Das Magazin der IHK Berlin

Schwer­punkt

Gemeinsam anpacken

Die IHK Berlin hat zusammen mit vielen Partnern eine Kampagne für ein modernes Stadtmanagement gestartet. „#starkeverwaltung“ heißt die Devise – im Sinne der Unternehmen und aller Berliner.
von Almut Kaspar Ausgabe 05/2019

Wirtschaft, Verbände und Behörden agieren miteinander: Dann stehen die Chancen gut für zukunftsweisende Verwaltungsarbeit
Wirtschaft, Verbände und Behörden agieren miteinander: Dann stehen die Chancen gut für zukunftsweisende Verwaltungsarbeit. Foto: Daniel Stolle
Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Auf dem Weg zu einer digitaleren Verwaltung hat Berlin gute Voraussetzungen.
  • Gerade junge Unternehmen und Start-ups benötigen eine Reduzierung der Bürokratie.

Auf einen Ter­min im Bür­ger­amt oder in der Kfz-Zulas­sungs­stel­le war­ten Ber­li­ner meist Wochen. Drei Jah­re braucht es in der Regel, um einen Zebra­strei­fen ein­zu­rich­ten. Dafür müs­sen sich Senat, Bezirks­amt und Arbeits­grup­pen in 18 Ver­fah­rens­schrit­ten eini­gen. Will ein Bezirk einen Fahr­rad­strei­fen ver­län­gern, wird die Pla­nung auch noch von der Ver­kehrs­ver­wal­tung des Senats kon­trol­liert, was Mona­te dau­ern kann. Die dop­pel­te Über­prü­fung gilt auch für Bebau­ungs­plä­ne: Trotz äußerst sel­te­ner Bean­stan­dun­gen ver­zö­gern sich dadurch Bau­vor­ha­ben bis zu einem hal­ben Jahr.

Fra­gen?

Kon­tak­tie­ren Sie unse­re IHK-Exper­ten

Dani­el Hönow
Jetzt kon­tak­tie­ren
HN
Hau­ke Nau­jok
Jetzt kon­tak­tie­ren

Bau­un­ter­neh­mer haben in den ver­schie­de­nen Bezir­ken häu­fig auch unter­schied­li­che Ansprech­part­ner – in Ste­glitz-Zehlen­dorf zum Bei­spiel ist die Abtei­lung Finan­zen, Per­so­nal, Stadt­ent­wick­lung und Wirt­schafts­för­de­rung zustän­dig, in Fried­richs­hain-Kreuz­berg dage­gen die für Bau­en, Pla­nen und Faci­li­ty Manage­ment. Gas­tro­no­men bekla­gen, dass es allein für Schank­vor­gär­ten auf Bür­ger­stei­gen abwei­chen­de Son­der­nut­zungs­kon­zep­te gibt, die etwa Min­dest­durch­gangs­brei­ten, Grö­ße von Son­nen­schir­men oder Kan­ten­län­gen von Blu­men­kü­beln fest­le­gen. Und weil sich die Bezirks­ver­wal­tun­gen bei der Anschaf­fung ihrer IT-Aus­stat­tun­gen nicht abstimm­ten, gibt es nun zahl­rei­che inkom­pa­ti­ble Digi­tal­l­ösun­gen.

Der Lei­dens­druck hat neue Schmerz­gren­zen erreicht – für Bür­ger und auch für Unter­neh­men, die mit durch­schnitt­lich 130 Inter­ak­ti­ons­be­zie­hun­gen pro Jahr die wich­tigs­ten Ver­wal­tungs­kun­den sind. „So, wie es ist, kann es nicht blei­ben“, sagt Dr. Dani­el Hönow von der IHK Ber­lin, „die Unter­neh­men sind zwin­gend dar­auf ange­wie­sen, dass wirt­schafts­re­le­van­te Ver­wal­tungs­ver­fah­ren schlank orga­ni­siert und ver­zö­ge­rungs­frei abge­ar­bei­tet wer­den.“ Es wer­de ein Stadt­ma­nage­ment gebraucht, das fle­xi­bel auf sich wan­deln­de Kun­den­an­for­de­run­gen reagiert und hohe Ser­vice­qua­li­tät bie­tet.

Ser­vice

Down­loads & Links

Hönow ist mit­ver­ant­wort­lich für die von der IHK Ber­lin initi­ier­te Kam­pa­gne „Eine Stadt. Eine star­ke Ver­wal­tung“, die von zahl­rei­chen Insti­tu­tio­nen, Ver­bän­den und Ver­ei­nen getra­gen wird – vom ADAC bis zur Zahn­ärz­te­kam­mer Ber­lin. „Unse­re Kam­pa­gne ist durch­weg koope­ra­tiv“, betont der IHK-Exper­te. „Weil die Alli­anz für eine umfas­sen­de Moder­ni­sie­rung der Ver­wal­tung grö­ßer gewor­den ist und sich inzwi­schen über Par­tei- und Bezirks­gren­zen hin­weg erstreckt, wol­len wir die Refor­mer ermu­ti­gen, ihren Weg wei­ter­zu­ge­hen.“ Vor­schlä­ge und Ide­en für eine umfas­sen­de Ver­wal­tungs­re­form gebe es genug.

Öffentlichkeitswirksam: IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder (2. v. l.) mit Kampagnenpartnern beim Start der Plakataktion am Potsdamer Platz
Öffent­lich­keits­wirk­sam: IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder (2. v. l.) mit Kam­pa­gnen­part­nern beim Start der Pla­kat­ak­ti­on am Pots­da­mer Platz. Foto: Ricar­da Spie­gel

Mit fast 118.000 Beschäf­tig­ten ist die Ver­wal­tung der größ­te Arbeit­ge­ber der Stadt. Bis 2025 wer­den 28,5 Pro­zent der Beschäf­tig­ten alters­be­dingt aus­schei­den. Um allein die­sen Per­so­nal­ver­lust aus­zu­glei­chen, müss­ten in den kom­men­den Jah­ren über 30.000 neue Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt wer­den. Aber unter­durch­schnitt­li­che Bezah­lung oder unsin­ni­ge Zugangs­be­schrän­kun­gen schre­cken ab und machen die Ver­wal­tung zu einem unat­trak­ti­ven Arbeit­ge­ber. Dabei wächst die Ber­li­ner Bevöl­ke­rung um etwa fünf Pro­zent pro Jahr.

Zuletzt hat­te eine vom Senat ein­ge­setz­te Steue­rungs­grup­pe um den frü­he­ren Vize­prä­si­den­ten der Bun­des­an­stalt für Arbeit, Hein­rich Alt, eine Viel­zahl von Hand­lungs­emp­feh­lun­gen aus­ge­ar­bei­tet, um Ber­lins Ver­wal­tung zukunfts­fä­hig zu machen. So soll die Per­so­nal­ge­win­nung und -ent­wick­lung moder­ni­siert, die Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz der Bezirks­äm­ter gestärkt, Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren beschleu­nigt und die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung genutzt wer­den. Noch im Mai wol­len Senat, Abge­ord­ne­ten­haus und Bezir­ke dazu einen „Zukunfts­pakt Ver­wal­tung“ schlie­ßen.

Dirk Stocksmeier ist Gründer der Init AG
Dirk Stocks­mei­er ist Grün­der der Init AG. Foto: Init AG/Viviane Wild

Einer der Vor­schlä­ge der Alt-Kom­mis­si­on war schon wäh­rend ihrer Arbeit umge­setzt wor­den: Der Regie­ren­de Bür­ger­meis­ter Micha­el ­Mül­ler berief im ver­gan­ge­nen Jahr Dr. Frank Näge­le als Staats­se­kre­tär für Ver­wal­tungs- und Infra­struk­tur­mo­der­ni­sie­rung (sie­he Inter­view S. 28). Ohne Näge­le und des­sen fun­dier­te Kennt­nis­se „wäre es nicht mög­lich gewe­sen, die­sen Reform­pro­zess so schnell und umfas­send auf den Weg zu brin­gen“, lobt der Span­dau­er Bezirks­bür­ger­meis­ter Hel­mut Klee­bank. Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Näge­le und dem Rat der Bür­ger­meis­ter – bezirk­li­ches Ver­bin­dungs­glied zum Senat – bezeich­net Klee­bank als „äußerst kol­le­gi­al und auf Augen­hö­he“.

In die­sem Ver­fah­ren sei­en zahl­rei­che Punk­te geprüft wor­den. So sei etwa die Ver­ein­heit­li­chung der Geschäfts­be­rei­che in den zwölf Bezirks­äm­tern rela­tiv ein­fach zu regeln, wäh­rend für die emp­foh­le­ne Stär­kung der Bezirks­bür­ger­meis­ter Geset­ze ange­passt wer­den müss­ten. Die Bezirks­bür­ger­meis­te­rin von Ste­glitz-Zehlen­dorf, Cers­tin Rich­ter-Kotow­ski, stimmt ihrem Span­dau­er Kol­le­gen zu: „Offen­bar hat sich auch beim Senat durch­ge­setzt, dass ohne die Bezir­ke die Ver­wal­tung nicht refor­miert wer­den kann.“ Es habe schon Debat­ten gege­ben, die Bezir­ke abzu­schaf­fen und die Stadt zen­tral zu regie­ren – die sei­en nun vom Tisch.

Poli­ti­sches Bezirks­amt – ja oder nein?

Damit sich die Bezir­ke auf ver­bind­li­che Zie­le eini­gen kön­nen, favo­ri­siert Hel­mut Klee­bank das soge­nann­te poli­ti­sche Bezirks­amt: „Damit bekä­men wir im Rah­men einer Koali­ti­ons­bil­dung, wie sie auch im Senat prak­ti­ziert wird, eine poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung hin.“ Klee­bank ver­weist auf das Pro­porz­prin­zip, nach dem die Bezirks­äm­ter zusam­men­ge­setzt sind und das will­kür­li­che poli­ti­sche Kon­stel­la­tio­nen her­vor­brin­ge. „In Pan­kow zum Bei­spiel gehö­ren der Bezirks­bür­ger­meis­ter und die vier Bezirks­stadt­rä­te fünf ver­schie­de­nen Par­tei­en an, die sich nicht auf eine gemein­sa­me Posi­tio­nie­rung ver­stän­di­gen müs­sen, weil sie ihre Res­sorts eigen­ver­ant­wort­lich lei­ten.“ Amts­kol­le­gin Rich­ter-Kotow­ski hin­ge­gen ist eine Geg­ne­rin des poli­ti­schen Bezirks­amts: „Ich hal­te die Struk­tur, die wir in den Bezir­ken haben, für rich­tig – eine Stär­kung der Bezirks­bür­ger­meis­ter, die ich befür­wor­te, hat zur Fol­ge, dass da, wo man sich auch mal ver­hakt, dann bes­se­re Lösun­gen gefun­den wer­den kön­nen.“ Um die Ver­wal­tung schnel­ler und effek­ti­ver zu machen, braucht es vor allem qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal. „Wir haben das Pro­blem, dass es eine hohe Fluk­tua­ti­on gibt“, sagt Hel­mut Klee­bank, „Mit­ar­bei­ter wer­den von der frei­en Wirt­schaft abge­wor­ben, neue sind schwer zu bekom­men, weil die Bezah­lung nicht kon­kur­renz­fä­hig ist.“ Und die Digi­ta­li­sie­rung von Dienst­leis­tun­gen kön­ne nur lan­des­weit gelin­gen – das sei Sache der Senats­ver­wal­tung für Inne­res, der das IT-Dienst­leis­tungs­zen­trum (ITDZ) unter­steht.

Dr. Gabriele Schlimper ist Geschäftsführerin der 1950 gegründeten Landesverbandes des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
Dr. Gabrie­le Schlim­per ist Geschäfts­füh­re­rin der 1950 gegrün­de­ten Lan­des­ver­ban­des des Deut­schen Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des. Foto: Ricar­da Spie­gel

Das ITDZ, zen­tra­ler öffent­li­cher Dienst­leis­ter der Ber­li­ner Ver­wal­tung, ist wie­der­um Kun­de der Init AG für digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Haupt­sitz in Ber­lin. Das Unter­neh­men unter­stützt seit über 20 Jah­ren die öffent­li­che Ver­wal­tung bei ­E-Government-Vor­ha­ben. „Wir haben das ITDZ auch bei der Umset­zung des Ser­vice-Kon­tos unter­stützt“, sagt Dirk Stocks­mei­er, Grün­der und Vor­stands­vor­sit­zen­der der Init AG, „das wird für die schnel­le und siche­re Iden­ti­fi­zie­rung von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern benö­tigt, wenn sie digi­ta­le Dienst­leis­tun­gen bean­tra­gen wol­len.“

Inte­gra­ti­on in Online-Ser­vices

Ber­lin ste­he hin­sicht­lich der Digi­ta­li­sie­rung sei­ner Ver­wal­tung im natio­na­len Ver­gleich durch­aus gut da, weiß Init-CEO Stocks­mei­er, „aber sicher gibt es da noch Luft nach oben“. An Enga­ge­ment jeden­falls man­ge­le es nicht: „Weil nach dem 2017 erlas­se­nen Online­zu­gangs­ge­setz bis 2022 alle Ver­wal­tungs­leis­tun­gen auch digi­tal ange­bo­ten wer­den müs­sen – ohne per­sön­li­chen Behör­den­be­such oder hand­schrift­li­che Signa­tur –, arbei­ten Bund und Län­der nun gemein­sam an der Umset­zung aller Online-Ser­vices.“ Und bei die­sem gro­ßen Vor­ha­ben habe Ber­lin das anspruchs­vol­le The­men­feld „Quer­schnitts­leis­tun­gen“ über­nom­men. „In die­sem The­men­feld soll sicher­ge­stellt wer­den, dass künf­tig Bür­ger oder Unter­neh­men nicht mehr von Behör­de zu Behör­de lau­fen müs­sen, um Nach­wei­se ein­zu­ho­len und vor­zu­le­gen – das soll künf­tig durch die Inte­gra­ti­on in Online-Ser­vices ande­rer Ver­wal­tungs­leis­tun­gen auto­ma­ti­siert wer­den.“ Ziel sei, dass alle digi­ta­len Lösun­gen ab 2022 flä­chen­de­ckend in Deutsch­land ver­füg­bar sind.

Wir sind auf eine leis­tungs­fä­hi­ge Ver­wal­tung ange­wie­sen, weil wir in deren Auf­trag arbei­ten.
- Dr. Gabrie­le Schlim­per, Geschäfts­füh­re­rin des Pari­tä­ti­schen Ber­lin

Von der Digi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tung wer­den vor allem Unter­neh­men pro­fi­tie­ren. „Deren Büro­kra­tie­kos­ten machen der­zeit pro Jahr noch einen zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­trag aus“, sagt Dirk Stocks­mei­er. „Die­se Kos­ten wer­den erfah­rungs­ge­mäß mas­siv sin­ken – zusätz­lich geht es natür­lich auch um kür­ze­re Bear­bei­tungs­zei­ten und eine ange­mes­se­ne Qua­li­tät der Ver­wal­tungs­kon­tak­te im digi­ta­len Zeit­al­ter.“ Für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on müs­se Ber­lin aller­dings mehr in die Qua­li­fi­zie­rung sei­nes Ver­wal­tungs­per­so­nals inves­tie­ren, des­sen Alters­durch­schnitt rela­tiv hoch sei. „Die Her­aus­for­de­rung in die­sem Chan­ge Manage­ment besteht dar­in, die Jun­gen mit den Älte­ren zusam­men­zu­brin­gen, damit Wis­sen aus­ge­tauscht und gebun­den wer­den kann und nicht zwei Wel­ten ent­ste­hen.“

Stocks­mei­er enga­giert sich auch im Vor­stand des Ver­ban­des der IT- und Inter­net­wirt­schaft Ber­lin und Bran­den­burg (SIBB), der zu den Grün­dungs­part­nern der Kam­pa­gne „Eine Stadt. Eine star­ke Ver­wal­tung“ gehört: „Unse­re rund 250 Mit­glie­der der Digi­tal­wirt­schaft wol­len natür­lich auch, dass die Ver­wal­tung so funk­tio­niert, wie es Unter­neh­men aus dem Geschäfts­all­tag in der Pri­vat­wirt­schaft gewohnt sind.“

Eben­falls Grün­dungs­part­ner des Bünd­nis­ses ist Der Pari­tä­ti­sche Ber­lin, der Dach- und Spit­zen­ver­band der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge mit über 760 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen, in denen mehr als 55.000 Mit­ar­bei­ten­de und etwa 30.000 Ehren­amt­li­che tätig sind – in der Kin­der- und Jugend­hil­fe zum Bei­spiel, der Pfle­ge, der Sucht­hil­fe oder in Stadt­teil­zen­tren, Kitas und Hos­pi­zen. „Wir sind auf eine leis­tungs­fä­hi­ge Ver­wal­tung ange­wie­sen, weil wir in deren Auf­trag arbei­ten“, sagt Geschäfts­füh­re­rin Dr. Gabrie­le Schlim­per. „Und eine sozia­le Arbeit für Men­schen in schwie­ri­gen Lebens­la­gen kön­nen wir nur leis­ten, wenn wir auf Ver­wal­tungs­sei­te her­vor­ra­gend aus­ge­bil­de­tes Per­so­nal haben, mit dem wir gemein­sam und part­ner­schaft­lich die­se Arbeit gestal­ten kön­nen.“

Als Vorstandsvorsitzender der Fröbel Gruppe leitet Stefan Spieker 3.700 Mitarbeiter
Als Vor­stands­vor­sit­zen­der der Frö­bel Grup­pe lei­tet Ste­fan Spie­ker 3.700 Mit­ar­bei­ter. Foto: Sabi­ne Gudath

Das größ­te Pro­blem, das immer wie­der mit den Ver­wal­tun­gen gelöst wer­den müs­se, sei man­geln­der Wohn­raum – „für Woh­nungs­lo­se, Geflüch­te­te oder für Men­schen, die in betreu­tem Woh­nen leben müs­sen“. Und wer bei­spiels­wei­se betreu­tes Woh­nen anbie­te, sei viel­fach von Kün­di­gung bedroht, weil sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen wie Gewer­be behan­delt wür­den. Schlim­per: „Da beträgt die Kün­di­gungs­frist nur drei Mona­te.“ Des­halb sei man in der Not, sel­ber bau­en zu müs­sen, „und da haben wir auch noch mit der Bau­ver­wal­tung zu tun“. Der Wohn­raum­man­gel habe zudem Aus­wir­kun­gen auf die Rekru­tie­rung und den Zuzug von geeig­ne­tem Per­so­nal.

Vor allem auf Krip­pen, Kin­der­gär­ten und Hor­te ist die Frö­bel Grup­pe mit Haupt­sitz im Haus des Leh­rers am Alex­an­der­platz spe­zia­li­siert. Der Ver­ein Frö­bel betreibt über sei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft Frö­bel Bil­dung und Erzie­hung gGmbH in zehn Bun­des­län­dern ins­ge­samt 185 Ein­rich­tun­gen, 25 Kitas allein in Ber­lin. Vor­stands­vor­sit­zen­der des Ver­eins und Geschäfts­füh­rer der Frö­bel Bil­dung und Erzie­hung gGmbH ist Ste­fan Spie­ker: „In ers­ter Linie haben wir hier in Ber­lin mit den Jugend­äm­tern der ein­zel­nen Bezir­ke zu tun, mit der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung sowie mit der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung – Kern­an­lie­gen sind dabei im Wesent­li­chen Bau­an­trä­ge und Neu­bau- oder Sanie­rungs­vor­ha­ben sowie Betriebs­er­laub­nis­ver­fah­ren.“

In der Regel kom­me man inner­halb eines Jah­res mit Pla­nung und Bau­an­trag durch, aber es gebe auch Aus­rei­ßer. So hat­ten sich bei einem Pro­jekt in Fried­richs­hain durch eine per­so­nel­le Umbe­set­zung beim bezirk­li­chen Denk­mal­schutz plötz­lich auch die Auf­la­gen ver­än­dert. „Wir haben den zustän­di­gen Stadt­rat ein­ge­schal­tet und sogar bei der Bezirks­bür­ger­meis­te­rin inter­ve­niert“, sagt Spie­ker, „und jetzt sind wir nach fast fünf Jah­ren dabei, das Bau­vor­ha­ben abzu­schlie­ßen – das hat uns unend­lich viel Ener­gie geraubt und uns trotz­dem Mehr­kos­ten in deut­lich sechs­stel­li­ger Höhe ein­ge­bracht.“

Marcia Schranner ist Vorstandsmitglied im 2013 gegründeten Verein „Startup Germany“
Mar­cia Schran­ner ist Vor­stands­mit­glied im 2013 gegrün­de­ten Ver­ein „Start­up Ger­ma­ny“. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Spie­ker, der sich auch in der IHK für Büro­kra­tie­ab­bau enga­giert, ärgert sich immer wie­der über hohe Ver­wal­tungs­auf­la­gen, die sich etwa aus der neu­en Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung erge­ben und die selbst in den geschütz­ten Räu­men einer Kita rigo­ros gel­ten: „Seit Mai ver­gan­ge­nen Jah­res muss­ten wir sehr per­so­nal­in­ten­siv in allen unse­ren Ein­rich­tun­gen über­prü­fen, inwie­weit Infor­ma­tio­nen über Kin­der ver­öf­fent­licht wer­den, die nun der Zustim­mung der Eltern bedür­fen – zum Bei­spiel Geburts­tags­lis­ten im Grup­pen­raum oder All­er­gie-Hin­wei­se in der Küche.“ Betreu­ungs­ver­trä­ge sind dadurch noch län­ger gewor­den. Der Frö­bel-Chef ver­steht auch nicht, dass E-Mails an Ämter oft nicht beant­wor­tet wer­den. Gleich­wohl gebe es sehr vie­le enga­gier­te Ansprech­part­ner in der Ver­wal­tung, die mit Begeis­te­rung deren Moder­ni­sie­rung beglei­ten wür­den.

Grün­der­me­tro­po­le braucht Schnel­lig­keit

In der Grün­der­me­tro­po­le Ber­lin wünscht sich Mar­cia Schran­ner, Vor­stands­mit­glied des Ver­eins Start­up Ger­ma­ny, noch mehr von die­ser Begeis­te­rung. „Gera­de Exis­tenz­grün­der und jun­ge Start-ups, die schnell star­ten wol­len, erwar­ten die­se Schnel­lig­keit auch von der Ver­wal­tung – im bes­ten Fall, um schnell erfolg­reich zu wer­den, oder im schlimms­ten Fall, um auch schnell zu schei­tern, damit ein Geschäfts­mo­dell ange­passt wer­den kann.“ Ent­schei­dun­gen zögen sich in der Regel jedoch zu lang hin. Auch wür­den Unter­neh­mens­grün­der, die bei der Agen­tur für Arbeit für ihre Geschäfts­ide­en Start­hil­fen bean­tra­gen, häu­fig abge­wie­sen. „Denen wird dann von einer Exis­tenz­grün­dung abge­ra­ten und emp­foh­len, sich lie­ber einen Job zu suchen“, weiß Mar­cia Schran­ner, „so wird lei­der Unter­neh­mer­tum tor­pe­diert.“

Gera­de Exis­tenz­grün­der und jun­ge Start-ups erwar­ten Schnel­lig­keit von der Ver­wal­tung – im bes­ten Fall, um schnell erfolg­reich zu wer­den.
- Mar­cia Schran­ner ­Vor­stands­mit­glied Start­up Ger­ma­ny

Des­halb sei es unver­zicht­bar, dafür zustän­di­ges Ver­wal­tungs­per­so­nal bes­ser zu qua­li­fi­zie­ren und auf Grün­dungs­vor­ha­ben bran­chen­spe­zi­fisch vor­zu­be­rei­ten. Für inter­na­tio­na­le Grün­der sei auch der Zugang zu kom­pli­ziert: „Die ver­ste­hen das deut­sche Sys­tem nicht, sto­ßen zudem auf teil­wei­se erheb­li­che Sprach­pro­ble­me und sind viel­fach nicht nach­voll­zieh­ba­ren Vor­ur­tei­len aus­ge­setzt.“ In Paris zum Bei­spiel gebe es eige­ne Units, die sich aus­schließ­lich um hoch qua­li­fi­zier­te aus­län­di­sche Grün­der und deren Ide­en küm­mern.

Start­up Ger­ma­ny ver­an­stal­tet des­halb auch Work­shops, mit denen der Ver­ein expli­zit auch kom­mu­na­le Ent­schei­der, Inno­va­ti­ons­be­auf­trag­te oder Bera­ter anspricht. „Die Nach­fra­ge ist groß“, lobt Mar­cia Schran­ner. The­ma eines die­ser Work­shops ist Ver­än­de­rungs­ma­nage­ment. Im Chan­ge Manage­ment soll­ten, wie jetzt bei der Reform der Ber­li­ner Ver­wal­tung, Men­schen mit­ge­nom­men wer­den. „Es reicht nicht aus, nur klu­ge Kon­zep­te zu haben – die Mit­ar­bei­ter an der Basis der Ver­wal­tung müs­sen abge­holt wer­den, damit die­se Moder­ni­sie­rung gelin­gen kann.“


Unternehmens-Profile

Init AG

Agen­tur- und Sys­tem­haus-Dienst­leis­ter

1995

wur­de das Unter­neh­men gegrün­det.
Stand 05/2019

450

Mit­ar­bei­ter gehö­ren zur Beleg­schaft.
Stand 05/2019

Der Pari­tä­ti­sche Ber­lin

Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge

760

Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen gehö­ren dem Ver­band an.
Stand 05/2019

55.000

Mit­ar­bei­ter und 30.000 Ehren­amt­li­che sind für die Mit­glie­der tätig.
Stand 05/2019

Frö­bel Grup­pe

Über­re­gio­na­ler Trä­ger von Krip­pen, Kin­der­gär­ten und Hor­ten

185

Ein­rich­tun­gen gehö­ren dem frei­gemein­nüt­zi­gen Trä­ger an.
Stand 05/2019

3.700

Mit­ar­bei­ter hat die Frö­bel Grup­pe ins­ge­samt, davon 850 in Ber­lin.
Stand 05/2019

Start­up Ger­ma­ny

Think & Action Tank

100

Mit­glie­der hat der Ver­ein.
Stand 05/2019

2013

wur­de der Start­up Ger­ma­ny gegrün­det.
Stand 05/2019

Das könnte Sie auch interessieren – weitere Artikel dieser Kategorie


Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren und informiert bleiben!