Berliner Wirtschaft März 2026

1 Zu Gast beim IHK-Kongress: Kai Wegner, Regierender Bürgermeister, befürwortet ebenfalls die Expo 2035 in Berlin 2 Die dänische Stadtplanerin Helle Søholt skizzierte die Kernelemente für eine erfolgreiche Metropole 3 Die Initiative „Einfach Bauen Berlin“ stellte Bausenator Christian Gaebler beim Kongress vor Der IHK‑Kongress „Weltmetropole Berlin” Ende Januar machte deutlich, was Berlin jetzt braucht: mehr Umsetzungsstärke, eine gemeinsame Vision, verlässliche Anreize und eine aktive Einbindung der Wirt‑ schaft als Partner. Rund 600 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft diskutierten, wie Prioritäten, bes‑ sere Abstimmungen zwischen Verwaltungsebe‑ nen und entschlossenes, datenbasiertes Handeln Berlin als Innovationsstandort stärken können. Dabei zeigten Impulse aus Kopenhagen, Wien, Paris, Toronto und Singapur, welche Strategien weltweit Stadtentwicklung effizienter und wirt‑ schaftsfreundlicher gestalten. Paris ordnet den öffentlichen Raum anhand politischer Prioritäten neu. Singapur setzt Maßstäbe mit digitalen Pla‑ nungsprozessen, verbindlichen Leistungskenn‑ zahlen und straffem Baustellenmanagement. Toronto zeigt, wie Großveranstaltungen als Stadtentwicklungsbeschleuniger wirken; auch Berlin hätte gute Voraussetzungen für eine Expo 2035. Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit bleibt die bessere Anbindung des Flughafens BER zentral. Beim Tempelhofer Feld sind eine an den Sustainable Development Goals orientierte Pla‑ nung, ein stabiles Konzept, frühe Beteiligung und starke Partnerschaften zentrale Voraussetzun‑ gen für ein Vorzeigequartier. „Städte brauchen Langzeitvisionen, die konsequent fortentwickelt werden, damit Exzellenz systematisch gefördert wird“, betonte Maria Vassilakou, ehemalige Vize‑ bürgermeisterin von Wien. Mobilitätssystem muss besser werden Auch Berlins Mobilitätssystem muss verlässlicher werden. Sharing‑Modelle und On‑Demand‑Ver‑ kehre können einen wichtigen Beitrag zu einem vielfältigen Mobilitätsmix leisten. Entscheidend bleibt jedoch eine bessere Abstimmung zwischen Senat und Bezirken. Derzeit führt der Mangel an Koordination und bezirklichem Fachpersonal zu überlangen Baustellen, unterbrochenen Baupha‑ sen und wirtschaftlichen Schäden – im Extrem- fall zu Insolvenzen. Internationale Beispiele zei‑ gen, dass klare Zuständigkeiten, einheitliche Standards und verbindliche Leistungskennzahlen mit Bonus-Malus-Regeln entscheidende Faktoren sind, um solche Probleme zu vermeiden. Deut‑ lich wurde auch, dass Öffentlich‑private Partner‑ schaften ein wichtiges Instrument sein können. Sie ermöglichen es, digitale Mobilitätsangebote, neue Schnittstellenlösungen und innovative Ser‑ vices schneller und flächendeckend auszurollen. Berlin hat viele gute Ansätze, aber es fehlt an Tempo. Bausenator Christian Gaebler stellte auf dem Kongress die Initiative „Einfach Bauen Berlin“ vor, die Vorgaben reduzieren, Verfahren beschleunigen und Kosten senken soll. Gleich‑ zeitig gewinnt Beschäftigtenwohnen an Bedeu‑ tung: Eine Initiative von IHK Berlin, Berlin Part‑ ner und dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) unterstützt Unternehmen dabei, Wohnraum für Mitarbei‑ tende zu schaffen – wichtig für Fachkräftegewin‑ nung und Standortattraktivität. Digitale Prüfpro‑ zesse, modulare Bauweisen und standardisierte Typenbauweisen können Bauzeiten deutlich ver‑ kürzen. Entscheidend ist ein ressortübergreifen‑ der Aufbruch – mit mehr Mut zur Entscheidung. „Berlin muss auch mehr wollen“ Mehrfach wurde betont: Berlin braucht eine über Legislaturperioden hinaus tragfähige Vision. „Berlin kann mehr, Berlin muss aber auch mehr wollen. Mit Mut und Willen auf Neues kann Ber‑ lin wieder Weltmetropole werden“, so IHK-Prä‑ sident Sebastian Stietzel. Die dänische Urbanistin Helle Søholt benannte fünf Kernelemente erfolg‑ reicher Metropolen: politische Innovationskraft, Leuchtturmprojekte, datenbasierte Entscheidungen, echte Beteiligung und neue Finanzierungs‑ modelle. Eine zentrale Rolle spielen Reallabore wie das IHK-Projekt „100m Zukunft“ (s. S. 18). Auch zeigt Berlins Wirtschaft Innovationsstärke: Start‑ups und etablierte Unternehmen präsentier‑ ten international gefragte Lösungen – von digi‑ taler Planung über urbane Logistik bis zu smar‑ ter Infrastruktur. Als Keynote-Speakerin betonte Helle Søholt: „Lebendige, resiliente Städte brau‑ chen hochwertigen öffentlichen Raum, gutes Wohnen und integrierte Mobilität.“ Der Kongress war der Auftakt zum IHK‑Jah‑ resthema „Internationale Perspektiven für eine Weltmetropole“ – in einem Berliner Wahljahr. Am 24. Juni rückt das Festival der Berliner Wirtschaft internationale Talente und Partnerschaften in den Fokus. Am 2. September bündelt das Zukunfts‑ forum die Ergebnisse und bringt sie in die poli‑ tische Debatte. In der IHK‑Wahlarena treffen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten auf klare Erwartungen: Wie machen sie Berlin internatio‑ nal zukunftsfähig? Es entsteht ein Dreiklang, der 2026 prägen wird: Impulse sammeln, Prioritäten schärfen, Politik in die Verantwortung nehmen. Berlin hat enormes Potenzial – jetzt braucht es Tempo, Mut und eine gemeinsame Vision, damit aus Ideen Fortschritt wird. ■ Ronja Schoenau, IHK-Junior-Public- Affairs-Managerin Energie-, Umwelt- und Klimaschutzpolitik Tel.: 0151 / 17 76 98 35 ronja.schoenau@ berlin.ihk.de Zukunftsbild für Berlin Weitere Informationen auf der IHK-Website unter: ihk.de/berlin/ weltmetropole-berlin FOTOS: IHK BERLIN/KONSTANTIN GASTMANN Kongress | 11 Berliner Wirtschaft 03 | 2026

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