Auch der Berliner Startup-Verband hat ein Rechtsgutachten vorgelegt. Die Kanzlei Taylor Wessing kommt darin zu dem Schluss, dass das Gesetz zur Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin in seiner bisherigen Form verfassungswidrig ist. Moniert wird unter anderem, dass der Entwurf auch Unternehmen belastet, die gar keine dualen Ausbildungsplätze anbieten können, etwa Pflegeeinrichtungen oder Kitas, da sie „vollschulisch oder akademisch ausgebildete Fachkräfte“ haben. Zuvor hatte der Verband bereits davor gewarnt, dass die geplante Abgabe fatale wirtschaftliche Folgen für den Berliner Start-up- und Scale-up-Standort haben werde. Bewerbern fehlen Voraussetzungen Wie das Gros der Berliner Unternehmer glaubt Birgit Goldmann nicht, dass eine Abgabe die Situation am Ausbildungsmarkt verbessern würde. „Es gibt ja Ausbildungsplätze in Berlin, aber die passenden Bewerber fehlen“, sagt die Prokuristin der hns Hardware Netzwerke Software GmbH, die aus ihrem Berliner Rechenzentrum Arbeiten in einer privaten Cloud anbietet. Sie beschäftigt 25 Mitarbeitende und bildet aktuell einen Fachinformatiker für Systemintegration aus. „Im Idealfall würden wir vier Stellen besetzen, weil wir gern in jedem Lehrjahr ein Tandem bilden, das sich gegenseitig unterstützt und beflügelt.“ Doch den Bewerbern fehlt es an den geforderten Voraussetzungen. Wünschen würde sich Goldmann auch eine intensivere Unterstützung für das Thema Ausbildung. Die Jugendberufsagentur etwa müsste stärker an den Schulen werben, aber in allen Schulformen, also auch an den Gymnasien. Ein großes ungenutztes Potenzial sieht sie zudem bei den zahlreichen Studienabbrechern, die sich nach einigen Semestern enttäuscht vom Studium abwenden. „Früher gab es Studienaussteigermessen, das war eine gute Plattform.“ Die Prokuristin fragt sich zudem, wie die Abgabe überhaupt gehandhabt werden soll. „Man muss ja erst einmal eine Einziehungsstelle schaffen und aufbauen bis zum 1. Januar 2027. Ob das dann effizient funktioniert, halte ich für sehr unwahrscheinlich.“ Und wenn tatsächlich mehr Ausbildungsplätze geschaffen würden, sei das ja noch kein Garant für eine hohe Qualität der Stellen. Fünf Tourismuskaufleuten wollte Uwe Nickelmann zum 1. Februar eine Ausbildungsstelle anbieten. „Wir haben aber nur drei Plätze besetzen können, obwohl wir 150 Bewerbungen hatten und 50 eingeladen haben“, sagt der Leiter Aus- und Fortbildung bei der Aerticket GmbH, die Full-Service-Lösungen rund um Flug und Bahn für große und kleine Reisebüros sowie für Veranstalter und Portale anbietet. Deutsch, Englisch, Geografie: Wer in diesen Fächern zu große Lücken hat, kann bei dem Mittelständler, der 250 Mitarbeitende in Berlin hat und weltweit Birgit Goldmann Prokuristin hns Hardware Netzwerke Software GmbH Früher gab es Studienaus- steigermessen, das war eine gute Plattform. » FOTO: HNS GMBH Ausbildungsplatzabgabe | 27
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