Deborah Rothe, Direktorin der ITB Berlin. KI-gestützte Tools, digitale Zahlungs- und Identitätslösungen oder neue Distributionsmodelle würden der Branche helfen, Reisen effizienter, personalisierter und nachhaltiger zu gestalten. Ziel ist es, das Kundenerlebnis zu verbessern durch personalisierte Angebote, KI-gestützte Empfehlungen und automatisierte Services. Digitale Lösungen beschleunigen zudem die Abläufe – vom Hotelbetrieb über Check-in/-out bis zu Zahlungen – und reduzieren operative Komplexität. Schließlich helfen intelligente Datenanalysen Destinationen, Besucherströme zu steuern, Infrastruktur effizient zu nutzen und Nachhaltigkeit messbar zu machen. Was die neuen Technologien für die Branche bringen, erklärt Ellen Madeker, Head of Public Policy Airbnb für die DACH-Region sowie Mittel- und Osteuropa. „Ein zentraler Trend im Smart Tourism ist die digitale Steuerung von Besucherströmen. Daten können dazu beitragen, Nachfrage aus beliebten Hotspots gezielt in äußere Stadtbezirke und in weniger frequentierte, naturnahe und abgelegene Regionen zu lenken“, so Madeker. Zwischen 2019 und 2024 sei die Zahl der Übernachtungen in ländlichen Unterkünften auf Airbnb weltweit um 88 Prozent gestiegen. Derzeit stellt Airbnb in mehr als 50 Städten in Deutschland – darunter auch Berlin – eine kostenlose Datenschnittstelle zur Verfügung. Berliner Bezirke könnten so Überblick über die Inserate auf Airbnb in dem jeweiligen Stadtteil gewinnen. Damit Smart Tourism im großen Maßstab funktionieren könne, sei jedoch eine digitale öffentliche Verwaltung essenziell, sagt Madeker. Auf Airbnb werde Reisen darüber hinaus durch personalisierte Suche, KI-gestützten Support und soziale Funktionen smarter. So können sich seit Herbst 2025 Nutzer schon vor, während und auch nach einem Event – sei es Sightseeing in Berlin, eine Streetfood-Tour oder ein Rundgang mit Profi-Fotografen – vernetzen. Im Vorfeld der Buchung kann man also bereits sehen, welche Gäste dabei sein werden und woher sie kommen. Vorausgesetzt, diese Gäste haben ihr Profil geteilt. Digitale Tools im Berlin-Tourismus Auch für VisitBerlin spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle, um Berlin als zukunftsfähige Tourismusdestination zu positionieren. „Wichtig ist uns dabei, unsere Partnerinnen und Partner aus der Tourismus- und Event-Branche in der Stadt eng einzubinden. Smart Tourism funktioniert nur gemeinsam“, betont Geschäftsführerin Sabine Wendt, die auch Mitglied im Ausschuss „Wachsende und lebendige Stadt“ der IHK Berlin ist. Die Marketing- und Tourismusorganisation nutzt anonymisierte Mobilfunkdaten, um dank der Erkenntnisse über Tagestouristen, Übernachtungsgäste, Pendler sowie Berliner Hotspots potenzielle Überlastungen und Entwicklungspotenziale gezielt zu analysieren und neue digitale Produkte und Services zu entwickeln. Auf der Website unterstützt etwa der KI-Guide „Berlynn“ bei allen Fragen rund um den Besuch in Berlin. Dieser schlägt zum Beispiel Hotels vor oder ein passendes Event für den Abend. Der Berlin Convention Finder bündelt Anbieter im Tagungs- und Kongressbereich – von Hotels über Eventlocations bis hin zu Technik- und Cateringunternehmen – und wurde Anfang des Jahres um eine KI-gestützte Suche ergänzt, die Eventplanenden eine noch effizientere Recherche ermöglicht. Smart bedeutet auch nachhaltig Neben der Digitalisierung wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. „Viele Gäste und Gastgeber in Deutschland möchten bewusster reisen oder vermieten und ihren ökologischen Fußabdruck verringern“, unterstreicht Madeker von Airbnb. Darauf hat sich das Unternehmen mit digitalen Lösungen eingestellt. In Deutschland können Gäste direkt beim Buchen einer Unterkunft auf Airbnb freiwillige Klimaschutzbeiträge leisten. Darüber hinaus unterstützt die Online-Plattform lokale Projekte, die Städte klimaresilienter machen, etwa ein Begrünungsprojekt in Hamburg, sowie Gastgeber beim Wechsel auf Ökostrom, indem der Stromanbieter einen Rabatt von 300 Euro auf die erste Jahresrechnung gewährt. „Auf diese Weise verbindet Airbnb den Wunsch nach nachhaltigerem Reisen mit smarter Infrastruktur und gesellschaftlicher Verantwortung“, so Madeker. Wie nachhaltig viele Berliner Hotels bereits aufgestellt sind, das können Reisende auf der Plattform von VisitBerlin nachlesen. Beim Hotel Berlin etwa stammt die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Ein großer Anteil des genutzten Stroms wird mit einer eigenen Photovoltaikanlage erzeugt. Das Hotel verleiht Fahrräder. Die Gerichte in Speisekarten sind mit jeweiligen Codes versehen, sodass es transparent ist, wie viel CO2 sie verursachen. Zusätzlich arbeitet das Hotel mit einer Lebensmittelreste-KI, die wiegen und erfassen kann, wie viel weggeschmissen wird. Sogar der Frühstückskaffee wird im Hotel Berlin weiterverwertet – aus dem Kaffeesatz entsteht die Upcycling-Seife „Scrubbish“. ■ KI-Schulungen Angebote des Mittelstand-Digital Zentrums für Tourismus unter: t1p.de/smarttravel Nachhaltige Hotels VisitBerlin listet die Eco-Hotels der Hauptstadt unter: t1p.de/ecohotels Deborah Rothe, Direktorin der ITB Berlin Bei Smart Tourism geht es darum, wie digitale Technologien den Tourismus intelligent vernetzen. FOTOS: STOCKSY/MARCOS OSORIO, MESSE BERLIN GMBH Smart Tourism | 57 Berliner Wirtschaft 03 | 2026
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