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Block um Block zum digitalisierten Unternehmen

„Digital meets Mittelstand“: IHK Berlin und ÖFIT zeigen gemeinsam, wie die Blockchain-Technologie als Grundlage für organisationsübergreifendes Daten- und Prozessmanagement dient.
von Fabian Kirstein Ausgabe 05/2020

Die Blockchain ist seit Jahren in aller Munde. Doch auch Nachteile müssen bedacht werden
Die Blockchain ist seit Jahren in aller Munde. Doch auch Nachteile müssen bedacht werden. Foto: Getty Images/Artur Figurski
Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Blockchain-Technologie ist in aller Munde. Was Unternehmer darüber wissen sollten.
  • Der Mittelstand kann Blockchain für seine Prozesse nutzbar machen.

Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit lohnt sich, denn bekannt gewor­den ist die Block­chain vor allem als Grund­la­ge der Kryp­towäh­rung Bit­coin. Mit der Finanz­kri­se 2008 wur­de deut­lich, wie abhän­gig die Wirt­schaft von Ban­ken ist. Es ent­stand die Idee einer Kryp­towäh­rung namens Bit­coin, die völ­lig ohne zen­tra­le Insti­tu­tio­nen aus­kommt und trotz­dem die Wert­trans­fers zwi­schen ein­an­der unbe­kann­ten Akteu­ren absi­chern kann. Mög­lich wur­de dies durch ein kom­ple­xes Ver­fah­ren aus kryp­to­gra­fi­schen Funk­tio­nen und ver­teil­ter Daten­spei­che­rung – die Basis der Block­chain-Tech­no­lo­gie.   

Drei wesent­li­che Eigen­schaf­ten

Die Block­chain basiert auf drei wesent­li­chen Mecha­nis­men: Ers­tens sorgt ein Anreiz­sys­tem dafür, dass die Teil­neh­men­den im eige­nen Inter­es­se für ein funk­tio­nie­ren­des Gesamt­sys­tem sor­gen. Zwei­tens stellt die trans­pa­ren­te und ver­teil­te Spei­che­rung aller durch­ge­führ­ten Trans­ak­tio­nen sicher, dass alle Trans­ak­tio­nen von allen Nut­zen­den der Block­chain zu ihrem Ursprung zurück­ver­folgt und über­prüft wer­den kön­nen. Drit­tens sind die in Blö­cken zusam­men­ge­fass­ten Trans­ak­tio­nen über kryp­to­gra­fi­sche Funk­tio­nen untrenn­bar und fäl­schungs­si­cher mit­ein­an­der ver­ket­tet.

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Block­chain als dezen­tra­ler Com­pu­ter 

Die Block­chain hat sich in den letz­ten Jah­ren umfang­reich wei­ter­ent­wi­ckelt, mit zahl­rei­chen Aus­prä­gun­gen jen­seits des ursprüng­li­chen Kon­zepts. Zahl­rei­che neue Anwen­dungs­fäl­le zei­gen die Inno­va­ti­ons­kraft der Tech­no­lo­gie auf. Sie ist zu einer wich­ti­gen Basis­tech­no­lo­gie für orga­ni­sa­ti­ons­über­grei­fen­des Daten- und Pro­zess­ma­nage­ment gewor­den, ihr mög­li­cher Ein­satz soll­te in Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­ten (stär­ke­re) Beach­tung fin­den. Dabei spie­len ins­be­son­de­re Smart Con­trac­ts (digi­ta­le und  auto­ma­ti­siert aus­führ­ba­re Ver­sio­nen eines Ver­tra­ges) und Decen­tra­li­zed Apps (DApps, Anwen­dun­gen, die mit der Block­chain inter­agie­ren) eine zen­tra­le Rol­le.  

Grund­sätz­lich wird zwi­schen öffent­li­chen und pri­va­ten Block­chains unter­schie­den. Nicht jede Block­chain ist wie bei Kryp­towäh­run­gen für alle Nut­zen­den offen, in pri­va­ten Block­chains ist der Zugang nach fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en beschränkt. Zur kon­kre­ten Umset­zung einer Block­chain exis­tie­ren zahl­rei­che, an indi­vi­du­el­le Bedürf­nis­se anpass­ba­re Basis­lö­sun­gen. Beson­ders popu­lär sind die frei­en Lösun­gen Ethe­re­um, Hyper­le­der oder Cor­da. Eine wich­ti­ge Rol­le spielt die Aus­wahl des Kon­sens­ver­fah­rens. Das ener­gie­in­ten­si­ve Mining-Ver­fah­ren der Bit­coin-Block­chain kann in bestimm­ten Anwen­dungs­be­rei­chen durch alter­na­ti­ve Ver­fah­ren ersetzt wer­den, wie z. B. Pro­of-of-Sta­ke. Die­se Aus­wahl macht die neu­en unter­neh­mens­na­hen und inte­grier­ten Anwen­dun­gen attrak­tiv.

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Wird die Block­chain über­schätzt?

Über die grund­sätz­li­chen Poten­zia­le und Anwen­dungs­fäl­le der Block­chain besteht weit­ge­hend Kon­sens. Gleich­wohl soll­te im Ein­zel­fall geprüft wer­den, ob ein Lösungs­an­satz mit her­kömm­li­chen Tech­no­lo­gi­en (momen­tan) ziel­füh­ren­der ist. Die Block­chain ist eine sehr jun­ge und sich schnell ent­wi­ckeln­de Tech­no­lo­gie, die noch zahl­rei­che Hin­der­nis­se und tech­ni­sche Ein­schrän­kun­gen über­win­den muss. Zu den Her­aus­for­de­run­gen zäh­len Ska­lier­bar­keit, Inter­ope­ra­bi­li­tät und Nut­zer­freund­lich­keit. Wei­ter­hin exis­tie­ren offe­ne Fra­gen im Kon­text Daten­schutz und Rechts­si­cher­heit. In pas­sen­den Anwen­dungs­fäl­len ist aller­dings ein pro­duk­ti­ver und weit­rei­chen­der Ein­satz der Block­chain-Tech­no­lo­gie mit­tel­fris­tig sehr wahr­schein­lich. Für Unter­neh­men kann sich eine ers­te Befas­sung mit dem The­ma daher loh­nen und mög­li­cher­wei­se ers­te (test­wei­se) Teil­an­wen­dungs­fel­der und Ver­bes­se­rungs­po­ten­zia­le eröff­nen.

Block­chain-Haupt­stadt Ber­lin

Ber­lin gilt als Dreh- und Angel­punkt der euro­päi­schen Block­chain-Start-up-Sze­ne. Fast 200 jun­ge Unter­neh­men geben an, im Kon­text der Block­chain aktiv zu sein (berchain.com). Die ange­ge­be­nen Geschäfts­mo­del­le von Bera­tungs­an­ge­bo­ten über Anwen­dungs­ent­wick­lung bis hin zu Infra­struk­tur­lö­sun­gen sind breit gefä­chert. Im Fokus ste­hen typi­sche Anwen­dungs­fäl­le wie Wert­trans­ak­tio­nen, siche­re Nach­ver­fol­gung und inno­va­ti­ve Han­dels­platt­for­men. Vie­le Start-ups haben auch ihr bestehen­des Geschäfts­mo­dell um block­chain­ba­sier­te Funk­tio­nen erwei­tert, um deren Trag­fä­hig­keit unter rea­len Bedin­gun­gen zu tes­ten. Dar­über hin­aus ist Ber­lin die Hei­mat über­grei­fen­der Initia­ti­ven, wel­che die Ent­wick­lung und För­de­rung der Block­chain unter­stüt­zen und die Poten­zia­le kom­mu­ni­zie­ren, wie bei­spiels­wei­se der Block­chain Bun­des­ver­band (bundesblock.de/)  und die Block­chain Week (blockchainweek.berlin/).   

Schrei­ben Sie Fabi­an Kirstein, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Fraun­ho­fer-Insti­tut FOKUS und am Wei­zen­baum-Insti­tut.

Block­chain

Pro und Con­tra: Wie jede neue Tech­no­lo­gie birgt auch die­se nicht nur enor­me Chan­cen, son­dern auch eini­ge Risi­ken

Mög­lich­kei­ten  

  • Dezen­tra­le Infra­struk­tu­ren ohne Ver­mitt­ler  
  • Pro­zess­op­ti­mie­run­gen über Orga­ni­sa­ti­ons­gren­zen hin­weg 
  • Erhöh­te Transparenz/Fälschungssicherheit und damit ein­her­ge­hend Erschwe­ren von Will­kür 

Wag­nis­se 

  • Rei­fe­grad der Tech­no­lo­gie (noch) schwer ein­schätz­bar  
  • Berück­sich­ti­gung und Ein­hal­tung von Daten­schutz 
  • Poten­zi­el­le Anwen­dungs­fäl­le rich­tig bewer­ten und Umset­zung öko­no­misch gestal­ten 

An der HTW Ber­lin forscht Prof. Dr. Hei­ke Hölz­ner zu Inno­va­tio­nen für Geschäfts­mo­del­le, die durch die Block­chain mög­lich wer­den. Sie hat ein Instru­ment ent­wi­ckelt, das klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men dabei unter­stützt, das Poten­zi­al der Tech­no­lo­gie für das eige­ne Geschäft zu ana­ly­sie­ren.

Denn die Block­chain ist eine Infra­struk­tur-Tech­no­lo­gie, auf deren Basis neue Diens­te ent­ste­hen wer­den. Ver­gleich­bar mit dem Inter­net, das E-Mails und den Online­han­del her­vor­ge­bracht hat. Im Unter­schied dazu wird das Block­chain-basier­te Web aller­dings dezen­tral betrie­ben wer­den. Gro­ße Platt­for­men ver­lie­ren dar­in ihre Vor­herr­schaft, wäh­rend für klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men neue Mög­lich­kei­ten ent­ste­hen. Denk­bar wäre z. B., dass loka­le Laden­ge­schäf­te und Logis­tik­un­ter­neh­men sich zu einem dezen­tra­len Ver­sand­händ­ler zusam­men­schlie­ßen, der, wie heu­te Ama­zon, ein brei­tes Ange­bot mit schnel­ler Lie­fe­rung garan­tiert.  

Der Über­gang vom Web 2.0 zum Web 3.0 wird Schritt für Schritt statt­fin­den. Um in Zukunft die Chan­cen nut­zen zu kön­nen, ist es jedoch heu­te schon erfor­der­lich, mit der Digi­ta­li­sie­rung der Pro­zes­se zu begin­nen. Die HTW Ber­lin steht inter­es­sier­ten Mit­tel­ständ­lern für eine ers­te Ana­ly­se unter­stüt­zend zur Sei­te. 

Schrei­ben Sie Prof. Dr.  Hei­ke Hölz­ner, HTW Ber­lin.

Der Ver­ein Ber­Chain ist eine Ber­li­ner Block­chain-Initia­ti­ve. Die von Mit­glie­dern geführ­te, gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on hat das Ziel, die Ber­li­ner Block­chain-Indus­trie stär­ker zu ver­net­zen, um Ber­lin als Block­chain-Stand­ort zu för­dern, bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen und Bil­dung sowie Wis­sen­schaft zu för­dern. Als Ver­ein fun­giert Ber­Chain als ein­fa­cher Ein­tritts­punkt in die Block­chain-Welt und kann KMU mit rele­van­ten Part­nern aus die­sem Bereich ver­net­zen.

Ber­Chains Mit­glie­der bie­ten inno­va­ti­ve block­chain-basier­te Lösun­gen an. Die­se bewe­gen sich in unter­schied­li­chen Anwen­dungs­fel­dern, zum Bei­spiel Sicher­heit und Inte­gri­tät von IoT-Sen­sor­da­ten, siche­rem Zugangs­ma­nage­ment für Fahr­zeu­ge sowie Gebäu­de, Lie­fer­ket­ten­rück­ver­folg­bar­keit. Dar­über hin­aus gibt es wei­te­re Ein­satz­mög­lich­kei­ten.   

Als Ver­ein hat Ber­Chain über­dies unter­schied­li­che Part­ner­schaf­ten auf­ge­baut, um das The­ma Block­chain in Ber­lin in neue Berei­che zu brin­gen. Mit Ber­lin Part­ner für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie besteht von Anfang an eine stra­te­gi­sche Part­ner­schaft, um Ber­lin als inno­va­ti­ven Block­chain-Stand­ort zu för­dern. Der Ber­Chain e.V. steht klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men ger­ne als ers­ter unter­stüt­zen­der Ber­li­ner Kon­takt für Anwen­der­fra­gen zur Sei­te. 

Schrei­ben Sie Ricar­do Gar­cia, Ber­Chain

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