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Ser­vice

Fit fürs Leben

Obst auf Konferenztischen und abgabenfrei finanzierte Mitgliedschaften in Fitnessstudios: Was Unternehmen für die Gesundheit der Beschäftigten tun können.
von Rudolf Kahlen Ausgabe 01/2020

Wer körperlich fit und insgesamt zufrieden ist, kommt besser über jede Hürde
Wer körperlich fit und insgesamt zufrieden ist, kommt besser über jede Hürde. Foto: Getty Images/erhui1979
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Nicht nur das Gehalt, auch die Rahmenbedingungen sind für Mitarbeiter relevant.
  • Engagement für die Gesundheit lohnt sich für Unternehmen auch finanziell.

Die Stim­mung war super. 14 Frau­en und Män­ner der Fre­he + Watzl The­ra­pie GmbH schaff­ten im ver­gan­ge­nen Som­mer die kilo­me­ter­lan­ge Stre­cke des „B2Run Ber­lin“ und erreich­ten als Jog­ger oder Wal­ker neben Tau­sen­den Gleich­ge­sinn­ten aus ande­ren Fir­men der Metro­po­le stolz die Ziel­ge­ra­de im Olym­pia­sta­di­on. Auch Pro­ku­rist Micha­el Wüs­ten­ha­gen war Teil des Teams. Das Unter­neh­men mit ins­ge­samt 65 Beschäf­tig­ten bie­tet an meh­re­ren Stand­or­ten in Ber­lin aus­ge­such­te Diens­te rund um Phy­iso- und Ergo­the­ra­pie, Kos­me­tik sowie Logo­pä­die. Wüs­ten­ha­gens Cre­do als Füh­rungs­kraft: „Wer glück­lich ist, dürf­te durch­weg auch gesün­der sein – was allen zugu­te­kommt.“ 

Stu­di­en zei­gen, wie sehr Zufrie­den­heit im Job die Fehl­ta­ge senkt. Denn glück­li­che Per­so­nen wer­den sel­te­ner krank und schnel­ler gesund. Es lohnt sich also für Unter­neh­men, genau­er der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wie sie ihren Mit­ar­bei­tern ins­ge­samt ein Kli­ma des Wohl­füh­lens bie­ten kön­nen. Zuse­hends mehr Fir­men­ver­ant­wort­li­che spü­ren dane­ben auch, wie gut sich der Betrieb ange­sichts des Fach­kräf­te­man­gels von der Kon­kur­renz abhe­ben kann, wenn es dar­um geht,  sich als gesund­heits­be­wuss­ter Arbeit­ge­ber zu posi­tio­nie­ren. Ein gro­ßer Vor­teil: Dabei hilft der Fis­kus, wenn es um aus­ge­wähl­te Ange­bo­te für die Beleg­schaft im Rah­men des betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments geht (sie­he „Tipps für Arbeit­ge­ber“).

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Lidi­ja Pia­sek
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Fre­he + Watzl The­ra­pie bei­spiels­wei­se zahlt inter­es­sier­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern die Monats­bei­trä­ge für eine Fit­ness­cen­ter-Ket­te. Der Chef sagt dazu: „Wir bie­ten unse­ren Kun­den Gesund­heit und Schön­heit. Dann gehö­ren ent­spre­chen­de Leis­tun­gen für unse­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen eben­so dazu.“ Das Ange­bot gibt es im Rah­men des betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments der Fir­ma seit ein paar Mona­ten. 

Mit­ver­ant­wort­lich für die Neue­rung war die Betei­li­gung des Betriebs am Wett­be­werb „Gre­at Place to Work“. Denn nach­dem in die­sem Rah­men exter­ne Exper­ten die Beleg­schaft von Fre­he + Watzl The­ra­pie 2018 zu ihrem Arbeit­ge­ber befragt hat­ten, kam eines her­aus: Nur 34 Pro­zent der Inter­view­ten stimm­ten der Aus­sa­ge zu, sie erhiel­ten „hilf­rei­che Maß­nah­men zur För­de­rung der Gesund­heit“. Danach kam es zur Koope­ra­ti­on mit dem Fit­ness­stu­dio, und der Zufrie­den­heits­wert stieg auf beacht­li­che 78 Pro­zent an. Der Betrieb wur­de – auch auf­grund ande­rer guter Beur­tei­lun­gen der Team­mit­glie­der – als einer von Deutsch­lands bes­ten Arbeit­ge­bern aus­ge­zeich­net. 

Mit Blick auf den Fach­kräf­te­man­gel ist es aus Sicht von Rüdi­ger Loh­mann, Geschäfts­füh­rer der Ber­li­ner Loh­mann & Bir­kner Health Care Con­sul­ting GmbH, beson­ders wich­tig, geziel­tes Gesund­heits­mar­ke­ting zu betrei­ben: „Wer sich in einem Wett­be­werb wie ,Deutsch­lands bes­te Arbeit­ge­ber‘ qua­li­fi­ziert, hat es erheb­lich leich­ter, gute Leu­te auf sich auf­merk­sam zu machen.“ Das Unter­neh­men des habi­li­tier­ten Chir­ur­gen bie­tet IT-Anwen­dun­gen und Diens­te im Gesund­heits­we­sen. Dazu zählt die Soft­ware „Check­point“. Sie kommt bei Kran­ken­kas­sen und in Kli­ni­ken zum Ein­satz. 

Aus Sicht des Medi­zi­ners, der auch dem IHK-Bran­chen­aus­schuss „Gesund­heits­wirt­schaft“ ange­hört, ist eines für Unter­neh­men ent­schei­dend: Arbeits­plät­ze müs­sen die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten gezielt unter­stüt­zen. Ent­spre­chend soll­ten in Büros etwa die Stüh­le ergo­no­misch, die Schreib­ti­sche mög­lichst höhen­ver­stell­bar und der Blick­win­kel auf den Bild­schirm der Com­pu­ter indi­vi­du­ell ein­stell­bar sein. Des­halb kom­me auch regel­mä­ßig ein exter­ner Exper­te in sei­ne Fir­ma, der die Arbeits­plät­ze über­prü­fe und den Beschäf­tig­ten hilf­rei­che Tipps gebe. „Auch in einer Pro­duk­ti­on müs­sen Beschäf­tig­te“, so Loh­mann, „mög­lichst kör­per­ge­recht arbei­ten kön­nen und beim Heben mit­un­ter unter­stützt wer­den.“  Bei der Ber­li­ner ISOGON Fens­ter­sys­te­me GmbH sind die Arbeits­plät­ze in der Fer­ti­gung so gestal­tet, dass Tra­ge­hil­fen, Kran­an­la­gen und Glas­sau­ger dort zur Unter­stüt­zung bereit­ste­hen. Für 2020 plant das Unter­neh­men wei­te­re Inves­ti­tio­nen: Dann sol­len zusätz­lich Robo­ter die Mit­ar­bei­ter gezielt ent­las­ten – etwa beim Heben. „Wich­tig ist für uns“, sagt Geschäfts­füh­rer Efe Tiglio­g­lu, „die Pro­duk­ti­on gesund für die Beschäf­tig­ten zu gestal­ten und deren Leis­tungs­fä­hig­keit zu sichern.“ Die Team­mit­glie­der schei­nen das zu wis­sen. Denn auch auf­grund ihres Feed­backs erhielt ISOGON Fens­ter­sys­te­me 2019 die Aus­zeich­nung, zu Deutsch­lands bes­ten Arbeit­ge­bern zu zäh­len.

Tipps für Arbeit­ge­ber

Wie das Finanz­amt das Wohl­erge­hen der Beleg­schaft för­dert:

Frei­be­trag

Wenn Unter­neh­men die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten för­dern wol­len, gewährt ihnen das Finanz­amt dafür einen jähr­li­chen Frei­be­trag von 600 Euro pro Per­son. Die Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen kön­nen bei­spiels­wei­se für phy­sio- und ergo­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen genutzt wer­den, wenn eine Bedin­gung erfüllt ist.

Vor­aus­set­zung

Ent­schei­dend für die Steu­er­be­frei­ung ist, dass es sich bei den Leis­tun­gen um Maß­nah­men han­delt, die in der Regel von den Kran­ken­kas­sen zer­ti­fi­ziert wer­den müs­sen. Hier­zu kön­nen Mas­sa­gen wie auch Kur­se zur Bewäl­ti­gung von arbeits­platz­be­ding­tem Stress zäh­len. Außen vor sind dabei etwa die Mit­glieds­bei­trä­ge für Fit­ness­cen­ter. Wich­tig: Arbeit­ge­ber müs­sen die zer­ti­fi­zier­te Maß­nah­me plus Kos­ten doku­men­tie­ren.   

Gut­schein

Wer als Arbeit­ge­ber sei­ne Team­mit­glie­der in exter­nen Kur­sen fit hal­ten möch­te, kann den Monats­bei­trag für ein Fit­ness­cen­ter trotz­dem steu­er- und sozi­al­ver­si­che­rungs­frei in der Form eines Sach­be­zugs finan­zie­ren. Vor­aus­ge­setzt, die Frei­gren­ze von 44 Euro monat­lich pro beschäf­tig­ter Per­son wird ein­ge­hal­ten.

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