Links: Die Fabrik in Berlin- Reinickendorf. Oben: Ernst Knackstedt, Leiter des Düsseldorfer Zweigwerks. Unten: Für den Berliner Funkturm wurden 600 Tonnen Stahl verbaut Der Kaufmann Max Hein und der Ingenieur Anton Lehmann taten sich 1877 zusammen, um gemeinsam eine umwälzende Neuerung im Stahlbau zum Geschäft zu machen: die Idee, das bekannte und in der industriellen Revolution vielfach eingesetzte Eisenblech als Wellblech um ein Vielfaches leistungsfähiger auszuführen. Das führte rasch zum Aufstieg des Unternehmens Hein, Lehmann & Co., Kabelname: „Trägerbleche Berlin“. Die Fabrik lag in der Nähe von Berlins erstem Industriegebiet nördlich des Oranienburger Tors an der Chausseestraße 113/Ecke Invalidenstraße. 1885 kam der Bau von Eisenbahnsignalanlagen hinzu, die auf Stahlkonstruktionen angebracht wurden. Während für Signale die Geschäfte auch dank eigener Patente immer besser liefen, zeigte sich bald, dass Wellbleche allein wirtschaftlich nicht tragfähig waren. Deshalb wandte sich das Unternehmen ab 1885 verstärkt dem Eisenhochbau zu. Für das nötige Kapital wurde das Unternehmen 1888 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ein Zweigwerk in Düsseldorf eingerichtet, das unter Generaldirektor Ernst Knackstedt (1900–1930) zur Hauptniederlassung wurde. Es war für die Stahlkonstruktionen, vor allem Brücken und Türme, Reinickendorf für den Signalbau zuständig. In Berlin verlagerte sich das Unternehmen 1897 an die heutige Flottenstraße in Reinickendorf. Die Ingenieure der Turmbauabteilung von Hein, Lehmann & Co. waren in der Branche als kreativ und findig bekannt und sammelten auf Gewerbeausstellungen Goldmedaillen (Düsseldorf 1902, Brüssel 1910). Zu ihren bekanntesten Bauwerken gehört die Rheinbrücke bei Remagen, die 1945 von der US Army intakt erobert werden konnte und den Rheinübergang ermöglichte. Noch bekannter ist allerdings das Bauwerk, das eine Betriebsgemeinschaft mit dem Tempelhofer Mastbauer Steffens & Noelle für die 3. Große Berliner Funkausstellung verwirklichte, nämlich der Funkturm. Er wurde zwischen November 1924 und April 1925 nach Plänen des Architekten Heinrich Straumer errichtet und avancierte mit seinen 600 Tonnen Stahl bald zu einem der Wahrzeichen Berlins. Hein, Lehmann & Co. wurde 1935 regelrecht aus Berlin vertrieben: Das Werksgelände stand Görings Plänen zur Luftrüstung an der Flotten- straße im Weg und musste an die Heinkel Flugzeugwerke abgetreten werden. Der Berliner Gewerbebetrieb wurde am 16. April 1957 abgemeldet und aus dem Handelsregister gelöscht. ■ Hein, Lehmann & Co. entwickelte sich zu einem der kreativsten Stahlbauunternehmen seiner Zeit. Höhepunkt: der Berliner Funkturm von Björn Berghausen (BBWA) Vom Wellblech zum Wahrzeichen Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de BILDER: BBWA Historie | 45 Berliner Wirtschaft 03 | 2026
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