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„Berlin ist für Gründer jetzt richtig gut“

Seit etwa einem Jahr ist der Seriengründer und Business Angel Constantin Bisanz wieder in Berlin. Er glaubt, dass die Rahmenbedingungen für Start-ups in der Bundeshauptstadt besser sind denn je, vor allem weil immer mehr Anleger von Risikokapital nach Berlin kommen.
von Michael Gneuss Ausgabe 01/2019

Constantin Bisanz, Seriengründer und Business Angel
Constantin Bisanz gründete unter anderem die Start-ups TruckScout24, Brands4Friends, Aloha.com und SunshineSmile. Foto: Christian Kielmann
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Berlin hat sich zum perfekten Standort für Start-ups entwickelt.
  • Fachkräfte, günstige Mieten und Netzwerke locken Gründer weltweit an.

Ber­li­ner Wirt­schaft: Als Stand­ort für Ihr neu­es Start-up Sunshi­neS­mi­le haben Sie Ber­lin gewählt – so wie Sie es vor mehr als zehn Jah­ren auch für Brands4Friends gemacht haben. War­um grün­den Sie so gern in Ber­lin? 

Con­stan­tin Bis­anz: Die Stand­ort­wahl ist für mich eine prag­ma­ti­sche Ent­schei­dung. Es geht dar­um, was gut für das Unter­neh­men ist. Ich habe mit Aloha.com zuvor auch ein Start-up in New York auf­ge­baut, und der Sitz des Por­tals für den Han­del mit Nutz­fahr­zeu­gen, das ich vor Brands4Friends gegrün­det habe, ist Mün­chen. Aber für Sunshi­neS­mi­le ist Ber­lin die rich­ti­ge Stadt.

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War­um?

Ich habe in den USA ein Unter­neh­men ken­nen­ge­lernt, das Zäh­ne rich­tet für knapp ein Vier­tel des sonst nöti­gen Gel­des – statt 8.000 Dol­lar bezah­len Sie auf die­se Wei­se nur noch 1.800 Dol­lar. Und Sie müs­sen bei die­sem Anbie­ter auch nicht alle zwei Wochen zum Arzt gehen. Ich habe es selbst aus­pro­biert und woll­te die­se Idee nach Deutsch­land brin­gen. Und in Deutsch­land ist Ber­lin im Moment der bes­te Stand­ort für ein Start-up.

Weil Sie am ein­fachs­ten geeig­ne­te Mit­ar­bei­ter fin­den? 

Ber­lin hat als Start-up-Hub vie­le Vor­tei­le. Hier gibt es eine Men­ge Men­schen, die unter­neh­me­risch tätig sein wol­len. Die vie­len erfolg­rei­chen Start-ups, die hier ent­stan­den sind, moti­vie­ren zu neu­en Grün­dun­gen sowie zur Mit­ar­beit in sol­chen Fir­men. Außer­dem haben die Finan­ciers Ber­lin ent­deckt. Es kom­men auch aus den USA immer mehr Risi­ko­ka­pi­tal­ge­ber, weil sie hier inves­tie­ren wol­len. Außer­dem zie­hen Leu­te aus der gan­zen Welt nach Ber­lin, um Start-ups zu grün­den oder in Start-ups zu arbei­ten. Die Sound­cloud-Grün­der kom­men aus Schwe­den. Im N26-Team sind Grün­der, die – wie ich – aus Öster­reich stam­men.

Aber es hat sich doch bestimmt her­um­ge­spro­chen, dass auch in Ber­lin die Mie­ten kräf­tig stie­gen.

Ja, das stimmt. Aber die ande­ren gro­ßen Metro­po­len, die mit Ber­lin ver­gli­chen wer­den, sind noch deut­lich teu­rer. In New York habe ich vier­mal so viel Mie­te bezahlt wie hier in Ber­lin. Ich höre im Aus­land oft, dass Ber­lin der­zeit „the hot­test town in the world“ ist. Die Club­sze­ne hat immer noch einen sehr guten Ruf, das ist auch viel wert. Für Grün­der ist letzt­lich inter­es­sant, dass es hier ein sehr gut aus­ge­bau­tes Öko­sys­tem für Start-ups gibt. Inku­ba­to­ren wie Rocket Inter­net haben viel dazu bei­getra­gen.

War­um sind Inku­ba­to­ren für ein Start-up-Öko­sys­tem so wich­tig?

Sie tra­gen dazu bei, dass es vie­le Leu­te in der Stadt gibt, die schon Erfah­rung in Start-ups gesam­melt haben. Wer ein Unter­neh­men auf­baut, dem liegt viel dar­an, Leu­te zu fin­den, die schon ein paar Jah­re Erfah­rung in neu gegrün­de­ten Fir­men haben oder auch als Unter­neh­mens­be­ra­ter tätig waren. In Ber­lin gibt es die. Auch IT-Ent­wick­ler sind hier ein­fa­cher zu fin­den als anders­wo.

Constantin Bisanz, Business Angel
Mehr­fach wur­de Bis­anz für sei­ne Tätig­keit als Unter­neh­mer geehrt, so zum Bei­spiel als „Ger­man Entre­pre­neur of the Year“ von der Har­vard Busi­ness School Asso­cia­ti­on. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

War es denn schwie­rig, für Ihr neu­es Unter­neh­men Mit­ar­bei­ter zu fin­den? 

Es ist nie leicht, gute Leu­te zu fin­den. Aber wir konn­ten das Per­so­nal bei Sunshi­neS­mi­le sehr zügig auf mitt­ler­wei­le 80 Mit­ar­bei­ter auf­sto­cken. Es geht also. Sehr beein­dru­ckend ist die Inter­na­tio­na­li­tät hier: Rund 90 Pro­zent unse­rer Mit­ar­bei­ter kom­men aus ande­ren Län­dern – Chi­na, Tai­wan, Japan, Indi­en, Tür­kei, USA, Afgha­ni­stan zum Bei­spiel. Das ist sehr breit gefä­chert.

Sehen Sie auch noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­zia­le für das Start-up-Öko­sys­tem Ber­lin?

Das Wet­ter im Win­ter.

Dafür war der Som­mer aber sehr schön.

Stimmt, und das ist auch wich­tig. Ich mei­ne das ernst. In den USA legen die Leu­te sehr viel Wert dar­auf, Life­style und Arbei­ten mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Anders ist auch der Auf­schwung von Sili­con Beach in der Metro­pol­re­gi­on von Los Ange­les nicht zu erklä­ren. Dort gibt es schon mehr als 500 Tech-Start-ups. Was in Ber­lin lang­sam zum Pro­blem wird, ist der Man­gel an Büro­flä­chen. Aber ansons­ten ist alles da – vor allem glau­be ich, dass hier noch sehr viel mehr Risi­ko­ka­pi­tal unter­ge­bracht wer­den wird. Ber­lin ist für Grün­der jetzt rich­tig gut.

Ein deut­sches Sili­con Val­ley?

Im Sili­con Val­ley gab es am Anfang Uni­ver­si­tä­ten und Risi­ko­ka­pi­tal. Die­se Stand­ort­fak­to­ren gibt es in Ber­lin auch, bezie­hungs­wei­se es wird sie geben, wenn noch mehr Risi­ko­ka­pi­tal­ge­ber da sind. Ansons­ten pro­fi­tiert Ber­lin auch davon, dass vie­le im Sili­con Val­ley kei­ne Zukunft mehr sehen, weil es zu teu­er und zu wett­be­werbs­in­ten­siv ist. Es gibt dort mitt­ler­wei­le zu vie­le gro­ße Inter­net­kon­zer­ne. Mit den Gehäl­tern, die Goog­le, Face­book & Co. zah­len kön­nen, kann kein Start-up mehr mit­hal­ten.

Als Grün­der braucht man eine star­ke Visi­on. Ich selbst habe früh damit ange­fan­gen, mei­ne Zie­le auf­zu­schrei­ben und dar­aus Zehn-Jah­res-Zie­le abzu­lei­ten.
Con­stan­tin Bis­anz

Sie sind auch Busi­ness Angel. Wel­chen Rat­schlag geben Sie jun­gen Men­schen, die Fir­men grün­den wol­len? 

Man braucht eine star­ke Visi­on. Ich selbst habe früh ange­fan­gen, mei­ne Zie­le auf­zu­schrei­ben und dar­aus Zehn-Jah­res-Zie­le abzu­lei­ten. Das hat mich immer sehr stark moti­viert. Außer­dem gehört Mut zum Grün­den dazu, und es ist wich­tig, mit den rich­ti­gen Leu­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten. Ich rate jedem dazu, sich auf die eige­nen Stär­ken zu kon­zen­trie­ren und im Grün­der­team mit ande­ren zusam­men­zu­ar­bei­ten, die die Schwä­chen aus­glei­chen kön­nen. Ich selbst arbei­te nur noch in kom­ple­men­tä­ren Grün­der­teams, die genau nach die­sem Prin­zip auf­ge­stellt sind. Außer­dem ach­te ich dar­auf, dass jeder die rich­ti­gen Anrei­ze hat.

Was mei­nen Sie damit? 

Die Antei­le am Unter­neh­men soll­ten so auf­ge­teilt sein, dass jeder hoch moti­viert ist. Es bringt nichts, nur dar­auf zu ach­ten, dass man selbst mög­lichst vie­le Pro­zen­te hat. Es darf nur dar­um gehen, was gut für das Unter­neh­men ist. Wich­tig ist auch, nach den rich­ti­gen Inves­to­ren zu suchen. Es gibt gute und schlech­te Inves­to­ren. Die guten geben einem nicht nur Geld, son­dern kön­nen auch hel­fen, wenn es mal schwie­rig wird – nach dem Mot­to: Geht nicht, gibt’s nicht. Ein Start-up-Grün­der steht stän­dig vor irgend­wel­chen Hür­den, die er weg­räu­men muss.

Wie sehen Sie sich selbst: Als Unter­neh­mer, Seri­en­grün­der, Busi­ness Angel oder wür­den Sie sich selbst eine ande­re Berufs­be­zeich­nung geben? 

Ich sehe mich in ers­ter Linie als Unter­neh­mer. Ich will Fir­men auf­bau­en, die nach­hal­tig einen Nut­zen für Ver­brau­cher oder für die Gesell­schaft schaf­fen. Brands4Friends hat exklu­si­ve Mode­mar­ken für die­je­ni­gen erschwing­lich gemacht, die sich das zuvor nicht leis­ten konn­ten. Sunshi­neS­mi­le will, dass sich mög­lichst alle Men­schen die Begra­di­gung ihrer Zahn­fehl­stel­lun­gen leis­ten kön­nen. Aloha.com pro­du­ziert Pro­te­in-Geträn­ke auf pflanz­li­cher Basis – setzt sich also für gesun­de Ernäh­rung ein. Gutes tun und mit einem Geschäfts­mo­dell kom­bi­nie­ren – ich habe Spaß dar­an, sol­che Din­ge auf die Bei­ne zu stel­len.

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