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Pro & Contra: Hilft eine City-Maut bei den Berliner Verkehrsproblemen?

Auf Berlins Straßen wird es immer voller. Inzwischen sind 1,2 Mio. Pkw hier zugelassen, Tendenz weiter steigend. Neben der Ausweisung neuer Parkzonen und Tempo-30-Strecken denkt Verkehrssenatorin Regine Günther auch über eine City-Maut für Berlin nach, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen.
Ausgabe 06/2019

Pro

„Durch differenzierte Bepreisung können Personen- und Güterverkehr in der Innenstadt viel effizienter und soziale Lasten gerecht verteilt werden.“
Prof. Andreas Knie, WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH
Prof. Andreas Knie
WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Wir ste­hen an einer Zei­ten­wen­de. Bis­her galt es die Wider­stän­dig­keit des Rau­mes abzu­sen­ken, um Men­schen und Waren unge­hin­dert zu trans­por­tie­ren. Die­ses Ziel ist über­erfüllt. Wir haben zu vie­le Kraft­fahr­zeu­ge in der Stadt mit einem zu hohen Ver­kehrs­auf­wand. Die Lebens­qua­li­tät lei­det, die Pro­spe­ri­tät ist gefähr­det: Zu vie­le Autos bedro­hen den Umsatz im Ein­zel­han­del. Die neue For­mel muss den Raum daher qua­li­fi­zie­ren mit dem Ziel, die Zahl der Fahr­zeu­ge zu redu­zie­ren und den Beset­zungs­grad zu erhö­hen. Eine City-Maut könn­te neue Anrei­ze mit hoher Len­kungs­wir­kung errei­chen: Gro­ße, dre­cki­ge und lee­re Autos zah­len mehr als lei­se, klei­ne mit hoher Beset­zung. Exklu­si­ve Nut­zung wird höher bepreist als Fahr­zeu­ge im Sharing-Modus. Ein­nah­men kön­nen zweck­ge­bun­den ein­ge­setzt, sozia­le Las­ten gerecht ver­teilt wer­den.

Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Zahlreiche Maßnahmen sollen den Berliner Verkehr entzerren – vieles spricht aber auch gegen die City Maut.
  • Befürworter Andreas Knie sieht in einer City-Maut die Chance für mehr Effizienz im Stadtverkehr.
Ihre Meinung zählt

Hilft eine City-Maut bei den Ber­li­ner Ver­kehrs­pro­ble­men?

Hilft eine City-Maut bei den Berliner Verkehrsproblemen?
Ein umstrittenes Thema: Die City-Maut
Ein umstrittenes Thema: Die City-Maut. Foto: pa/dpa

Contra

„Eine City-Maut würde Transporte nur weiter verteuern und Dienstleister, gewerbliche Auftraggeber sowie letztlich die Verbraucher belasten.“
Ulrich Schulz, Richter und Schulz oHG sowie Vorsitzender der Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg
Ulrich Schulz
Richter und Schulz oHG sowie Vorsitzender der Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg

Eine City-Maut für gewerb­lich zuge­las­se­ne Kfz – egal ob Pkw, Lkw oder Bus – ist ledig­lich eine wei­te­re finan­zi­el­le Belas­tung der Wirt­schaft ohne den Ansatz einer tat­säch­li­chen Steue­rungs­funk­ti­on für den Wirt­schafts­ver­kehr! Wer zu betrieb­li­chen Zwe­cken mit Kraft­fahr­zeu­gen unter­wegs ist, hat trif­ti­ge Grün­de und kei­ne Alter­na­ti­ven, las­sen wir mal die Umstei­ge­po­ten­zia­le aufs Las­ten­fahr­rad unbe­rück­sich­tigt: Die kön­nen men­gen­mä­ßig ver­nach­läs­sigt wer­den und betref­fen in ers­ter Linie Gewer­be­trei­ben­de mit Bin­nen­ver­keh­ren inner­halb einer mög­li­chen Maut­zo­ne. Eine City-Maut für gewerb­lich genutz­te Fahr­zeu­ge hat also einen ein­zi­gen Effekt: eine wei­te­re Ver­teue­rung der Trans­port­dienst­leis­tung, die im ers­ten Schritt die Dienst­leis­ter, im zwei­ten die gewerb­li­chen Auf­trag­ge­ber und im drit­ten die Ver­brau­cher belas­tet.

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