über­re­gio­nal nut­zen, müs­sen am Ende nur wie­der auf dem Stell­platz geparkt wer­den.

Wenn Unter­neh­men ihren Beschäf­tig­ten ein Fahr­zeug auch für Pri­vat­fahr­ten zur Ver­fü­gung stel­len wol­len, geht das eben­falls in der Form des Car­sha­rings. Dann log­ge sich der Inter­es­sier­te, so Brau­er, nicht über den geschäft­li­chen, son­dern den pri­va­ten Account der Fir­ma ein. Dadurch behal­ten Arbeit­ge­ber die nöti­ge Über­sicht.

Mobi­le Optio­nen

Die ein­zel­nen Ange­bo­te für Beschäf­tig­te wer­den steu­er­lich unter­schied­lich behan­delt.

Nor­ma­le Fahr­rä­der. Wenn Arbeit­ge­ber einem Beschäf­tig­ten neben dem ohne­hin geschul­de­ten Arbeits­lohn einen wei­te­ren Vor­teil gewäh­ren, indem sie ihm ein Dienst­fahr­rad auch für den pri­va­ten Gebrauch über­las­sen, so ist das für den Arbeit­neh­mer steu­er­frei. Vor­aus­set­zung: Es han­delt sich um kein Kraft­fahr­zeug.

Schnel­le E-Bikes. Sobald der Motor eines Elek­tro­ra­des beim Tre­ten auch Geschwin­dig­kei­ten von mehr als 25 Stun­den­ki­lo­me­tern unter­stützt, gilt das Gefährt als Kraft­fahr­zeug. Die Fol­ge: Für den begüns­tig­ten Arbeit­neh­mer erhö­hen sich die Ein­künf­te aus nicht selbst­stän­di­ger Arbeit. Der Betrof­fe­ne muss monat­lich in der Regel 0,25 Pro­zent des Brut­to­her­stel­ler­prei­ses als zusätz­li­chen Arbeits­lohn ver­steu­ern.       Bus- und Bahn­fahr­ten. Betrie­be kön­nen Beschäf­tig­ten steu­er­frei ein ÖPNV-Fir­men­ti­cket finan­zie­ren, sofern der Zuschuss zusätz­lich zum Lohn gewährt und auf die Auf­wen­dun­gen des Arbeit­ge­bers auf der Jah­res­lohn­steu­er­be­schei­ni­gung ein­ge­tra­gen und damit auf die Ent­fer­nungs­pau­scha­le des Arbeit­neh­mers ange­rech­net wird (vbb.de/fahrpreise/firmenticket).

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