Berliner Wirtschaft März 2026

Viele Mitarbeitende kennen es: Pflichtschulungen zur IT-Sicherheit, bei denen sie Videos durchklicken oder Quizfragen beantworten müssen, um eine Zertifizierung zu bekommen. Oft enden diese E-Learnings ohne nachhaltigen Lernerfolg und mit dem Gedanken: Wird schon nichts passieren. Genau da setzt das Berliner Start-up Revel8 an. Es entwickelt KI-basierte Trainingsmethoden, die Pflichtkurse ersetzen sollen. Dabei steht eine Idee im Mittelpunkt, die an Musikstreaming erinnert: eine persönliche Playlist aus Cyberangriffen für jeden Mitarbeitenden. Das Ziel ist, Menschen in Unternehmen fit zu machen für reale Angriffe. Statt langweiliger E-Learning-Videos oder Compliance-Schulungen bekommen Mitarbeitende über das Jahr verteilt simulierte Angriffe zugespielt, per E-Mail, Telefon oder sogar als Videokonferenz. Fällt der Mitarbeitende darauf rein, folgt eine direkte Erklärung. Die Idee auf Relevanz überprüft Hinter der Idee stecken die beiden Gründer und Co-CEOs Julius Muth und Tom Müller sowie CTO Robert Seilbeck. Im Jahr 2024 gründeten sie Revel8 nach gemeinsamer Zeit beim Softwareunternehmen Celonis. Muth interessiert sich schon länger für Cybercrime-Fälle. „Der Stuxnet-Virus, der die iranische Atomforschung lahmlegte, ist ein Lehrstück in Sachen Cyberangriff“, erzählt er. „Viele Cybercrime-Scams sind sehr intelligent und durchdacht aufgebaut. Das fasziniert mich.“ So klar wie Muths Interesse an Cybercrime war die Idee zu Revel8 anfänglich nicht. Das Team schickte zuvor hundert Anfragen mit verschiedenen Start-up-Ideen an kleine Anwaltskanzleien, Architekturbüros und ähnliche Firmen raus. Die Antwortquote nutzten sie dann, um ihre Idee auf Relevanz zu überprüfen. „Auf unsere ersten Ideen gab es kaum Rückmeldungen, sodass wir sie in die Tonne geworfen haben“, erzählt Julius Muth. Als sie ihre Lösung im Bereich Cybersecurity anboten, zeigten mehrere Unternehmen Interesse, und eine Münchener Kanzlei kaufte eine erste Version. Das System bei Revel8 beruht auf hoch entwickelten KI-Modellen. Sie klonen Stimmen, verstehen Gespräche und reagieren in Echtzeit. So schnell, dass der Mensch kaum merkt, dass es eine Simulation ist. Am Berliner KI-Campus entwickelt das Team gemeinsam mit internationalen Fachleuten seine Modelle weiter und bekommt so selbst anspruchsvolle Deepfake-Szenarien in den Griff. Mittlerweile umfasst das Team knapp 15 feste Mitarbeiter plus Praktikanten. Dieses Jahr soll der Lizenzumsatz eine Mio. Euro übersteigen, im nächsten soll sich der Wert verdreifachen. Das Produkt ist damit längst mehr als eine Idee. Und die Zeiten, in denen Cybersecurity nur Pflichtprogramm war, sind vorbei. Wer lernt, Gefahren früh zu erkennen, ist einen Schritt voraus. Die aktuelle Digitalisierungsumfrage der IHK Berlin zeigt, dass 34 Prozent der Berliner Unternehmen Sicherheitsrisiken als zentrale Hürde der Digitalisierung sehen. Umso wichtiger sind pragmatische Lösungen, die Mitarbeitende im Alltag stärken. Revel8 ist ein Beispiel dafür, wie Berliner KI-Know-how Lösungen für konkrete Mittelstandsprobleme anbietet: weniger Risiko, mehr Resilienz, bessere Abläufe. ■ Julius Muth Co-CEO Revel8 Viele Cybercrime-Scams sind sehr intelligent und durchdacht aufgebaut. Henrik Holst, IHK-Public-Affairs- Manager Digitalpolitik und digitale Infrastruktur Tel.: 030 / 315 10-623 henrik.holst@berlin.ihk.de Revel8-Gründer: Co-CEOs Tom Müller (l.) und Julius Muth (r.) mit CTO Robert Seilbeck ILLUSTRATION: STOCKSY/GIADA CANU; FOTO: REVEL8 Künstliche Intelligenz | 33 Berliner Wirtschaft 03 | 2026

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