Das Magazin der IHK Berlin

Schwer­punkt

Beweglich bleiben

Berliner Unternehmen arbeiten an Konzepten für die urbane Mobilität von morgen. Damit die Stadt lebenswert bleibt und Menschen und Waren auch in der wachsenden Metropole sicher und umweltfreundlich vorankommen.
von Almut Kaspar Ausgabe 03/2019

Berliner Potsdamer Platz
Berliner Unternehmen arbeiten an Konzepten für die urbane Mobilität von morgen. Foto: getty images/Rico Wasikowski
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Mobilitätsdienstleister vernetzen zunehmend Angebote, um den multimodalen Verkehr von morgen zu ermöglichen.
  • Elektromobilität ist im urbanen Raum auf dem Vormarsch, E-Autos und -Fahrräder bewegen Menschen und Güter.

Rad­fah­rer, über­all Rad­fah­rer. Sie fah­ren auf brei­ten, ebe­nen Rad­we­gen, die mit Pol­lern oder Kan­ten vom Auto­ver­kehr getrennt sind. Pen­deln von Bran­den­burg nach Ber­lin oder quer durch die Stadt auf elf kom­for­ta­blen Rad­schnell­stre­cken, bei­spiels­wei­se ent­lang des Tel­tow­ka­nals von Zehlen­dorf bis zum Bahn­hof Süd­kreuz, min­des­tens drei Meter breit pro Fahrt­rich­tung und nachts beleuch­tet. Oder sie radeln auf der neun Kilo­me­ter lan­gen Rad­bahn unter der Hoch­bahn­stre­cke der U 1 vom Bahn­hof Zoo bis zur Ober­baum­brü­cke.

Unter­wegs sind auch zahl­rei­che E-Las­ten­rä­der. Trans­por­ter, die frü­her noch in zwei­ter Rei­he stan­den und den Ver­kehr behin­der­ten, fah­ren jetzt nur noch über die Stadt ver­teil­te Mikro-Depots an, in denen die Car­go-Bikes bela­den wer­den. Es gibt 100.000 Fahr­rad­stell­plät­ze, dazu dieb­stahl­si­che­re Fahr­rad­sta­tio­nen und -park­häu­ser an Bahn­hö­fen für  Umstei­ger in den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV). U- und S-Bah­nen ver­keh­ren aus­rei­chend und pünkt­lich, auch auf Stre­cken, die es vor zehn Jah­ren noch nicht gab, und sämt­li­che Bus­se der BVG sur­ren elek­trisch durch die Stra­ßen.

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Weil der ÖPNV enorm attrak­tiv gewor­den ist und für Rad­ler einst lebens­ge­fähr­li­che Kreu­zun­gen durch Umbau­maß­nah­men ent­schärft wur­den, ver­zich­ten vie­le Ber­li­ner inzwi­schen aufs eige­ne Auto. Damit ent­fällt die Suche nach Park­plät­zen, die ohne­hin immer weni­ger wer­den – denn in Ein­kaufs­stra­ßen hat jetzt der Lie­fer­ver­kehr Vor­rang. Lei­se Elek­tro-Lkws im Ver- und Ent­sor­gungs­be­trieb fah­ren auch nachts ihre Zie­le an, um den Berufs­ver­kehr zu ent­las­ten. Über­haupt ist es nicht mehr so laut in Ber­lin, vor allem wegen der E-Autos, die jetzt in Mehr­zahl unter­wegs sind. Und die Zahl der töd­li­chen Ver­kehrs­un­fäl­le – frü­her um die 50 pro Jahr – hat rapi­de abge­nom­men.

Will­kom­men in der Haupt­stadt des Jah­res 2030. So könn­te es künf­tig aus­se­hen, wenn das Ber­li­ner Mobi­li­täts­ge­setz, wonach der „Umwelt­ver­bund“ – also Fuß­ver­kehr, Rad­ver­kehr und ÖPNV – sowie der Wirt­schafts­ver­kehr Vor­rang vor dem moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehr bekom­men sol­len, bis dahin umge­setzt wird. Leit­li­nie für alle Pla­nun­gen ist „Visi­on Zero“: das Ziel, Ver­kehrs­un­fäl­le mit schwe­ren Per­so­nen­schä­den auf null zu brin­gen.

Wie wich­tig der Ber­li­ner ÖPNV als Refe­renz für den Per­so­nen­ver­kehr in ganz Deutsch­land ist erklärt Mar­tin Mül­ler-Elsch­ner, Vor­stands­chef der IVU Tech­no­lo­gies AG, im Inter­view mit der Ber­li­ner Wirt­schaft. 

Roland Prejawa ist Geschäftsführer der Urban Cargo FMRP UG
Roland Pre­ja­wa ist Geschäfts­füh­rer der Urban Car­go FMRP UG. Foto: Urban Cargo/Marie Stag­gat

Wirt­schafts­ver­kehr im Mobi­li­täts­ge­setz

Das Gesetz, das Mit­te 2018 in Kraft trat, regelt die Ent­wick­lung von ÖPNV und Rad­ver­kehr und soll in die­sem Jahr um Abschnit­te zum Fuß­ver­kehr und zur intel­li­gen­ten Mobi­li­tät ergänzt wer­den. Zudem soll es auch ver­tieft um den Wirt­schafts­ver­kehr gehen. Die ent­spre­chen­den Plan­wer­ke „Stadt­ent­wick­lungs­plan Mobi­li­tät und Ver­kehr“ und „Inte­grier­tes Wirt­schafts­ver­kehrs­kon­zept (IWVK)“, bei­de im Mobi­li­täts­ge­setz ver­an­kert, wür­den noch im ers­ten Quar­tal dem Senat zum Beschluss vor­ge­legt, ver­si­chert Regi­ne Gün­ther, Sena­to­rin für Umwelt, Ver­kehr und Kli­ma­schutz. „Kam­mern und Ver­bän­de – allen vor­an die IHK Ber­lin – waren in die Erar­bei­tung der Plan­wer­ke ein­ge­bun­den.“ In der poli­ti­schen Dis­kus­si­on sei die Fra­ge aller­dings noch offen, ob es im Rah­men des Mobi­li­täts­ge­set­zes einen eige­nen Teil zur Rege­lung des Wirt­schafts­ver­kehrs geben soll. „Die­se Fra­ge wird nach Abschluss des IWVK und auf des­sen Grund­la­ge in Abstim­mung mit den Akteu­ren ent­schie­den.“

Ser­vice

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Wäh­rend der Wirt­schafts­ver­kehr stän­dig wächst, muss er sich zuneh­mend durch lan­ge Staus und immer län­ge­re Bau­stel­len zu Kun­den und Ein­satz­or­ten quä­len. Jetzt rächt sich, dass die Infra­struk­tur lan­ge ver­nach­läs­sigt wur­de. So muss zum Bei­spiel die Elsen­brü­cke, die Fried­richs­hain-Kreuz­berg und Trep­tow-Köpe­nick ver­bin­det, voll­stän­dig erneu­ert wer­den, genau­so wie die Wuh­le­tal­brü­cke oder die Sal­va­dor-Allen­de-Brü­cke. Dut­zen­de wei­te­rer Brü­cken kom­men hin­zu, dazu Tun­nel, Fahr­bahn­de­cken oder Schie­nen­stre­cken. Gleich­zei­tig wer­den Stra­ßen­füh­run­gen ver­än­dert und Bau­maß­nah­men an der Stadt­au­to­bahn vor­be­rei­tet. Zudem müs­sen nach und nach Stra­ßen umge­baut wer­den, damit sie den Anfor­de­run­gen des Mobi­li­täts­ge­set­zes ent­spre­chen.

Auch mehr Ein­woh­ner (über 40.000 pro Jahr), mehr Beschäf­tig­te (erst­mals über zwei Mil­lio­nen) und mehr Wirt­schafts­leis­tung (über zwei Pro­zent im ver­gan­ge­nen Jahr) tra­gen dazu bei, dass der Druck auf den Stra­ßen steigt – und nicht in den ÖPNV abge­las­sen wer­den kann. Denn BVG und S-Bahn kön­nen man­gels neu­er Wagen in den Stoß­zei­ten kaum noch mehr Pas­sa­gie­re auf­neh­men, erst ab 2023 sol­len neue Züge gelie­fert wer­den. „Wohin dann mit dem Lie­fer­ver­kehr?“, fragt Jochen Brück­mann, Bereichs­lei­ter Stadt­ent­wick­lung und Inter­na­tio­na­le Märk­te bei der IHK Ber­lin. „Wenn für ihn kei­ne Lösun­gen gefun­den wer­den, droht alles nur noch schlim­mer zu wer­den.“ Des­halb brau­che auch der Wirt­schafts­ver­kehr, wie schon der Rad­ver­kehr und der ÖPNV, eige­ne gesetz­li­che Rege­lun­gen, die sei­ne Funk­ti­ons­fä­hig­keit auch in Zukunft sichern.

Dazu hat die IHK einen Kata­log von kon­kre­ten Vor­schlä­gen ein­ge­bracht. So sol­len bei­spiels­wei­se in Geschäfts­stra­ßen Lade­zo­nen ein­ge­rich­tet und kon­se­quent frei gehal­ten wer­den sowie Dau­er­par­ken ver­mie­den wer­den – etwa durch höhe­re Buß­gel­der für Falsch­par­ker oder die Ungül­tig­keit von Anwoh­ner­park­aus­wei­sen auf die­sen Stra­ßen. Um den Ver­kehrs­fluss im Haupt­stra­ßen­netz nicht unnö­tig durch unab­ge­stimm­te Bau­maß­nah­men zu behin­dern, soll das Land Ber­lin sicher­stel­len, dass all die­se Maß­nah­men mit­ein­an­der koor­di­niert wer­den. An neur­al­gi­schen Abschnit­ten soll der Lkw-Ver­kehr bevor­rech­tigt wer­den, indem er dort zum Bei­spiel Bus­spu­ren nut­zen darf. Gefor­dert wer­den der Auf­bau und die Pfle­ge einer Daten­ba­sis zum Wirt­schafts­ver­kehr, um eine effek­ti­ve Ver- und Ent­sor­gung der Stadt auch bei not­wen­di­gen Ein­grif­fen in die Ver­kehrs­net­ze sicher­zu­stel­len. Ein wei­te­rer Punkt aus dem IHK-Kata­log ist die Ein­rich­tung eines flä­chen­de­cken­den Net­zes anbie­ter­of­fe­ner Mikro-Depots für die Fein­ver­tei­lung von KEP (Kurier/Express/Paket)-Lieferungen mit Las­ten­rä­dern oder Elek­tro-Leicht­fahr­zeu­gen.

Wir lie­fern Essen für Mee­tings aus. Das muss schnell gehen. Wir schaf­fen das.
Roland Pre­ja­wa, Urban Car­go FMRP UG

„Für die mit dem Online-Ver­sand­han­del wach­sen­de Paket-Logis­tik braucht Ber­lin drin­gend smar­te Lösun­gen, sonst ste­hen die Lie­fer­wa­gen künf­tig in der Stra­ßen­mit­te“, sagt Laris­sa Zeich­hardt, Geschäfts­füh­re­rin der LAT Funk­an­la­gen-Ser­vice GmbH sowie stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des IHK-Aus­schus­ses Stadt­ent­wick­lung und Infra­struk­tur – und ver­weist auf das Pilot­pro­jekt KoMo­Do in Prenz­lau­er Berg. Hier nut­zen die fünf größ­ten deut­schen Paket­dienst­leis­ter DHL, DPD, GLS, Her­mes und UPS erst­mals gemein­sam einen inner­städ­ti­schen Umschlag­platz mit getrenn­ten Mikro-Depots, um von dort mit Las­ten­rä­dern die „letz­te Mei­le“ zu den Emp­fän­gern ihres Lie­fer­guts zurück­zu­le­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den in Deutsch­land über 3,5 Mrd. KEP-Sen­dun­gen zuge­stellt, 2022 wer­den es weit über vier Mrd. sein.

Lie­fe­run­gen per Car­go-Bike und E-Drei­rad

Bereits vor drei Jah­ren grün­de­te Roland Pre­ja­wa sein Start-up Urban Car­go und war damit der ers­te deut­sche B2B-White-Label-KEP-Dienst­leis­ter. „Der Online-Händ­ler Ama­zon such­te damals in Ber­lin einen Car­ri­er mit Car­go-Bikes und elek­tri­schen Leicht­fahr­zeu­gen, der für Ama­zon Prime Now aus­lie­fert – da müs­sen Bestel­lun­gen vom glei­chen Tag inner­halb von zwei Stun­den zuge­stellt wer­den.“ Mit Ama­zon betrieb Pre­ja­wa einen Hub  mit Ser­vice-Point, Werk­statt und Lade­sta­tio­nen in der Tief­ga­ra­gen-Ebe­ne des Ku’damm-Karrees. Weil dort nun gebaut und moder­ni­siert wird, sucht der Unter­neh­mer gera­de einen neu­en Hub in Kreuz­berg oder Mit­te. Bei Urban Car­go sind fast 30 Fah­rer ange­stellt, die im Schicht­dienst acht Car­go-Bikes, fünf elek­tri­sche Drei­rä­der und ein Elek­tro­fahr­zeug steu­ern. Neben Ama­zon hat die Fir­ma heu­te ein zwei­tes Stand­bein: Busi­ness Cate­ring Deli­very. „Das heißt, dass wir für Ber­li­ner Cate­rer das Essen für Mee­tings oder ande­re Ver­an­stal­tun­gen aus­lie­fern – das muss schnell gehen, und das schaf­fen wir.“

Beres Seelbach ist CEO der Ono Tretbox GmbH
Beres Seel­bach ist CEO der Ono Tret­box GmbH. Foto: ONO Moti­on

Das Pro­blem, dass Kurie­re auf her­kömm­li­chen Las­ten­rä­dern unge­schützt bei jedem Wet­ter fah­ren müs­sen, will das Ber­li­ner Start-up Ono lösen. Das Team um E-Mobi­li­ty-Pio­nier Beres Seel­bach, zu dem auch Ex-Volks­wa­gen-Chef­de­si­gner Murat Gün­ak gehört, hat ein neu­ar­ti­ges E-Car­go-Bike mit über­dach­ter Fah­rer­ka­bi­ne ent­wi­ckelt. „Unse­re Ono ist der per­fek­te Hybrid aus Fahr­rad und Trans­por­ter“, sagt CEO Seel­bach. Das Leicht­bau-Drei­rad, das mit aus­tausch­ba­ren Trans­port­con­tai­nern bela­den wird und ein Lade­vo­lu­men von über zwei Kubik­me­tern hat, soll die­ses Jahr in Serie gehen. „Wir wer­den die Pro­duk­ti­on von weni­ger als 50 Stück im ers­ten über meh­re­re 100 im zwei­ten Jahr bis hin zu eini­gen 1.000 in fünf Jah­ren stei­gern.“ Mit der Fer­ti­gung sei ein deut­sches Auto­mo­ti­ve-Unter­neh­men beauf­tragt wor­den. Die Onos wer­den dann an Lie­fer­diens­te, öffent­li­che Stel­len und Unter­neh­men ver­mie­tet.

An Ono ist, über Umwe­ge, auch Volks­wa­gen betei­ligt, wes­halb die Fir­ma auch im VW-Start-up-Inku­ba­tor in Dres­den bei der Ent­wick­lung der Ono-Pro­to­ty­pen unter­stützt wur­de. „Volks­wa­gen hat erkannt, dass Städ­te der Zukunft neue Mobi­li­täts- und Fahr­zeug­kon­zep­te brau­chen“, sagt Beres Seel­bach, „Autos, auch Elek­tro­au­tos, sind nicht die Lösung – aus unse­rer Sicht lohnt sich jede Inves­ti­ti­on in die Fahr­rad­in­fra­struk­tur, damit der Rad­ver­kehrs­an­teil steigt und die Stra­ßen ent­las­tet wer­den.“

Eine zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­sum­me wür­de die vom Ver­ein „Paper Pla­nes“ erson­ne­ne Rad­bahn unter der U 1 kos­ten, weil das Pro­jekt wegen vie­ler Stra­ßen­kreu­zun­gen hoch­kom­plex ist. Des­halb wird die Ver­kehrs­se­na­to­rin eine Mach­bar­keits­stu­die in Auf­trag geben, „um die ver­kehrs­pla­ne­ri­sche und tech­ni­sche Umsetz­bar­keit für ein Teil­stück in Kreuz­berg zu ermit­teln, näm­lich für die Stre­cke zwi­schen dem Kott­bus­ser Tor und dem Schle­si­schen Tor“.

Die geplan­te Fahr­rad­in­fra­struk­tur und die ande­ren Maß­nah­men wer­den erst peu à peu für rei­ne­re Luft sor­gen. Ber­lin aber muss schnellst­mög­lich die EU-weit gül­ti­gen Luft­qua­li­täts­wer­te ein­hal­ten. Nach einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts wer­den ab Som­mer min­des­tens elf Stra­ßen­ab­schnit­te für Die­sel­fahr­zeu­ge bis zur Abgas­norm Euro 5 gesperrt. Durch­fahrt­ver­bo­te für gan­ze Stadt­zo­nen schätz­te das Gericht als unver­hält­nis­mä­ßig ein. Zudem zeigt eine IHK-Stu­die, dass sich der anhal­ten­de Trend sin­ken­der Luft­be­las­tung auch wei­ter fort­set­zen wird. Den­noch müss­ten im Luft­rein­hal­te­plan, der bis Ende März beschlos­sen wer­den soll, Aus­nah­me­re­ge­lun­gen getrof­fen wer­den, sagt IHK-Bereichs­lei­ter Jochen Brück­mann, „in ers­ter Linie für in den ent­spre­chen­den Stra­ßen­ab­schnit­ten ansäs­si­ge Unter­neh­men und deren Kun­den sowie Lie­fe­ran­ten und Dienst­leis­ter“.

Wir wol­len auf­zei­gen, wie Mobi­li­tät mit sehr viel weni­ger Autos funk­tio­nie­ren kann.
Tim Leh­mann, Insti­tut für urba­ne Mobi­li­tät

Zur Luft­rein­hal­tung kön­nen Unter­neh­men auch direkt bei­tra­gen, etwa mit Ber­lins Pro­gramm „Wirt­schafts­na­he Elek­tro­mo­bi­li­tät“, das die Anschaf­fung von E-Autos mit bis zu 4.000 Euro und leich­ten Nutz­fahr­zeu­gen mit bis zu 8.000 Euro för­dert. Gleich­zei­tig kann auch der Umwelt­bo­nus der Bun­des­re­gie­rung (4.000 Euro) in Anspruch genom­men wer­den.

Bis 2030 sol­len alle Bus­se der BVG elek­trisch fah­ren, schon jetzt wird die gesam­te BVG-Die­sel­bus­flot­te auf neu­es­te Emis­si­ons­stan­dards gebracht. Und die Ber­li­ner Stadt­rei­ni­gung wird 70 Müll­sam­mel­fahr­zeu­ge mit Stick­oxid­fil­tern nach­rüs­ten. Ber­lin nutzt dafür die vom Bund ange­bo­te­ne För­de­rung für die Nach­rüs­tung von Kom­mu­nal­fahr­zeu­gen. Das kön­nen auch Ber­li­ner Unter­neh­men, indem sie die vom Bund aus­ge­lob­te Nach­rüs­tungs­för­de­rung für Hand­werker­fahr­zeu­ge in Anspruch neh­men.

Noch viel wei­ter geht Tim Leh­mann mit sei­nem Insti­tut für urba­ne Mobi­li­tät. Der pro­mo­vier­te Stadt­pla­ner und Archi­tekt hat mit der Kreuz­ber­ger Agen­tur Xoio ein Elek­tro­fahr­zeug namens Mobu­no kon­zi­piert, ein selbst­fah­ren­des Sam­mel­ta­xi auf ein­zeln ansteu­er­ba­ren Kugel­rä­dern, mit ergo­no­mi­schen Sit­zen, Mini­bar und Stau­raum für Gepäck. Weil das Gefährt, das es im Modell auch als Trans­por­ter gibt, extrem wen­dig ist, kön­nen Mobu­nos auf engen Flä­chen geparkt wer­den. Leh­mann sucht aber nicht aktiv nach Inves­to­ren: „Uns ging es dar­um, eine Visi­on zu ent­wi­ckeln für die Mobi­li­täts­de­bat­te hier und in ande­ren Städ­ten – wir wol­len auf­zei­gen, wie künf­tig gute Mobi­li­tät mit sehr viel weni­ger Autos funk­tio­nie­ren kann.“ Trotz­dem wür­de er sich freu­en, wenn Mobu­no tat­säch­lich irgend­wann gebaut wird.

Ber­lin, behaup­tet Leh­mann, habe weni­ger ein Park­platz­pro­blem, son­dern ein Park­pro­blem. „Unge­nutz­te Park­plät­ze gibt es genug“, sagt er. „Wir haben errech­net, dass es rund 80.000 Stell­plät­ze für Lang­zeit­par­ken­de in nicht aus­ge­las­te­ten Park­häu­sern gibt und wei­te­re 50.000 für Über­nacht­par­ken­de auf den Plät­zen der etwa 1.000 Ber­li­ner Dis­coun­ter und Super­märk­te.“ Hier sei­en intel­li­gen­te Model­le zur effi­zi­en­ten Nut­zung gefragt. „Eine Anwoh­ner­vi­gnet­te kos­tet heu­te 20,40 Euro für zwei Jah­re – das sind 3 Cent pro Tag für zehn Qua­drat­me­ter Stra­ßen­flä­che.“ Wenn der Ver­kehr von der Stra­ße geholt wer­den soll, fin­det Tim Leh­mann, müss­te die­ser Preis mas­siv erhöht wer­den – „dann wür­den ver­mut­lich vie­le Ber­li­ner auf ihr eige­nes Auto ver­zich­ten.“ Und viel­leicht auch auf Car­sha­ring umstei­gen.

Dr.-Ing. Tim Lehmann ist Gründer und Leiter des Instituts für urbane Mobilität
Dr.-Ing. Tim Leh­mann ist Grün­der und Lei­ter des Insti­tuts für urba­ne Mobi­li­tät. Foto: Nor­bert Mich­al­ke, BVG

Beim Car­sha­ring liegt Ber­lin bun­des­weit vorn

Beim Car­sha­ring liegt Ber­lin weit vorn in Deutsch­land: Über 3.000 Fahr­zeu­ge kön­nen hier gemie­tet wer­den – zum Bei­spiel von Free-Floa­ting-Anbie­tern wie Car2Go oder Dri­veNow und sta­ti­ons­ba­sier­ten wie Flinks­ter oder Stadt­mo­bil. Beim sta­ti­ons­ba­sier­ten Car­sha­ring ste­hen die Autos auf fes­ten Plät­zen im Stadt­ge­biet und müs­sen dort auch wie­der geparkt wer­den. Free-Floa­ting-Fahr­zeu­ge sind frei geparkt, wer­den über Smart­pho­nes geor­tet und gebucht und dür­fen inner­halb des gesam­ten Nut­zungs­ge­biets abge­stellt wer­den.

„Sta­ti­ons­ba­sier­tes Car­Sha­ring ist eine ernst­haf­te Alter­na­ti­ve zum eige­nen Pkw“, sagt Dani­el Brau­er, Geschäfts­füh­rer von Stadt­mo­bil Ber­lin, „mit unse­ren Fahr­zeu­gen kann man sogar in Urlaub fah­ren, wenn gewünscht, mit Schnee­ket­ten, Fahr­rad­trä­ger, Dach­box oder Anhän­ger­kupp­lung“. Das Unter­neh­men, Teil der bun­des­wei­ten Stadt­mo­bil-Grup­pe, hält 100 Autos auf rund 50 Sta­tio­nen vor – vom Kleinst­wa­gen bis zum Trans­por­ter. „Wir rech­nen nicht pro Minu­te ab wie ande­re Car­sha­rer, son­dern pro Stun­de, Tag oder Woche, kom­bi­niert mit einem Kilo­me­ter-

tarif“, erläu­tert der Geschäfts­füh­rer, „wir wol­len näm­lich nicht, dass unse­re Teil­neh­mer durch die Stadt het­zen müs­sen.“ Stadt­mo­bil-Kun­den kön­nen auch Fahr­zeu­ge des Wett­be­wer­bers Cam­bio nut­zen, der etwa 75 Fahr­zeu­ge an rund 40 Sta­tio­nen anbie­tet. „Wir wol­len die Men­schen vom Auto weg­füh­ren, des­halb machen wir auch kei­ne Gewinn­spiel­chen, bei denen der gewinnt, der am meis­ten fährt, und wir spam­men unse­re Teil­neh­mer auch nicht zu, um sie zu mehr Buchun­gen zu ani­mie­ren“, sagt Dani­el Brau­er. „Wir glau­ben, dass eine Stadt lebens­wer­ter ist, die ihren öffent­li­chen Raum den Men­schen zur Ver­fü­gung stellt, nicht den Autos.“


Unternehmens-Profile

Urban Car­go FMRP UG

Logis­tik­dienst­leis­ter mit Car­go-Bikes und E-Autos

240

Liter Last kön­nen die Car­go-Bikes von Urban Car­go trans­por­tie­ren.
Stand 03.2019

35

Mit­ar­bei­ter hat das 2016 gegrün­de­te Unter­neh­men.
Stand 03.2019

Ono Tret­box GmbH

Ent­wick­ler des Ono Las­ten­fahr­rads

20 %

effi­zi­en­te­re Zustel­lung ver­spricht Ono.
Stand 03.2019

2015

wur­de das Start-up gegrün­det.
Stand 03.2019

Insti­tut für urba­ne Mobi­li­tät

Think-Tank für urba­ne Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se

10

Mit­ar­bei­ter betreu­en zahl­rei­che Mobi­li­täts­in­itia­ti­ven.
Stand 03.2019

2016

wur­de das Insti­tut gegrün­det.
Stand 03.2019

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