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Pro & Contra: Ist ein 365-Euro-Ticket die richtige Idee für Berlin?

Nur 365 Euro im Jahr müssten alle Berliner für eine Umweltkarte bezahlen, wenn es nach dem Regierenden Bürgermeister ginge. Damit soll das Umsteigen in Busse und Bahnen erleichtert werden. Zur Finanzierung solle der Bund über hundert Millionen Euro bereitstellen. Aber ist das so überhaupt sinnvoll?
Ausgabe 03/2020

Pro

„Die Stadt wird leiser, leerer, luftiger, lässiger. Die Menschen sparen Stress und Kosten.“
Martha Marisa Wanat, Geschäftsführende Gesellschafterin BICICLI Holding GmbH
Martha Marisa Wanat
Geschäftsführende Gesellschafterin BICICLI Holding GmbH

Gute Ide­en erkennt man an vie­len Gewin­nern – ohne Ver­lie­rer. Beim ÖPNV ist das gege­ben, wenn eine „Ver­hal­tens­wen­de“ für eine Mobi­li­täts­wen­de gelingt. Wer gewinnt? Die Stadt, die lei­ser, lee­rer, luf­ti­ger und läs­si­ger wird. Die Arbeit­ge­ber und Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten, die weni­ger Park­plät­ze benö­ti­gen. Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die Stress und Kos­ten spa­ren und schnel­ler sind. Anrei­ze dafür sind güns­ti­ge­re Ange­bo­te sowie Job­ti­cket und Diens­t­rad vom Arbeit­ge­ber, die steu­er­lich geför­dert wer­den. Wir brau­chen einen elek­tri­fi­zier­ten ÖPNV-Aus­bau, muti­ge New-Work-Arbeits­zeit-Model­le – jen­seits der Rush­hour sowie inter­mo­da­le Mixe zwi­schen ÖPNV, Rad und Auto bis zum S-Bahn-Ring. Und wir brau­chen Refi­nan­zie­rung durch Gebüh­ren­er­hö­hung beim Anwoh­ner­park­aus­weis statt befris­te­ter För­de­run­gen (wie in Bonn).

Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Befürworter sprechen von einer Mobilitätslösung ohne Verlierer
  • Kritiker zweifeln aus Kapazitätsgründen an der Umsetzbarkeit.
Ihre Meinung zählt

Ist ein 365-Euro-Ticket die rich­ti­ge Idee für Ber­lin?

Ist ein 365-Euro-Ticket die richtige Idee für Berlin?
ÖPNV-Jahreskarte für 365 Euro?
ÖPNV-Jahreskarte für 365 Euro? Foto: imago images/Hohlfeld

Contra

„In volle Bahnen passen auch mit Billigtickets nicht mehr Pendler rein.“
Dr. Ilja Irmscher, Geschäftsführender Gesellschafter GIVT mbH
Dr. Ilja Irmscher
Geschäftsführender Gesellschafter GIVT mbH

Es ist unstrit­tig, dass der Ber­lin-Bran­den­bur­ger ÖPNV als Kern­stück des Umwelt­ver­bun­des mit dem Rad- und Fuß­ver­kehr eine ech­te Alter­na­ti­ve zum Pkw ist. Wäh­rend der Auto­ver­kehr sta­gnier­te, haben Bus­se und Bah­nen in den letz­ten 20 Jah­ren rund 50 Pro­zent Fahr­gast­zu­wachs erreicht. Die­ser Trend muss aber nach­hal­tig gestal­tet wer­den. Über­füll­te Bus­se und Bah­nen in den Spit­zen­zei­ten, häu­fi­ge Stö­run­gen an Fahr­zeu­gen und Netz bele­gen den gro­ßen Moder­ni­sie­rungs­be­darf. Bis 2030 wer­den bei BVG und S-Bahn Mil­li­ar­den inves­tiert, und die Tari­fent­gel­te sind exis­ten­zi­ell unver­zicht­bar. Ein 365-Euro-Ticket ist eine tol­le Mar­ke­ting­idee. Aber wer soll das bezah­len? Es macht wenig Sinn, die Ver­kehrs­be­trie­be mit mehr Andrang und weni­ger Geld zu über­for­dern. Denn in vol­le Bah­nen pas­sen auch mit Bil­lig­ti­ckets nicht mehr Pend­ler rein!

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