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Schwer­punkt

Virtuell zum Wunschberuf

Die Corona-Pandemie beschleunigt digitale Prozesse rund um die Ausbildung. Kennenlernen und Matching laufen online, Internet und Apps helfen Azubis auch beim Lernen.
von Jens Bartels Ausgabe 09/2020

Jugendliche können heute in Berlin mithilfe der VR-Technologie Ausbildungsplätze bereits vorab kennenlernen
Jugendliche können heute in Berlin mithilfe der VR-Technologie Ausbildungsplätze bereits vorab kennenlernen. Foto: Getty Images/Cavan Images
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  • Durch die Corona-Pandemie musste vieles digitalisiert werden – das steigert aber auch die Attraktivität der Ausbildung für junge Leute.
  • Neue digitale Hilfsmittel helfen sowohl vor, als auch während und am Ende der Ausbildung.

Mit viel Lei­den­schaft wirbt Gabrie­le Schar­ni für eine Aus­bil­dung zum Kauf­mann oder zur Kauf­frau für Ver­si­che­run­gen und Finan­zen. Der Beruf bie­te viel von dem, was sich die Alters­grup­pe der 16- bis 30-Jäh­ri­gen wünscht, ist die Lei­te­rin der Schu­lungs­ab­tei­lung bei der Debe­ka in Ber­lin über­zeugt. „Die Genera­ti­on Z kann als Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler bei uns schnell Ver­ant­wor­tung über­neh­men und gleich­zei­tig eine aus­ge­wo­ge­ne Work-Life-Balan­ce fin­den. Dazu gibt es eine Viel­zahl an Wei­ter­bil­dungs- und Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten.“

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Aller­dings ist es in Zei­ten von Coro­na schwie­rig, jun­gen Men­schen per­sön­lich den Beruf näher­zu­brin­gen. Kar­rie­re­mes­sen oder Bewer­ber­ta­ge sind im ers­ten Halb­jahr 2020 zum gro­ßen Teil aus­ge­fal­len. Auch die Schu­len oder die Jugend­be­rufs­agen­tur stan­den nicht im gewohn­ten Umfang als Mul­ti­pli­ka­to­ren bereit. Die Kon­se­quenz: Trotz ver­schie­de­ner Akti­vi­tä­ten konn­te die Debe­ka in der Haupt­stadt bis­her nicht alle Lehr­stel­len beset­zen. „Neben krea­ti­ven Lösun­gen bei der Akqui­se von Aus­zu­bil­den­den ist jetzt auch ein gewis­ses Maß an Fle­xi­bi­li­tät sowohl auf Unter­neh­mens­sei­te als auch bei Aus­bil­dungs­in­ter­es­sier­ten gefragt“, betont Gabrie­le Schar­ni. „Das bedeu­tet, dass bei uns auch jun­ge Men­schen will­kom­men sind, die sich eigent­lich für einen ande­ren kauf­män­ni­schen Aus­bil­dungs­be­ruf ent­schie­den oder ihren Aus­bil­dungs­platz auf­grund der Kri­se ver­lo­ren haben.“

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Solch ein Enga­ge­ment hilft der Ber­li­ner Wirt­schaft. Denn die der­zei­ti­ge Situa­ti­on stellt alle Betei­lig­ten auf dem Aus­bil­dungs­markt vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Dies zei­gen die Ergeb­nis­se einer Umfra­ge der IHK Ber­lin unter Mit­glieds­un­ter­neh­men zu den Aus­wir­kun­gen von Coro­na auf die Aus­bil­dung. „Zwar bil­den die meis­ten Aus­bil­dungs­be­trie­be auch in der Kri­se wei­ter aus“, erklärt Ste­fan Mathews, Bereichs­lei­ter der IHK Ber­lin im Geschäfts­feld Bil­dung & Beruf. „Aller­dings kön­nen nicht alle Unter­neh­men so vie­le Aus­bil­dungs­plät­ze anbie­ten, wie noch Anfang des Jah­res geplant.“

Gera­de in den Bran­chen, die beson­ders hart von der Coro­na-Pan­de­mie betrof­fen sind, ist die Nach­fra­ge nach Aus­zu­bil­den­den gerin­ger. Dazu gehö­ren die Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie, aber auch Rei­se­un­ter­neh­men und die Mes­se­bau­er wer­den in die­sem Jahr weni­ger aus­bil­den. „Klar muss aber auch sein: Vie­le Betrie­be suchen hän­de­rin­gend nach Aus­zu­bil­den­den“, so Bil­dungs­ex­per­te Mathews. „Des­we­gen ist es zum Start des Aus­bil­dungs­jah­res beson­ders wich­tig, fle­xi­ble Ein­stiegs­mög­lich­kei­ten in das neue Berufs­schul­jahr zu fin­den, prag­ma­ti­sche Lösun­gen zur Bele­bung des Aus­bil­dungs­mark­tes im Ange­bot zu haben und bei der Nach­ver­mitt­lung von Aus­bil­dungs­plät­zen bis weit in den Herbst hin­ein nicht nach­zu­las­sen.“ Dies gilt umso mehr, da es in der jet­zi­gen Situa­ti­on unge­heu­er schwie­rig ist, Jugend­li­che mit bis­lang feh­len­der Aus­bil­dungs­per­spek­ti­ve zu akti­vie­ren.

Gabriele Scharni ist Leiterin der Schulungsabteilung der Debeka Berlin
Gabrie­le Schar­ni ist Lei­te­rin der Schu­lungs­ab­tei­lung der Debe­ka Ber­lin. Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men spricht über digi­ta­le For­ma­te Bewer­ber für Aus­bil­dungs­plät­ze an, die eigent­lich ande­re kauf­män­ni­sche Beru­fe ange­peilt haben. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Bereits den gan­zen Som­mer unter­stützt die IHK Ber­lin sehr inten­siv Aus­bil­dungs­be­trie­be und jun­ge Men­schen auf der Suche nach einem Aus­bil­dungs­platz beim Matching. Dafür hat die Kam­mer die Kam­pa­gne #Zukunft­Aus­bil­dung ins Leben geru­fen. Hin­ter die­sem Schlag­wort ste­hen unter­schied­li­che Ange­bo­te, bei denen der per­sön­li­che Kon­takt erst ein­mal nicht im Vor­der­grund steht, aber Jugend­li­chen den­noch die Chan­ce eröff­net wird, direkt mit Unter­neh­men ins Gespräch zu kom­men.

Zu den For­ma­ten gehört eine erst­mals im August gemein­sam mit der Hand­werks­kam­mer Ber­lin und dem Start-up „talen­te­fin­der“ aus­ge­rich­te­te vir­tu­el­le Aus­bil­dungs­mes­se. Die Idee dahin­ter: In einer im Stil einer Dating-App auf­ge­bau­ten Appli­ka­ti­on sorgt zu Beginn ein gegen­sei­ti­ges Matching für ein effi­zi­en­tes Ken­nen­ler­nen von Azu­bis und Arbeit­ge­bern. „Der aktu­ell größ­te Vor­teil vir­tu­el­ler Recrui­t­in­ge­vents gegen­über phy­si­schen Events ist, dass sie über­haupt durch­führ­bar sind“, erzählt Flo­ri­an Chi­tic, Mit­grün­der von talen­te­fin­der. „Hier besteht also ein Weg, auch trotz Coro­na mit­ein­an­der in Kon­takt zu tre­ten, sich ken­nen­zu­ler­nen und letzt­lich den Wunsch­ar­beit­ge­ber bzw. die neu­en Azu­bis zu fin­den.“

Der aktu­ell größ­te Vor­teil vir­tu­el­ler Recrui­t­in­ge­vents ist, dass sie über­haupt durch­ge­führt wer­den kön­nen.
Flo­ri­an Chi­tic , Co-Foun­­­der talen­te­fin­der

Unab­hän­gig von Coro­na bie­ten digi­ta­le Recrui­t­in­ge­vents aber auch wei­te­re Vor­tei­le. Für ange­hen­de Azu­bis sind dies zum Bei­spiel, sich in einem gewohn­ten Umfeld, näm­lich in der digi­ta­len Welt, zu bewe­gen. So fällt der Erst­kon­takt zum poten­zi­el­len Arbeit­ge­ber häu­fig leich­ter, da das Inter­net durch die Anony­mi­tät einen gewis­sen Schutz bie­tet. „Ein wei­te­rer Plus­punkt, der für bei­de Sei­ten gilt, ist die Mög­lich­keit, unab­hän­gig von geo­gra­fi­scher Ent­fer­nung an ­Recrui­t­in­ge­vents teil­zu­neh­men“, fügt Flo­ri­an Chi­tic hin­zu. „So kön­nen Ber­li­ner Unter­neh­men auch Azu­bis in Mün­chen oder Ham­burg anspre­chen und anders­her­um, ohne Rei­se­zeit und -kos­ten auf sich neh­men zu müs­sen.“ Die­se vir­tu­el­len Matching-For­ma­te wer­den auch bei zukünf­ti­gen Aus­bil­dungs­mes­sen der IHK Ber­lin – zum Bei­spiel bei der jähr­li­chen Nach­ver­mitt­lungs­ak­ti­on im Herbst – ein fes­ter Bestand­teil sein.

Azu­bis im gewohn­ten digi­ta­len Umfeld

Auch das Fein­kost­un­ter­neh­men Lind­ner möch­te ger­ne im Jahr des 70. Jubi­lä­ums alle ange­bo­te­nen Aus­bil­dungs­plät­ze beset­zen. „Covid-19 hat an unse­rem Enga­ge­ment nichts geän­dert: Die Aus­bil­dung genießt bei uns im Fami­li­en­un­ter­neh­men einen hohen Stel­len­wert und Prio­ri­tät“, erklärt Juli­an-Alex­an­der Schie­ke. Nach Über­zeu­gung des Aus­bil­dungs­lei­ters von Lind­ner beschleu­ni­ge die Pan­de­mie zwar den Wan­del im Azu­bi-Recrui­t­ing, und das Unter­neh­men ver­su­che, ver­mehrt über digi­ta­le Ange­bo­te jun­ge Men­schen mit Inter­es­se an einer Aus­bil­dung anzu­spre­chen. „Ent­schei­dend im Mar­ke­ting-Mix blei­ben aus unse­rer Sicht den­noch die per­sön­li­che Anspra­che und der Kon­takt mit poten­zi­el­len Azu­bis, Eltern und Lehr­kräf­ten, etwa durch lang­fris­ti­ge Schul­ko­ope­ra­tio­nen, Betriebs­prak­ti­ka oder Tage der offe­nen Tür.“ Schließ­lich betont er die wich­ti­ge Rol­le der eige­nen Aus­zu­bil­den­den bei der Akqui­se von Azu­bis. „Egal ob online oder off­line: Bei allen Akti­vi­tä­ten, die wir durch­füh­ren, wer­den wir unse­re Azu­bis ein­bin­den, denn sie kön­nen am authen­tischs­ten über die Aus­bil­dung berich­ten und Fra­gen rund um das The­ma beant­wor­ten.“

Robert Greve ist Geschäftsführer von Studio2B
Robert Gre­ve ist Geschäfts­füh­rer von Studio2B. Aus­bil­dungs­be­trie­be und poten­zi­el­le Bewer­ber über moder­ne Tech­no­lo­gie zusam­men­brin­gen: Die­ses Ziel ver­folgt das Start-up mit sei­ner Initia­ti­ve „dein ers­ter Tag“. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

Die Bei­spie­le ver­deut­li­chen, dass auch jetzt die Fra­ge hoch­ak­tu­ell bleibt, wie Unter­neh­men pass­ge­nau jun­ge Men­schen für eine dua­le Aus­bil­dung gewin­nen kön­nen, um die eige­ne Zukunfts­fä­hig­keit zu gewähr­leis­ten. Wesent­lich für den Erfolg ist die Ent­wick­lung einer auf das eige­ne Unter­neh­men zuge­schnit­te­nen Stra­te­gie beim Azu­bi-Mar­ke­ting. Auch für klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men kommt es dar­auf an, die eige­ne Ziel­grup­pe genau zu ken­nen und jun­ge Men­schen mit der rich­ti­gen Anspra­che zu errei­chen. Dabei zei­gen die ver­gan­ge­nen Mona­te einen Trend: In Zei­ten von Fach­kräf­te­man­gel und Kon­takt­be­schrän­kun­gen wächst die Bedeu­tung digi­ta­ler Kanä­le bei der Akqui­se neu­er Aus­zu­bil­den­der. Zu den Klas­si­kern zählt in die­sem Zusam­men­hang die IHK-Lehr­stel­len­bör­se. Sie bringt Jugend­li­che, auch per App, auf der Suche nach einer Aus­bil­dung und Unter­neh­men zusam­men. Aus­bil­dungs­be­trie­be kön­nen bei die­sem Ange­bot übri­gens nun auch selbst Bewer­ber­pro­fi­le sich­ten und die­se kon­tak­tie­ren.

Auch das Ange­bot „dein ers­ter Tag“ eröff­net Aus­bil­dungs­be­trie­ben bei der Gewin­nung von Aus­zu­bil­den­den neue Optio­nen. Das For­mat bie­tet Schü­lern die Mög­lich­keit, Arbeits­plät­ze und Arbeit­ge­ber haut­nah zu erle­ben. „Mit der VR-Bril­le tau­chen sie in die Arbeits­welt ein und erle­ben etwa eine Bau­stel­le von Frisch & Faust, die Aus­bil­dung der Ber­li­ner Poli­zei oder die Waren­lie­fe­rung bei der Dro­ge­rie­ket­te dm am Tau­ent­zi­en“, sagt Robert Gre­ve. Er ist CEO und Grün­der des in Ber­lin ent­wi­ckel­ten Pro­jek­tes. „So ermög­licht ‚dein ers­ter Tag‘ Jugend­li­chen einen authen­ti­schen Ein­blick in ihren zukünf­ti­gen Berufs­all­tag.“ Die Form der vir­tu­el­len Rund­gän­ge gibt den Schü­lern die Chan­ce, vie­le ver­schie­de­ne Ein­drü­cke zu gewin­nen und so eine qua­li­fi­zier­te Ent­schei­dung zu tref­fen. „Damit ver­rin­gern Aus­bil­dungs­be­trie­be letzt­end­lich die Abbruch­quo­te – und ver­hin­dern Frust auf bei­den Sei­ten“, betont Gre­ve.

Ein gutes Bei­spiel, wie digi­ta­le Instru­men­te das Azu­bi-Mar­ke­ting stär­ken, zeigt auch das Ber­li­ner Fami­li­en­un­ter­neh­men LAT. „Wir sind beim ­Recrui­t­ing sehr aktiv, spre­chen unse­re Ziel­grup­pe dabei auf Augen­hö­he an, und zwar auf deren Kanä­len“, erklärt Laris­sa Zeich­hardt. Hier­bei pro­fi­tiert der Betrieb von Part­ner­schaf­ten mit Ber­li­ner Start-ups. „Unter ande­rem neh­men wir über die App Job­Ufo Video­be­wer­bun­gen ent­ge­gen und ver­zich­ten auf das tra­di­tio­nel­le Anschrei­ben“, fügt die Geschäfts­füh­re­rin des Elek­tro­mon­ta­ge­un­ter­neh­mens hin­zu. „Zudem nut­zen wir schon seit eini­ger Zeit Micro­soft Teams für Online-Inter­views, um zu erfah­ren, ob die Bewer­ber digi­tal affin sind.“ Ins­ge­samt läuft nicht nur der Bewer­bungs­pro­zess bei dem Aus­bil­dungs­be­trieb digi­tal.

Neben krea­ti­ven Lösun­gen bei der Akqui­se von Auszu­bil­denden ist jetzt auf allen Sei­ten auch ein gewis­ses Maß an Fle­xi­bi­li­tät gefragt.
Gabrie­le Schar­ni

Anspra­che auf allen Kanä­len

LAT ver­sucht, auch die betrieb­li­che Aus­bil­dung in die­se Rich­tung zu moder­ni­sie­ren. Dafür star­tet das Unter­neh­men etwa gemein­sam mit „sim­ple­club“ Lern­vi­de­os für die Online-Nach­hil­fe bei der Aus­bil­dung. Zu den Inhal­ten der Lern-App zäh­len Grund­la­gen in Mathe­ma­tik, Phy­sik und Che­mie, aber auch Vide­os für die Beru­fe Mecha­tro­ni­ker, Elek­tri­ker und zu berufs­über­grei­fen­den The­men ste­hen nun für Azu­bis bereit. „Mit der Lern-App erhö­hen wir die Qua­li­tät der Aus­bil­dung“, betont Laris­sa Zeich­hardt, „gleich­zei­tig unter­stüt­zen sol­che Pro­jek­te unse­ren Ein­satz für das gemein­sa­me Ziel der Ber­li­ner Wirt­schaft, dass die dua­le Aus­bil­dung wie­der häu­fi­ger eine bewuss­te und attrak­ti­ve Kar­rie­re­ent­schei­dung jun­ger Men­schen wird.“

Berichts­heft wird zur Online-Platt­form

Mitt­ler­wei­le gibt es eine Rei­he digi­ta­ler Bil­dungs­an­ge­bo­te, um jun­ge Men­schen auch wäh­rend der Aus­bil­dungs­zeit auf die zukünf­ti­ge Arbeits­welt opti­mal vor­zu­be­rei­ten. Dazu zäh­len ver­schie­de­ne Tech­no­lo­gi­en, neue Lern­me­tho­den oder für das Ler­nen bestimm­te Online-Ange­bo­te. Damit ist einer­seits die Hard­ware wie etwa Tablets und VR-Bril­len gemeint, ande­rer­seits auch die Soft­ware, also bei­spiels­wei­se Lern­ma­nage­ment­sys­te­me oder Apps. Dar­aus erge­ben sich vie­le neue Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten des Ler­nens, die zeit- und orts­un­ab­hän­gig sind und dadurch selbst­stän­di­ge­res Ler­nen im eige­nen Rhyth­mus sicher­stel­len.

Carsten Schöneich ist Geschäftsführer von Dämmisol
Cars­ten Schöneich ist Geschäfts­füh­rer von Dämmi­sol. Der Bau­stoff­händ­ler aus Fried­richs­hain setzt bei sei­nen Azu­bis auf ergän­zen­de E-Lear­ning-­Pro­gram­me zur Ver­mitt­lung ein­zel­ner Inhal­te. Foto: Chris­ti­an Kiel­mann

So schrei­ben bei­spiels­wei­se die Aus­zu­bil­den­den beim Restau­rant­be­trei­ber AmRest Cof­fee Deutsch­land, Lizenz­neh­mer von Star­bucks in der Bun­des­re­pu­blik, das Berichts­heft digi­tal. Auf der dazu­ge­hö­ri­gen Platt­form besteht zugleich die Mög­lich­keit, Fach­be­rich­te, Bil­der und Arbeits­blät­ter hoch­zu­la­den. Mit einer zusätz­li­chen Quiz­funk­ti­on kön­nen die Lehr­lin­ge das bereits Erlern­te noch ein­mal wie­der­ho­len und ver­tie­fen und dabei jeder­zeit auf ein digi­ta­les Lehr­buch zugrei­fen. Zu dem digi­ta­len Ange­bot zäh­len dar­über hin­aus vir­tu­el­le Trai­nings­work­shops und eine inter­ne Lern­platt­form, bei der sich Inter­es­sier­te durch E-Lear­ning-Pro­gram­me, Lern­vi­de­os oder Schu­lungs­un­ter­la­gen Wis­sen aneig­nen kön­nen. „Da der Ein­satz von digi­ta­len Medi­en bei den jun­gen Leu­ten heut­zu­ta­ge zur Nor­ma­li­tät gehört, muss man sich als Unter­neh­men an die zukünf­ti­gen Genera­tio­nen anpas­sen, um sie auch digi­tal zu errei­chen“, ist Sascha Kohn­ke über­zeugt. „Auch älte­re Genera­tio­nen kön­nen durch die Digi­ta­li­sie­rung nur pro­fi­tie­ren, da sie an die neu­en Tech­ni­ken her­an­ge­führt wer­den“, ergänzt der für die Aus­bil­dung bei AmRest Cof­fee Deutsch­land zustän­di­ge Fach­mann.

Selbst­stän­di­ges E-Lear­ning

Auch der Bau­stoff­händ­ler Dämmi­sol nutzt ein E-Lear­ning-Pro­gramm für ein­zel­ne fach­li­che Inhal­te in der Aus­bil­dung. Nach einer drei­tä­gi­gen Schu­lung wer­den die Aus­zu­bil­den­den für die Bau­stoff­kun­de zum E-Lear­ning frei­ge­schal­tet und arbei­ten dann selbst­stän­dig die Bau­stoff­mo­du­le ab. Im Anschluss wird dazu immer ein Online-Test abge­legt, den der Betrieb kon­trol­liert. „Das ist für uns sehr hilf­reich, da wir zum einen sicher sind, dass sich das Lern­ni­veau regel­mä­ßig und sys­te­ma­tisch ver­bes­sert, und zum ande­ren die Leis­tungs­fä­hig­keit in Test­si­tua­tio­nen geprüft wer­den kann“, sagt Cars­ten Schöneich. Er ist Geschäfts­füh­rer der Dämmi­sol Bau­stof­fe GmbH in Ber­lin. Das E-Lear­ning wird von allen Aus­zu­bil­den­den gut ange­nom­men und par­al­lel zu den Prä­senz-Pro­dukt­schu­lun­gen im Unter­neh­men genutzt. „E-Lear­ning kann aus unse­rer Sicht aber nur sehr ein­ge­schränkt Pro­dukt- und Wis­sens­schu­lun­gen vor Ort erset­zen, auch wenn es sich in der aktu­el­len Situa­ti­on auf­drängt, das E-Lear­ning-Ange­bot zu erwei­tern“, sagt Schöneich. „Anfas­sen, aus­pro­bie­ren, fach­sim­peln und sich aus­tau­schen sowie auch mal links und rechts vom Weg schau­en sind für eine gute Aus­bil­dung ein­fach zu wich­tig.“

Wir hel­fen Aus­­­bil­­dungs- betrie­ben, die Abbruch­quo­te zu ver­rin­gern, und ver­hin­dern Frust auf bei­den Sei­ten.
Robert Gre­ve

Eine bedeu­ten­de Rol­le für eine opti­ma­le Vor­be­rei­tung von Aus­zu­bil­den­den auf die zukünf­ti­ge Arbeits­welt spie­len auch die Berufs­schu­len. „Durch die aktu­el­le Situa­ti­on und den kom­plet­ten Berufs­schul­aus­fall vor den Som­mer­fe­ri­en wür­den wir uns als Fir­ma, aber auch alle unse­re Aus­zu­bil­den­den und natür­lich vor­ne­weg unse­re Aus­bil­der freu­en, wenn die Berufs­schu­len qua­li­ta­tiv guten und regel­mä­ßi­gen Online-Unter­richt anbie­ten wür­den“, erklärt der Geschäfts­füh­rer des Bau­stoff­händ­lers. „Erstaun­lich fin­den wir, dass Ange­bot und Qua­li­tät des Online-Unter­richts von Ober­stu­fen­zen­trum zu Ober­stu­fen­zen­trum extrem unter­schied­lich sind.“

Die Digi­ta­li­sie­rung bie­tet übri­gens nicht nur beim Azu­bi-Recrui­t­ing oder wäh­rend der Aus­bil­dungs­zeit eine Viel­zahl an Chan­cen und Mög­lich­kei­ten. Auch bei der abschlie­ßen­den Prü­fung kann sie ein Plus an Qua­li­tät für Aus­zu­bil­den­de wie für Aus­bil­der dar­stel­len. Dies beweist ein bun­des­weit ein­ma­li­ges Pilot­pro­jekt der IHK Ber­lin, bei der münd­li­che Prü­fun­gen mit Erfolg erst­mals online statt­fan­den, ohne dabei den Prü­fungs­ab­lauf zu ver­än­dern. „Die digi­ta­le Prü­fung ist eine sehr gute Alter­na­ti­ve zur Prä­senz­prü­fung“, fin­det Klaus Scheelk, teil­neh­men­der Prü­fer des neu­en Ange­bo­tes. „Damit kön­nen die Pro­zes­se beschleu­nigt und auch die Res­sour­cen auf­sei­ten der Prü­fer und der IHK opti­miert und geschont wer­den.“

Auch die Prüf­lin­ge des ers­ten Online-Ter­mins zei­gen sich begeis­tert. „Mei­ne Erwar­tun­gen haben sich zu hun­dert Pro­zent erfüllt“, so Valen­tin Kopf, Azu­bi bei dem Ber­li­ner Mit­tel­ständ­ler „moontelecom“. „Ich hof­fe, dass die IHK Ber­lin und auch ande­re prü­fen­de Stel­len die­se Prä­sen­ta­ti­ons­form in Zukunft wei­ter durch­füh­ren wer­den, denn ich kann sie nur allen noch kom­men­den Prü­fungs­teil­neh­mern emp­feh­len.“

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