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Pro & Contra: Soll es eine Preisbremse bei Gewerbemieten geben?

Steigende Mieten stellen vor allem kleine Firmen und Geschäfte vor Probleme. Ist eine Preisbremse für Gewerbemieten die Lösung? Zwei Experten beziehen Position.
Ausgabe 01/2019

Pro

Hier wurde nicht nach den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft gestaltet, sondern der Profit maximiert.
Lutz Leichsenring, Mitglied des Vorstands der Club Commission
Lutz Leichsenring
Mitglied des Vorstands der Clubcommission

Die Immo­bi­li­en­bran­che hat ver­sagt. Statt eigen­tü­mer­ge­führ­ter Hand­werks­be­trie­be, Kunst- und Kul­tur­or­te, sozia­ler Ein­rich­tun­gen, bezahl­ba­rer Werk- und Arbeits­räu­me domi­nie­ren Hotel- und Ein­zel­han­dels­ket­ten, hoch­prei­si­ge Büro­flä­chen, Fast­food- und Kaf­fee-Fran­chise­be­trie­be unse­re Innen­städ­te. Hier wur­de nicht nach Bedürf­nis­sen der Stadt­ge­sell­schaft gestal­tet, son­dern der Pro­fit maxi­miert. Und wir schau­en hilf­los zu, wie unse­re Kieze an Charme und Iden­ti­tät ver­lie­ren. Wol­len wir die­se Ent­wick­lung ein­fach wei­ter dem Markt über­las­sen? Stadt­ge­sell­schaft, Betrei­ber klei­ner Gewer­be und Immo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer müs­sen sich wie­der auf Augen­hö­he begeg­nen, um bezahl­ba­ren Raum für Kiez-ver­sor­gen­de Gewer­be zu erhal­ten und zu schaf­fen. Ob eine Preis­brem­se das All­heil­mit­tel ist, bezweif­le ich. Aber in Kom­bi­na­ti­on mit fach­lich-juris­ti­scher Bera­tung für Gewer­be­mie­ter, einem klein­räu­mi­gen Gewer­be­miet­spie­gel und einem GBS (ähn­lich dem WBS) könn­ten wir die Unter­neh­men gezielt stär­ken, die unse­re Kieze berei­chern.

Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Die Mietpreisbremse bei Privatwohnungen ist in Berlin längst Realität.
  • Stark steigende Mieten stellen auch viele Gewerbe vor Herausforderungen.
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Soll es eine Preis­brem­se bei Gewer­be­mie­ten geben?

Soll es eine Preisbremse bei Gewerbemieten geben?
Pro & Contra 01-19
Foto: imago/Seeliger

Contra

Die Gewerbemietpreisbremse löst kein einziges Problem.
Sebastian Blecke, COO Gewerbesiedlungs-Gesellschaft mbH
Sebastian Blecke
COO Gewerbesiedlungs-Gesellschaft mbH

Was in der Woh­nungs­wirt­schaft nicht funk­tio­niert hat, soll jetzt auf Gewer­be­ob­jek­te über­tra­gen wer­den? Und dabei ist „Woh­nen“ ein­fa­cher als „Gewer­be“, denn bei Woh­nun­gen han­delt es sich um ein ziem­lich homo­ge­nes Gut. Gewer­be­flä­chen hin­ge­gen sind an Viel­falt kaum zu über­tref­fen. Der Ber­li­ner kennt noch den Wer­be­spruch: „Von Aal­räu­che­rei­en bis Zylin­der­stif­te“ – das alles ist Gewer­be. Das Ate­lier und die Anwalts­kanz­lei in den glei­chen vier Wän­den zah­len kom­plett unter­schied­li­che Mie­ten. Eine Decke­lung der Miet­prei­se im Ber­li­ner Markt ver­kennt, dass es durch den lang­ersehn­ten Boom in die­ser Stadt nun auch Unter­neh­men gibt, die für ihre kost­ba­ren Mit­ar­bei­ter auch ent­spre­chen­de Mie­ten in der Innen­stadt zah­len. Übri­gens: mit 19 Pro­zent Umsatz­steu­er… Ver­kannt wird aber auch hier wie in der Woh­nungs­wirt­schaft, dass nur ein grö­ße­res Ange­bot preis­sen­kend wirkt. Die Gewer­be­miet­preis­brem­se löst kein ein­zi­ges Pro­blem. Sie will ein sehr kom­ple­xes Sym­ptom bekämp­fen und kann nur schei­tern.

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