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Schwer­punkt

„Berlin braucht eine Vision“

Um Berlin nachhaltiger zu gestalten, bedarf es vor allem einer positiven Story, meint Zukunftsforscher Prof. Dr. Stephan Rammler.
von Michael Gneuss Ausgabe 01/2020

Stephan Rammler vom IZT
Prof. Dr. Stephan Rammler vom IZT Foto: Amin Akhtar
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Stephan Rammler gilt als einer der führenden Mobilitäts- und Zukunftsforscher.
  • Komfortable, digitale Technologien sollten die öffentlichen Verkehrsketten bestimmen.

Als Zukunfts­for­scher, Poli­tik­be­ra­ter und Tech­nik­so­zio­lo­ge denkt Ste­phan Ramm­ler über die Mög­lich­kei­ten nach­hal­ti­ger Mobi­li­tät in Bal­lungs­räu­men nach. Für den wis­sen­schaft­li­chen Direk­tor des IZT – Insti­tut für Zukunfts­stu­di­en und Tech­no­lo­gie­be­wer­tung ist die Digi­ta­li­sie­rung der Schlüs­sel zum Erfolg. Aber nicht, wenn sie pri­va­ten Autos mit Ver­bren­nungs­mo­to­ren zugu­te­kommt. Statt­des­sen müs­sen auf Basis digi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en kom­for­ta­ble inter­mo­da­le öffent­li­che Ver­kehrs­ket­ten ent­ste­hen, meint er. 

Ber­li­ner Wirt­schaft: Braucht Ber­lin Ihrer Ansicht nach eine Visi­on?

Prof. Dr. Ste­phan Ramm­ler: Ein­deu­tig ja, so wie auch ande­re gro­ße Städ­te eine Visi­on brau­chen und auch Deutsch­land und Euro­pa ins­ge­samt.

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War­um ist das so ein­deu­tig?

Weil wir uns in einem extre­men kul­tu­rel­len, öko­no­mi­schen und tech­no­lo­gi­schen Öff­nungs­pro­zess befin­den. Getrie­ben durch glo­ba­le Mega­trends, ver­än­dert sich gleich­zei­tig so viel – mehr, als wir je erlebt haben. Wenn wir die­se Ver­än­de­run­gen mit apo­ka­lyp­ti­scher Rhe­to­rik beglei­ten, ver­wei­gern sich Men­schen dem Wan­del. Wir wis­sen das aus der Sozi­al­psy­cho­lo­gie: Men­schen neh­men neue Infor­ma­tio­nen nur an, wenn sie zu einem posi­ti­ven Welt­bild füh­ren. Um gehört zu wer­den, müs­sen wir also posi­tiv kom­mu­ni­zie­ren. Des­halb brau­chen wir Visio­nen mit posi­ti­ven Bil­dern über eine gelin­gen­de Zukunft.

In Deutsch­land? Wir wol­len über Ber­lin spre­chen.

Ja, aber die mei­nes Erach­tens sinn­volls­te Visi­on für Ber­lin lei­tet sich aus einer Visi­on ab, die wir für ganz Deutsch­land ent­wi­ckeln kön­nen: Für mich bringt Deutsch­land alle Vor­aus­set­zun­gen mit, ein gro­ßes Real­la­bor für eine gelin­gen­de Zukunfts­trans­for­ma­ti­on zu wer­den. Wir haben Tech­no­lo­gi­en, wir haben eine leis­tungs­fä­hi­ge Indus­trie, wir haben sehr vie­le gut aus­ge­bil­de­te Men­schen, wir haben eine fried­li­che und sol­ven­te Gesell­schaft und ein funk­tio­nie­ren­des poli­ti­sches Sys­tem. Deutsch­land ist der Staat in Euro­pa, der Nach­hal­tig­keit vor­an­trei­ben kann. Und Ber­lin ist die größ­te deut­sche Metro­po­le. 

Und des­halb muss Ber­lin zei­gen, wie die Welt nach­hal­tig wirt­schaf­ten kann?

Ja, Urba­ni­sie­rung ist einer der Mega­trends. In Chi­na wer­den in den nächs­ten zehn Jah­ren 300 Mil­lio­nen Men­schen vom Land in Bal­lungs­räu­me zie­hen. Das ist unge­fähr die Bevöl­ke­rungs­zahl der USA. Über­haupt steigt die Welt­be­völ­ke­rung bis 2050 auf zehn Mil­li­ar­den Men­schen an, mit der Fol­ge einer wei­te­ren Ver­dich­tung in Städ­ten. Die Men­ge in der Enge wird zum zivi­li­sa­to­ri­schen Nor­mal­zu­stand. Mobi­li­tät, Bau­en, Ener­gie­er­zeu­gung, Frei­zeit – alles muss unter der Bedin­gung der zuneh­men­den Knapp­heit orga­ni­siert wer­den. Wenn wir der Welt zei­gen wol­len, wie das geht, müs­sen wir das in Ber­lin tun.

Stephan Rammler ist Professor für Transportation Design & Social Sciences an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Ste­phan Ramm­ler ist Pro­fes­sor für Trans­por­ta­ti­on Design & Soci­al Sci­en­ces an der Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te Braun­schweig. Foto: Amin Akhtar

War­um?

Ber­lin hat als Haupt­stadt eine Schau­fens­ter­funk­ti­on. Wenn wir hier Lösun­gen für eine nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät und Ener­gie­ver­sor­gung prä­sen­tie­ren, wird das wahr­ge­nom­men. Und als export­ori­en­tier­tes Land müs­sen wir Lösun­gen für unse­re wich­tigs­ten Absatz­märk­te ent­wi­ckeln – also zum Bei­spiel Asi­en. Dort wer­den die Ver­brau­cher immer mehr Kon­sum­entschei­dun­gen unter der Rah­men­be­din­gung extre­mer Ver­dich­tung tref­fen. Pro­duk­te, die wir dort abset­zen wol­len, müs­sen also dich­te­kom­pa­ti­bel sein.

An wel­che Pro­duk­te den­ken Sie?

Es wer­den jeden­falls auf Dau­er kei­ne gro­ßen Autos mit Ver­bren­nungs­mo­tor für den Pri­vat­be­sitz sein, son­dern intel­li­gen­te, nut­zungs­ef­fi­zi­en­te, digi­tal opti­mier­te Mobi­li­täts­sys­te­me. Wenn wir sol­che Lösun­gen in Asi­en ver­kau­fen wol­len, müs­sen wir sie hier aus­pro­bie­ren. Wir müs­sen hier auf die anwach­sen­den Mobi­li­täts­strö­me reagie­ren und Anfor­de­run­gen der Nach­hal­tig­keits­trans­for­ma­ti­on berück­sich­ti­gen.

In allen Tei­len der Gesell­schaft besteht Unsi­cher­heit, weil der­zeit so viel Neu­es pas­siert.
Prof. Dr. Ste­phan Ramm­ler

Wie kön­nen die­se Mobi­li­täts­sys­te­me Ihrer Ansicht nach aus­se­hen?

Wir müs­sen digi­ta­le Effi­zi­enz in die Mobi­li­täts­sys­te­me brin­gen. Das Rück­grat ist der öffent­li­che Ver­kehr, des­sen Qua­li­tät wir erhö­hen müs­sen und ohne den eine nach­hal­ti­ge urba­ne Mobi­li­tät nicht funk­tio­nie­ren kann. Zum Bei­spiel kön­nen wir durch digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en höhe­re Takt­zei­ten und eine bes­se­re Aus­las­tung der Infra­struk­tur rea­li­sie­ren. Der nächs­te Schritt ist, den öffent­li­chen Ver­kehr über digi­ta­le Schnitt­stel­len mit Ange­bo­ten für die Mikro­mo­bi­li­tät zu ver­bin­den. Das kön­nen Fahr­rä­der, Elek­trorol­ler oder auch Autos sein – aber nicht im Pri­vat­be­sitz, son­dern als Mobi­li­ty as a Ser­vice.

Wir brau­chen also mehr Sharing-Model­le.

Sharing ist zu wenig, wir müs­sen auch Poo­len, also die Beset­zungs­ra­te in den Fahr­zeu­gen erhö­hen. Wir brau­chen mehr Ride­poo­ling-Shut­tles – wie den Berl­kö­nig –, die sie­ben oder acht Men­schen der Rei­he nach am Stadt­rand ein­sam­meln und zur S-Bahn­Sta­ti­on fah­ren. Das kann sehr effi­zi­ent sein, wenn wir die Schnitt­stel­len digi­ta­li­sie­ren. Über eine Appli­ka­ti­on auf dem Smart­pho­ne muss die gan­ze inter­mo­da­le Ver­kehrs­ket­te auto­ma­tisch geplant wer­den. Ver­brau­cher fol­gen nur noch den Ansa­gen. Tech­no­lo­gisch ist das alles mach­bar.

War­um funk­tio­niert es dann noch nicht?

Es muss poli­tisch gewollt und regu­liert wer­den.

Also ist die Poli­tik der Eng­pass.

Ich möch­te nicht von Eng­päs­sen spre­chen, son­dern von Moder­ni­sie­rungs­vor­be­hal­ten. Die Poli­tik ist über­for­dert. Aber sie hat mein größ­tes Mit­ge­fühl, weil sie hoch­kom­ple­xe neue Din­ge ver­ste­hen, bewer­ten und dar­über ent­schei­den muss. Das Wis­sen, das in der Poli­tik­be­ra­tung dafür gebraucht wird, ent­steht erst. Wir machen uns jetzt erst ver­traut mit neu­en digi­ta­len Diens­ten, mit neu­en Tech­no­lo­gi­en und ihren Risi­ken. Poli­tik muss jetzt zwar sehr schnell han­deln, aber sie hat weder die Res­sour­cen noch die Wis­sens­po­ten­zia­le dafür. Kein Wun­der, wenn es gro­ße Unsi­cher­hei­ten gibt.

Seit dem 1. Oktober 2018 ist Rammler wissenschaftlicher Direktor des IZT 
Seit dem 1. Okto­ber 2018 ist Ramm­ler wis­sen­schaft­li­cher Direk­tor des IZT – Insti­tut für Zukunfts­stu­di­en und Tech­no­lo­gie­be­wer­tung. Aku­tell erforscht er den Zusam­men­hang von Digi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit. Foto: Amin Akhtar

Sind die Pro­ble­me anders­wo als in der Poli­tik zu lösen?

Nein, in allen Tei­len der Gesell­schaft besteht Unsi­cher­heit und Unwis­sen­heit, weil der­zeit so viel Neu­es pas­siert, das schwer ein­zu­schät­zen ist – neue digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en, Erd­er­wär­mung, geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te. Vie­le Men­schen wol­len des­halb, dass ein­fach alles so bleibt, wie es ist. Wir sind Gewohn­heits­tie­re. Unser per­sön­li­ches Sicher­heits­emp­fin­den und Wohl­be­fin­den hat viel mit Ritua­len und mit Regel­mä­ßig­keit zu tun. Aber es ist nun ein­mal so, dass wir den Kli­ma­wan­del, den demo­gra­fi­schen Wan­del und die Urba­ni­sie­rung haben – auch in Ber­lin. In einer sol­chen Lage ent­steht schnell ein Vaku­um, das nur die Poli­tik fül­len kann.

Was kann Poli­tik tun?

Sie muss sich infor­mie­ren, Ent­schei­dun­gen tref­fen und alle Bür­ger mit­neh­men, indem sie trans­pa­rent zwi­schen allen Inter­es­sen mode­riert. Wir alle müs­sen uns wei­ter­ent­wi­ckeln. Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gisch betrach­tet, leben wir alle mit Gehir­nen, die dar­auf gepolt sind, unmit­tel­ba­re Gefah­ren zu erken­nen. Kol­la­bo­ra­ti­ve, gemein­schaft­li­che Stra­te­gi­en gegen lang­fris­ti­ge Gefah­ren für die Mensch­heit, die auf jahr­zehn­te­lan­ge Pla­nungs­ho­ri­zon­te aus­ge­rich­tet sind, kennt die mensch­li­che Zivi­li­sa­ti­on noch nicht. Wir fan­gen jetzt erst an, die­se Fähig­kei­ten auf­zu­bau­en – zum Bei­spiel mit Visio­nen.

Es geht um die Zie­le, die wir mit der Digi­ta­li­sie­rung errei­chen wol­len.
Prof. Dr. Ste­phan Ramm­ler

In Ber­lin wol­len die Men­schen vor allem wis­sen, wohin sie die Ent­wick­lung der „wach­sen­den Stadt“ bringt. Wel­che Sto­ry haben Sie dafür?

Das Flä­chen­pro­blem wird in Ber­lin tat­säch­lich das gro­ße The­ma sein. Wir kom­men in eine Pha­se der gro­ßen raum­po­li­ti­schen Debat­ten. Alle Sek­to­ren und alle Bran­chen kon­kur­rie­ren zuneh­mend um den knap­pen Raum in der Stadt. Das ist eine sehr kom­ple­xe Lage. Die Poli­tik muss hier mode­rie­ren und am Ende Ent­schei­dun­gen tref­fen – aber auch Ängs­te neh­men. Ein Bei­spiel: Vie­le Ein­zel­händ­ler haben Angst vor Umsatz­ein­bu­ßen, wenn vor dem Geschäft kei­ne Autos fah­ren. Aber das stimmt nicht.

Wirk­lich nicht?

Wir wis­sen aus Kopen­ha­gen und Stock­holm, wo der Auto­ver­kehr suk­zes­si­ve aus den Städ­ten ver­bannt wird und der Fahr­rad­ver­kehr dafür stark zunimmt, dass der Ein­zel­han­del sogar erfolg­rei­cher wur­de. Ein ande­res Bei­spiel ist die Elek­tro­mo­bi­li­tät. Wir wis­sen, dass die Akzep­tanz von E-Autos um 60 Pro­zent steigt, wenn Men­schen in direk­ten Kon­takt mit ihnen kom­men. Sie sehen dann, wie toll die­se Fahr­zeu­ge sind, spü­ren die Kom­pakt­heit. Gut geschrie­be­ne Sze­na­ri­en bau­en Risi­ko­aver­sio­nen ab und schaf­fen Bereit­schaft zum Aus­pro­bie­ren.

Sagen Sie uns als Zukunfts­for­scher doch mal, wie die Zukunft Ber­lins aus­sieht.

Das kann Zukunfts­for­schung nicht. Ich spre­che sowie­so lie­ber von Zukunfts­ana­ly­tik, für die wir heu­te sehr gute metho­di­sche Mög­lich­kei­ten haben, zum Bei­spiel indem wir mit gro­ßen Daten­men­gen arbei­ten. Aber wir kön­nen nicht sagen, wel­che Zukunft kommt. Wir kön­nen nur sagen, in wel­che Zukunft uns bestimm­te Ent­schei­dun­gen füh­ren kön­nen. Am schöns­ten hat der ame­ri­ka­ni­sche Visio­när Richard Buck­mins­ter Ful­ler das erklärt: Die bes­te Mög­lich­keit, Zukunft vor­her­zu­sa­gen, ist, sie selbst zu gestal­ten. Das ist mein Cre­do. Des­we­gen ist die Fra­ge nach der Digi­ta­li­sie­rung jetzt so wich­tig.

War­um?

Digi­ta­li­sie­rung ist nicht per se gut oder schlecht. Jede Tech­no­lo­gie ist zunächst ein blin­des Instru­ment. Kei­ne Tech­no­lo­gie ist von vorn­her­ein pro­gram­miert oder hat eine Rich­tung in sich. Es geht um die Zie­le, die wir mit der Digi­ta­li­sie­rung errei­chen wol­len. Wenn Digi­ta­li­sie­rung nur die Infra­struk­tu­ren der fos­si­len Zeit moder­ni­siert, wirkt sie wie eine Art Brand­be­schleu­ni­ger und macht das, was schlecht ist, noch schlech­ter. Wenn wir mit ihr aber nach­hal­ti­ge Lebens­sti­le för­dern, schaf­fen wir Lösun­gen für die drän­gends­ten Pro­ble­me die­ser Zeit.

Stephan Rammler ist Experte für eine nachhaltige, postfossile Mobilität
Ste­phan Ramm­ler ist Exper­te für eine nach­hal­ti­ge, post­fos­si­le Mobi­li­tät. Foto: Amin Akhtar

Wie wich­tig ist eine Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie für Ber­lin?

Sehr wich­tig. Digi­ta­li­sie­rung kann vie­les sein: Robo­tik, künst­li­che Intel­li­genz, maschi­nel­les Ler­nen, Kon­nek­ti­vi­tät, Big Data, Aug­men­ted Rea­li­ty. Da gibt es unter­schied­li­che Inno­va­ti­ons­li­ni­en, die sich sehr kom­plex auf­ein­an­der bezie­hen. Die­se Tech­no­lo­gi­en kön­nen wir so oder so ein­set­zen. Ich hal­te es zum Bei­spiel für bedenk­lich, das digi­ta­le Manage­ment unse­rer Daseins­vor­sor­ge den gro­ßen Daten­kra­ken zu über­las­sen. Wir brau­chen statt­des­sen Daten-Sharing-Model­le und Leit­bil­der für Ber­lin, damit digi­ta­le Inno­va­ti­ons­pro­jek­te auf die gewünsch­ten Zie­le aus­ge­rich­tet wer­den.

Muss Ber­lin wach­sen, oder hat die Poli­tik auch eine Alter­na­ti­ve dazu?

Stadt­po­li­tik soll­te nicht so weit gehen, zu ent­schei­den, wie vie­le Men­schen wo leben dür­fen. Das wäre eine plan­wirt­schaft­li­che Kom­po­nen­te, von der ich nichts hal­te. Men­schen soll­ten frei im Rah­men von Ange­bot und Nach­fra­ge über ihren Lebens­mit­tel­punkt ent­schei­den kön­nen. Poli­tik hat die Auf­ga­be, im Rah­men des Mög­li­chen adäqua­te Lebens­be­din­gun­gen für alle zu schaf­fen – und zwar für die, die schon in der Stadt sind, und auch für die, die kom­men möch­ten. Men­schen wol­len dort leben, wo sie inter­es­san­te Jobs fin­den – und das sind die Städ­te.

Hat Poli­tik kei­ne Steue­rungs­mög­lich­kei­ten?

Doch. Viel­leicht wäre es vor Deka­den klü­ger gewe­sen, auch länd­li­che Räu­me stär­ker zu för­dern. Aber der Staat hat sich eben aus sol­chen sied­lungs­po­li­ti­schen Steue­rungs­the­men zurück­ge­zo­gen. Es ist nicht zwangs­läu­fig so, dass Men­schen Städ­ter sein wol­len. Wenn in Bran­den­bur­ger Regio­nen die digi­ta­le Infra­struk­tur aus­ge­baut wird, kann ich mir sehr gut vor­stel­len, dass sich Fir­men dort enga­gie­ren und in guter Erreich­bar­keit von Ber­lin dort Mit­ar­bei­ter ansie­deln.

Ist die Ver­dich­tung in urba­nen Räu­men aus öko­lo­gi­schen Grün­den begrü­ßens­wert oder eher nicht?

In kom­pak­ten Sied­lungs­struk­tu­ren kann ich Nach­hal­tig­keit natür­lich viel bes­ser umset­zen. Ich brau­che dar­in kei­ne fos­si­le Auto­mo­bi­li­tät. Ich muss aber natür­lich die Dich­te so orga­ni­sie­ren, dass sie für den Men­schen nicht zum Stress­fak­tor wird. Es muss auch auf die Gerech­tig­keit geach­tet wer­den, also auf den Zugang zu Wohn­raum und auf Grün­raum – auch den brau­chen Men­schen. Wenn das alles rich­tig orches­triert wird, kön­nen Städ­te zu sehr effi­zi­en­ten Räu­men für nach­hal­ti­ge Lebens­wei­sen wer­den.

Was hal­ten Sie von Bür­ger­be­tei­li­gun­gen für die Stadt­ent­wick­lung?

Das ist unab­ding­bar. Kopen­ha­gen bei­spiels­wei­se hat sich schon vor 30 Jah­ren das Ziel gesetzt, eine kli­ma­neu­tra­le Stadt zu wer­den. Die Stra­te­gi­en dafür wur­den sehr fein für ein­zel­ne Quar­tie­re ange­passt und in par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zes­sen hin­ter­legt. Jedes Quar­tier ist ja anders. Die Pro­jek­te wur­den mit den Bür­gern gemein­sam umge­setzt. Par­ti­zi­pa­ti­on ist ein wich­ti­ges legi­ti­mi­täts­stei­gern­des Instru­ment, vor allem dort, wo wir kom­ple­xe von Tech­no­lo­gi­en gepräg­te Inno­va­ti­ons­pro­zes­se haben.

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