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Schwer­punkt

Platz für neue Hidden Champions

In Zeiten von Hightech-Fertigung gewinnt der Industriestandort Berlin verlorenes Terrain zurück. Chancen haben Newcomer und Etablierte – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
von Eli Hamacher Ausgabe 12/2019

Lange Zeit zog es das verarbeitende Gewerbe aufs Land. Jetzt geht die Industrie zurück in die Metropolen
Lange Zeit zog es das verarbeitende Gewerbe aufs Land. Jetzt geht die Industrie zurück in die Metropolen. Foto: Getty Images/Smartboy 10
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  • Innovative Hightech-Projekte schaffen neue Möglichkeiten für Industrie in Berlin.
  • Auch namhafte Player werden vom Potenzial der Hauptstadt angezogen.

Vorm Ein­gang eines unschein­ba­ren Gebäu­des an der Rudo­wer Chaus­see zeigt ein Lage­plan, dass die Stand­ort­ent­wick­ler im Süd­os­ten der Stadt Erstaun­li­ches geleis­tet haben. Auf 420 Hekt­ar errich­te­ten sie am Wis­sen­schafts- und Wirt­schafts­stand­ort Adlers­hof (Wis­ta) sechs Tech­no­lo­gie- und Grün­der­zen­tren mit mehr als 500 High­tech-Schmie­den. Bis zur Wen­de saßen hier For­schungs­in­sti­tu­te der DDR-Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, das Fern­se­hen der DDR und der VEB Kühl­au­to­mat. Heu­te trägt Deutsch­lands größ­ter Tech­no­lo­gie­park dazu bei, dass sich die Haupt­stadt dank enger Ver­zah­nung von Wirt­schaft und anwend­ba­rer For­schung von Hum­boldt-Uni und außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen als zuneh­mend attrak­ti­ver Indus­trie­stand­ort posi­tio­nie­ren kann.

Allein 90 Welt­markt­füh­rer tüf­teln auf Spe­zi­al­ge­bie­ten an Pro­duk­ten, um die Pro­ble­me von mor­gen zu lösen: Sie bau­en Welt­raum­sa­tel­li­ten, intel­li­gen­te, mit Smart­pho­ne ansteu­er­ba­re Stra­ßen­be­leuch­tun­gen oder ent­wi­ckeln Tech­no­lo­gi­en, um Was­ser­stoff zu erzeu­gen. Ins­ge­samt 1.150 Unter­neh­men mit mehr als 20.000 Mit­ar­bei­tern haben sich inzwi­schen auf dem gesam­ten Are­al nie­der­ge­las­sen. „Die Unter­neh­men pla­nen lang­fris­tig, wach­sen über­durch­schnitt­lich, schaf­fen Arbeits­plät­ze, und ihre Insol­venz­quo­te ist mit zwei Pro­zent sen­sa­tio­nell nied­rig“, unter­streicht Dr. Peter Strunk von der Wis­ta Manage­ment GmbH.

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Hat­te sich die Indus­trie nach dem Zwei­ten Welt­krieg zuguns­ten weni­ger dicht bevöl­ker­ter Regio­nen aus den Städ­ten zurück­ge­zo­gen, rücken die heu­te als Stand­or­te wie­der in den Fokus. „In Metro­po­len wer­den deut­lich mehr indus­tri­el­le Betrie­be gegrün­det als in ande­ren Regio­nen Deutsch­lands“, sagt Prof. Dr. Mar­tin Gor­nig, For­schungs­di­rek­tor Indus­trie­po­li­tik am Deut­schen Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW). Beson­ders attrak­tiv sei­en dabei Ber­lin und Mün­chen. „Die Nähe zu For­schungs­ein­rich­tun­gen und zur Kund­schaft gewinnt in Zei­ten des digi­ta­len Wan­dels an Bedeu­tung“, unter­streicht der Wis­sen­schaft­ler, der in einer Ende 2018 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die nach­ge­wie­sen hat, dass zwi­schen 2012 und 2016 in Groß­städ­ten und Metro­pol­re­gio­nen in Rela­ti­on zur Zahl der Beschäf­tig­ten im ver­ar­bei­ten­den Gewer­be rund 40 Pro­zent mehr Indus­trie­be­trie­be gegrün­det wur­den als im übri­gen Land (sie­he Inter­view S. 29).

Real­la­bor der Ener­gie- und Mobi­li­täts­wen­de

Wie sich ein Zukunfts­ort für indus­tri­el­le Inno­va­tio­nen mit­ten in der Stadt erfolg­reich posi­tio­niert, das macht die Euref AG seit 2008 vor. Rund um den Gaso­me­ter in Schö­ne­berg ver­sam­melt das inha­ber­ge­führ­te Unter­neh­men von Rein­hard Mül­ler auf dem Euref-Cam­pus rund 150 Unter­neh­men mit 3.500 Mit­ar­bei­tern, die sich in einer Art „Real­la­bor“ der Ener­gie- und Mobi­li­täts­wen­de wid­men. Dar­un­ter fin­den sich Start-ups, Welt­kon­zer­ne, Hid­den Cham­pi­ons, die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät mit vier Mas­ter­stu­di­en­gän­gen, Ver­bän­de und das Mer­ca­tor Rese­arch Insti­tu­te on Glo­bal Com­mons and Cli­ma­te Chan­ge. 2020 bezieht zudem die Gasag mit 1.000 Beschäf­tig­ten ihre neue Unter­neh­mens­zen­tra­le am his­to­ri­schen Stand­ort. 2021 folgt die NBB Netz­ge­sell­schaft Ber­lin-Bran­den­burg mit 450 Mit­ar­bei­tern. „Die Idee eines Ener­gie­clus­ters hat hier per­fekt funk­tio­niert“, fin­det Euref-Vor­stands­mit­glied Karin Teich­mann. „Das ist wie 365 Tage Han­no­ver Mes­se.“

Der Euref-Cam­pus zieht wei­te­re nam­haf­te Play­er an: Unmit­tel­bar benach­bart am Bahn­hof Süd­kreuz wer­den sich die Ener­gie­ver­sor­ger Vat­ten­fall und Engie nie­der­las­sen. „Für unse­ren 5,5 Hekt­ar gro­ßen Cam­pus haben wir eine War­te­lis­te“, so Teich­mann. Als wich­tigs­te Erfolgs­kri­te­ri­en nennt sie eine the­ma­ti­sche Fokus­sie­rung, eine Mischung aus eta­blier­ten Unter­neh­men, Grün­dern sowie For­schung und Ent­wick­lung, erschwing­li­che Mie­ten und ein attrak­ti­ves Umfeld. Auf dem Cam­pus kön­nen die Mit­ar­bei­ter in fünf Restau­rants essen und im Fit­ness­stu­dio oder auf dem Vol­ley­ball­feld abschal­ten. „Kan­ti­nen sind nicht erlaubt. Die Leu­te sol­len sich ver­net­zen – beim Essen, bei Ver­an­stal­tun­gen und gemein­sa­men For­schungs­pro­jek­ten“, unter­streicht Teich­mann.

BU / Alt-Text 2017 wechselte Karin Teichmann vom Wirtschaftsförderer Berlin Partner zur Euref AG. Seit knapp einem Jahr sitzt sie im Vorstand des Unternehmens mit 70 Mitarbeitern
2017 wech­sel­te Karin Teich­mann vom Wirt­schafts­för­de­rer Ber­lin Part­ner zur Euref AG. Seit knapp einem Jahr sitzt sie im Vor­stand des Unter­neh­mens mit 70 Mit­ar­bei­tern. Foto: Euref AG/Andreas Schwarz

Elf Jah­re nach dem Start expor­tiert die Euref AG jetzt erst­mals ihr erfolg­rei­ches Pro­jekt. Anfang Okto­ber unter­zeich­ne­te Euref-Chef Mül­ler einen Ver­trag für einen zwei­ten Cam­pus mit einer Gesamt­flä­che von 40.000 Qua­drat­me­tern in der Nähe des Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fens. 

In Adlers­hof ist noch Platz für neue Ide­en

Wäh­rend der Euref-Cam­pus in Ber­lin aus­ge­bucht ist, haben die Adlers­ho­fer noch Spiel. 60 von 420 Hekt­ar sind noch frei, hin­zu kommt ein angren­zen­des 45 Hekt­ar gro­ßes Are­al auf dem 1998 geschlos­se­nen Ver­schie­be­bahn­hof Schö­ne­wei­de – genug Platz für New­co­mer aus Tech­no­lo­gie­fel­dern wie Pho­to­nik und Optik, erneu­er­ba­re Ener­gi­en, Mikro­sys­te­me, IT, Medi­en und Bio­tech­no­lo­gie. „Die Zukunfts­or­te sind jeweils auf bestimm­te Tech­no­lo­gie­fel­der spe­zia­li­siert“, sagt Wis­ta-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef Strunk, des­sen Unter­neh­men im Auf­trag des Senats sicher­stel­len soll, dass sich die Stand­or­te unter­ein­an­der ver­net­zen und koope­rie­ren. Auf Wunsch des Bezirks Mar­zahn-Hel­lers­dorf soll die Wis­ta jetzt zudem den 90 Hekt­ar gro­ßen Clean Tech Busi­ness Park als einen Stand­ort für Unter­neh­men etwa aus den Berei­chen umwelt­freund­li­che Ener­gi­en, nach­hal­ti­ge Was­ser­wirt­schaft und Grü­ne Che­mie ver­mark­ten. In Dah­lem schließ­lich errich­tet die Wis­ta von 2020 an unweit der Frei­en Uni­ver­si­tät das Tech­no­lo­gie- und Grün­dungs­zen­trum Fubic auf dem Gelän­de eines ehe­ma­li­gen US-Mili­tär­kran­ken­hau­ses. Auf dem fünf Hekt­ar gro­ßen Are­al will man sich unter ande­rem auf Medi­zin­tech­nik und Life Scie­nes kon­zen­trie­ren. Vor zu gro­ßem Opti­mis­mus warnt das DIW aller­dings auch. „Von einer wah­ren Renais­sance der Stadt als Indus­trie­stand­ort oder Indus­trie als neu­em Wachs­tums­mo­tor für die Städ­te kann aber noch nicht die Rede sein“, sagt Mar­tin Gor­nig, „Dafür müs­sen ers­tens aus neu gegrün­de­ten Betrie­ben schnell wach­sen­de Unter­neh­men wer­den, zwei­tens müs­sen die bestehen­den Indus­trie­un­ter­neh­men in den Städ­ten die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on erfolg­reich meis­tern.“ Wie die­se dafür gewapp­net sind, haben Gor­nig und Ralf Löcke­ner von Sustain Con­sult am Bei­spiel Ber­lin unter­sucht.

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass es in Ber­lin bei den Indus­trie­be­trie­ben einen gro­ßen Anpas­sungs­be­darf gibt. Zwar spielt bei 74 Pro­zent der Befrag­ten das The­ma „Indus­trie 4.0“ im Unter­neh­men eine Rol­le, aber 47 Pro­zent sagen, es man­ge­le an exter­ner Unter­stüt­zung, um die Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern. „Ins­be­son­de­re vie­len klei­nen und mitt­le­ren Indus­trie­un­ter­neh­men gelingt es bis­her zu wenig, sich das inno­va­ti­ons­för­dern­de Umfeld Ber­lins zunut­ze zu machen“, so Löcke­ner.

Beim welt­weit größ­ten Auf­zug­her­stel­ler, der ame­ri­ka­ni­schen Otis, fin­det ein Teil der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on in Ber­lin statt, wo bereits seit 1910 die deut­sche Unter­neh­mens­zen­tra­le sitzt. Aktu­ell wer­den hier die Steue­rungs­ele­men­te für Auf­zug- anla­gen pro­du­ziert. „Unser Geschäft wird aber immer digi­ta­ler, vie­le Auf­ga­ben und Tech­no­lo­gi­en ver­la­gern sich in die Berei­che Ser­vice, War­tung und Data Ana­ly­tics“, sagt Julia Exner, Mit­glied der Geschäfts­lei­tung und Direk­to­rin Digi­tal Busi­ness Deve­lop­ment & Com­mu­ni­ca­ti­on bei der Otis GmbH & Co. OHG. „So ent­wi­ckeln wir in Ber­lin unter ande­rem cloud­ba­sier­te Lösun­gen für das Inter­net der Din­ge. Die­se opti­mie­ren die Per­so­nen­be­för­de­rung in den Städ­ten und Gebäu­den der Zukunft, gestal­ten den Betrieb und die War­tung von Auf­zugs­an­la­gen effi­zi­en­ter und nach­hal­ti­ger.“ In Ber­lin ent­wi­ckelt das Unter­neh­men auch Smart­pho­ne-Apps und mobi­le Anwen­dun­gen für Ser­vice­tech­ni­ker und Mecha­ni­ker. Zu den jüngs­ten Ent­wick­lun­gen gehört eine Online-Anwen­dung, mit der etwa Archi­tek­ten und Gene­ral­un­ter­neh­mer bereits in der Pla­nungs­pha­se mit nur weni­gen Klicks auf Zeich­nun­gen, Spe­zi­fi­ka­tio­nen und Kabi­nen-Designs zugrei­fen kön­nen.

Cedrik Neike ist Vorstandsmitglied der Siemens AG
Cedrik Nei­ke ist Vor­stands­mit­glied der Sie­mens AG. Als ers­ter Vor­stand seit 1945 hat Cedrik Nei­ke sei­nen Haupt­sitz in Ber­lin und ver­ant­wor­tet von hier aus als CEO den Bereich Smar­te Infra­struk­tur und das Indi­en-Geschäft. Foto: Sie­mens AG

Sor­gen berei­ten vie­len Unter­neh­men unter­des­sen die knap­pen und oft­mals nicht bezahl­ba­ren Flä­chen. Knapp 4.000 im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Unter­neh­men hät­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren den Wirt­schafts­stand­ort Ber­lin ver­las­sen, jedes vier­te Rich­tung Bran­den­burg, heißt es in der IHK-Ver­öf­fent­li­chung „Ber­li­ner Wirt­schaft in Zah­len“ (2018). „Ber­lin punk­tet zwar wei­ter­hin mit einer hohen Lebens­qua­li­tät, einer guten Anbin­dung und dem Image ,Made in Ber­lin‘. Gleich­zei­tig füh­ren die gestie­ge­nen Stand­ort­kos­ten dazu, dass die Haupt­stadt ihre Wett­be­werbs­vor­tei­le gegen­über ande­ren Groß­städ­ten ein­büßt.“ Bemän­gelt wer­den vor allem Prei­se bzw. Mie­ten für Gewer­be­flä­chen und Immo­bi­li­en sowie feh­len­de bzw. unge­eig­ne­te Gewer­be­flä­chen.

Ande­re haben sich davon nicht abschre­cken las­sen und der Haupt­stadt die Treue gehal­ten, unter ihnen mit­tel­stän­di­sche Pro­du­zen­ten wie die Ber­li­ner Glas Grup­pe in Britz, die erst 2018 mehr als 30 Mio. Euro am Stand­ort inves­tier­te, unter ande­rem um Flä­chen zu erwei­tern. Nach einem über­durch­schnitt­li­chen Wachs­tum von gut 25 Pro­zent beschäf­tig­te das Unter­neh­men, das zu den welt­weit füh­ren­den Anbie­tern opti­scher Schlüs­sel­kom­po­nen­ten, Bau­grup­pen und Sys­te­me sowie hoch­wer­tig ver­edel­ter tech­ni­scher Glä­ser zählt, Ende 2018 knapp 900 Mit­ar­bei­ter und schuf im lau­fen­den Jahr wei­te­re Stel­len. Oder die inha­ber­ge­führ­te India-Dreu­si­cke Ber­lin, die unlängst elf Mio. Euro in ein neu­es Gebäu­de im Gewer­be­ge­biet Mot­zener Stra­ße inves­tiert.

Knap­pe, teu­re Flä­chen in der Haupt­stadt

Piz­za- und Pas­ta-Spe­zia­list Frei­ber­ger hin­ge­gen erwei­tert die Pro­duk­ti­on anders­wo, in Sach­sen-Anhalt zum Bei­spiel. Ber­lin sei ver­gleichs­wei­se teu­er und das Ange­bot an Flä­chen begrenzt, so Geschäfts­füh­rer Hans-Det­lev Schulz. Auch Ingo Bengs, Geschäfts­füh­rer der Alois Dall­mayr Kaf­fee Ber­lin GmbH & Co. KG in Neu­kölln, die mit rund 60 Mit­ar­bei­tern 50.000 Ton­nen Kaf­fee jähr­lich pro­du­ziert, wür­de gern das Werk moder­ni­sie­ren und erwei­tern, um eine drit­te Schicht zu star­ten. „Wir haben aber nicht die Flä­che, und ein Umzug wäre zu auf­wen­dig“, sagt Bengs.

Ange­sichts knap­per Grund­stü­cke sind Flä­chen­ent­wick­ler in der Stadt hoch­will­kom­men. Vor einem Jahr hat­te Sie­mens bekannt­ge­ge­ben, in Ber­lin, dem mit 11.500 Mit­ar­bei­tern welt­weit größ­ten Pro­duk­ti­ons­stand­ort des Tech­no­lo­gie­kon­zerns, 600 Mio. Euro in einen Zukunfts­cam­pus inves­tie­ren zu wol­len – die größ­te Ein­zel- inves­ti­ti­on seit Jahr­zehn­ten. Laut Sie­mens-Vor­stand Cedrik Nei­ke will der Kon­zern mit dem Sie­mens­stadt-Vor­ha­ben kurz-, mit­tel- und lang­fris­tig die Zukunft des Wirt­schafts- und Indus­trie­stand­or­tes Ber­lin sichern. Wie schon vor über 120 Jah­ren, als die ers­te Sie­mens­stadt ent­stand. „Ein ein­zi­ges Unter­neh­men ist nicht in der Lage, zukünf­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung allein zu lösen. Mit der neu­en Sie­mens­stadt schaf­fen wir eine offe­ne Inno­va­ti­ons­platt­form, in der wir gemein­sam mit Part­nern weg­wei­sen­de Lösun­gen und Dienst­leis­tun­gen ent­wi­ckeln.“.

Ent­ste­hen soll an dem neben Euref ein­zi­gen pri­vat geführ­ten Zukunfts­ort ein ver­netz­tes Öko­sys­tem mit Arbei­ten, For­schen, Woh­nen und Leben auf einem 70 Hekt­ar gro­ßen Are­al, unter ande­rem mit 200.000 Qua­drat­me­tern Wohn­flä­che, davon 60.000 Qua­drat­me­ter für sozia­len Woh­nungs­bau. Den Wor­ten sol­len schnell Taten fol­gen. Noch bis Janu­ar 2020 läuft ein im Juli gestar­te­ter städ­te­bau­li­cher Wett­be­werb für die Sie­mens­stadt 2.0, an dem sich 18 Archi­tek­tur­bü­ros betei­li­gen. Ein Jahr spä­ter soll der Bau in einem modu­la­ren Sys­tem star­ten, dazu wer­den bei lau­fen­dem Betrieb Gebäu­de erneu­ert und Flä­chen ver­dich­tet. Von 2030 an dreht sich dann alles um Zukunfts­tech­no­lo­gi­en wie dezen­tra­le Ener­gie­sys­te­me, Elek­tro­mo­bi­li­tät, Indus­trie 4.0 oder das Inter­net der Din­ge. Um die Nach­bar­schaft in die Pla­nun­gen ein­zu­be­zie­hen, star­te­te der 1847 in Ber­lin gegrün­de­te Kon­zern im Som­mer einen Bür­ger­dia­log. Ängs­ten, dass etwa infol­ge von Gen­tri­fi­zie­rung Mie­ten stei­gen könn­ten, will man recht­zei­tig ent­ge­gen­wir­ken.

Philipp Bouteiller ist Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH
Phil­ipp Bou­teil­ler ist Geschäfts­füh­rer der Tegel Pro­jekt GmbH. Im Som­mer 2021 soll der Start­schuss für die „Urban Tech Repu­blic“ auf dem Gelän­de des Air­ports Tegel fal­len. Es wird das größ­te zusam­men­hän­gen­de Ber­li­ner Indus­trie- und Gewer­be­ge­biet im Nord­wes­ten der Stadt. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Als Grün­de für den Stand­ort hat­te Nei­ke bei der Bekannt­ga­be der Mega-Inves­ti­ti­on die Dyna­mik, den Erfin­der­geist, die For­schungs­land­schaft und die schnel­le Poli­tik genannt. Ein sol­ches Lob für die Senats­ver­wal­tung hört man in Ber­lin nicht all­zu oft. Letzt­lich hat es die Ent­schei­dung für die Haupt­stadt beein­flusst. „Vor­aus­set­zung für die Stand­ort­ent­schei­dung war auch, dass der Cam­pus mit dem 5G-Netz ver­bun­den wird und eine schnel­le Anbin­dung an den künf­ti­gen Flug­ha­fen BER bekommt, und zwar am bes­ten in 40 Minu­ten. Bei­de The­men bewe­gen sich klar nach vorn“, zeigt sich Nei­ke opti­mis­tisch.

Reich­lich Platz in Tegel

Nur weni­ge Kilo­me­ter von Sie­mens­stadt ent­fernt wird die „Ber­lin TXL – The Urban Tech Repu­blic“ ent­ste­hen. Auch in Tegel hier setzt man auf die „Ber­li­ner Mischung“ aus Woh­nen, Arbei­ten und For­schen und hat dafür mit 500 Hekt­ar reich­lich Platz. Ein hal­bes Jahr nach Air­port-Schlie­ßung will der Geschäfts­füh­rer der Tegel Pro­jekt GmbH, Prof. Dr. Phil­ipp Bou­teil­ler, das neue Indus­trie­are­al rund um die The­men Ener­gie, Mobi­li­tät, Kreis­lauf­wirt­schaft, Was­ser, Mate­ri­al­for­schung und IKT mit künst­li­cher Intel­li­genz und Robo­tik gestal­ten – alle­samt „inno­va­ti­ve urba­ne Tech­no­lo­gi­en, die die Stadt zum Funk­tio­nie­ren brin­gen“.

Doch solan­ge der Pro­jekt­ent­wick­ler nicht aufs Grund­stück kommt, bleibt es bei Absichts­er­klä­run­gen und Inter­es­sen­be­kun­dun­gen poten­zi­el­ler Mie­ter. „Erst mit der Eröff­nung des BER wer­den wir mit Unter­neh­men zu ver­bind­li­chen Ver­ab­re­dun­gen kom­men kön­nen“, sagt Bou­teil­ler, der ange­sichts knap­per Gewer­be- und Indus­trie­flä­chen aber kei­nen Zwei­fel an einer hohen Nach­fra­ge hat. „Für natio­na­le und inter­na­tio­na­le Kon­zer­ne wird das zen­tral gele­ge­ne Are­al mit sei­ner Nähe zur Bun­des­re­gie­rung und den vie­len jun­gen Talen­ten der Stadt sehr attrak­tiv sein. Aber auch pro­spe­rie­ren­den Ber­li­ner Unter­neh­men, die in der Stadt kei­ne geeig­ne­ten Flä­chen mehr fin­den, kann hier eine Zukunft gebo­ten wer­den.“

Um künf­tig Wett­be­werb unter den Zukunfts­or­ten zu ver­mei­den, wird eine kla­re Pro­fi­lie­rung umso wich­ti­ger. Damit nicht genug. „Ber­lin ver­mark­tet sich als Ort für Inno­va­tio­nen und Zukunfts­fä­hig­keit – die Flä­chen- und Ver­ga­be­po­li­tik oder die Leis­tungs­fä­hig­keit der digi­ta­len In- fra­struk­tur wer­den die­sem Anspruch jedoch in vie­len Fäl­len nicht gerecht“, kri­ti­siert IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm. Bei einem Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück der IHK hat­te die Juris­tin zudem den Ein­druck vie­ler Unter­neh­mer wie­der­ge­ge­ben, wonach Tei­le der Poli­tik die Wirt­schaft nicht als Part­ner begrif­fen, son­dern als „not­wen­di­ges Übel“. Kramm: „Uns berich­ten Unter­neh­mer, dass sie lie­ber in Bran­den­burg oder ande­ren Tei­len Deutsch­lands inves­tie­ren, weil sie das Kli­ma in Ber­lin als wirt­schafts­feind­lich emp­fin­den.“ Die elf Zukunfts­or­te in der Haupt­stadt sol­len dem ent­ge­gen­wir­ken.


Unternehmens-Profile

Euref AG

Inno­va­ti­ons­cam­pus

70

Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt das Unter­neh­men.
Stand 12/2019

3.500

Men­schen arbei­ten ins­ge­samt auf dem Euref-Cam­pus.
Stand 12/2019

Sie­mens AG

Tech­no­lo­gie­kon­zern

1847

wur­de Sie­mens gegrün­det.
Stand 12/2019

125

Stand­or­te hat Sie­mens allein in Deutsch­land.
Stand 12/2019

Tegel Pro­jekt GmbH

Lan­des­ei­ge­nes Pro­jekt­un­ter­neh­men

36

Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt die Tegel Pro­jekt GmbH.
Stand 12/2019

2021

soll die „Urban Tech Repu­blic“ auf dem Gelän­de von Tegel star­ten.
Stand 12/2019

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