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Schwer­punkt

Zielsicher zur Fachkraft

Die Corona-Pandemie hat Berlins Zeitarbeitsbranche früh erwischt. Zieht die Konjunktur wieder an, sind Personaldienstleister oft rasch gefragte Partner.
von Almut Kaspar Ausgabe 07+08/2020

Kurzfristige Vakanzen ­überfordern Unternehmen oft. Zeitarbeitsfirmen bieten hier gute Lösungen an
Kurzfristige Vakanzen ­überfordern Unternehmen oft. Zeitarbeitsfirmen bieten hier gute Lösungen an. Foto: Getty Images/lvcandy
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Zeitarbeit ist ein Konjunktur-Frühindikator – bei Ab- und Aufschwüngen.
  • Personaldienstleister können durch Spezialisierung auch in Krisenzeiten punkten.

Das wert­volls­te Poten­zi­al eines Zeit­ar­beits­un­ter­neh­mens sei­en gute Mit­ar­bei­ter, wirbt die Per­Lea­se GmbH, die in Ber­lin ihren Haupt­sitz und 15 wei­te­re Nie­der­las­sun­gen in Deutsch­land hat. Des­halb könn­ten Kun­den, die tem­po­rär Fach­kräf­te brau­chen, bei dem Per­so­nal­dienst­leis­ter „Per­sön­lich­kei­ten lea­sen“. Rund 1.600 Beschäf­tig­te hat­te die Fir­ma noch vor der Coro­na-Kri­se. „Die­se Zahl muss­ten wir natür­lich deut­lich run­ter­fah­ren“, sagt Per­Lea­se-Geschäfts­füh­rer Pey­man Rahi­mi, „denn im Sta­di­on-, Mes­se- und Ver­an­stal­tungs­ge­schäft erzie­len wir 80 Pro­zent unse­rer Umsät­ze, und die bra­chen mit einem Schlag weg – wirt­schaft­lich eine Tra­gö­die.“ Beschäf­tig­te ent­las­sen oder befris­te­te Ver­trä­ge nicht ver­län­gern, das haben 57 Pro­zent aller deut­schen Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men beschlos­sen. Damit steht die Bran­che gleich hin­ter der Gas­tro­no­mie (58 Pro­zent), wie aus einer Kon­junk­tur­um­fra­ge des Ifo-Insti­tuts her­vor­geht. Im Schnitt haben 18 Pro­zent aller deut­schen Unter­neh­men kri­sen­be­dingt Stel­len abbau­en müs­sen.

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Fle­xi­bi­li­tät, Restruk­tu­rie­rung und Neu­ori­en­tie­rung sei­en in sol­chen Pha­sen ent­schei­dend, so Per­Lea­se-Chef Rahi­mi: „Wir waren des­halb schnell in den sys­tem­re­le­van­ten Berei­chen aktiv und haben gro­ße Ein­zel­händ­ler unter­stüt­zen kön­nen, zum Bei­spiel in der Logis­tik und in der Sicher­heit.“ Auch medi­zi­ni­sche Berei­che, die vor der Kri­se nur einen ein­stel­li­gen Pro­zent­satz aus­ge­macht hät­ten, sei­en hoch­ge­fah­ren wor­den, um die Ver­lus­te etwas zu kom­pen­sie­ren. „Und ohne das erwei­ter­te Kurz­ar­bei­ter­geld wäre unse­re wirt­schaft­li­che Situa­ti­on kaum zu bewäl­ti­gen“, ver­deut­licht Rahi­mi.

Zeit­ar­beit als Kon­junk­tur-Indi­ka­tor

Bis zur Coro­na-Kri­se war es nicht mög­lich, dass auch Leih­ar­bei­ter in Kurz­ar­beit gehen konn­ten. „Das ist in Fol­ge der Pan­de­mie geän­dert wor­den“, sagt Mat­thi­as Loke, Spre­cher der Regio­nal­di­rek­ti­on Ber­lin-Bran­den­burg der Bun­des­agen­tur für Arbeit. „Die Voll­brem­sung der Wirt­schaft spie­gelt sich auch in den Zugän­gen von Leih­ar­beit­neh­mern in Arbeits­lo­sig­keit wider. Im April 2020 wur­den in Ber­lin 1.161 Zeit­ar­bei­ter arbeits­los, das waren fast 40 Pro­zent mehr als im April 2019.“ Die Ent­wick­lung der Zeit­ar­beit sei in gewis­ser Wei­se ein Indi­ka­tor für die kom­men­de ­Kon­junk­tur- ent­wick­lung, weiß Loke. So habe sich bereits vor der Kri­se ein Trend der Sta­gna­ti­on und sogar der Schrump­fung abge­zeich­net. „Denn die Kon­junk­tur in Ber­lin lief zwar immer noch bes­ser als im Bund, aber das Wachs­tums­tem­po hat­te sich 2018 und 2019 etwas ver­rin­gert.“

Peyman Rahimi ist Geschäftsführer der PerLease GmbH
Pey­man Rahi­mi ist Geschäfts­füh­rer der Per­Lea­se GmbH. Die Zen­tra­le ist Ber­lin, 15 wei­te­re Nie­der­las­sun­gen gibt es. Vor der Coro­na-Pan­de­mie hat­te Per­Lea­se 1.600 Beschäf­tig­te, vor allem im Event- Bereich ging die Zahl mas­siv zurück. Foto: Per­lea­se

Nach der Beschäf­ti­gungs­sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Arbeit gab es Mit­te 2019 ins­ge­samt 2.090 Ver­leih­be­trie­be mit 40.776 Beschäf­tig­ten in Ber­lin, die meis­ten davon hat­ten bis zu neun Arbeit­neh­mer auf ihren Gehalts­lis­ten, nur 109 beschäf­tig­ten mehr als 100. Ein Zeit­ar­beit­neh­mer ist durch einen Arbeits­ver­trag mit dem Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men ver­bun­den, das ihn auch bezahlt. Sei­ne Arbeits­leis­tung erbringt er jedoch bei einem Ein­satz- oder Kun­den­un­ter­neh­men, wo er auf fach­li­che Anwei­sung zeit­wei­se aus­hilft. Recht­lich gere­gelt wird der Ver­leih zwi­schen dem Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men und dem Ein­satz­un­ter­neh­men in einem Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ver­trag. Dar­in ist auch fest­ge­legt, wie viel das Ein­satz­un­ter­neh­men an den Ver­leih­be­trieb zah­len muss. Die­ser soge­nann­te Ver­rech­nungs­satz ist immer höher als das Gehalt, das der Zeit­ar­beit­neh­mer erhält, weil damit Betriebs­kos­ten sowie Rück­la­gen für Urlaub, Krank­heit oder ver­leih­freie Zei­ten gedeckt wer­den.

Der Medi­an der Brut­to­ent­gel­te in der Grup­pe der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig voll­zeit­be­schäf­tig­ten Leih­ar­beit­neh­mer lag Ende 2018 in Ber­lin bei 1.952 Euro. Das waren 40 Pro­zent weni­ger als bei allen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Voll­zeit­be­schäf­tig­ten in Ber­lin (3.242 Euro). Aller­dings wer­den vie­le Leih­ar­bei­ter in Bran­chen ein­ge­setzt, in denen die Ver­diens­te gene­rell nied­ri­ger sind.

Brü­cke zurück in die Beschäf­ti­gung

„Die Arbeit­neh­mer­über­las­sung spielt eine wich­ti­ge Rol­le bei der Inte­gra­ti­on oder Re-Inte­gra­ti­on von arbeits­lo­sen Men­schen in den ers­ten Arbeits­markt“, sagt Juli­an Alg­ner, Exper­te für Fach­kräf­te & Inno­va­ti­on bei der IHK Ber­lin, „denn mit Zeit­ar­beit kann Men­schen in ver­meint­lich aus­sichts­lo­sen Situa­tio­nen eine Brü­cke zurück in Beschäf­ti­gung gebaut wer­den. Auch Arbeit­neh­mer, die zum Bei­spiel eine län­ge­re fami­liä­re Aus­zeit aus dem Erwerbs­le­ben genom­men haben, fin­den so wie­der Arbeits­markt­nä­he.“ Und wenn die Tal­soh­le der Coro­na-Kri­se erreicht sei, könn­ten Zeit­ar­beits­fir­men sowohl Unter­neh­men als auch frei­ge­setz­ten Fach­kräf­ten hel­fen, schnell wie­der zuein­an­der­zu­fin­den, und somit einen wich­ti­gen Bei­trag zur Über­win­dung der Kri­se leis­ten.

„Die Vor­tei­le der Zeit­ar­beit zei­gen sich jetzt beson­ders in der Kri­se“, weiß Andrea Resig­keit, Lei­te­rin des Haupt­stadt­bü­ros des Inter­es­sen­ver­bands Deut­scher Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men (iGZ), „denn Arbeit­neh­mer kön­nen auf­grund der Fle­xi­bi­li­tät der Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men dort ein­ge­setzt wer­den, wo es Auf­trä­ge gibt.“ Fach­kräf­te könn­ten sich durch Ein­sät­ze bei ver­schie­de­nen Arbeit­ge­bern lau­fend fort­bil­den, „das ist bei­spiels­wei­se bei Inge­nieu­ren recht beliebt“. Und Kun­den­un­ter­neh­men hät­ten die Mög­lich­keit, durch kurz­fris­ti­ge Ein­sät­ze der Zeit­ar­beit­neh­mer jeder­zeit auf unter­schied­li­che Nach­fra­gen zu reagie­ren und Pro­duk­ti­ons­spit­zen kurz­fris­tig abzu­fan­gen. Zudem sei der schnel­le Ersatz gefragt, wenn jemand im Stamm­per­so­nal wegen Krank­heit aus­fällt oder eine Ver­tre­tung für die Eltern­zeit gesucht wird. „Der iGZ ist das Sprach­rohr der Zeit­ar­beits­bran­che und ent­wi­ckelt Lösun­gen für die arbeits­markt­po­li­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft, sowohl für Kun­den, Arbeit­neh­mer als auch die Poli­tik“, so Andrea Resig­keit. „Zeit­ar­beit ist eine markt­wirt­schaft­li­che Alter­na­ti­ve zur Bun­des­agen­tur für Arbeit – denn Per­so­nal­dienst­leis­ter sor­gen für die nach­hal­ti­ge Inte­gra­ti­on auch schwie­ri­ger Arbeit­neh­mer­grup­pen, sind unver­zicht­ba­re Arbeits­markt­part­ner und tra­gen zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Wirt­schafts­stand­or­tes Deutsch­land bei.“

Im Ver­gleich zur Coro­­na-Kri­­se war die Finanz­kri­se 2008/2009 ein star­ker Sturm und nicht ein Hur­ri­kan wie jetzt.
Caro­la Hoff­mann

Stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te

Auf die Ver­mitt­lung von stu­den­ti­schen Hilfs­kräf­ten an gro­ße und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men aus den Bran­chen Logis­tik, Ein­zel­han­del und Büro hat sich der digi­ta­le Per­so­nal­dienst­leis­ter Zen­job spe­zia­li­siert. „Mit dem Ein­satz von neu­er Tech­no­lo­gie und auto­ma­ti­sier­ten Pro­zes­sen schaf­fen wir es, Per­so­nal inner­halb kür­zes­ter Zeit zur Ver­fü­gung zu stel­len“, sagt Fritz Trott, Co-Foun­der und CEO von Zen­job. „Und dabei bie­ten wir höchs­te Fle­xi­bi­li­tät: Je nach indi­vi­du­el­lem Bedarf ver­mit­teln wir qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal stun­den­wei­se oder für meh­re­re Mona­te – zudem über­neh­men wir das gesam­te Manage­ment von der Per­so­nal­aus­wahl über die Anstel­lung bis hin zur Abrech­nung.“ Stu­den­ti­schen Zeit­ar­beit­neh­mern zahlt Zen­job min­des­tens elf Euro pro Stun­de – egal, um wel­chen Job es sich han­delt. Meist ver­dient man sogar mehr, der durch­schnitt­li­che Stun­den­lohn liegt bei zwölf Euro.

Stu­die­ren­de brau­chen sich nur die Zen­job-App her­un­ter­zu­la­den und kön­nen sich dann direkt in der App regis­trie­ren. Der Pro­zess fin­det kom­plett digi­tal statt. Auch alle Arbeits­ver­trä­ge kön­nen mit dem Smart­pho­ne digi­tal unter­zeich­net wer­den. Wer regis­triert ist, kann sich noch am glei­chen Tag auf einen pas­sen­den Job bewer­ben, sofort arbei­ten und Geld ver­die­nen. „Dabei bie­ten wir Stu­die­ren­den höchs­te Fle­xi­bi­li­tät“, sagt Trott, „sie kön­nen selbst ent­schei­den, wo und wie oft sie arbei­ten wol­len, und sich jeden Tag aufs Neue eine pas­sen­de Arbeit aus­su­chen.“ Die ers­te Hälf­te des Gehalts wird bereits nach drei Werk­ta­gen aus­ge­zahlt. Aktu­ell hat Zen­job 15.000 regis­trier­te Stu­die­ren­de, im Schnitt wer­den deutsch­land­weit 12.000 Aus­hilfs­jobs pro Monat ver­mit­telt. Wer zum Bei­spiel an der Super­markt­kas­se arbei­ten will, wird von einem erfah­re­nen Trai­ner in einer Ede­ka-Filia­le ein­ge­ar­bei­tet.

Carola Hoffmann ist Geschäftsführerin der az GmbH Personalkonzepte
Caro­la Hoff­mann ist Geschäfts­füh­re­rin der az GmbH Per­so­nal­kon­zep­te. In Ber­lin und Ham­burg küm­mert sich das Unter­neh­men um kauf­män­ni­sche Fach- und Füh­rungs­kräf­te. Recrui­t­ing gehört eben­so zum Port­fo­lio wie Coa­ching und Con­sul­ting. Foto: Andre­as Rie­del

Auch für Unter­neh­men – der­zeit gibt es über 1.000 Kun­den – läuft die Suche nach qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal kom­plett digi­tal ab. Über das Zen­job-Buchungs­por­tal kön­nen, je nach Bedarf, online Fach­kräf­te abge­fragt wer­den. „Dabei sichert unse­re Tech­no­lo­gie die Aus­wahl der best­mög­li­chen Kan­di­da­ten“, erklärt CEO Trott, „unse­re Algo­rith­men wäh­len Kan­di­da­ten aus, indem sie die Stu­die­ren­den anhand ihrer Qua­li­fi­ka­tio­nen, Vor­er­fah­run­gen, Job­prä­fe­ren­zen und Wohn­ort­nä­he sor­tie­ren.“ In die Gewich­tung wür­den auch die Bewer­tun­gen bereits abge­schlos­se­ner Job­schich­ten ein­be­zo­gen, sowohl von Unter­neh­men als auch von Stu­die­ren­den.“ Gera­de hat das 2015 gegrün­de­te Start-up von einem Kon­sor­ti­um um Lead-Inves­tor Fore­stay Capi­tal 27 Mil­lio­nen Euro für die deutsch­land­wei­te Expan­si­on erhal­ten – bis­lang war Zen­job mit rund 250 Beschäf­tig­ten in Ber­lin und 13 wei­te­ren Städ­ten aktiv.

Pass­ge­naue Wei­ter­bil­dung

„Häu­fig wird der Begriff Per­so­nal­dienst­leis­tun­gen syn­onym ver­wen­det für die Arbeit­neh­mer­über­las­sung“, sagt Juli­an Alg­ner von der IHK Ber­lin,  „tat­säch­lich gehört aber sehr viel mehr dazu: so zum Bei­spiel die Hil­fe bei der Suche nach neu­en Mit­ar­bei­tern, die Unter­stüt­zung beim Per­so­nal­ma­nage­ment eben­so wie eine stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung der Mit­ar­bei­ter durch pass­ge­naue Wei­ter­bil­dun­gen.“

Aus­schließ­lich auf kauf­män­ni­sche Fach- und Füh­rungs­kräf­te kon­zen­triert sich die az GmbH Per­so­nal­kon­zep­te. Die Ber­li­ner Per­so­nal­be­ra­tung mit Nie­der­las­sung in Ham­burg rekru­tiert für Unter­neh­men qua­li­fi­zier­te Kan­di­da­ten und beglei­tet sie und die Auf­trag­ge­ber bis zur Fest­an­stel­lung. Zudem ver­mit­telt sie Inte­rim-Mana­ger für eine befris­te­te Zeit. Füh­rungs­kräf­te wer­den für neue Her­aus­for­de­run­gen in der az Aka­de­mie fit gemacht. Deren Coa­ching-Exper­ten unter­stüt­zen qua­li­fi­zier­te Kauf­leu­te, bis­lang unent­deck­te Poten­zia­le zu erken­nen. Das Con­sul­ting-Team berät Unter­neh­men, wenn es um inter­ne Struk­tu­ren, Inno­va­ti­ons­pro­zes­se oder Image­fra­gen geht. „Arbeit­neh­mer­über­las­sung und Inte­rim sind bei uns qua­si ein Neben­pro­dukt“, sagt Caro­la Hoff­mann, Geschäfts­füh­re­rin der az GmbH Per­so­nal­kon­zep­te, „wes­halb wir im Bereich Zeit­ar­beit und Inte­rim ledig­lich ein Dut­zend Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen.“

Fir­men ver­mei­den erst mal Fest­an­stel­lun­gen

Die Coro­na-Kri­se hat auch az Per­so­nal­kon­zep­te zuge­setzt. „Im hoch qua­li­fi­zier­ten kauf­män­ni­schen Bereich, auf den wir uns spe­zia­li­siert haben, hat sich die Anfra­gen­men­ge auf 20 Pro­zent redu­ziert, und eini­ge Zeit­ar­beits- und Inte­rim-Mit­ar­bei­ter wur­den aus Kos­ten­grün­den abge­mel­det.“ Die Nach­fra­ge nach die­sen befris­tet arbei­ten­den Fach­kräf­ten wer­de erst kurz vor dem Wirt­schafts­auf­schwung wie­der zuneh­men. „So war es schon immer“, sagt Geschäfts­füh­re­rin Hoff­mann, „Zeit­ar­beit ist ein Früh­in­di­ka­tor für den her­an­na­hen­den Auf­schwung, weil Unter­neh­men schon den Bedarf haben, aber dem Frie­den noch nicht trau­en. Man ver­mei­det Fest­an­stel­lun­gen und setzt dafür erst ein­mal auf befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se.“ Caro­la Hoff­mann schätzt, dass dies aller­dings erst im kom­men­den Jahr der Fall sein wird. „Im Ver­gleich zur Coro­na-Kri­se war die Finanz­kri­se 2008/2009 ein star­ker Sturm und nicht wie jetzt ein Hur­ri­kan.“

Silvia Rohrbeck ist Geschäftsführerin der serviceline Personal-Management GmbH & Co. KG
Sil­via Rohr­beck ist Geschäfts­füh­re­rin der ser­vice­li­ne Per­so­nal-Manage­ment GmbH & Co. KG. In Ber­lin sind zehn Bera­ter und ­Recrui­ter für ser­vice­li­ne am Start. Wei­te­re Fir­men­sit­ze sind Düs­sel­dorf, Mün­chen und Ham­burg. Foto: Serviceline/Andreas Rie­del

Man­che Kun­den sind Kri­sen­ge­win­ner

In der Finanz­kri­se muss­te Sil­via Rohr­beck, Geschäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner ser­vice­li­ne Per­so­nal-Manage­ment GmbH & Co. KG, ihre Nie­der­las­sung in der Ban­ken­me­tro­po­le Frank­furt am Main schlie­ßen. Heu­te ver­mit­telt ihr Unter­neh­men Fach­kräf­te für die Berei­che Office Manage­ment, Finanz- und Rech­nungs­we­sen sowie Tech­nik- und Inge­nieur­we­sen nicht nur in Ber­lin, wo sie zehn Bera­ter und Recrui­ter beschäf­tigt, son­dern auch in Düs­sel­dorf, Mün­chen und Ham­burg. „In der Coro­na­kri­se kom­men wir wahr­schein­lich nur mit einem blau­en Auge davon, weil eini­ge unse­rer Kun­den zu den soge­nann­ten Kri­sen­ge­win­nern gehö­ren“, sagt ser­vice­li­ne-Che­fin Rohr­beck. Ihre Per­so­nal­be­ra­tungs­fir­ma ver­fügt über ein grö­ße­res Kan­di­da­ten­netz­werk, womit sie in der Lage ist, schnell und zuver­läs­sig gesuch­te Fach­kräf­te zu ver­mit­teln. „Wir legen Wert dar­auf, Men­schen in einem Arbeits­ver­hält­nis zusam­men­zu­brin­gen, die auch wirk­lich zuein­an­der­pas­sen.“

Ein Instru­ment dafür ist das SSI, das Ser­vice­li­ne-Inter­ne-Inter­view. „Dafür wer­den die fach­lich am bes­ten geeig­ne­ten Kan­di­da­ten aus­ge­sucht, gebrieft und gecoacht und somit auf die Begeg­nung mit dem zukünf­ti­gen Arbeit­ge­ber vor­be­rei­tet“, erläu­tert Sil­via Rohr­beck. „In Abstän­den von einer hal­ben Stun­de lernt der Kun­de die aus­ge­wähl­ten Kan­di­da­ten für die vakan­te Posi­ti­on ken­nen und ent­schei­det sich nach die­sem Pro­zess, der von uns beglei­tet wird, mit wel­chem Bewer­ber er wei­te­re Gesprä­che in sei­nem Haus füh­ren will.“ Das habe den Vor­teil, dass der Arbeit­ge­ber in zwei, drei Stun­den meh­re­re poten­zi­el­le Mit­ar­bei­ter oder Mit­ar­bei­te­rin­nen befra­gen kann, ohne vor­her umständ­lich koor­di­nie­ren und ter­mi­nie­ren zu müs­sen. Für eine erfolg­rei­che Ver­mitt­lung stellt ser­vice­li­ne 30 Pro­zent des aus­ge­han­del­ten Jah­res­ge­halts in Rech­nung.

Unent­gelt­lich hilft Burk­hard Vol­bracht mit sei­nem zehn­köp­fi­gen Team Ber­li­ner Unter­neh­men bei der Suche nach Talen­ten und Fach­kräf­ten. „Als Wirt­schafts­för­de­rung sind wir natür­lich kei­ne Per­so­nal­ver­mitt­lung“, begrün­det das der Bereichs­lei­ter Talent Ser­vices & Inter­na­tio­nal Ser­vices bei der Stand­ort­mar­ke­ting-Gesell­schaft Ber­lin Part­ner für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie GmbH. „Durch die Ver­öf­fent­li­chung von Stel­len­an­zei­gen in unse­rem Talent-Por­tal unter­stüt­zen wir mit Reich­wei­te, zudem initi­ie­ren wir regel­mä­ßig Job-Recruit­ment-Kam­pa­gnen, bei denen wir unter der Mar­ke ,Ber­lin‘ Job­an­ge­bo­te von Ber­li­ner Fir­men bün­deln und bewer­ben“, sagt Burk­hard Vol­bracht, „und beson­ders erfolg­reich sind wir mit unse­rer Rubrik ,Job der Woche‘, die wir bei Face­book oder Lin­kedIn aus­spie­len.“ Zudem gebe man auch Hin­wei­se auf Instru­men­te wie das Deutsch­land-Sti­pen­di­um, zu Gehäl­tern oder Trends, auf die Bewer­ber heu­te Wert legen. „Kun­den­sei­tig errei­chen wir knapp 1.000 Unter­neh­men, die wir lau­fend über aktu­el­le Gescheh­nis­se am Ber­li­ner Arbeits­markt infor­mie­ren.“

Fritz Trott ist Co-Founder und CEO von Zenjob
Fritz Trott ist Co-Foun­der und CEO von Zen­job. Als Ver­mitt­lungs­platt­form für stu­den­ti­sche Hilfs­kräf­te in den Berei­chen Logis­tik, Ein­zel­han­del und Büro ver­steht sich der kom­plett digi­ta­li­sier­te Dienst­leis­ter. Kun­den sind gro­ße und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men. Foto: Zen­job

Gefrag­te Fach­kräf­te im Aus­land

Auch im Aus­land sucht Vol­bracht nach hier gefrag­tem Fach­per­so­nal. „Wir sind viel auf inter­na­tio­na­len Job­mes­sen unter­wegs und bewer­ben dort den Ber­li­ner Arbeits­markt, und über unser Job-Por­tal ver­su­chen wir, viel Reich­wei­te außer­halb Ber­lins zu erzeu­gen, ins­be­son­de­re durch eng­lisch­spra­chi­ge Pos­tings über die Soci­al-Media-Kanä­le – unser wich­tigs­tes Instru­ment sind aber die Job-Recruit­ment-Kam­pa­gnen, bei denen wir in Abspra­che mit den teil­neh­men­den Unter­neh­men über Per­so­nal­dienst­leis­ter gezielt auf Län­der zuge­hen, in denen die gesuch­ten Talen­te zu fin­den sind.“ Allein im Rah­men des Busi­ness Immi­gra­ti­on Ser­vices – einem Zusam­men­schluss aller für Visa- und Auf­ent­halts­recht rele­van­ten Akteu­re aus Wirt­schaft und Ver­wal­tung, dem auch die IHK Ber­lin ange­hört – hat Vol­brachts Team im ver­gan­ge­nen Jahr über 300 Unter­neh­men gehol­fen und dabei 581 Fäl­le bear­bei­tet. „Ins­ge­samt hat Ber­lin Part­ner 2019 bei der Schaf­fung von 8.936 Arbeits­plät­zen unter­stützt.“

Nach­wuchs aus den Uni­ver­si­tä­ten

In der Haupt­stadt stu­die­ren 176.000 Nach­wuchs­kräf­te, jähr­lich kom­men 30.000 Absol­ven­ten neu auf den Arbeits­markt – eine Ziel­grup­pe, die Vol­bracht natür­lich im Auge haben muss. Um dort poten­zi­el­le Kan­di­da­ten zu iden­ti­fi­zie­ren und zu ver­mit­teln, hat er enge Bezie­hun­gen zu den Care­er Ser­vices der Ber­li­ner Uni­ver­si­tä­ten geknüpft. „Das Ange­bot hier ist ein­zig­ar­tig groß, sodass man­che Unter­neh­men den Über­blick ver­lie­ren, wel­che Stu­di­en­gän­ge es gibt, wel­che Kom­pe­ten­zen die Stu­die­ren­den haben und wo Schnitt­men­gen vor­han­den sind – zum Bei­spiel ein Stu­di­en­gang wie Design & Com­pu­ta­ti­on an der Uni­ver­si­tät der Küns­te.“

Bei der Suche nach Fach­per­so­nal kann der Ber­lin-Part­ner-Bereich Talent Ser­vices auch auf ein weit­ver­zweig­tes Netz­werk von fast 100 Per­so­nal­dienst­leis­tern und Rekru­tie­rungs­part­nern, ein­schließ­lich Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men, zurück­grei­fen. „Das Ange­bot ist rie­sig“, schwärmt Burk­hard Vol­bracht, „von der Agen­tur für Arbeit über welt­weit ope­rie­ren­de Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men bis hin zu Spe­zia­lis­ten für Games-Ent­wick­ler aus Süd­ko­rea.“

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