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Pro & Contra: Sollen Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen?

Die Diskussion um die Sonntagsöffnung begleitet den deutschen Einzelhandel seit Jahren, auch mit Blick auf liberalere Regelungen in Nachbarländern. Neue Aktualität erhält die Debatte durch die Corona-Krise, denn eine flexiblere Handhabung der Ladenöffnung könnte die Schäden besser ausgleichen.
Ausgabe 06/2020

Pro

„Berlin ist im Ausnahmezustand, der rechtfertigt besondere Maßnahmen.“
Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Berlin-Brandenburg
Nils Busch-Petersen
Hauptgeschäftsführer Handelsverband Berlin-Brandenburg

Der Ber­li­ner Ein­zel­han­del hat bis­her etwa 25 Pro­zent der Umsät­ze mit Gäs­ten der Stadt rea­li­siert. Die Tou­ris­ten feh­len, Innen­stadt­la­gen ver­lie­ren bis zu 70 Pro­zent Umsatz. Die Ber­li­ner Kauf­kraft lag immer unter dem Bun­des­durch­schnitt, wird durch Kurz­ar­beit und Arbeits­lo­sig­keit sin­ken. Urba­ni­tät, Viel­falt, über 100.000 Arbeits­plät­ze und Exis­ten­zen im Ein­zel­han­del sind unter alten Bedin­gun­gen nicht zukunfts­si­cher. Wir müs­sen han­deln! Die Stadt ist in einem Aus­nah­me­zu­stand, der recht­fer­tigt beson­de­re Maß­nah­men. Also: freie Wahl der Laden­öff­nung an sie­ben Tagen der Woche! Wer mit sei­nen Mit­ar­bei­ten­den sonn­tags inter­es­sier­ten Kun­den die­nen möch­te, muss es auch dür­fen und ist so für den Wett­be­werb um jeden künf­ti­gen Tou­ris­ten bereit. Auf die­sem Weg kann Han­del Jobs sichern und Abga­ben leis­ten, die wir zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung benö­ti­gen.

Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Viele Einzelhändler wollen sonntags öffnen. Die Folgen der Corona-Krise verstärken den Druck.
  • Kritiker führen unter anderem Gesundheitsaspekte gegen rein wirtschaftliche Argumentationen an.
Ihre Meinung zählt

Sol­len Geschäf­te am Sonn­tag öff­nen dür­fen?

Sollen Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen?
Shoppen soll künftig auch sonntags möglich sein
Shoppen soll auch sonntags möglich sein. Foto: Getty Images/Andreas Rentz

Contra

„Der Sonntag dient der Erholung, dem Gesundheitsschutz und den Familien.“
Frank Wolf, Landesbezirksleiter ver.di Berlin-Brandenburg
Frank Wolf
Landesbezirksleiter ver.di Berlin-Brandenburg

Rund 70 Pro­zent der Beschäf­tig­ten im Ein­zel­han­del sind Frau­en, die Mehr­zahl arbei­tet in Teil­zeit. Die schritt­wei­se Aus­wei­tung der Laden­öff­nungs­zei­ten in den ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­ten hat für vie­le die Arbeits­be­din­gun­gen durch die Arbeit zu ungüns­ti­gen Zei­ten erheb­lich ver­schlech­tert. Durch die nach­las­sen­de Tarif­bin­dung müs­sen sie nicht nur zu ungüns­ti­gen Zei­ten arbei­ten, son­dern erhal­ten viel­fach auch kei­ne tarif­lich ver­ein­bar­ten Zuschlä­ge z. B. für spä­te Abend­stun­den oder Wochen­end­ar­beit. Der Sonn­tag ist der letz­te ver­blie­be­ne gemein­sa­me arbeits­freie Tag der Woche. Er dient der Erho­lung und dem Gesund­heits­schutz, den Fami­li­en, und er ermög­licht die Teil­nah­me am gesell­schaft­li­chen Leben. Nur die Auf­ga­ben, die auch am Sonn­tag uner­läss­lich zu erfül­len sind, dür­fen sonn­tags auch aus­ge­führt wer­den. Das gilt nicht für den Ein­zel­han­del!

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