Das Magazin der IHK Berlin

Schwer­punkt

Das neue Berlin

Urbane Mobilität, digitale Infrastruktur und ­Stadtentwicklung: Die Hauptstadt steht vor einer Dekade großer Veränderungen. Ein Blick in die Zukunft.
von Jens Bartels Ausgabe 01/2020

Volocopter, autonomes Fahren oder Drohnen für die Letzte- Meile-Logistik: Was davon wird vielleicht schon bald Realität?
Volocopter, autonomes Fahren oder Drohnen für die Letzte- Meile-Logistik: Was davon wird vielleicht schon bald Realität? Foto: Jens Bonnke
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  • Digitalisierung, Klimawandel, Demografie – Veränderungen ziehen sich durch alle Sektoren.
  • Experten blicken in die Zukunft von Arbeiten, Leben und Mobilität im urbanen Raum.

Der Beginn eines neu­en Jahr­zehnts ist eine gute Gele­gen­heit, den Blick nach vor­ne zu rich­ten. Wie wird sich Ber­lin in die­ser Deka­de ver­än­dern? An wel­chen Stell­schrau­ben muss gedreht wer­den, um die Stadt bis zum Jahr 2030 noch lebens­wer­ter zu gestal­ten?

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IT-Infra­struk­tur

Sicher ist, dass die Digi­ta­li­sie­rung mit deut­lich höhe­rem Tem­po alle Berei­che des täg­li­chen Lebens und Arbei­tens durch­drin­gen wird. Not­wen­di­ge Grund­la­gen wie eine Infra­struk­tur für digi­ta­le Zugangs­tech­no­lo­gi­en bil­den das Fun­da­ment einer intel­li­gen­ten, ver­netz­ten und nach­hal­ti­gen Stadt des Jah­res 2030. Schnel­les Han­deln ist gefragt. „Heu­te zehrt Ber­lin von sei­nem Image als Sehn­suchts­ort der digi­ta­len Eli­te“, sagt Olga ­Will­ner, Pro­fes­so­rin für Wirt­schafts­in­for­ma­tik mit Schwer­punkt Intel­li­gen­te Sys­te­me an der HTW Ber­lin. „Die­ser Ber­lin-Bonus wird in drei bis fünf Jah­ren auf­ge­braucht sein und zuta­ge för­dern, was heu­te schon real ist: Die Stadt ope­riert über ihre Belas­tungs­gren­ze hin­aus.“

Umso wich­ti­ger sei es, „den jet­zi­gen Schwung mit­zu­neh­men und ganz aktiv in die Infra­struk­tu­ren der Zukunft zu inves­tie­ren oder die­se zu för­dern“. Für die Exper­tin geht es nicht um „5G an jeder Milch­kan­ne“, son­dern um die Schaf­fung einer digi­ta­len Basis-Infra­struk­tur, die robust, zugäng­lich, bezahl­bar und erwei­ter­bar ist. Hier­zu zählt bei­spiels­wei­se die För­de­rung dezen­tral auf­ge­bau­ter, frei nutz­ba­rer Funk­net­ze – auch unter dem Kür­zel LoRa­WAN bekannt. Oder beschleu­nig­te Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren für bau­li­che Maß­nah­men, etwa bei der Erschlie­ßung neu­er Flä­chen mit Glas­fa­ser oder dem Auf­bau von 5G-Cam­pus­net­zen. Erst dadurch kann die intel­li­gen­te Stadt Rea­li­tät wer­den. Denn dank einer leis­tungs­fä­hi­gen digi­ta­len Infra­struk­tur lässt sich die stark wach­sen­de Zahl von Sen­so­ren und Akto­ren, also Ele­men­te, die elek­tri­sche Signa­le und Strom in mecha­ni­sche Bewe­gung trans­for­mie­ren, effi­zi­ent bei­spiels­wei­se an eine über­ge­ord­ne­te Cloud der Stadt Ber­lin anbin­den.

Für Anne Klein-Hitpaß, Projektleiterin Städtische Mobilität bei der Denkfabrik Agora Verkehrswende, spielt der Ausbau des ÖPNV eine zentrale Rolle
Für Anne Klein-Hit­paß, Pro­jekt­lei­te­rin Städ­ti­sche Mobi­li­tät bei der Denk­fa­brik Ago­ra Ver­kehrs­wen­de, spielt der Aus­bau des ÖPNV eine zen­tra­le Rol­le. Gera­de für Pend­ler müs­se der Umstieg attrak­ti­ver wer­den – durch dich­te­re Net­ze, enge­re Tak­te und mehr Ver­knüp­fung von Ange­bo­ten. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Alles ist dann mit­ein­an­der ver­netzt: Ver­kehr, Infra­struk­tur, Ener­gie­ver­sor­gung und Ver­wal­tung. Wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen sind in Echt­zeit abruf­bar. „Mit dem Inter­net der Din­ge ent­steht ins­ge­samt die Mög­lich­keit, weit­aus mehr Daten­punk­te digi­tal zu erfas­sen“, erklärt Mat­thi­as Patz. „Aller­dings über­steigt die Ana­ly­se oder Nutz­bar­ma­chung die­ser Viel­zahl an Daten die Leis­tungs­fä­hig­keit von Men­schen“, fügt der Geschäfts­be­reichs­lei­ter Inno­va­ti­on & New Ven­tures bei der DB Sys­tel GmbH hin­zu. „Aus die­sem Grund ist es not­wen­dig, dass uns Metho­den der künst­li­chen Intel­li­genz und Data-Ana­ly­se dabei hel­fen, Mus­ter und Wis­sen sowie ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zen­de Infor­ma­tio­nen aus die­sen Daten zu extra­hie­ren.“ Eine intel­li­gen­te, ver­netz­te und nach­hal­tig wach­sen­de Stadt wie Ber­lin wird nach Über­zeu­gung des Digi­tal­ex­per­ten ohne die­se Fähig­kei­ten nicht mehr aus­kom­men.

Eine leis­tungs­fä­hi­ge Infra­struk­tur ist eines der wich­tigs­ten Puz­zle­stü­cke für den digi­ta­len Stand­ort Ber­lin. „Die IHK Ber­lin sieht die Poli­tik im Lead, die stra­te­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen dafür zu schaf­fen, dass Ber­lin die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung ergreift und Wirt­schaft und Gesell­schaft auf dem Weg beglei­tet“, erklärt Hei­ke Schö­ning, zustän­dig für Inno­va­ti­ons­po­li­tik bei der IHK Ber­lin. Zwar hat das Land unter Feder­füh­rung der Senats­ver­wal­tung für Wirt­schaft, Ener­gie und Betrie­be einen par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess zur Erar­bei­tung einer Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie gestar­tet, der Schritt kommt jedoch im Ver­gleich zu ande­ren natio­na­len und inter­na­tio­na­len Regio­nen spät. „Aus Sicht der IHK hän­gen der ziel­füh­ren­de Inhalt der Stra­te­gie sowie ihre Umset­zung ent­schei­dend davon ab, dass das Land Gover­nan­ce-Struk­tu­ren ent­wi­ckelt, die auf ein gemein­sa­mes Ziel aus­ge­rich­tet sind, kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten benen­nen und auf ein­zel­ne Res­sorts beschränk­tem Vor­ge­hen kei­nen Raum las­sen“, betont Hei­ke Schö­ning. „Die bes­te Lösung ist, die Gesell­schaft als Gan­zes mit­zu­neh­men und die in Ber­lin erprob­ten smar­ten Tech­no­lo­gi­en selbst­be­wusst in die Stadt­ent­wick­lung zu inte­grie­ren.“

Mobi­li­tät

Was smar­te Tech­no­lo­gi­en in Zukunft leis­ten kön­nen, zeigt sich beim The­ma Mobi­li­tät. Zwi­schen Ernst-Reu­ter-Platz und Bran­den­bur­ger Tor wur­de auf der Stra­ße des 17. Juni im zwei­ten Halb­jahr 2019 eine Test­stre­cke für die Zukunfts­tech­no­lo­gi­en des auto­ma­ti­sier­ten und ver­netz­ten Fah­rens ein­ge­rich­tet. Über 100 Sen­so­ren erfas­sen Wet­ter­ver­hält­nis­se, Ver­kehrs­auf­kom­men, Park­si­tua­ti­on, Umwelt­be­las­tung oder Stra­ßen­be­schaf­fen­heit. Das Sze­na­rio für die Zukunft: Ver­netz­te Fahr­zeu­ge mel­den den Zustand des Stra­ßen­be­lags, scan­nen freie Park­plät­ze oder mes­sen Bewe­gungs­strö­me. Dies dient dann der Ver­bes­se­rung von Ver­kehrs­len­kung in Echt­zeit genau­so wie der Sicher­heit von Ver­kehrs­teil­neh­mern sowie der daten­ge­trie­be­nen Len­kung von Inves­ti­tio­nen in die mul­ti­moda­le Mobi­li­tät.

Wirtschaftsinformatikerin Dr. Olga Willner forscht an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin am Schwerpunkt Intelligente Systeme
Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ke­rin Dr. Olga Will­ner forscht an der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft Ber­lin am Schwer­punkt Intel­li­gen­te Sys­te­me. Neue Funk­stan­dards, Glas­fa­ser und 5G-Cam­pus­net­ze sind die Grund­la­ge etwa für das daten­in­ten­si­ve Inter­net der Din­ge. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Beim Blick in die Zukunft Ber­lins ist der Mega­trend nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät neben der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on zen­tral. Eine der drän­gends­ten Fra­gen lau­tet: Wie lässt sich Mobi­li­tät für Men­schen und Waren in der Haupt­stadt bei wach­sen­der Ver­kehrs­nach­fra­ge und mit den Erfor­der­nis­sen einer nach­hal­ti­gen Emis­si­ons­sen­kung über­haupt erhal­ten? Anne Klein-Hit­paß, Pro­jekt­lei­te­rin Städ­ti­sche Mobi­li­tät der Denk­fa­brik Ago­ra Ver­kehrs­wen­de, kann sich fol­gen­des Sze­na­rio vor­stel­len: „Im Jahr 2030 zei­gen sich die Erfol­ge einer nach­hal­ti­gen, men­schen­ge­rech­ten Ver­kehrs­po­li­tik, die Anfang der 2020er immer muti­ger umge­setzt wur­de.“ Der Umgang mit dem öffent­li­chen Raum habe sich grund­le­gend gewan­delt, ergänzt die Exper­tin. „Dem pri­va­ten Pkw wur­de mehr und mehr Platz ent­zo­gen, gleich­zei­tig wur­de der Umwelt­ver­bund, bestehend aus ÖPNV, Fuß- und Rad­ver­kehr, zu einem Mobi­li­täts­ver­bund wei­ter­ent­wi­ckelt, der neue Mobi­li­täts­diens­te wie Car- und Ridesha­ring inte­griert.“

Bei allen Gedan­ken­spie­len spielt der Aus­bau des ÖPNV eine ent­schei­den­de Rol­le. Ziel wird sein, dass mehr Men­schen in der wach­sen­den Stadt ihre beruf­li­chen Wege mit dem ÖPNV zurück­le­gen. „Dafür muss das Pen­deln mit dem ÖPNV attrak­ti­ver wer­den“, ist sich Anne Klein-Hit­paß sicher. „Es braucht ein qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Ange­bot, mit attrak­ti­ven Tak­ten und Prei­sen.“ Für ein qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Ange­bot gel­te es unter ande­rem, das Regio­nal- und S-Bahn­an­ge­bot schnell und stark aus­zu­wei­ten, das U-Bahn-Ange­bot zu ergän­zen, das Tram- und Bus­an­ge­bot zu ver­bes­sern sowie die Net­ze enger zu ver­knüp­fen. Zudem sei­en siche­re Fahr­rad­ab­stell- sowie Park+Ride-Anlagen nötig. Dar­über hin­aus bil­den Rad­schnell­ver­bin­dun­gen gera­de in Ver­knüp­fung mit dem ÖPNV ein Poten­zi­al, das bis­lang noch nicht geho­ben wur­de.

Für den Erhalt der Mobi­li­tät von Waren geht es nach Über­zeu­gung der Exper­ten von Ago­ra Ver­kehrs­wen­de unter ande­rem dar­um, den Stadt­ver­kehr nach Kri­te­ri­en wie Ver­läss­lich­keit, Kli­ma­schutz und Ver­kehrs­si­cher­heit zu orga­ni­sie­ren und mehr Platz zu schaf­fen für ein siche­res Neben- und Mit­ein­an­der von Lie­fer­ver­kehr und Rad­ver­kehr. Der Lie­fer­ver­kehr benö­tigt dafür freie Lade- und Lie­fer­zo­nen. Zudem zäh­len zu den wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer effi­zi­en­ten Paket- und Lie­fer­lo­gis­tik geeig­ne­te Logis­tik­flä­chen und Umschlag­plät­ze in den Stadt­quar­tie­ren, soge­nann­te Mikro­de­pots. Denk­bar wäre für den städ­ti­schen Güter­ver­kehr auch ein dyna­mi­scher Preis­me­cha­nis­mus, der nach Zeit, Ort und Emis­sio­nen dif­fe­ren­ziert in der gesam­ten Haupt­stadt­re­gi­on dafür sorgt, Stau­spit­zen zu bre­chen und einen Anreiz zur Bün­de­lung von Fahr­ten zu geben.

Ener­gie

Es gibt noch wei­te­re The­men­fel­der, die einen star­ken Ein­fluss auf ein res­sour­cen­spa­ren­des und nach­hal­ti­ges Leben und Arbei­ten in die­sem Jahr­zehnt haben wer­den, Ener­gie und Umwelt etwa. Zen­tra­les Ziel des Senats ist ein kli­ma­neu­tra­les Ber­lin im Jahr 2050. Damit das rea­lis­tisch bleibt, sol­len bereits bis 2030 kli­ma­schäd­li­che Koh­len­di­oxid-Emis­sio­nen um 60 Pro­zent gegen­über dem Jahr 1990 gesenkt wer­den. Dies wird nur durch ein Bün­del unter­schied­li­cher Maß­nah­men zu errei­chen sein. Ein umwelt­freund­li­ches und ener­gie­ef­fi­zi­en­tes Ber­lin im Jahr 2030 wird bei­spiels­wei­se aus Neu­bau­quar­tie­ren bestehen, die sich durch Kli­ma­neu­tra­li­tät aus­zeich­nen. „Ihre Gebäu­de sind intel­li­gent mit­ein­an­der ver­netzt und erzeu­gen den benö­tig­ten Strom wei­test­ge­hend selbst“, beschreibt Micha­el Geiß­ler, Chef der Ber­li­ner Ener­gie­agen­tur. „Strom­spei­cher sind selbst­ver­ständ­lich, genau­so wie zum Bei­spiel Elek­tro­au­tos, die Son­nen­en­er­gie tan­ken, zudem wur­den vie­le Bestands­quar­tie­re moder­ni­siert und benö­ti­gen nun deut­lich weni­ger Ener­gie.“ Zu den umwelt­freund­li­chen Hel­fern zäh­len auch begrün­te Dach­flä­chen zur Solar­strom­erzeu­gung. Dage­gen sind Ölhei­zun­gen im Jahr 2030 pas­sé.

Michael Geißler ist Geschäftsführer der Berliner Energieagentur GmbH
Micha­el Geiß­ler ist Geschäfts­füh­rer der Ber­li­ner Ener­gie­agen­tur GmbH. Er setzt auf die Ver­knüp­fung der Sek­to­ren Wär­me, Strom und Ver­kehr, um mehr erneu­er­ba­re Ener­gi­en in das Gesamt­sys­tem zu inte­grie­ren und damit Ber­lin zu einer kli­ma­freund­li­chen Metro­po­le zu machen. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Um das Sze­na­rio einer kli­ma­freund­li­che­ren Haupt­stadt Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen, gilt es bereits vor­han­de­ne Lösun­gen auch flä­chen­de­ckend umzu­set­zen. „Um mehr erneu­er­ba­re Ener­gi­en in das Gesamt­sys­tem zu inte­grie­ren, benö­ti­gen wir eine funk­tio­nie­ren­de Sek­tor­kopp­lung, also die intel­li­gen­te Ver­knüp­fung der Sek­to­ren Wär­me, Strom und Ver­kehr“, for­dert Geiß­ler. Der „Mas­ter­plan Solar­ci­ty“ zei­ge, wie es mit dem Aus­bau der Solar­ener­gie in der Stadt gehen kann. „Nun müs­sen sich öffent­li­che Hand und pri­va­te Wirt­schaft gemein­sam anstren­gen, um die gesteck­ten Zie­le zu errei­chen.“ An Orten wie dem Wis­sen­schafts­stand­ort Adlers­hof oder dem Euref-Cam­pus ent­ste­hen bereits heu­te vie­le inno­va­ti­ve Ide­en für das Kli­ma. Künf­tig wird bei­spiels­wei­se auch die Urban Tech Repu­blic mit einem zukunfts­ori­en­tier­ten Ener­gie­kon­zept inter­es­sier­te Bli­cke auf sich zie­hen: So soll ein in die­ser Grö­ßen­ord­nung welt­weit ein­zig­ar­ti­ges, umwelt­freund­li­ches Nied­rig­tem­pe­ra­tur­netz, das soge­nann­te LowEx-Netz, den künf­ti­gen Indus­trie- und For­schungs­stand­ort eben­so wie das auf dem Are­al des Tegeler Flug­ha­fens ent­ste­hen­de Schu­ma­cher Quar­tier mit Käl­te und Wär­me ver­sor­gen.

Wich­tig ist in die­sem Zusam­men­hang natür­lich auch, dass Ber­lin das selbst gesteck­te Ziel einer CO 2-neu­tra­len Ver­wal­tung bis 2030 erreicht. „Die öffent­li­che Hand muss mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen, wenn sie Bür­ger und Unter­neh­men glaub­wür­dig über­zeu­gen will, mehr für den Kli­ma­schutz zu tun“, betont Geiß­ler. „Egal ob effi­zi­en­te Ener­gie­ver­sor­gung oder Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en: Die öffent­li­che Hand kann mit ihrer Vor­bild­funk­ti­on eine posi­ti­ve Strahl­kraft für mehr Kli­ma­schutz in Ber­lin ent­fa­chen.“

Ver­wal­tung

Gera­de im Hin­blick auf die Gestal­tung der Digi­ta­li­sie­rung steht Ber­lins Ver­wal­tung vor wei­te­ren wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen: Wel­che Auf­ga­ben erle­di­gen Behör­den? Was wird als Auf­trag aus­ge­schrie­ben? Wie sol­len lan­des­ei­ge­ne Gesell­schaf­ten ein­ge­bun­den und wel­che Betrei­ber­mo­del­le geför­dert wer­den? „Ich bin froh, dass das Bewusst­sein für die­se neue Auf­ga­ben­stel­lung spür­bar wächst“, sagt Nico­las Zim­mer, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Tech­no­lo­gie­stif­tung Ber­lin. Die Ver­wal­tung der Zukunft müs­se sich als Dienst­leis­te­rin ver­ste­hen, Daten für Bür­ger und Unter­neh­men und damit für wei­te­re Ent­wick­lun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len und Trans­pa­renz her­zu­stel­len. Zim­mer: „Vor­den­ke­rin und Dienst­leis­te­rin der digi­ta­len Ent­wick­lung: Das ist ein ganz schö­ner Spa­gat, aber die inno­va­ti­ve und digi­ta­le Ver­wal­tung wird sich dadurch aus­zeich­nen, dass ihr genau die­ser Spa­gat gelingt.“

Sebastian Stietzel ist Mitglied der Geschäftsführung der Social Chain AG und Vorsitzender des Kompetenzteams Mittelstand der IHK Berlin
Sebas­ti­an Stiet­zel ist Mit­glied der Geschäfts­füh­rung der Soci­al Chain AG und Vor­sit­zen­der des Kom­pe­tenz­teams Mit­tel­stand der IHK Ber­lin. Stiet­zel enga­giert sich beim The­ma Moder­ni­sie­rung der Ber­li­ner Ver­wal­tung. Das City­LAB könn­te dafür zur Keim­zel­le wer­den, hofft er. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Auf dem Weg dahin haben die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen den „Zukunfts­pakt Ver­wal­tung“ ins Leben geru­fen. Er soll die Qua­li­tät der Dienst­leis­tun­gen für die Bür­ger und die Unter­neh­men spür­bar ver­bes­sern. Eines der Pro­jek­te des Zukunfts­pak­tes ist das City­LAB mit Sitz im ehe­ma­li­gen Flug­ha­fen Tem­pel­hof. In dem Expe­ri­men­tier­la­bor ent­ste­hen Kon­zep­te für eine am Gemein­wohl ori­en­tier­te Digi­ta­li­sie­rung, und es kön­nen Lösun­gen im klei­nen Maß­stab erprobt wer­den. „Das City­LAB kann und soll­te bei allen Ent­wick­lungs­maß­nah­men eine Schar­nier­funk­ti­on zwi­schen der Ver­wal­tung und der ,Außen­welt‘ wahr­neh­men“, schlägt Sebas­ti­an Stiet­zel vor, Mit­glied der Geschäfts­füh­rung der Soci­al Chain AG und Vor­sit­zen­der des Kom­pe­tenz­teams Mit­tel­stand der IHK Ber­lin. „Für die­se Öff­nung ist es wich­tig, dass das City­LAB Netz­wer­ke zu Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Stadt­ge­sell­schaft her­stellt, wel­che an der Stadt­ent­wick­lung mit­wir­ken wol­len.“ Glei­ches gel­te aber auch anders­her­um: Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Stadt­ge­sell­schaft soll­ten für ihre Anre­gun­gen und Ide­en im City­LAB einen Ansprech­part­ner für den Zugang zu den rele­van­ten Ver­wal­tungs­ein­hei­ten fin­den.“

Stadt­ent­wick­lung

Eine Viel­zahl wei­te­rer The­men wird Ber­lin im neu­en Jahr­zehnt beschäf­ti­gen. Eines, das ganz sicher zu vie­len Dis­kus­sio­nen füh­ren wird, ist der stei­gen­de Kon­kur­renz­druck um ver­füg­ba­re Flä­chen. „Wir brau­chen auch in Zukunft in der Innen­stadt eine Nut­zungs­mi­schung, die Woh­nen und Gewer­be neben­ein­an­der zulässt“, ist Mar­tin Gor­nig vom Deut­schen Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung über­zeugt. „Dafür soll­te ein Kon­zept im Gesamt­in­ter­es­se des Wohn-, Gewer­be- und Lebens­raums der Haupt­stadt ent­wi­ckelt wer­den, ohne dabei eine der Nut­zun­gen zulas­ten der ande­ren zu bevor­zu­gen.“

Beim anhal­ten­den Wett­be­werb um weni­ge Flä­chen funk­tio­niert das mög­li­cher­wei­se nur dann, wenn Ber­lin in die Höhe wächst. Schon jetzt ist klar, dass sich die Sil­hou­et­te Ber­lins in die­ser Deka­de stark ver­än­dert. Der rus­si­sche Inves­tor Mon­Arch hat Ende Novem­ber 2019 den ers­ten Spa­ten­stich für sei­nen 150 Meter hohen Wohn­turm gefei­ert, der neben dem Ein­kaufs­zen­trum Ale­xa ent­ste­hen soll. Höher hin­aus geht es bis­lang nur in Neu­kölln. Dort ist geplant, das Est­rel-Hotel um einen 175-Meter-Turm zu erwei­tern. Der Aus­blick von ganz oben auf das sich wan­deln­de Ber­lin wird ganz sicher nicht nur beim Jah­res­wech­sel span­nend sein.

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