Das Magazin der IHK Berlin

Schwer­punkt

Made in Berlin zählt

Unternehmen aus der Hauptstadt exportieren Waren und Ideen in alle Welt. Damit sie den Unwägbarkeiten internationaler Handelsbeziehungen erfolgreich trotzen können, brauchen sie zu Hause gesicherte Rahmenbedingungen.
von Gabriele Brähler Ausgabe 04/2019

Motorräder, andere Kraftfahrzeuge und auch Fahrzeugteile gehören seit Langem zu Berlins erfolgreichsten Exportgütern
Motorräder, andere Kraftfahrzeuge und auch Fahrzeugteile gehören seit Langem zu Berlins erfolgreichsten Exportgütern. Foto: Getty Images/CSA Images
Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Exportstandort Berlin: Was außer Pharmaprodukten und Fahrzeugen noch von hier kommt.
  • Wie der Brexit Unternehmen verunsichefrt und dazu zwingt, ihre Lieferketten zu prüfen.
  • Warum die Exportwirtschaft der Hauptstadt die Unterstützung der Politik braucht.

Chi­nas schwä­cheln­de Wirt­schaft, der Han­dels­streit mit den USA, Reform­stau in der Euro­päi­schen Uni­on und nicht zuletzt das lan­ge Wirr­warr um den Bre­x­it – für export­ori­en­tier­te Unter­neh­men sind die Zei­ten nicht ein­fach. Jüngs­te Kon­junk­tur­um­fra­gen zei­gen, dass die welt­wei­te Unsi­cher­heit auch an der Haupt­stadt nicht vor­bei­geht. Gera­de auch äuße­re Fak­to­ren sor­gen nach Jah­ren dyna­mi­schen Wachs­tums aktu­ell in Ber­lin für eine Kon­junk­tur­del­le.

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Im ver­gan­ge­nen Jahr lag der Gesamt­wert der Ber­li­ner Aus­fuh­ren nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes bei 14,4 Mrd. Euro, im Ver­gleich zu 2017 bedeu­te­te das einen Rück­gang um 2,7 Pro­zent. In Ber­lin sind tra­di­tio­nell vie­le Hid­den Cham­pi­ons inter­na­tio­nal auf­ge­stellt, die in ihren Bran­chen nicht sel­ten sogar Markt­füh­rer sind. Zu den wich­tigs­ten Export­gü­tern der Haupt­stadt zäh­len neben Kraft­fahr­zeu­gen und Kraft­fahr­zeug­tei­len vor allem Maschi­nen und phar­ma­zeu­ti­sche Pro­duk­te. An der Spit­ze der wich­tigs­ten Absatz­märk­te für Ber­li­ner Pro­duk­te ste­hen die USA, Chi­na, Frank­reich, Ita­li­en, die Nie­der­lan­de, Polen, die Schweiz, Öster­reich und Spa­ni­en. Zwi­schen­drin, auf Platz sechs der Sta­tis­tik von 2018, fin­det sich Groß­bri­tan­ni­en. Die Expor­te ins Ver­ei­nig­te König­reich hat­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­de Ten­denz. So erreich­ten die aus­ge­führ­ten Waren 2017 einen Wert von 647 Mio. Euro, 2018 klet­ter­te er auf 706 Mio. Euro.

Die Lim­mer Laser GmbH koope­riert seit ihrer Grün­dung auf ver­schie­de­nen Ebe­nen mit bri­ti­schen Part­nern. Das Unter­neh­men ent­wi­ckelt und pro­du­ziert am Stand­ort Ber­lin medi­zi­ni­sche Laser­ge­rä­te für Anwen­dun­gen in der Der­ma­to­lo­gie, HNO, Gynä­ko­lo­gie und wei­te­ren Berei­chen. Nach­dem die Ent­schei­dung zum Bre­x­it 2016 gefal­len war, fuhr das Unter­neh­men sei­ne Initia­ti­ven auf dem bri­ti­schen Markt her­un­ter. „Wir haben schon immer mit Groß­bri­tan­ni­en eng zusam­men­ge­ar­bei­tet“, sagt Björn-Fre­de­ric Lim­mer, Mana­ging Direc­tor Sales & Pro­duct. „Man­che spe­zia­li­sier­ten Jus­ta­ge- oder Optik-Ele­men­te wer­den welt­weit nur von weni­gen Her­stel­lern ange­bo­ten. So kom­men eini­ge wich­ti­ge Opti­ken für Strahl­fo­kus­sie­rung aus Groß­bri­tan­ni­en. Mit der Ankün­di­gung des Bre­xits muss­ten wir unse­re Lie­fer­ket­te aber noch ein­mal im Detail prü­fen und von Fall zu Fall auch Alter­na­ti­ven iden­ti­fi­zie­ren.“

Ser­vice

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Beim har­ten Bre­x­it dro­hen Hin­der­nis­se

Zuver­läs­si­ge Lie­fe­ran­ten sind für das Unter­neh­men extrem wich­tig. „Der Bereich Medi­zin­tech­nik ist ein stark regu­lier­tes Feld. Gear­bei­tet wird nach fest­ge­leg­ten Nor­men. Wir kön­nen nicht von heu­te auf mor­gen ande­re Bau­tei­le ver­wen­den“, betont Lim­mer. Ins­ge­samt sieht er sich bestä­tigt in sei­ner Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie: „Wir wol­len maxi­ma­le Kon­trol­le über Qua­li­tät und Fähig­kei­ten unse­rer Laser­ge­rä­te. Des­halb pro­du­zie­ren wir bewusst ‚Made in Ber­lin‘ und suchen auch unse­re Lie­fe­ran­ten gezielt in Ber­lin und Bran­den­burg.“

Mit der Ankün­di­gung des Bre­xits muss­ten wir unse­re Lie­fer­ket­te noch mal im Detail prü­fen.
- Björn-Fre­de­ric Lim­mer, Lim­mer Laser GmbH

Bei einem gege­be­nen­falls har­ten Aus­stieg Groß­bri­tan­ni­ens aus der Euro­päi­schen Uni­on ist mit mas­si­ven Hin­der­nis­sen zu rech­nen. „Mehr Büro­kra­tie, Ver­zö­ge­run­gen durch län­ge­re War­te­zei­ten an der Gren­ze oder auch Zöl­le sind Fak­to­ren, die mit in die Preis­ge­stal­tung ein­flie­ßen“, sagt der Unter­neh­mer. Völ­lig offen ist bei­spiels­wei­se, ob nach dem Bre­x­it in Groß­bri­tan­ni­en ande­re Nor­men gel­ten. Lim­mer: „In der EU gibt es ein kla­res, umfas­sen­des Regel­werk. Soll­te das nicht mehr gül­tig sein, wür­de Groß­bri­tan­ni­en für uns an Inter­es­se ver­lie­ren. Es ren­tiert sich nicht, ein Pro­dukt für einen ein­zel­nen Markt anzu­pas­sen.“

Björn-Frederic Limmer ist Managing Director bei der Limmer Laser GmbH
Björn-Fre­de­ric Lim­mer ist Mana­ging Direc­tor bei der Lim­mer Laser GmbH. Foto: WISTA Manage­ment GmbH/Tina Mer­kau

Wie sehr die Bezie­hun­gen des Ver­ei­nig­ten König­reichs zum übri­gen Euro­pa bereits nach­ge­las­sen haben, konn­te das Team von Lim­mer Laser auf der jüngs­ten Medi­zin-Mes­se Medi­ca in Düs­sel­dorf fest­stel­len. „Die Prä­senz von Unter­neh­men aus Groß­bri­tan­ni­en war gleich null“, erin­nert sich Lim­mer. „Kon­tak­te auf Mes­sen sind immer ein Indi­ka­tor für das Inter­es­se an gemein­sa­men Pro­jek­ten.“

IHK setzt auf Wett­be­werbs­fä­hig­keit

Um offen­siv die inter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit Ber­lins zu ver­bes­sern, hat die IHK Ber­lin gemein­sam mit den Wirt­schafts­för­de­rern des Senats und von Ber­lin Part­ner ein umfang­rei­ches Maß­nah­men­pa­ket ent­wi­ckelt. Dabei ste­hen vier Pre­mi­um­märk­te im Zen­trum der Inter­na­tio­na­li­sie­rungs­stra­te­gie: Chi­na, Polen, das Ver­ei­nig­te König­reich und die USA. Mit dem Ziel, Ber­li­ner Unter­neh­men im inter­na­tio­na­len Geschäft nach vor­ne zu brin­gen, Arbeits­plät­ze zu sichern und neue zu schaf­fen, sol­len durch die Akti­vi­tä­ten auf zukunfts­träch­ti­gen Märk­ten Chan­cen aus­ge­lo­tet und Inves­ti­ti­ons­po­ten­zia­le erschlos­sen wer­den.

Eine ver­stärk­te Prä­senz auf Mes­sen, Wirt­schafts­rei­sen und Ver­an­stal­tun­gen wie Län­der­ta­gen gehö­ren zu dem Maß­nah­men­bün­del, außer­dem die Ein­rich­tung von regel­mä­ßi­gen Arbeits­krei­sen zu den Top-4-Ziel­märk­ten und der Auf­bau neu­er Ber­li­ner Wirt­schafts­re­prä­sen­tan­zen. „Nach vie­len guten Jah­ren mit immer neu­en Rekord­wer­ten waren die Ber­li­ner Aus­fuh­ren im Jahr 2018 leicht rück­läu­fig. Gleich­wohl sind die Ber­li­ner Fir­men wei­ter­hin erfolg­reich im Aus­lands­ge­schäft und haben erneut die 14-Mil­li­ar­den-Mar­ke beim Export geknackt. Der Senat soll­te die­se Ent­wick­lun­gen als Warn­zei­chen sehen, um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Ber­li­ner Wirt­schaft wei­ter zu stär­ken“, sagt Jochen Brück­mann, Bereichs­lei­ter Stadt­ent­wick­lung & Inter­na­tio­na­le Märk­te der IHK Ber­lin.

Aus­tausch mit Polen erlebt Boom

Einen wah­ren Boom erlebt der Wirt­schafts­aus­tausch zwi­schen Ber­lin und Polen. „Das der­zeit rasan­te Wirt­schafts­wachs­tum Polens dank star­ker Inlands­nach­fra­ge und öffent­li­cher Inves­ti­tio­nen in Ver­bin­dung mit der über­ra­gend guten Abschöp­fung der EU-För­der­mit­tel erhöht die Attrak­ti­vi­tät Polens als einem der tra­di­tio­nell wich­tigs­ten Han­dels­part­ner der Ber­li­ner Wirt­schaft“, so Brück­mann. „Auch wenn wir 2018 rück­läu­fi­ge Export­zah­len ver­zeich­nen, haben die Ber­li­ner Impor­te gegen­über dem Vor­jahr um etwa acht Pro­zent zuge­legt. Polen ist und und bleibt über­ra­gend wich­tig. Die IHK Ber­lin lenkt nicht zuletzt in der Feder­füh­rung des Ber­li­ner Arbeits­krei­ses Polen die zukünf­ti­ge Inter­na­tio­na­li­sie­rungs­stra­te­gie gegen­über unse­rem Nach­bar­markt ent­schei­dend mit.“ Hier will man ins­be­son­de­re Men­schen und Pro­jek­te ver­net­zen sowie Brü­cken für einen zukunfts­ge­rich­te­ten, bila­te­ra­len Tech­no­lo­gie­trans­fer schla­gen.

Auch wenn wir 2018 rück­läu­fi­ge Export­zah­len ver­zeich­nen: Polen ist und bleibt über­ra­gend wich­tig.
- Jochen Brück­mann, IHK Ber­lin

Eines der viel­ver­spre­chen­den Pro­jek­te ist das im Sep­tem­ber 2012 gestar­te­te Netz­werk „Phoe­nix“ (Pho­to­nics and Optoelec­tro­nics Net­work), geför­dert vom Ber­li­ner Senat im Pro­gramm für Inter­na­tio­na­li­sie­rung. „Ziel ist es, den For­schungs- und Ent­wick­lungs­be­reich im Bereich der Optik und Pho­to­nik mit dem Nach­bar­land aus­zu­lo­ten, neue Ver­bin­dun­gen auf­zu­bau­en und Koope­ra­tio­nen gezielt zu stär­ken“, sagt Koor­di­na­tor Dr. Frank Lerch von der Ver­ei­ni­gung OpTecBB. „Mit dem Netz­werk wol­len wir Akteu­re auf bei­den Sei­ten zusam­men­brin­gen und klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men den Zugang zu For­schungs­in­fra­struk­tur, kom­ple­men­tä­ren Tech­no­lo­gi­en und Fach­kräf­ten erleich­tern.“ „Phoenix“-Netzwerkpartner auf Ber­li­ner Sei­te sind neben OpTecBB das Fraun­ho­fer Hein­rich-Hertz-Insti­tut und Ber­lin Part­ner. Auf pol­ni­scher Sei­te ist der Fach­ver­band Pho­to­nics Socie­ty of Poland dabei.

Nach einem eher ver­hal­te­nen Start in der ers­ten Run­de nahm Phoe­nix in der zwei­ten Run­de mit sechs betei­lig­ten Kon­sor­ti­en und in der drit­ten mit acht Kon­sor­ti­en immer mehr an Tem­po auf. Je Kon­sor­ti­um sind jeweils drei oder vier Part­ner­un­ter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen am Start. Aktu­ell läuft der Call für die vier­te Run­de.

Mit „Phoe­nix+“ wird seit 2017 das erfolg­rei­che Modell zur Inter­na­tio­na­li­sie­rung von For­schungs- und Ent­wick­lungs­be­zie­hun­gen um die drei Ziel­re­gio­nen Japan, USA und Bra­si­li­en erwei­tert. „Japan ist ein inter­es­san­ter, aber auch schwie­ri­ger Markt“, sagt Ger­rit Röss­ler, Clus­ter­ma­na­ger bei Ber­lin Part­ner GmbH. „Um dort Geschäfts­ko­ope­ra­tio­nen auf­zu­bau­en, braucht man einen lan­gen Atem.“ Kon­tak­te anbah­nen, Bezie­hun­gen pfle­gen und Markt­chan­cen ent­wi­ckeln – dar­um geht es auch bei den Initia­ti­ven in den USA mit Fokus auf Kali­for­ni­en. Die USA sind nach wie vor einer der wich­tigs­ten Export­märk­te für Pho­to­nik aus Deutsch­land, und im Sili­con Val­ley ent­ste­hen die Tech­no­lo­gi­en von mor­gen – nicht nur in der Halb­lei­ter­tech­nik oder Soft­ware­ent­wick­lung, son­dern auch in der Pho­to­nik und Sen­so­rik, also in den Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen für Digi­ta­li­sie­rung, Indus­trie 4.0 oder Inter­net of Things.

Ber­li­ner Wirt­schafts­ver­tre­tung in Peking

Chi­na beleg­te 2018 mit 924 Mio. Euro den zwei­ten Platz auf der Lis­te wich­ti­ger Export­län­der Ber­lins. Um Unter­neh­men bei der Erschlie­ßung des schnell wach­sen­den Zukunfts­mark­tes zu unter­stüt­zen, eröff­ne­te Wirt­schafts­se­na­to­rin Ramo­na Pop im ver­gan­ge­nen Jahr die Ber­li­ner Wirt­schafts­ver­tre­tung in Peking – beglei­tet von hoch­ran­gi­gen Wirt­schafts­ver­tre­tern, dar­un­ter auch IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm. Infor­ma­tio­nen, Kon­tak­te, das Aus­lo­ten kon­kre­ter Han­dels-, Inves­ti­ti­ons- und Koope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten – das sind eini­ge der Ser­vice­leis­tun­gen der Reprä­sen­tanz.

Zur sechst­größ­ten Volks­wirt­schaft der Welt auf­ge­stie­gen ist Indi­en – das damit immer mehr in den Fokus deut­scher Unter­neh­men rückt. Einen Ein­stieg wie aus dem Bil­der­buch in die­sen Wachs­tums­markt hat die mit­tel­stän­di­sche Fir­ma Harbau­er GmbH Ber­lin bereits Ende der 1990er-Jah­re hin­ge­legt. Das seit 1986 bestehen­de Unter­neh­men hat­te gro­ße Erfah­run­gen im Bereich Alt­was­ser­sa­nie­rung und woll­te neue außer­eu­ro­päi­sche Absatz­märk­te erschlie­ßen.

Durch gute Ver­bin­dun­gen kam ein Kon­takt nach Kal­kut­ta zustan­de. Dort ist arsen­be­las­te­tes Grund­was­ser ein gro­ßes Pro­blem. „Die Arsen-Ver­gif­tung des Grund­was­sers hat eine natür­li­che Ursa­che. Die Gebirgs­ket­te süd­lich des Hima­la­jas, die von Iran, über Indi­en bis nach Myan­mar reicht, ver­fügt über arsen­hal­ti­ge Sedi­men­te, die das Was­ser ent­spre­chend belas­ten“, erklärt Axel Bernstorff, Pro­ku­rist der Fir­ma. „Betrof­fen von der Ver­seu­chung sind etwa 65 Mil­lio­nen Men­schen im gesam­ten Gan­ges-Del­ta. Ver­schie­de­ne Krebs­ar­ten sind die Fol­ge.“

Axel Bernstorff ist Prokurist der Harbauer GmbH
Axel Bernstorff ist Pro­ku­rist der Harbau­er GmbH. Foto: Ricar­da Spie­gel

Bei der Suche nach neu­en Märk­ten sei man in der größ­ten Mas­sen­ver­gif­tung der Geschich­te, so eine Ein­schät­zung der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on, gelan­det. Harbau­er brach­te gro­ße Erfah­run­gen in der Auf­be­rei­tung von kon­ta­mi­nier­tem Grund­was­ser mit, bei dem als Rand­the­ma auch Arsen­be­las­tung eine Rol­le spielt. Ein gra­nu­lier­tes Eisen­hy­dro­xid, ent­wi­ckelt von einem Harbau­er-Part­ner­un­ter­neh­men in Zusam­men­ar­beit mit der TU Ber­lin, macht arsen­be­las­te­tes Was­ser trink­bar. 2002 kam ein Kon­takt zur dama­li­gen Gesell­schaft für Tech­ni­sche Zusam­men­ar­beit zustan­de. Die Orga­ni­sa­ti­on such­te deut­sche Unter­neh­men, die eine Lösung für das Pro­blem auf­zei­gen konn­ten. „Die­ses über fünf Jah­re lau­fen­de Pro­jekt“, so Axel Bernstorff, „hat uns vie­le Türen, unter ande­rem zu Regie­rungs­be­hör­den, geöff­net. In Indi­en gab es ein Pro­blem, und wir hat­ten die Lösung dafür.“

In Indi­en gab es ein Pro­blem, und wir hat­ten die Lösung dafür. Ein Pro­jekt hat uns vie­le Türen, unter ande­rem zu Regie­rungs­be­hör­den, geöff­net.
- Axel Bernstorff, Harbau­er GmbH Ber­lin

Heu­te betreibt Harbau­er lan­des­weit über 1.700 Anla­gen zur Arsen-Ent­gif­tung, in denen Inder einen Liter sau­be­res Was­ser für zwei Rupi­en erwer­ben kön­nen. Im Super­markt kos­tet die glei­che Men­ge 30 Rupi­en. In mehr als 20 mobi­len Labo­ren ana­ly­sie­ren Mit­ar­bei­ter von Harbau­er Was­ser­pro­ben direkt an Brun­nen. Gesun­des und kos­ten­güns­ti­ges Was­ser bei weni­ger Plas­tik­müll – die Vor­tei­le des Ver­fah­rens könn­ten dem Unter­neh­men bald wei­te­re Auf­ga­ben im Gan­ges-Del­ta besche­ren.

Im- und Export sind mit hohem büro­kra­ti­schem Auf­wand ver­bun­den. Dafür, dass alles vor­schrifts­mä­ßig abläuft, ist bei Zalan­do SE Golo Hen­se­ler ver­ant­wort­lich. „Jedes Pro­dukt muss einer Waren­ta­rif­num­mer zuge­ord­net wer­den. Gefragt wird auf den Zollan­mel­dun­gen bei­spiels­wei­se nach dem Wert der Ware, dem Gewicht, der Grö­ße oder nach Stück­zah­len. Oft muss der Arti­kel beschrie­ben oder das Mate­ri­al defi­niert wer­den“, erläu­tert der Rechts­an­walt. „Die gesam­te Daten­pfle­ge ist sehr auf­wen­dig.“

Je nach Men­ge der aus­ge­führ­ten Waren kön­nen Unter­neh­men Dienst­leis­tun­gen der Deut­schen Post in Anspruch neh­men oder Spe­di­teu­re beauf­tra­gen. „Ab einem bestimm­ten Export­vo­lu­men lohnt sich eine inter­ne Abtei­lung“, erklärt Hen­se­ler. „Wir beschäf­ti­gen hier­für seit 2013 ein spe­zia­li­sier­tes Team und haben eine umfang­rei­che Infra­struk­tur auf­ge­baut.“

Bei den zoll­recht­li­chen For­ma­li­tä­ten könn­ten die Bedürf­nis­se des Online-Han­dels stär­ker berück­sich­tig wer­den.
- Golo Hen­se­ler, Zalan­do SE

Unab­ding­bar ist eine leis­tungs­fä­hi­ge Soft­ware zur Daten­ver­ar­bei­tung. „Wer­den gro­ße Volu­mi­na wie bei uns als Online-Platt­form in Dritt­län­der expor­tiert, müs­sen die län­der­spe­zi­fi­schen Daten auto­ma­tisch gene­riert und auch soft­ware-intern auf Plau­si­bi­li­tät geprüft wer­den“, so Hen­se­ler. Je nach Land und Waren­grup­pen, ob impor­tiert oder expor­tiert wird, fragt der Zoll nach unter­schied­li­chen Daten. Dabei ist ein Schuh nicht gleich ein Schuh. Die Eid­ge­nös­si­sche Zoll­ver­wal­tung der Schweiz unter­schei­det bei­spiels­wei­se nach Gewicht, und leich­te Pumps kön­nen eine ande­re Waren­ta­rif­num­mer haben als schwe­re Berg­schu­he.

Umfang­rei­che Daten für den Zoll

Auch das Bun­des­amt für Sta­tis­tik fragt Daten­sät­ze an, um bei­spiels­wei­se aus den Wer­ten expor­tier­ter Pro­duk­te die Außen­han­dels­sta­tis­tik zu erstel­len. Mach­ten sich frü­her mit jedem Waren­ex­port gan­ze Papier­sta­pel mit auf die Rei­se, geht der Trend heu­te hin zu elek­tro­ni­schen Zollan­mel­dun­gen. „Seit 2016 müs­sen bestimm­te Doku­men­te nicht mehr in Papier­form mit­ge­ge­ben wer­den“, erläu­tert Zalan­do-Exper­te Hen­se­ler. „Die Waren­be­gleit­pa­pie­re wer­den unter einer soge­nann­ten MRN – der  Move­ment Refe­rence Num­ber – für Zoll­be­am­te bereit­ge­stellt. Da aber noch nicht alle Sys­te­me ange­passt sind, hakt es zwi­schen den Mit­glied­staa­ten der EU noch bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on.“

Golo Henseler ist Syndikusrechtsanwalt der Zalando SE
Golo Hen­se­ler ist Syn­di­kus­rechts­an­walt der Zalan­do SE. Foto: Ricar­da Spie­gel

Hen­se­ler küm­mert sich als Rechts­be­ra­ter in der Zen­tral­ab­tei­lung des Unter­neh­mens um alle zoll­recht­li­chen Fra­gen und sorgt dafür, dass aktu­el­le Gesetz­ge­bun­gen im Tages­ge­schäft von Zalan­do umge­setzt wer­den. Um die­se Daten­flut ein­zu­däm­men, hat er einen dring­li­chen Wunsch: „Bei den zoll­recht­li­chen For­ma­li­tä­ten könn­ten die Bedürf­nis­se des Online-Han­dels stär­ker berück­sich­tigt wer­den. Aktu­ell muss noch jeder End­kun­de in den Zoll­erklä­run­gen auf­ge­führt wer­den. Es ist aber ein Unter­schied, ob ein Land­ma­schi­nen­händ­ler ein­mal monat­lich ein Pro­dukt expor­tiert oder ein Online-Händ­ler täg­lich Hun­der­te von Pake­ten ver­sen­det. Bei uns fällt dadurch eine rie­si­ge Daten­men­ge an. Eine ent­spre­chen­de Anpas­sung des Zoll­rechts in die­sem Bereich wür­de die Pro­zes­se maß­geb­lich ver­bes­sern.“


Unternehmens-Profile

Lim­mer Laser GmbH

Medi­zin­tech­nik­un­ter­neh­men

2000

wur­de das Unter­neh­men in Ber­lin gegrün­det.
Stand 04/2019

15

Mit­ar­bei­ter sind heu­te beim Laser-Exper­ten Lim­mer beschäf­tigt.
Stand 04/2019

Harbau­er GmbH

Umwelt­tech­nik­un­ter­neh­men

1986

ging das Unter­neh­men zur Schad­stoff­be­sei­ti­gung an den Start.
Stand 04/2019

90

Mit­ar­bei­ter zählt Harbau­er heu­te, davon etwa die Hälf­te in Ber­lin.
Stand 04/2019

Zalan­do SE

E-Com­mer­ci­al-Unter­neh­men

2008

wur­de die die Online-Shop­ping­platt­form in Ber­lin gegrün­det.
Stand April 2019

15.000

Mit­ar­bei­ter sind heu­te für Zalan­do tätig, der größ­te Stand­ort ist Ber­lin.
Stand April 2019

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