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Pro & Contra: Wertabhängiges Modell richtig?

Die derzeitige Berechnung der Grundsteuer für Immobilien ist verfassungswidrig. Jetzt werden zwei Modelle diskutiert, ein wertabhängiges und ein wertunabhängiges. Anfang Februar hat das BMF Eckpunkte für einen Kompromissvorschlag veröffentlicht.
Ausgabe 03/2019

Pro

„Die wertbezogene Grundsteuer vermeidet Nachteile für einkommensschwache Mieter und flächenintensive Betriebe.“
Dr. Stefan Bach
Dr. Stefan Bach
Steuerexperte beim DIW Berlin und Mitglied im Ausschuss Steuerpolitik der IHK Berlin

In der Wirt­schaft ist das wertu­n­ab­hän­gi­ge Modell beliebt. Es ist zwei­fel­los die ein­fachs­te Lösung, denn die Grund­stücks- und Gebäu­de­flä­chen las­sen sich leicht fest­stel­len. Nur wird es nicht akzep­tiert, denn damit wür­den Woh­nun­gen in Nobel- und Sze­ne­vier­teln genau­so viel zah­len wie die in Groß­wohn­sied­lun­gen. Bei Betriebs­grund­stü­cken wür­den flä­chen­in­ten­si­ve Betrie­be in Indus­trie, Bau­wirt­schaft, Logis­tik oder Ver­kehr rela­tiv belas­tet, wäh­rend inner­städ­ti­sche Lagen pro­fi­tie­ren. Das von der Finanz­mi­nis­ter­kon­fe­renz wei­ter ver­ein­fach­te wert­ab­hän­gi­ge Modell ist ein guter Kom­pro­miss. Es berück­sich­tigt die Wer­te, ver­mei­det aber zu star­ke Belas­tungs­ver­schie­bun­gen. Bei den Betriebs­grund­stü­cken ist ein stark ver­ein­fach­tes Sach­wert­ver­fah­ren geplant, das mit acht Anga­ben aus­kom­men soll. Ganz ein­fach wird es also nicht.

Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert wie die Grundsteuerreform.
  • Ein Kompromissvorschlag soll helfen – doch wie gut ist er?
Ihre Meinung zählt

Ist das wert­ab­hän­gi­ge Modell zur Reform der Grund­steu­er rich­tig?

Ist das wertabhängige Modell zur Reform der Grundsteuer richtig?
Neubau neben unsaniertem Altbau in Berlin
Foto: DIW, IHK berlin, pa/Wolfram Steinberg

Contra

„Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete sagt nichts über den Wert einer individuell genutzten Wohnung aus.“
Markus Deupmann
Markus Deupmann
Head of Taxes bei ALBA Group und Vorsitzender des Ausschusses Steuerpolitik der IHK Berlin

Der Gesetz­ge­ber macht alles falsch, was man nur falsch machen kann: Die Grund­steu­er ist eine Real­steu­er. Sie finan­ziert die Leis­tun­gen der Gemein­den an ihre Bewoh­ner. Hier ist es irrele­vant, ob eine Woh­nung gol­de­ne Was­ser­häh­ne hat oder nicht! Auch sagt die durch­schnitt­li­che Net­to-Kalt­mie­te nichts über den Wert einer indi­vi­du­ell genutz­ten Woh­nung aus. Seit wann kön­nen Daten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts belast­ba­re Grund­la­gen eines Steu­er­be­schei­des sein? Die Mul­ti­pli­ka­ti­on von Boden­richt­wert und Flä­che, bezo­gen auf die Gebäu­de­art, führt zu einem Zufalls­er­geb­nis, das mit dem tat­säch­li­chen Wert der Immo­bi­lie nichts zu tun hat. Fol­ge­rich­tig­keit geht anders! Die Ver­wal­tung wird nie­mals inner­halb von vier Jah­ren eine bun­des­weit funk­tio­nie­ren­de Steu­er­erklä­rungs­soft­ware zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen.

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