Was die Schule von der Kita lernen kann Strukturelle Veränderungen könnten die einzelnen Übergänge in der Bildungskette und in den Beruf ohne Brüche gestalten Das Jahr 2026 wird wichtig für die Berliner Bildungslandschaft. Mit dem Start des Kita-Chancenjahres setzt die Politik endlich dort an, wo Bildungsbiografien beginnen, um Lernlaufbahnen erfolgreich zu machen. Zudem steht die Auswertung des elften Pflichtschuljahres an – ein Instrument, um junge Menschen verlässlich auf Ausbildung, Studium und Beruf vorzubereiten. Beide Vorhaben eint der Wunsch nach mehr Wirksamkeit im Berliner Bildungssystem. Im Fokus stehen damit zwei zentrale Übergänge: der Eintritt in die Schule am Ende der Kita-Zeit und der Übergang ins Berufs– leben nach der Schule. Entscheidend ist, dass Bildungsbereiche hier reibungslos ineinandergreifen. Nur wenn wir Bildung konse- quent als gemeinsame Verantwortung entlang der gesamten Bildungsbiografie denken, können wir Brüche reduzieren und spätere Lern- erfolge gut absichern. Dabei braucht es auch die Offenheit aller Beteiligten, voneinander zu lernen. Für das Schulsystem lohnt ein genauer Blick auf die Kita-Landschaft. Zwar lernen in Berliner Schulen deutlich mehr Kinder, organisatorisch ist der Kita-Bereich jedoch größer: rund dreimal so viele Einrichtungen, getragen von über 1.000 eigenständigen Trägern – viele davon auch IHK-Mitglieder –, mit mehr Beschäftigten als im Schulbereich. Diese Struktur hat sich als Motor für Wettbewerb und praxisnahe Lösungen erwiesen – etwa beim schnellen Ausbau von Kita-Plätzen, der Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften, beim Einsatz digitaler Medien oder in der Zusammenarbeit mit Familien. Viele Innovationen entstehen direkt in den KitaTeams selbst. Der Schulbereich steht vor ganz ähnlichen Aufgaben. Gleichzeitig ist das System stark zentralisiert, mit geteilten Zuständigkeiten und rund 35.000 Lehrkräften in einer Organisation. Steuerung wird komplex, Veränderung langsam. Wo das Kita-System durch Wettbewerb Eigeninitiative und Innovationskraft begünstigt, setzt das Schulsystem häufig auf Regeltreue und Anpassung. Was wäre, wenn sich Schule organisatorisch stärker an der Kita-Landschaft orientieren würde? Mehr Eigenständigkeit, Wettbewerb und Trägervielfalt könnten Verantwortung fördern, Leitung entlasten und Problemlösungen beschleunigen. Wenn es gelänge, Kita und Schule über ein gemeinsames Gesetz ähnlich zu organisieren und enger zusammenzuführen, ließen sich Übergänge ohne Brüche und pädagogisch aus einem Guss gestalten. Es gibt schon fast 200 freie Schulträger in Berlin, doch ein Organisationsmodell auf Augenhöhe mit der Kita-Landschaft fehlt bislang. Gerade jetzt, wo Wirksamkeit und Zukunftsfähigkeit von Bildung neu verhandelt werden, lohnt dieses Gedankenspiel: Vielleicht liegen zentrale Antworten weniger in neuen Programmen als in besseren Strukturen. ■ Meinung In der Kolumne „Auf den Punkt“ positionieren sich im monatlichen Wechsel Mitglieder des Präsidiums zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen aus ihrer persönlichen Sicht. präsidiumsmitglieder beziehen stellung Stefan Spieker ist Geschäftsführer der Fröbel International GmbH und Vizepräsident der IHK Berlin FOTO: IHK BERLIN/AMIN AKHTAR Auf den Punkt | 17 Berliner Wirtschaft 03 | 2026
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