Berliner Wirtschaft März 2026

Die Ausbildungsplatzabgabe ist Symbolpolitik auf dem Rücken der Wirtschaft. Wer Fachkräfte sichern will, muss bei den Ursachen ansetzen von Sebastian Stietzel Ideologie schlägt Vernunft Standortnachteile. Ausbildung entsteht nicht durch Zwang, sondern durch funktionierende Rahmenbedingungen. Wer es ernst meint mit der Fachkräftesicherung, muss endlich an die Ursachen ran: marode Schulen, mangelhafte Berufsorientierung, fehlende Sprachförderung, digitale Rückständigkeit und ein Wohnungsmarkt, der Auszubildende aus der Stadt vertreibt. Hier läge die eigentliche Verantwortung des Staates. Die Ausbildungsplatzabgabe ist Symbolpolitik auf dem Rücken der Wirtschaft. Noch ist Zeit, dieses Gesetz zu stoppen. Deshalb mein eindringlicher Appell: Sprechen Sie mit den Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses. Machen Sie Ihre Abgeordneten auf Ihre betriebliche Realität aufmerksam. Machen Sie deutlich: Vernunft ist kein Gesichtsverlust, sondern ein längst überfälliger Kurswechsel. ■ Die geplante Ausbildungsplatzabgabe ist kein Reformschritt, sondern ein politisches Armutszeugnis. Drei unabhängige Gutachten stellen die rechtliche Grundlage des Gesetzes infrage, der Landeshaushalt wird mit mindestens sechs Mio. Euro zusätzlich belastet. Trotzdem hält der Senat unbeirrt daran fest. Evidenz? Fehlanzeige. Wirkung? Nicht belegt. Negativbeispiele? Durchaus vorhanden. Ideologie schlägt Vernunft. Die Abgabe wird verkauft als Allheilmittel für die Ausbildung. In Wahrheit ist sie eine Strafe für Unternehmen, die ohnehin am Limit arbeiten: Fach- und Arbeitskräftemangel, hohe Energiekosten, schwächelnde Konjunktur, weltpolitische Instabilität und eine Bürokratie, die jedes Jahr größer wird. Besonders hart trifft es Start-ups, junge Wachstumsunternehmen und Betriebe mit hohen Lohngruppen, also genau jene Betriebe, die Berlin eigentlich anziehen will. Wer Investoren und Innovation vergraulen möchte, findet in der Abgabe das perfekte Instrument. Geradezu grotesk wirkt das Vorhaben beim Blick auf den Staat selbst. Der Berliner Senat verfehlt seit Jahren seine eigenen Ausbildungsziele und lässt fast 50 Mio. Euro an bereitgestellten Ausbildungsmitteln ungenutzt liegen. Ausgerechnet die Senatsverwaltung für Arbeit ist trauriger Spitzenreiter. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht „mit Strafabgaben werfen“. Statt die eigenen Versäumnisse aufzuarbeiten, greift der Senat zur bequemsten Lösung. Das ist scheinheilig und gefährlich. Denn die Abgabe schafft keinen einzigen zusätzlichen Ausbildungsplatz. Stattdessen schafft sie Meldepflichten, Nachweisführung, Ausnahmen, Kontrollbehörden, Widersprüche, Frust und Noch ist Zeit, dieses Gesetz zu stoppen. Sprechen Sie mit Abgeordneten. Machen Sie sie auf Ihre betriebliche Realität aufmerksam. 50 Mio. Euro bereitgestellter Ausbildungsmittel lässt der Berliner Senat seit Jahren ungenutzt liegen. FOTO: GETTY IMAGES/MIRAGEC Ausbildungsplatzabgabe | 31 Berliner Wirtschaft 03 | 2026

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