Statt am Instrument der Strafabgabe festzuhalten, sollten Rahmenbedingungen verbessert werden würden Auszubildende die Lehre einfach abbrechen. Auch Kaplan hat schon die Reißleine gezogen, wenn die Berufsanfänger ständig zu spät kamen, unzuverlässig oder überdurchschnittlich oft krank waren. Als Vorsitzender der Türkisch Deutschen Unternehmervereinigung mit mehr als 250 Mitgliedern weiß Kaplan, dass es vielen in Berlin so geht wie ihm. „Alle suchen händeringend. Gehen Sie mal durch die Stadt, überall hängen Stellengesuche, trotz der nicht gerade guten Konjunktur.“ Laut Aus- und Weiterbildungsumfrage 2025 der IHK Berlin gaben 39 Prozent der befragten Ausbildungsunternehmen an, dass sie angebotene Plätze nicht besetzen konnten. Dass er jetzt auch noch mit einer Ausbildungsplatzabgabe bestraft werden soll, kann Remzi Kaplan nicht nachvollziehen: „Wir würden ja gern Auszubildende beschäftigen. Warum sollen wir dafür bezahlen, wenn wir niemanden finden.“ Der Berliner Senat sieht das anders. Er geht davon aus, dass jedes Jahr mehrere Tausend Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden, weil viele Betriebe nicht ausbilden wollen. Deshalb gilt jetzt: Sollte die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge nach Berufsbildungsgesetz/Handwerksordnung im Zeitraum 2023 bis 2025 nicht um 2.000 steigen, wird eine Ausbildungsplatzabgabe fällig. Dann müssen alle Unternehmen ab einer bestimmten Bruttolohnsumme eine Abgabe bezahlen. Wer ausbildet, soll später eine Rückerstattung bekommen, wie viel, ist unklar. Laut aktuellem Antrag von CDU und SPD liegt die Abgabenlast bei bis zu 0,5 Prozent der gesamten Bruttolohnsumme. Ein Unternehmen mit 100 Beschäftigten und 5.037.286 Euro Bruttolohnsumme müsste danach mit 25.183 Euro in Vorleistung gehen. Nach ersten groben Schätzungen der IHK Berlin könnten – unter der Annahme des maximalen Abgabesatzes – mehr als 400 Mio. Euro in die „Berliner Ausbildungskasse“ fließen. Wie Berlin im Jahr 2025 die Zahl der Ausbildungsplätze steigern konnte, wird voraussichtlich in diesem Monat veröffentlicht. Bekannt ist bereits das Ergebnis der IHK-Mitgliedsunternehmen, die trotz der anhaltenden konjunkturellen und strukturellen Schwäche die Zahl der Auszubildenden zwischen 2023 und 2025 um 573 erhöht haben. Sollte die vom Senat für diesen Zeitraum vorgegebene Zielkennzahl von 2.000 zusätzlichen Ausbildungsverträgen in allen » FOTO: ISTOCKPHOTO/WILDPIXEL Ausbildungsplatzabgabe | 21 Berliner Wirtschaft 03 | 2026
RkJQdWJsaXNoZXIy MzQwNTQxOQ==